Licata liegt an der Südküste Siziliens, dort wo der Fluss Salso ins Mittelmeer mündet, etwa auf halber Strecke zwischen Agrigent und Gela. Die Stadt gehört zur Provinz Agrigent, zählt rund 34.000 Einwohner und lebt bis heute von ihrem Hafen. Wer die überlaufenen Ziele der Insel meiden will, findet hier eine echte sizilianische Hafenstadt mit langen Sandstränden, einer Altstadt voller Liberty-Fassaden und einer Küche, die weit über die Region hinaus einen Namen hat.
Licata ist kein herausgeputzter Touristenort, sondern eine Arbeitsstadt am Meer. Am Morgen laufen die Fischkutter in den Hafen ein, tagsüber liegt das Leben auf dem Corso Umberto und den Plätzen der Oberstadt, abends füllen sich die Lokale entlang der Uferpromenade. Genau diese Mischung aus funktionierendem Alltag, antiker Vergangenheit und breiten Stränden vor der Haustür macht den Reiz des Ortes aus.
Gegründet wurde die Stadt als Finziade im Jahr 282 vor Christus. Phintias, der Tyrann von Agrigent, hatte das benachbarte Gela zerstört und siedelte dessen Einwohner an dieser Küste neu an. Über die Jahrhunderte wurde Licata zu einem der wichtigsten Häfen der Insel. Im 19. Jahrhundert verschiffte die Stadt sizilianischen Schwefel in ganz Europa und zählte zu den wichtigsten Schwefel-Ausfuhrhäfen Siziliens. Am 10. Juli 1943 gingen hier alliierte Truppen im Rahmen der Operation Husky an Land, der Landung, mit der die Rückeroberung Siziliens begann.
Das Castel Sant'Angelo und der Blick über den Hafen
Das Castel Sant'Angelo thront auf einem Felssporn des Stadtbergs, rund 130 Meter über dem Meer, und beherrscht Hafen, Stadt und die Ebene ringsum. Die Bastion wurde ab 1615 auf einem älteren Wachturm aus den 1580er Jahren errichtet und 1640 vollendet, als Teil der spanischen Küstenbefestigung gegen Piratenüberfälle. Von den Mauern reicht der Blick über den gesamten Golf. Rund um den Berg liegen archäologische Reste aus griechischer und römischer Zeit: Nekropolen, Silos, Zisternen und Straßenzüge, die von der langen Besiedlung des Hügels zeugen. Nur wenige Kilometer westlich erhob sich in der Antike der Monte Ecnomus, in dessen Gewässern 256 vor Christus eine der größten Seeschlachten des Ersten Punischen Krieges tobte.
Corso Umberto und die Liberty-Altstadt
Das historische Zentrum überrascht mit einer für eine Kleinstadt ungewöhnlichen Dichte an Jugendstil-Architektur. Hauptachse ist der Corso Umberto I, an dem sich Palazzi mit verzierten Balkonen und geschwungenen Fassaden aneinanderreihen. Wichtigstes Bauwerk ist das Palazzo di Città, das Rathaus, dessen Entwurf 1904 dem Palermitaner Architekten Ernesto Basile anvertraut wurde, einem der führenden Vertreter des italienischen Liberty. In den Gassen darüber steigt das alte Viertel Montagna den Hang hinauf, eng, steil und ursprünglich. Sehenswert sind außerdem die Chiesa di Santa Maria La Nova aus dem frühen 16. Jahrhundert und der mittelalterliche Karmeliterkomplex mit seiner Kirche. Der zentrale Piazza Progresso mit seinem Uhrturm ist der beste Ausgangspunkt für einen Bummel durch die Oberstadt.
Die Strände: Mollarella, Marina di Licata und Rossello
Das Gemeindegebiet erstreckt sich über rund 20 Kilometer Küste, entsprechend groß ist die Auswahl an Stränden. Der bekannteste ist die Mollarella, ein hufeisenförmiger Sandbogen, der zwischen zwei Felsvorsprüngen liegt und flach ins türkisfarbene, geschützte Wasser abfällt, ideal für Familien. Direkt östlich der Stadt zieht sich die Marina di Licata, ein langer, breiter Sandstrand mit Strandbädern und Bars. Wilder und felsiger geht es an der Rossello-Bucht und bei Torre di Gaffe zu, wo ein alter Küstenturm über der von Macchia bewachsenen Steilküste steht. Der Playa Marianello mit seinen hellen Kreidefelsen, den sogenannten Timpe, ist bei Einheimischen als naturbelassener Abschnitt beliebt. Eine Übersicht weiterer Küstenabschnitte findest du unter den Stränden Siziliens.
Fisch, Sterneküche und die Feste der Stadt
Licata ist ein Fischereihafen, und das schmeckt man. Auf den Tellern landen Rote Garnelen, Schwertfisch, Sardinen und Thunfisch, dazu Pasta mit Sardinen und wilder Fenchel. Überregional berühmt wurde die Stadt durch das Restaurant La Madia von Pino Cuttaia, das seit 2009 zwei Michelin-Sterne trägt und moderne Technik mit klassischen sizilianischen Aromen verbindet. Wer es einfacher mag, isst in den Trattorien am Hafen frischen Fang zu fairen Preisen. Zweimal im Jahr feiert Licata seinen Schutzpatron, den heiligen Angelo: am 5. Mai und rund um Ferragosto Mitte August, jeweils mit Prozessionen, Musik und Feuerwerk über dem Meer.
Ausflüge in die Umgebung
Licata ist ein guter Standort, um die Südküste zu erkunden. Rund 45 Kilometer westlich liegt Agrigent mit dem Tal der Tempel, einer der besterhaltenen antiken Tempelanlagen außerhalb Griechenlands. Auf dem Weg dorthin lohnt ein Halt im Barockstädtchen Palma di Montechiaro, das eng mit dem Roman „Der Leopard" verbunden ist. Gleich hinter Agrigent, an der Küste bei Realmonte, leuchtet die weiße Kreidefelswand Scala dei Turchi. Nach Osten erreichst du in gut einer halben Stunde das antike Gela mit seinem archäologischen Museum. Etwas weiter warten das Bäderstädtchen Sciacca im Westen sowie der spätbarocke Süden um Ragusa.
Anreise und beste Reisezeit
Der nächstgelegene Flughafen ist Comiso (CIY), rund 75 Straßenkilometer und etwa eineinviertel Stunden entfernt. Die meisten Reisenden fliegen jedoch Catania-Fontanarossa (CTA) an, mit rund 125 Kilometern und knapp zwei Stunden Fahrt die Verbindung mit den meisten internationalen Flügen. Palermo (PMO) liegt etwa zweieinhalb Stunden im Nordwesten. Von Wien und Zürich gibt es in der Sommersaison Direktflüge nach Catania und Palermo, ganzjährig kommst du mit einem Umstieg in Rom, Mailand oder München an. Vor Ort ist ein Mietwagen die praktischste Lösung, da die Strände über die ganze Gemeinde verteilt liegen. Wer mit der Bahn reist, erreicht Licata über die Regionalstrecke der Südküste, muss aber lange Fahrzeiten einplanen. Mit dem Auto ist die Stadt über die Küstenstraße SS115 an Agrigent und Gela angebunden. In der Altstadt sind die Gassen eng, parken lässt sich am besten entlang des Hafens und der Uferpromenade, von wo aus du das Zentrum bequem zu Fuß erreichst.
Die beste Reisezeit sind Frühjahr und Herbst. Von April bis Juni und im September bis Oktober ist es warm, das Meer angenehm und die Strände sind nicht überfüllt. Der Hochsommer im Juli und August ist heiß und trocken, dann füllen sich vor allem am Wochenende auch die einheimischen Strände. Der Winter bleibt mild, viele Strandbäder und Lokale haben dann jedoch geschlossen, sodass sich diese Zeit eher für Kultur und ruhige Spaziergänge eignet als fürs Baden.


























