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Lucca: die Stadt hinter der Mauer

Lucca: die Stadt hinter der Mauer Lucca ist eine Provinzhauptstadt im Nordwesten der Toskana, und seine Renaissance-Befestigung läuft als einzige in Italien bis heute geschlossen um die Altstadt. Innen liegt ein dichtes Netz aus Gassen, Kirchen und Plätzen. Wichtig für die Planung: Lucca liegt nicht am Meer. Die Stadt sitzt in der Ebene des Flusses Serchio, rund 20 Kilometer landeinwärts von der tyrrhenischen Küste und etwa genauso weit von Pisa entfernt. Bis zum Strand von Viareggio fährst du gut eine halbe Stunde, nach Norden schließen die Apuanischen Alpen und der Apennin die Ebene ab. Der Grund, nach Lucca zu fahren, ist selten ein einzelnes Bauwerk, sondern die Kombination: eine begehbare Stadtmauer als Park, eine autoarme Altstadt in Fußweite, das Geburtshaus...

Lucca: die Stadt hinter der Mauer

Lucca ist eine Provinzhauptstadt im Nordwesten der Toskana, und seine Renaissance-Befestigung läuft als einzige in Italien bis heute geschlossen um die Altstadt. Innen liegt ein dichtes Netz aus Gassen, Kirchen und Plätzen. Wichtig für die Planung: Lucca liegt nicht am Meer. Die Stadt sitzt in der Ebene des Flusses Serchio, rund 20 Kilometer landeinwärts von der tyrrhenischen Küste und etwa genauso weit von Pisa entfernt. Bis zum Strand von Viareggio fährst du gut eine halbe Stunde, nach Norden schließen die Apuanischen Alpen und der Apennin die Ebene ab.

Der Grund, nach Lucca zu fahren, ist selten ein einzelnes Bauwerk, sondern die Kombination: eine begehbare Stadtmauer als Park, eine autoarme Altstadt in Fußweite, das Geburtshaus von Giacomo Puccini, ein Platz im Grundriss eines römischen Amphitheaters und ein Turm mit Bäumen auf dem Dach. Dazu taugt die Stadt als Standort, denn Pisa, die Versilia-Küste und die Berge der Garfagnana liegen jeweils unter einer Stunde entfernt.

Die Stadtmauer: ein Rundweg über der Stadt

Die Mura di Lucca sind rund 4,2 Kilometer lang und umschließen die Altstadt vollständig. Gebaut wurde dieser dritte Mauerring ab dem 16. Jahrhundert und fertiggestellt Mitte des 17. Jahrhunderts, als Verteidigungsanlage gegen Artillerie. Ernsthaft angegriffen wurde er nie. Im 19. Jahrhundert legte man oben Alleen an, heute ist die Mauerkrone der wichtigste öffentliche Raum der Stadt.

Oben verläuft ein breiter, schattiger Weg unter alten Bäumen, genutzt von Spaziergängern, Joggern und Radfahrern. Eine Runde zu Fuß dauert etwa eine Stunde, mit dem Rad deutlich weniger. Leihräder bekommst du rund um die Altstadt an mehreren Stellen. Der Reiz liegt im Wechsel der Blickrichtung: nach innen auf Dächer, Kirchtürme und Gärten, nach außen auf Ebene und Berge. Die Bastionen sind zu Grünflächen ausgebaut, auf einigen stehen Cafés und Spielplätze. Wenn du nur wenige Stunden hast, mach diese Runde zuerst, danach kennst du den Aufbau der Stadt.

Die Altstadt: Plätze, Kirchen, Türme

Die Piazza dell'Anfiteatro ist der ungewöhnlichste Platz der Stadt. Ihr ovaler Grundriss stammt vom römischen Amphitheater, das hier stand. Über Jahrhunderte wuchsen Wohnhäuser in die Ruine hinein, im 19. Jahrhundert räumte der Architekt Lorenzo Nottolini die Innenfläche frei. Übrig blieb ein geschlossener Innenhof mit vier niedrigen Durchgängen und Cafés unter den Fassaden. An den Außenmauern erkennst du stellenweise noch antikes Mauerwerk.

Der Dom San Martino an der gleichnamigen Piazza hat eine asymmetrische Fassade, weil der ältere Glockenturm dem dritten Bogen den Platz nahm. Im Inneren stehen zwei Stücke, für die Kunstinteressierte allein anreisen: das Volto Santo, ein hölzernes Kruzifix und seit dem Mittelalter Ziel von Pilgern auf der Via Francigena, und das Grabmal der Ilaria del Carretto von Jacopo della Quercia.

San Michele in Foro steht auf dem Areal des römischen Forums, daher der Name. Die Fassade ist der Grund für den Besuch: vier übereinandergestellte Reihen von Säulengalerien, jede Säule anders gearbeitet, darüber eine überlebensgroße Erzengelfigur. Sie ragt deutlich höher als das Kirchenschiff dahinter, weil das Geld für den geplanten Umbau ausging.

Der Torre Guinigi ist das Bild, das jeder von Lucca kennt. Der Wohnturm der Kaufmannsfamilie Guinigi ist gut 44 Meter hoch, auf seiner Plattform wachsen Steineichen in Pflanzkästen, eine Idee aus dem 15. Jahrhundert. Über rund 230 Stufen kommst du hinauf zum besten Überblick über Altstadt und Bergkette. Verbindungsstück zwischen alldem ist die Via Fillungo, die Hauptgeschäftsstraße mit alten Ladenschildern, Türmen und Buchläden.

Puccini: Geburtshaus, Festival, Torre del Lago

Giacomo Puccini kam am 22. Dezember 1858 in Lucca zur Welt, in einer Wohnung an der Corte San Lorenzo, einem kleinen Hof nahe der Piazza Cittadella. Seine Familie stellte über Generationen die Kirchenmusiker der Stadt. Heute ist die Wohnung als Museo Casa Natale zugänglich, mit Originalmobiliar, Handschriften, Kostümen aus frühen Aufführungen und dem Steinway-Flügel, an dem er an "Turandot" arbeitete. Auf der Piazza Cittadella steht sein Denkmal, in den Kirchen der Stadt läuft fast ganzjährig ein Konzertprogramm.

Sein Lebensmittelpunkt lag später westlich der Stadt. In Torre del Lago, zwischen dem Lago di Massaciuccoli und der Küste gelegen, bezog Puccini eine Villa und schrieb dort einen Großteil seiner Opern. Sie ist heute Museum, im Erdgeschoss befindet sich sein Grab. Direkt am Seeufer läuft im Juli und August das Puccini-Festival in einem großen Freilufttheater. Nachmittags Lucca, abends eine Oper am Wasser, das funktioniert gut, Karten für die bekannten Titel sind allerdings früh weg. Torre del Lago gehört zur Gemeinde Viareggio.

Museen und Paläste

Der Palazzo Mansi in der Via Galli Tassi beherbergt die Pinacoteca Nazionale, die staatliche Gemäldegalerie Luccas. Zu sehen sind Werke italienischer und flämischer Malerei in den historisch möblierten Räumen, dazu das prunkvolle Brautgemach. Im Obergeschoss zeigt eine eigene Abteilung, wovon Lucca jahrhundertelang lebte: Seide und kostbare Stoffe, mit historischen Gewändern, liturgischen Textilien und Webstühlen. Die Zuordnung "Kleidermuseum" gehört also hierher, nicht in den Palazzo Pfanner.

Der Palazzo Pfanner nahe der Nordmauer ist ein Barockpalast mit monumentaler Freitreppe und Deckenfresken. Bekannt ist er vor allem für seinen Garten mit Zitronenbäumen, achteckigem Becken, Limonaia und Götterstatuen aus dem 18. Jahrhundert, in den du von der Stadtmauer aus hineinsiehst. Im Palast selbst liegt eine Dauerausstellung mit medizinischen Instrumenten und Büchern von Pietro Pfanner, Arzt und Bürgermeister der Stadt, dazu eingerichtete Wohnräume und eine historische Küche. Am Ostrand der Altstadt zeigt die Villa Guinigi das stadtgeschichtliche Museum.

Die Umgebung: Berge, Bäder, Villen und die Küste

Nördlich der Stadt zieht sich das Serchio-Tal in die Garfagnana, eine dünn besiedelte Bergregion zwischen Apennin und Apuanischen Alpen, mit Wanderwegen, Kastanienwäldern, Burgen und Dörfern wie Barga oder Castelnuovo di Garfagnana. Auf halbem Weg liegt Bagni di Lucca, ein Thermalort mit Quellen und Dampfgrotten, der im 19. Jahrhundert englische und russische Kurgäste anzog. Eine halbe Stunde östlich an der A11 liegt Montecatini Terme mit der Trinkkur im Tettuccio. Baden kannst du dort nicht, die Badethermen der Region, Saturnia, Bagno Vignoni und Chianciano, liegen weiter südlich; Preise und Öffnungszeiten stehen auf unserer Seite zu den Thermen in der Toskana.

Rund um Lucca verteilen sich in der Ebene die Ville Lucchesi, die Landsitze der alten Kaufmannsfamilien. Villa Reale di Marlia war unter Elisa Bonaparte Residenz, Villa Torrigiani hat einen Garten mit Wasserspielen, auch Villa Mansi und Villa Grabau sind zu besichtigen. Nach Westen bist du schnell an der Küste: die Versilia mit Forte dei Marmi, dahinter die Bildhauerstadt Pietrasanta und die Marmorbrüche über Carrara. Pisa erreichst du in einer halben Stunde, Florenz in gut einer Stunde.

Anreise und beste Reisezeit

Aus Deutschland fliegst du am einfachsten nach Pisa. Der Flughafen Galileo Galilei liegt rund 25 Kilometer entfernt, Busse und Züge fahren regelmäßig nach Lucca. Auch Florenz ist eine Option, von dort dauert die Weiterfahrt mit dem Zug etwa anderthalb Stunden. Mit dem Auto führt die Route über den Brenner oder die Schweiz auf die A1 Richtung Süden und ab Florenz auf die A11 Firenze-Mare, Ausfahrt Lucca Est oder Lucca Ovest.

Aus Österreich ist der Brenner der kürzeste Weg: A22 durch das Etschtal nach Modena, dann A1 bis Florenz und auf die A11. Aus Wien und dem Osten fährst du über Tarvisio, Venedig und Bologna auf die gleiche Achse, alternativ per Flug nach Pisa oder Florenz. Von Innsbruck oder Salzburg aus schaffst du die Fahrt mit dem Auto an einem Tag.

Aus der Schweiz nimmst du den Gotthard oder den San Bernardino nach Mailand und dann die westliche Variante über Parma, den Cisa-Pass auf der A15 nach La Spezia und weiter auf der A12 an der Küste entlang, kurz vor Viareggio geht es auf die A11. Ab Zürich oder Basel bist du in etwa sechs bis sieben Stunden da. Züge fahren über Mailand nach Florenz oder Pisa mit Anschluss nach Lucca.

Der Bahnhof ist der große Vorteil der Stadt. Er liegt an der Piazzale Ricasoli direkt vor der Südmauer, durch die Porta San Pietro läufst du in wenigen Minuten ins Zentrum. Ein Auto brauchst du in Lucca nicht, die Altstadt ist weitgehend verkehrsbeschränkt, Parkplätze liegen außen an der Mauer.

Die beste Reisezeit sind Frühjahr und Herbst. April bis Juni und September bis Oktober bringen mildes Wetter für die Mauerrunde und für Ausflüge in die Berge, ohne Hitze und Hochsommerandrang. Im Juli und August ist es in der Ebene schwül, dafür läuft das Puccini-Festival. Ein Termin fällt aus dem Rahmen: Ende Oktober und Anfang November füllt Lucca Comics & Games die ganze Altstadt, eine der größten Comic-, Spiele- und Popkulturveranstaltungen Europas mit hunderttausenden Besuchern. Dann sind Unterkünfte im weiten Umkreis knapp und teuer. Wer das Festival will, bucht Monate vorher, wer eine ruhige Stadt sucht, meidet dieses Wochenende.

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Über den Autor

Marcus

Mitgründer von italien.de Reiseziele und Küche

Marcus fährt seit 2002 mehrmals im Jahr nach Italien, vom Norden bis in den Süden, mit einer Schwäche für die Toskana rund um Siena und Florenz. Zu Hause steht er nach Nonna-Art am Herd, und über seine Carbonara lässt er nicht mit sich verhandeln.

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Klima im Jahresverlauf

Am angenehmsten: April bis Mai sowie September bis Oktober.

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Klimatabelle Lucca: Monat für Monat

In Lucca ist der August mit 30 Grad am Tag der wärmste Monat, am kühlsten bleibt es im Januar mit 10 Grad. Am meisten Regen fällt im November (156 mm), am wenigsten im Juli (27 mm).

MonatTagNachtRegenEinordnung
Jan10 °C2 °C68 mmKühl
Feb12 °C2 °C66 mmKühl
Mär15 °C5 °C67 mmKühl
Apr19 °C8 °C80 mmAngenehm
Mai23 °C12 °C66 mmAngenehm
Jun27 °C16 °C46 mmWarm
Jul30 °C18 °C27 mmWarm
Aug30 °C18 °C39 mmWarm
Sep26 °C14 °C94 mmAngenehm
Okt20 °C11 °C141 mmAngenehm
Nov15 °C7 °C156 mmKühl
Dez11 °C3 °C99 mmKühl

Klimanormalwerte 1991 bis 2020 (Tageshöchst- und Tiefstwerte, Monatsniederschlag) aus TerraClimate, 4-km-Raster, gerundet.

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Gut zu wissen

Informationen

Informationen über Lucca

Region Toskana
Provinz Lucca
Einwohner­zahl 88.397
Provinzkürzel LU
Postleitzahl 55100
Vorwahl 0583
Prominente Bürger Felice Matteucci (Ingenieur)
Leo Nomellini (Footballspieler)
Giacomo Puccini (Komponist)
Städte­partnerschaft Abingdon (England)
Schongau (Deutschland)
Colmar (Frankreich)
Sint Niklaas (Belgien)
Gorinchem (Niederlande)
South San Francisco, Kalifornien (USA)
Geschichte einst eine der einflussreichsten europäischen Städten
Lage nördlich von Pisa

 

Häufige Fragen

Lucca: Häufige Fragen

Die wichtigsten Antworten für deine Reiseplanung auf einen Blick.

Wann ist die beste Reisezeit für Lucca?
Am angenehmsten sind April bis Mai sowie September bis Oktober. Im Hochsommer erreichen die Tageshöchstwerte bis zu 30 Grad, der Winter fällt ruhiger und kühler aus.
Wie reist man nach Lucca an?
Die meisten Gäste aus Deutschland, Österreich und der Schweiz kommen mit dem eigenen Auto. Wer fliegen möchte, nutzt den nächstgelegenen Flughafen Pisa (PSA) und fährt von dort mit Bahn, Bus oder Mietwagen weiter.
Wie viele Tage sollte man für Lucca einplanen?
Für die wichtigsten Ziele genügt oft ein Tag, etwa als Tagesausflug in Kombination mit der Umgebung.
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