Monteriggioni liegt auf einem flachen Hügel im Herzen der Toskana, rund 14 Kilometer nordwestlich von Siena. Von der Schnellstraße zwischen Siena und Florenz aus sieht man den Ort schon von Weitem: ein geschlossener Mauerring mit 14 quadratischen Türmen, die über die Zypressen und Weinberge ragen. Diese Silhouette hat sich seit dem 13. Jahrhundert kaum verändert und ist der Grund, warum Monteriggioni zu den meistfotografierten Wehrdörfern Italiens zählt.
Die Burg wurde zwischen 1213 und 1219 von der Republik Siena angelegt, als vorgeschobener Posten gegen das rivalisierende Florenz. Die Lage war militärisch klug gewählt: Der Hügel überblickt die alte Pilger- und Handelsstraße Via Francigena, die von Norden nach Rom führte. Wer die Straße kontrollierte, kontrollierte den Nachschub, und so entstand hier eine der wirkungsvollsten Grenzfestungen der Toskana. Bemerkenswert ist, dass die komplette Ringmauer bis heute erhalten geblieben ist, während vergleichbare Anlagen anderswo längst verfallen sind.
Innerhalb der Mauern ist Monteriggioni bis heute ein winziger Ort mit wenigen Dutzend Häusern, einer Kirche, zwei Plätzen und einer Handvoll Restaurants. Genau diese Kleinheit macht den Reiz aus: Ein Rundgang dauert kaum eine Stunde, und trotzdem lohnt sich die Anfahrt, weil hier ein mittelalterliches Ortsbild fast unverfälscht überdauert hat. Für einen halben Tag lässt sich der Besuch gut mit Siena oder San Gimignano verbinden.
Die Ringmauer mit den 14 Türmen
Das eigentliche Bauwerk ist die Mauer selbst. Sie umschließt den Ort auf einer Länge von rund 570 Metern und wird von 14 Türmen unterbrochen, die ursprünglich bis zu etwa 20 Meter hoch aufragten. Im 16. Jahrhundert wurden die Türme aus militärischen Gründen gekappt, sodass sie heute nicht mehr ihre volle Höhe erreichen; die geschlossene Form des Rings blieb jedoch komplett. Zwei Tore öffnen die Anlage: die Porta Franca, auch Porta Romea genannt, weist nach Süden Richtung Siena und Rom, die Porta Fiorentina zeigt nach Norden Richtung Florenz. An mehreren Abschnitten kannst du auf die wiederhergestellten Wehrgänge steigen und ein Stück der Mauerkrone begehen. Von dort reicht der Blick über die Hügelketten des Chianti und der Montagnola Senese.
Berühmt wurde die Mauer durch Dante Alighieri. Im 31. Gesang seines Inferno vergleicht er die Riesen, die er am Rand der untersten Höllenschlucht erblickt, mit den Türmen von Monteriggioni: Monteriggioni di torri si corona, Monteriggioni krönt sich mit Türmen. Der Vers stammt aus dem frühen 14. Jahrhundert und belegt, dass die Wehrsilhouette schon damals als Sinnbild galt. Für Literaturreisende ist der Ort deshalb ein greifbares Stück Göttliche Komödie.
Piazza Roma und die Pfarrkirche
Durch das Haupttor gelangst du auf die Piazza Roma, den zentralen Platz des Ortes. In seiner Mitte liegt eine große historische Zisterne, die einst die Wasserversorgung der Festung sicherte. Der Platz öffnet sich zur Pfarrkirche Santa Maria Assunta, einem schlichten Bau in romanisch-gotischen Formen, der in der Gründungszeit der Burg entstand. Die nüchterne Fassade und das karge Innere entsprechen ganz der wehrhaften Anlage; eine der Glocken stiftete die Republik Siena im Jahr 1298.
Rund um den Platz und entlang der wenigen Gassen reihen sich Steinhäuser, kleine Läden und Weinstuben. Wer tiefer in die Geschichte eintauchen will, besucht das kleine Museum Monteriggioni in Arme, das in mehreren Räumen Nachbildungen von Rüstungen und Waffen aus Mittelalter und Renaissance zeigt. Im Juli füllt sich der Ort zur Festa Medievale mit Kostümen, Handwerk und historischen Umzügen, dann wird die ganze Anlage für einige Tage zur Kulisse eines mittelalterlichen Festes.
Ausflüge in die Umgebung
Monteriggioni ist ein guter Ausgangspunkt für das südliche Chianti und das Umland von Siena. Siena selbst mit der Piazza del Campo und dem Dom liegt nur 14 Kilometer entfernt und ist in gut 20 Autominuten erreichbar. Nach Nordwesten führt der Weg zu den Geschlechtertürmen von San Gimignano und weiter zur Alabasterstadt Volterra. Ganz in der Nähe liegen das Töpfer- und Glasstädtchen Colle di Val d Elsa sowie Poggibonsi als Knotenpunkt für Bahn und Bus. Wer mehr Zeit hat, fährt nach Norden bis Florenz, das rund 55 Kilometer entfernt ist. Monteriggioni liegt außerdem direkt an der Via Francigena, dem historischen Pilgerweg nach Rom, sodass sich auch eine Wanderetappe durch die umliegenden Weinberge anbietet.
Anreise und beste Reisezeit
Der nächste Flughafen ist Florenz mit rund 55 Kilometern Entfernung, alternativ eignet sich Pisa mit rund 100 Kilometern. Mit der Bahn erreichst du den Bahnhof Castellina in Chianti-Monteriggioni bei Castellina Scalo, etwa drei Kilometer vom Ort entfernt; von dort geht es per Bus oder Taxi weiter. Die Buslinie 131 verbindet Siena, Colle di Val d Elsa, Poggibonsi und Florenz, die Haltestelle Colonna di Monteriggioni liegt am Fuß des Hügels. Mit dem Auto nimmst du die mautfreie Schnellstraße Firenze-Siena und die Ausfahrt Monteriggioni. Ein Fahrverbot für den Ortskern gibt es faktisch von selbst, denn innerhalb der Mauern darf nicht geparkt werden; Parkplätze liegen unterhalb der Anlage und sind gebührenpflichtig, von dort sind es wenige Minuten zu Fuß bergauf zum Tor.
Aus Österreich fährst du von Wien über Villach, Tarvisio und Bologna nach Florenz, die Strecke dauert mit dem Auto rund neun bis zehn Stunden; schneller geht es mit einem Direktflug ab Wien nach Florenz oder Pisa. Aus der Schweiz führt der Weg von Zürich über den Gotthard, Mailand und Bologna nach Florenz in etwa sechs bis sieben Autostunden, auch ab Zürich bestehen Flugverbindungen nach Florenz und Pisa. Ab Florenz sind es dann noch knapp 45 Minuten bis Monteriggioni.
Die beste Reisezeit sind das Frühjahr von April bis Juni und der Herbst im September und Oktober. Dann ist es angenehm mild, die Hügel der Toskana stehen im Grün oder in der Weinlese, und der Ort ist weniger überlaufen. Der Hochsommer im Juli und August bringt Hitze und die meisten Besucher, hat aber mit der Festa Medievale einen eigenen Reiz. Der Winter ist ruhig und oft neblig; einige Betriebe schließen dann, dafür hast du die Mauern fast für dich allein.
























