Orvieto
Umbrien

Orvieto

Orvieto: Etruskerstadt im Südwesten Umbriens

Orvieto thront auf einem freistehenden Tuffplateau im Süden Umbriens, rund hundert Meter über der Ebene des Flusses Paglia. Die Stadt wirkt schon von der Autobahn aus wie eine Insel aus Fels: gelbbrauner vulkanischer Tuffstein, aus dem und auf dem die Häuser gebaut sind, und darüber die Silhouette einer der prächtigsten gotischen Kathedralen Italiens. Wer hinauf will, lässt das Auto oder den Zug unten und fährt mit der Standseilbahn auf den Berg, bevor es zu Fuß durch schmale Gassen weitergeht. Der Reiz von Orvieto liegt in dieser Verdichtung. Auf wenigen Quadratkilometern stapeln sich fast dreitausend Jahre Geschichte übereinander, von den Etruskern über die Päpste bis zu den Winzern, deren Weißwein den Namen der Stadt in die ganze Welt getragen hat. Und...
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Orvieto thront auf einem freistehenden Tuffplateau im Süden Umbriens, rund hundert Meter über der Ebene des Flusses Paglia. Die Stadt wirkt schon von der Autobahn aus wie eine Insel aus Fels: gelbbrauner vulkanischer Tuffstein, aus dem und auf dem die Häuser gebaut sind, und darüber die Silhouette einer der prächtigsten gotischen Kathedralen Italiens. Wer hinauf will, lässt das Auto oder den Zug unten und fährt mit der Standseilbahn auf den Berg, bevor es zu Fuß durch schmale Gassen weitergeht.

Der Reiz von Orvieto liegt in dieser Verdichtung. Auf wenigen Quadratkilometern stapeln sich fast dreitausend Jahre Geschichte übereinander, von den Etruskern über die Päpste bis zu den Winzern, deren Weißwein den Namen der Stadt in die ganze Welt getragen hat. Und weil das Plateau seine Grenzen hat, ist die Altstadt kompakt geblieben. Fast alles Sehenswerte liegt in Gehweite, was Orvieto zu einem der wenigen Orte macht, den man an einem intensiven Tag erfassen und trotzdem nicht ausschöpfen kann.

Trotz vieler Besucher ist die Stadt kein Freilichtmuseum geblieben. In den Gassen liegen Handwerksbetriebe, Weinbars und Werkstätten, auf den Plätzen sitzen Einheimische, und unter dem Pflaster erstreckt sich ein zweites, unterirdisches Orvieto aus Höhlen und Brunnen. Wer sich Zeit nimmt, entdeckt hinter der berühmten Fassade eine Stadt, die deutlich mehr zu bieten hat als ihr bekanntestes Postkartenmotiv.

Eine Stadt auf dem Tuffplateau

Die Lage auf dem steilwandigen Felsen ist kein Zufall, sondern der Grund für die Bedeutung der Stadt. Schon die Etrusker erkannten den Wert des uneinnehmbaren Plateaus. Unter dem Namen Velzna zählte der Ort zu den mächtigsten Städten des etruskischen Zwölfstädtebundes und war ein religiöses wie politisches Zentrum. Erst im 3. Jahrhundert vor Christus fiel die Stadt an Rom. Die Römer nannten sie Volsinii, und ein Teil der Bevölkerung siedelte nach der Eroberung an den nahen Bolsenasee um. Der heutige Name geht auf die lateinische Bezeichnung Urbs Vetus zurück, die alte Stadt, aus der über die Jahrhunderte Orvieto wurde.

Aus etruskischer Zeit stammt auch die Nekropole Crocifisso del Tufo am Fuß des Felsens, eine Totenstadt mit regelmäßig angelegten Gräberstraßen. Der weiche, aber tragfähige Tuffstein prägt Orvieto bis heute in jeder Hinsicht: Er ist Baumaterial, Fundament und Speicher zugleich. In ihn wurden Keller, Zisternen und Brunnen getrieben, und aus ihm bekommt der Boden ringsum jene mineralische Eigenart, die man später im Wein wiederfindet.

Der Dom von Orvieto

Das Wahrzeichen der Stadt ist der Dom, der Duomo di Orvieto, dessen Bau um 1290 begann. Seine Westfassade gilt als eine der schönsten gotischen Kirchenfronten Italiens. Über den drei Portalen leuchten goldgrundige Mosaiken, dazwischen sitzen filigrane Marmorreliefs, Fialen und Spitzgiebel, die im Licht des Nachmittags besonders eindrucksvoll wirken. Das Äußere setzt sich in schwarzweißen Streifen aus Basalt und Travertin fort, ein Muster, das im Inneren wiederkehrt.

Der eigentliche Schatz verbirgt sich in der Cappella di San Brizio im rechten Querhaus. Ihr Freskenzyklus über die Letzten Tage und das Jüngste Gericht wurde 1447 von Fra Angelico begonnen und ab 1499 von Luca Signorelli vollendet. Signorelli malte die Predigt des Antichristen, das Ende der Welt und die Auferstehung der Toten mit einer Kraft und einer Kühnheit im Umgang mit dem nackten Körper, die auf spätere Meister vorausweist. Michelangelo soll die Fresken beim eigenen Jüngsten Gericht in der Sixtinischen Kapelle im Blick gehabt haben. In derselben Kirche steht die Pietà von Ippolito Scalza aus dem 16. Jahrhundert, eine der bedeutendsten Skulpturengruppen der italienischen Spätrenaissance. Für den Zutritt zur Kapelle wird ein Ticket verlangt, das den Andrang an stark besuchten Tagen ordnet.

Der Pozzo di San Patrizio

Am östlichen Rand der Altstadt, nahe der oberen Station der Standseilbahn, liegt der Pozzo di San Patrizio, der Brunnen des heiligen Patrick. Er entstand zwischen 1527 und 1537 nach Plänen des florentinischen Architekten Antonio da Sangallo des Jüngeren. Auftraggeber war Papst Clemens VII., der nach der Plünderung Roms 1527 nach Orvieto geflohen war und die Stadt für den Fall einer Belagerung mit einer sicheren Wasserversorgung ausstatten wollte.

Der Brunnen reicht gut 53 Meter tief in den Tuff und misst rund 13 Meter im Durchmesser. Seine Besonderheit sind zwei spiralförmige Treppen, die als doppelte Wendel ineinander verlaufen, ohne sich zu berühren. So konnten mit Eimern beladene Esel auf der einen Rampe hinabsteigen und auf der anderen wieder hinauf, ohne einander in die Quere zu kommen. Jede der beiden Treppen zählt 248 Stufen, siebzig Fenster lassen Licht in den Schacht fallen. Der Abstieg bis zur Wasseroberfläche und zurück ist bis heute begehbar und gehört zu den eindrucksvollsten Erlebnissen der Stadt.

Orvieto Underground und die etruskische Unterstadt

Unter der sichtbaren Stadt liegt ein zweites Orvieto. Über Jahrtausende haben die Bewohner in den weichen Fels Hohlräume getrieben: Zisternen, Brunnenschächte, Ölmühlen, Vorratskeller und Taubenschläge. Den Anfang machten die Etrusker, die tiefe Schächte gruben, um an das Wasser zu gelangen, das auf dem Plateau fehlte. Über die Jahrhunderte entstand so ein Netz aus mehr als tausend künstlichen Grotten, das den ganzen Felsen durchzieht.

Ein Teil dieser Unterwelt ist im Rahmen von Führungen zugänglich, die unter dem Namen Orvieto Underground angeboten werden. Sie führen durch mehrere Höhlen, zeigen antike Brunnen und die charakteristischen Nischen der Taubenzucht und erklären, wie eng Stadt und Fels miteinander verwachsen sind. An heißen Sommertagen ist der kühle Untergrund zugleich eine willkommene Abwechslung zur Hitze in den Gassen.

Durch die Altstadt

Zwischen Dom und Standseilbahn lässt sich die Altstadt gut zu Fuß erkunden. Die Hauptachse ist der Corso Cavour, an dem sich Geschäfte, Cafés und die Torre del Moro aneinanderreihen. Der mittelalterliche Turm lässt sich besteigen und bietet einen Rundblick über die Dächer, die Kathedrale und die grünen Hügel ringsum. Wenige Schritte weiter öffnet sich die Piazza della Repubblica, der bürgerliche Mittelpunkt der Stadt.

Sehenswert ist der Palazzo del Popolo, ein wuchtiger Bau aus vulkanischem Stein mit offener Loggia und Zinnenkranz, der einst der Selbstverwaltung der Bürger diente und heute für Ausstellungen und Kongresse genutzt wird. In der Nähe steht der Palazzo del Capitano del Popolo, ein weiterer öffentlicher Bau aus der kommunalen Blütezeit. Wer die Gassen abseits der Hauptstraßen erkundet, stößt immer wieder auf kleine Kirchen, Handwerksläden und Aussichtspunkte über die Steilkante des Plateaus. Zur Ausstattung der Stadt gehört auch das archäologische Museum mit Funden aus etruskischer Zeit, das die lange Geschichte des Ortes greifbar macht.

Orvieto Classico und die Küche

Der Name Orvieto steht seit Jahrhunderten auch für Wein. Der Orvieto Classico ist ein trockener Weißwein mit eigener geschützter Herkunftsbezeichnung, dessen klassisches Kernanbaugebiet die alten Weinberge unmittelbar rund um die Stadt umfasst und etwa 1.500 Hektar bedeckt. Die tragenden Rebsorten sind Grechetto und Procanico, wie der lokale Trebbiano Toscano hier genannt wird, ergänzt um traditionelle Sorten wie Verdello. Charakteristisch ist eine feine mineralische Note, die viele auf die Tuff- und Kalkböden zurückführen. Früher war der Wein oft lieblich ausgebaut, heute wird er ganz überwiegend trocken erzeugt.

In der Stadt und im Umland laden zahlreiche Weingüter zu Verkostungen und Kellerführungen. Wer sich einen Überblick über die Vielfalt des Landes verschaffen möchte, findet unter den beliebtesten italienischen Weinsorten weitere Anknüpfungspunkte. Zur umbrischen Küche passen der leichte Weißwein und die kräftigen Rotweine der Nachbarschaft gleichermaßen: Wildschwein, Trüffel aus den Wäldern der Region, Hülsenfrüchte und das flache, ungesalzene Brot Mittelitaliens. Viele Besucher übernachten nicht im Zentrum, sondern in einem Ferienhaus in Umbrien oder auf einem Weingut im Stil des Agriturismo, um Wein und Landschaft zusammen zu erleben.

Ausflüge in die Umgebung

Orvieto liegt an der Grenze zwischen Umbrien, der Toskana und Latium und eignet sich gut als Ausgangspunkt für Ausflüge. Ein Klassiker ist Civita di Bagnoregio, die berühmte sterbende Stadt, die auf einem bröckelnden Tufffelsen liegt und nur über eine lange Fußgängerbrücke zu erreichen ist. Von Orvieto aus ist sie mit dem Auto oder Bus in rund einer halben Stunde erreicht. Ähnlich nah liegt der Bolsenasee, der größte Vulkansee Europas, an dessen Ufern schon die von den Römern vertriebenen Etrusker eine neue Stadt gründeten.

Für einen Tagesausflug bietet sich auch Rom an, das mit dem Zug in etwa einer Stunde erreichbar ist. Wer die Hauptstadt zum ersten Mal besucht, findet in der Übersicht der Sehenswürdigkeiten Roms eine Orientierung für den Tag. In die andere Richtung führt die Bahnlinie Richtung Florenz. Wer tiefer in die eigene Region eintauchen möchte, erreicht die umbrischen Nachbarstädte Perugia und Assisi in überschaubarer Fahrzeit. Weitere Ideen für die Region sammelt die Übersicht der Ausflugsziele in Umbrien.

Anreise und beste Reisezeit

Orvieto liegt verkehrsgünstig an der Bahnstrecke zwischen Rom und Florenz. Vom Bahnhof Orvieto Scalo unten am Fels fahren täglich zahlreiche direkte Züge nach Rom, die Fahrt dauert je nach Zug etwa eine Stunde bis eineinhalb Stunden. Auch Florenz ist ohne Umsteigen erreichbar. Der Bahnhof liegt in der neueren Unterstadt; von der Piazza Matteotti gegenüber bringt die historische Standseilbahn, die Funicolare, die Reisenden in wenigen Minuten hinauf zur Piazza Cahen am Rand der Altstadt. Von dort sind es nur ein kurzer Fußweg oder ein im Ticket enthaltener Pendelbus bis zum Dom.

Mit dem Auto erreicht man Orvieto über die A1, die Autostrada del Sole, die von Mailand über Bologna und Florenz nach Rom führt und eine eigene Ausfahrt Orvieto besitzt. Weil die Altstadt auf dem Plateau eng und in weiten Teilen für den Durchgangsverkehr gesperrt ist, empfiehlt es sich, unten in einem der Parkhäuser oder auf den Parkplätzen zu parken und mit der Standseilbahn oder dem Aufzug hinaufzufahren. Das erspart die Suche nach einem der raren Stellplätze im Zentrum.

Die angenehmste Reisezeit sind das Frühjahr und der Herbst. Von April bis Juni zeigt sich die umbrische Landschaft grün und blühend, die Temperaturen sind mild und die Besucherzahlen liegen unter denen des Hochsommers. September und Oktober bringen die Weinlese und stabiles, warmes Wetter, ohne die drückende Hitze des Juli und August, in denen sich der Tuffstein tagsüber stark aufheizt. Der Winter ist ruhig und mitunter neblig, hat aber gerade an klaren Tagen mit Blick über das Umland seinen eigenen Reiz. Wer die Fresken im Dom und den Brunnen in Ruhe erleben möchte, ist außerhalb der Sommermonate und abseits der Wochenenden am besten aufgehoben.

Über den Autor

Marcus

Mitgründer von italien.de Reiseziele und Küche

Marcus fährt seit 2002 mehrmals im Jahr nach Italien, vom Norden bis in den Süden, mit einer Schwäche für die Toskana rund um Siena und Florenz. Zu Hause steht er nach Nonna-Art am Herd, und über seine Carbonara lässt er nicht mit sich verhandeln.

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Am angenehmsten: April bis Mai sowie September bis Oktober.

Beste ReisezeitÜbrige Monate

Wo liegt Orvieto?

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Gut zu wissen

Informationen

Informationen über Orvieto

Region Umbrien
Provinz Terni
Einwohner­zahl 20.468
Provinzkürzel TR
Postleitzahl 05018
Vorwahl 0763
Prominente Bürger Siger von Brabant (Philosoph)
Städte­partnerschaft Maebashi (Japan)
Bethlehem (Palästinensische Autonomiegebiete)
Seinäjoki (Finnland)
Spezialitäten des Ortes Orvieto (Wein)
Lumachella orvietana
Umbrichelli al tartufo nero
Lage im Südwesten Umbriens in der Provinz Terni in Italien.
Häufige Fragen

Orvieto: Häufige Fragen

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Wann ist die beste Reisezeit für Orvieto?
Am angenehmsten sind April bis Mai sowie September bis Oktober. Im Hochsommer erreichen die Tageshöchstwerte bis zu 31 Grad, der Winter fällt ruhiger und kühler aus.
Wie reist man nach Orvieto an?
Die meisten Gäste aus Deutschland, Österreich und der Schweiz kommen mit dem eigenen Auto. Wer fliegen möchte, nutzt den nächstgelegenen Flughafen Perugia (PEG) und fährt von dort mit Bahn, Bus oder Mietwagen weiter.

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