Monte Sant’Angelo
Monte Sant'Angelo in Apulien: berühmt für die langobardische Grottenkirche San Michele, UNESCO-Welterbe und Wallfahrtsort. Geschichte…
Wer die süditalienische Halbinsel Salento bereist, sollte unbedingt in Otranto haltmachen. Die kleine Hafenstadt an der Adriaküste bezaubert nicht nur mit ihrer malerischen Altstadt, sondern auch mit einigen bedeutenden Sehenswürdigkeiten. Otranto liegt am äußersten Zipfel des italienischen Stiefelabsatzes und gilt als östlichste Stadt Italiens.
Von hier aus ist das albanische Festland nur gut 80 Kilometer entfernt, an ihrer schmalsten Stelle misst die Meerenge zwischen beiden Ländern rund 71 Kilometer. Sie trägt deshalb den Namen "Straße von Otranto". Archäologen gehen davon aus, dass die Gegend schon seit der Bronzezeit besiedelt war. Bis heute hat die Stadt mit ihren knapp 5.800 Einwohnern eine sehr wechselvolle Geschichte hinter sich, die man ihr an vielen Stellen ansieht.
Das Bild, das die meisten Gäste mitnehmen, ist der Blick vom Hafen hinauf: eine dicht gedrängte weiße Altstadt hinter einer wuchtigen Mauer, darüber die Kuppel der Kathedrale und die Bastionen des Kastells, davor türkisfarbenes Wasser. Otranto ist klein genug, um es an einem Tag zu Fuß zu erkunden, und interessant genug, um länger zu bleiben. Wer herkommt, verbindet meist beides: Baden an einer der schönsten Küsten Apuliens und eine Altstadt, in der sich europäische Geschichte auf engem Raum verdichtet.
Das Highlight der Stadt ist die Kathedrale Santa Maria Annunziata. Ihr Boden ist über nahezu die gesamte Fläche mit einem Mosaik ausgelegt, das zwischen 1163 und 1165 entstand. Auftraggeber war Erzbischof Gionata, ausgeführt hat es ein Mönch namens Pantaleone. Es besteht aus mehreren hunderttausend Kalksteinsteinchen und gilt als einziger vollständig erhaltener Mosaikfußboden aus normannischer Zeit in Italien.
Im Mittelschiff wächst ein gewaltiger Lebensbaum vom Eingang bis zum Altar. In seinen Ästen sitzen Figuren aus dem Alten Testament, aus antiken Mythen, aus mittelalterlichen Legenden, dazu Tiere, Monatsbilder, Fabelwesen. Alexander der Große taucht ebenso auf wie König Artus. Das Mosaik ist kein Bilderbogen zur Dekoration, sondern der Versuch, ein ganzes mittelalterliches Weltbild in einem einzigen Bild zu ordnen. Man sollte sich Zeit nehmen und den Baum langsam abgehen, sonst übersieht man die Hälfte.
Im Juli 1480 landete ein osmanisches Heer unter Gedik Ahmed Pascha vor Otranto. Nach rund zwei Wochen Belagerung fiel die Stadt am 11. August als erster Ort auf italienischem Boden. Wenige Tage später wurden mehrere hundert männliche Gefangene auf dem Minerva-Hügel oberhalb der Stadt hingerichtet. Erst nach dem Tod Mehmets II. konnten aragonesische Truppen Otranto 1481 zurückerobern.
In einer Seitenkapelle der Kathedrale sind hinter Glas die Gebeine der Getöteten aufgeschichtet. Die katholische Kirche verehrt sie als Märtyrer und hat sie 2013 heiliggesprochen. Mitte August erinnert das Fest "Beati Martiri d'Otranto" mit Messen und Prozessionen an sie. Historisch ist das Bild differenzierter, als es die Überlieferung nahelegt: Die frühesten Quellen sprechen von der Hinrichtung von Soldaten und Bürgern, nennen aber keine verweigerte Glaubenskonversion als Grund. Die Kapelle ist ein ungewöhnlicher Ort, und wer sie besucht, sollte wissen, worauf er sich einlässt.
Nach der Rückeroberung ließen die Aragonesen die Verteidigung von Grund auf neu bauen. Ab 1485 entstand unter Alfons von Aragón das Castello Aragonese, ein gedrungener Bau mit drei runden Ecktürmen und einer vorgelagerten Bastion zum Meer hin. Es ist heute zugänglich und wird für Ausstellungen genutzt, der schönste Teil ist aber der Rundgang über die Mauern: Von dort hast du die Altstadt, den Hafen und die Bucht auf einen Blick.
Die Stadtmauer aus derselben Zeit umschließt den historischen Kern noch fast vollständig. Durch die Porta Alfonsina betrittst du die Altstadt, und der Wechsel ist abrupt: vom Verkehr draußen in enge, hell verputzte Gassen, die sich bergauf zur Kathedrale ziehen.
Die Altstadt von Otranto ist überschaubar, aber sie hat Substanz. Zwischen Kathedrale und Kastell liegen Handwerksläden, Keramikwerkstätten, kleine Bars und Trattorien, in denen Fisch und Seeigel, Orecchiette und Pasticciotto auf der Karte stehen. Sehenswert ist neben der Kathedrale die kleine byzantinische Kirche San Pietro mit ihren Fresken, ein Bau aus der Zeit, als Otranto zum byzantinischen Reich gehörte und Griechisch hier Alltagssprache war.
Unterhalb der Mauern liegt der Hafen mit der Lungomare, an der sich abends alles trifft. Von hier legen im Sommer Boote zu Küstenfahrten ab, außerdem verkehren saisonal Fährverbindungen nach Korfu. Die großen Linien nach Griechenland und Albanien starten in Apulien allerdings von Brindisi und Bari.
Nördlich der Stadt wird die Küste flach und sandig. Bekannt ist die Baia dei Turchi, eine Bucht mit hellem Sand und flachem Wasser, die man über einen Weg durch den Pinienwald erreicht. Ihr Name erinnert an die osmanische Landung von 1480. Sie gehört zum Schutzgebiet der Alimini-Seen, zwei durch einen Kanal verbundene Gewässer: der salzige Alimini Grande und der Süßwassersee Alimini Piccolo, umgeben von Dünen, Pinien und Schilf.
Südlich von Otranto ändert sich der Charakter komplett. Hier fällt die Küste in Felsstufen ins Meer, unterbrochen von kleinen Buchten und Grotten. Die Panoramastraße Richtung Süden führt am Faro di Punta Palascìa vorbei, dem Leuchtturm auf dem östlichsten Punkt Italiens, von dem aus bei klarer Sicht die albanischen Berge zu erkennen sind. Rund 25 Kilometer nördlich liegt bei Roca Vecchia die Grotta della Poesia, ein eingestürzter Karsttrichter mit messapischen Inschriften an den Wänden. Der Ort ist heute archäologische Schutzzone, Baden und Springen sind untersagt. Einen Überblick über die Küstenabschnitte der Region findest du auf unserer Seite zu den Stränden in Apulien.
Otranto ist ein guter Standort, um den Salento zu erkunden. Rund 45 Kilometer westlich liegt Lecce, die Barockstadt aus weichem, honigfarbenem Tuffstein, die als "Florenz des Südens" gilt. Nach Süden folgt man der Küste bis Santa Maria di Leuca an der Stiefelspitze, wo Adria und Ionisches Meer aufeinandertreffen. Auf der ionischen Seite liegt Gallipoli mit seiner Altstadt auf einer vorgelagerten Insel, gut eine Stunde Fahrt entfernt. Dazwischen: verträumte Dörfer, Olivenhaine, Feigen und Zitrusbäume.
Die nächsten Flughäfen sind Brindisi, rund 90 Kilometer entfernt, und Bari, etwa 190 Kilometer. Von beiden aus kommst du mit dem Mietwagen am flexibelsten weiter. Mit der Bahn fährst du bis Lecce und steigst dort in die Ferrovie del Sud Est um, die Otranto über Maglie anbindet. Es gibt einige durchgehende Verbindungen, die Fahrt dauert je nach Zug etwa zwei Stunden. Mit dem Auto führt die Strecke aus dem Norden über die A14 bis Bari und weiter über die Schnellstraßen Richtung Lecce und Maglie.
Aus Österreich fliegst du ab Wien nach Bari oder Brindisi in etwa zwei Stunden, aus der Schweiz ab Zürich in ähnlicher Zeit, teils mit Umstieg in Rom oder Mailand. Mit dem Auto ist es von Wien wie von Zürich sehr weit: rund 1.600 Kilometer, die sich seriös nur auf zwei Etappen mit einer Übernachtung fahren lassen. Wer nur eine Woche bleibt, ist mit dem Flug plus Mietwagen deutlich besser bedient.
Die Badesaison im Salento reicht von Mai bis in den Oktober. Im Juli und August wird es heiß, Temperaturen über 35 Grad sind keine Ausnahme, und Otranto ist dann als italienisches Sommerziel voll: enge Gassen, volle Strände, Parkplatzsuche am Ortsrand. Deutlich angenehmer sind Mai und Juni sowie der September, wenn das Meer noch warm ist und die Altstadt wieder Luft hat. Wie warm das Wasser gerade ist, zeigt dir unsere Übersicht zur Wassertemperatur in Italien.
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Wetterdaten © OpenWeather, aktualisiert alle 6 Std.
Durchschnittliche Tageshöchsttemperaturen im Jahresverlauf.
Am angenehmsten: März bis Mai sowie September bis November.
Tipp: Juli und August werden sehr heiß; Frühling und Herbst sind am angenehmsten.
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