Paestum
Kampanien

Paestum

Archäologische Stätte und UNESCO-Weltkulturerbe

Kaum ein Ort in Italien führt so unmittelbar in die griechische Antike wie Paestum. Rund 40 Kilometer südlich von Salerno stehen hier drei dorische Tempel aus dem 6. und 5. Jahrhundert v. Chr., die zu den am besten erhaltenen der gesamten griechischen Welt zählen. Selbst in Griechenland findet sich kaum ein Heiligtum, das vollständiger überliefert ist. Die Ausgrabungsstätte liegt in der Ebene des Flusses Sele am Golf von Salerno, gehört zur Gemeinde Capaccio Paestum in der Provinz Salerno und markiert den nördlichen Rand des Cilento. Seit 1998 steht Paestum gemeinsam mit dem Nationalpark Cilento und Vallo di Diano, der antiken Stadt Velia und der Kartause von Padula auf der Welterbeliste der UNESCO. Wer hierher reist, bekommt aber mehr als Archäologie:...
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Kaum ein Ort in Italien führt so unmittelbar in die griechische Antike wie Paestum. Rund 40 Kilometer südlich von Salerno stehen hier drei dorische Tempel aus dem 6. und 5. Jahrhundert v. Chr., die zu den am besten erhaltenen der gesamten griechischen Welt zählen. Selbst in Griechenland findet sich kaum ein Heiligtum, das vollständiger überliefert ist. Die Ausgrabungsstätte liegt in der Ebene des Flusses Sele am Golf von Salerno, gehört zur Gemeinde Capaccio Paestum in der Provinz Salerno und markiert den nördlichen Rand des Cilento.

Seit 1998 steht Paestum gemeinsam mit dem Nationalpark Cilento und Vallo di Diano, der antiken Stadt Velia und der Kartause von Padula auf der Welterbeliste der UNESCO. Wer hierher reist, bekommt aber mehr als Archäologie: Direkt vor der antiken Stadt beginnt ein kilometerlanger Sandstrand, und die umliegende Ebene ist das Kernland der Büffelmozzarella-Produktion. Diese Mischung aus Weltkulturerbe, Badeurlaub und Kulinarik macht Paestum zu einem der lohnendsten Ziele in Kampanien.

Für die Ausgrabungen und das Nationalmuseum sollten Besucher einen halben bis ganzen Tag einplanen. Das Areal ist überschaubar und gut zu Fuß zu erkunden, die Wege sind eben. Viele Urlauber verbinden den Besuch mit einem längeren Aufenthalt im Cilento oder machen von der Amalfiküste aus einen Tagesausflug hierher.

Drei dorische Tempel von seltener Vollständigkeit

Das Herzstück von Paestum sind die drei großen Tempel, die alle im dorischen Stil errichtet wurden. Der älteste ist der Hera-Tempel I aus der Zeit um 550 v. Chr. Gelehrte des 18. Jahrhunderts hielten ihn wegen seiner ungewöhnlichen Bauform mit neun Frontsäulen für ein weltliches Versammlungsgebäude und nannten ihn "Basilika". Der Name hat sich bis heute gehalten, obwohl Ausgrabungsfunde längst belegen, dass das Bauwerk der Göttin Hera geweiht war.

Direkt daneben erhebt sich der Hera-Tempel II, der um 460 v. Chr. entstand und als der am besten erhaltene dorische Tempel überhaupt gilt. Auch bei ihm griffen die frühen Forscher daneben: Sie tauften ihn "Neptuntempel", in Anlehnung an den griechischen Stadtnamen Poseidonia. Nach heutigem Forschungsstand war jedoch auch dieser Bau in erster Linie der Hera geweiht. Seine wuchtigen Säulen mit der typischen Schwellung und das fast vollständige Gebälk vermitteln wie kein zweites Bauwerk einen Eindruck davon, wie ein griechischer Tempel in seiner Blütezeit wirkte.

Der dritte im Bunde ist der Athena-Tempel am höchsten Punkt der antiken Stadt, erbaut um 500 v. Chr. Er wurde lange fälschlich als Ceres-Tempel bezeichnet, bis Votivfunde die Zuschreibung an Athena sicherten. Bemerkenswert ist seine Mischung der Stilelemente: Außen dorisch, verwendete er im Inneren bereits ionische Säulen, eine der frühesten bekannten Kombinationen beider Ordnungen. Im Mittelalter diente der Bau zeitweise als Kirche, was zu seiner Erhaltung beitrug.

Rundgang durch die antike Stadt

Die Tempel sind nur der prominenteste Teil einer kompletten antiken Stadtanlage. Die Stadtmauer aus Kalkstein und Travertin umschließt das Gelände auf einer Länge von rund 4,7 Kilometern und gehört zu den besterhaltenen Befestigungen Großgriechenlands. Vier Haupttore führten in die Stadt, darunter die Porta Sirena im Osten mit ihrem noch erhaltenen Bogen und die Porta Marina in Richtung Meer.

Zwischen den beiden Tempelbezirken verläuft die Via Sacra, die gepflasterte Hauptachse der antiken Stadt. An ihr liegen das römische Forum, Reste von Wohnhäusern, ein Rundbau für Volksversammlungen und ein kleines Amphitheater aus römischer Zeit. Eine Besonderheit ist das sogenannte Heroon nahe dem Forum: ein unterirdischer Schrein aus griechischer Zeit, in dem Archäologen 1954 unversehrte Bronzegefäße fanden. Er wird als symbolisches Grabmal für den Stadtgründer gedeutet, die Funde stehen heute im Museum. Das Amphitheater dagegen ist nur zur Hälfte ausgegraben: Als 1829 die damalige Landstraße gebaut wurde, führte man sie mitten über das noch verschüttete Bauwerk, dessen östlicher Teil bis heute unter der Straße liegt. Wer die Anlage in Ruhe abläuft, erkennt den vollständigen Grundriss einer griechisch-römischen Stadt mit Heiligtümern, öffentlichem Zentrum und Wohnvierteln.

Das Nationalmuseum und das Grab des Tauchers

Gleich gegenüber der Ausgrabungszone liegt das Museo Archeologico Nazionale di Paestum, dessen Besuch im Ticket für die Ausgrabungen enthalten ist. Sein berühmtestes Stück ist die Tomba del Tuffatore, das Grab des Tauchers. Die 1968 südlich der Stadt entdeckte Grabkammer aus der Zeit um 480 bis 470 v. Chr. besteht aus fünf bemalten Travertinplatten. Die Seitenwände zeigen Szenen eines Gastmahls, die Deckplatte einen jungen Mann, der kopfüber ins Wasser springt, gedeutet als Sprung aus dem Leben in die Welt der Toten.

Die Bedeutung dieser Malereien lässt sich kaum überschätzen: Es handelt sich um das einzige vollständig erhaltene Beispiel griechischer figürlicher Wandmalerei aus archaischer und klassischer Zeit. Von der berühmten griechischen Tafelmalerei ist sonst praktisch nichts überliefert, das Grab des Tauchers schließt diese Lücke zumindest einen Spalt weit. Daneben zeigt das Museum die archaischen Metopen aus dem Hera-Heiligtum an der Mündung des Sele, bemalte Lukanergräber, Vasen und Weihegaben aus den Tempelbezirken.

Von Poseidonia zu Paestum: Geschichte der Stadt

Gegründet wurde die Stadt um 600 v. Chr. von griechischen Siedlern aus Sybaris, einer Kolonie in Kalabrien, und erhielt den Namen Poseidonia, zu Ehren des Meeresgottes Poseidon. Die Lage in der fruchtbaren Ebene am Golf von Salerno bescherte ihr rasch Wohlstand, aus dieser Blütezeit stammen alle drei großen Tempel. Gegen Ende des 5. Jahrhunderts v. Chr. übernahmen die Lukaner, ein italisches Volk aus dem Hinterland, die Kontrolle über die Stadt. 273 v. Chr. gründete Rom hier eine Kolonie und gab ihr den Namen Paestum.

In der Spätantike begann der Niedergang: Die Ebene versumpfte, Malaria breitete sich aus, und nach Sarazenenüberfällen im 9. Jahrhundert zogen sich die letzten Bewohner in die Hügel zurück, wo der Ort Capaccio entstand. Die antike Stadt versank über Jahrhunderte hinter Buschwerk und Sümpfen, was ihre Bauten paradoxerweise vor dem Abriss als Steinbruch bewahrte.

Wiederentdeckt wurde Paestum im 18. Jahrhundert, als beim Bau einer Straße durch das Gelände die Tempel wieder ins Blickfeld rückten. Stiche von Künstlern wie Piranesi machten die Ruinen in ganz Europa bekannt, und Paestum wurde zur festen Station der Grand Tour. Auch Goethe besuchte die Tempel im Jahr 1787 und schildert in seiner "Italienischen Reise", wie ihn die gedrungenen Säulen zunächst befremdeten, ehe er die Anlage als eines der großartigsten Zeugnisse der Antike würdigte. Die systematische Ausgrabung der Stadt begann im 20. Jahrhundert und dauert bis heute an.

Strände und Badeurlaub am Golf von Salerno

Nur wenige Gehminuten von den Tempeln entfernt beginnt der Sandstrand von Paestum, der sich flach und breit am Golf von Salerno entlangzieht. Gesäumt wird er von einem schattigen Pinienwald, dahinter liegen Hotels, Campingplätze und Ferienanlagen. Der Einstieg ins Wasser ist sanft, was den Strand besonders für Familien mit Kindern angenehm macht. Neben bewirtschafteten Strandbädern mit Liegen und Schirmen gibt es frei zugängliche Abschnitte.

Die Kombination ist in Italien selten: Am Vormittag durch eine griechische Tempelstadt spazieren, am Nachmittag im Meer baden, dazwischen liegen keine zwei Kilometer. Wer mehr Abwechslung sucht, findet entlang der kampanischen Küste zahlreiche weitere Badeorte, von den Felsbuchten des Cilento im Süden bis zu den berühmten Küstenorten im Norden. Einen Überblick gibt die Seite zu den Stränden in Kampanien.

Büffelmozzarella aus der Piana del Sele

Die Ebene um Paestum ist eines der wichtigsten Anbaugebiete der Mozzarella di Bufala Campana, die seit 1996 als Produkt mit geschützter Ursprungsbezeichnung (DOP) anerkannt ist. Auf den Weiden der Piana del Sele grasen Tausende Wasserbüffel, deren fette, eiweißreiche Milch dem Käse seinen unverwechselbar cremigen Charakter gibt. Viele Höfe verarbeiten die Milch direkt vor Ort und verkaufen den Mozzarella im eigenen Hofladen, oft noch lauwarm vom Morgen.

Einige Betriebe öffnen ihre Ställe und Käsereien auch für Besucher, darunter die bekannte Tenuta Vannulo, die ihre Büffel biologisch hält. Eine Verkostung direkt beim Erzeuger gehört zu den lohnendsten kulinarischen Erlebnissen der Region, denn frischer Büffelmozzarella schmeckt vor Ort deutlich intensiver als jede exportierte Ware. Mehr über Herstellung und Sorten steht auf der Seite zum Mozzarella.

Ausflüge in die Umgebung

Paestum eignet sich hervorragend als Ausgangspunkt für Entdeckungen in zwei Richtungen. Südlich beginnt der Nationalpark Cilento und Vallo di Diano mit Bergdörfern, Küstenstädtchen wie Agropoli und einsamen Badebuchten. Dort liegt auch Velia, das antike Elea, Heimat der Philosophen Parmenides und Zenon und gemeinsam mit Paestum Teil des UNESCO-Welterbes. Die Ausgrabungen von Velia sind deutlich ruhiger als die von Paestum und lassen sich gut mit einer Fahrt entlang der Cilento-Küste verbinden.

Nördlich locken die Klassiker Kampaniens: Die Amalfiküste mit Orten wie Amalfi und Positano ist über Salerno in gut einer Stunde erreichbar. Wer antike Stätten vergleichen möchte, fährt weiter nach Pompeji, das mit seiner römischen Alltagswelt einen ganz anderen Blick auf die Antike bietet als das griechische Paestum. Auch Neapel mit seinem Archäologischen Nationalmuseum und die Insel Capri sind als Tagesausflüge machbar, erfordern wegen der Fahrzeiten aber einen frühen Start.

Anreise und beste Reisezeit

Paestum hat einen eigenen Bahnhof an der Bahnstrecke von Salerno in Richtung Süden. Regionalzüge brauchen von Salerno etwa 30 bis 40 Minuten, von Neapel aus dauert die Fahrt je nach Verbindung rund anderthalb Stunden, teils mit Umstieg in Salerno. Vom Bahnhof sind es nur wenige Gehminuten bis zur Porta Sirena und damit zur Ausgrabungszone, bequemer geht Anreise zu einer Welterbestätte kaum. Mit dem Auto folgt man der Autostrada A2 bis zur Ausfahrt Battipaglia und weiter der SS18 nach Süden; vor Ort gibt es ausgeschilderte Parkplätze nahe der Ausgrabungen.

Der nächstgelegene größere Flughafen ist Neapel-Capodichino, von dort sind es rund 100 Kilometer beziehungsweise etwa eineinhalb Stunden Fahrt. Deutlich näher liegt der 2024 wiedereröffnete Flughafen Salerno Costa d'Amalfi bei Pontecagnano, rund 30 Kilometer nördlich von Paestum, der bislang allerdings nur von wenigen Airlines angeflogen wird.

Die beste Reisezeit für die Ausgrabungen sind Frühjahr und Herbst: Von April bis Juni und von September bis Oktober sind die Temperaturen angenehm, und das weitgehend schattenlose Gelände lässt sich ohne Hitzestress erkunden. Im Frühjahr blüht es zwischen den Ruinen besonders üppig, passend zu einem Ort, dessen Rosen schon in der Antike berühmt waren: Römische Dichter wie Vergil rühmten die zweimal im Jahr blühenden Rosengärten von Paestum. Im Hochsommer empfiehlt sich der Besuch am frühen Morgen oder späten Nachmittag, wenn das Licht die Tempel ohnehin am schönsten zeigt; die Mittagsstunden gehören dann dem Strand. Baden ist in der Regel von Juni bis September möglich. Die Ausgrabungen und das Museum sind ganzjährig zugänglich, im Winter hat man die Tempel oft fast für sich allein.

Über den Autor

Marcus

Mitgründer von italien.de Reiseziele und Küche

Marcus fährt seit 2002 mehrmals im Jahr nach Italien, vom Norden bis in den Süden, mit einer Schwäche für die Toskana rund um Siena und Florenz. Zu Hause steht er nach Nonna-Art am Herd, und über seine Carbonara lässt er nicht mit sich verhandeln.

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Paestum: Häufige Fragen

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Was sind die wichtigsten Sehenswürdigkeiten in Paestum?
Zu den bekanntesten zählen Villa Cimbrone, Villa Rufolo und Nationalpark Cilento und Vallo di Diano. Die vollständige Übersicht findest du im Abschnitt Sehenswürdigkeiten.
Wann ist die beste Reisezeit für Paestum?
Zum Baden ist Juni bis September die richtige Zeit, dann ist das Wasser warm genug. Für Besichtigungen und Wanderungen sind März bis Mai sowie Oktober bis November angenehmer. Im Hochsommer erreichen die Tageshöchstwerte bis zu 31 Grad.
Wie reist man nach Paestum an?
Der nächstgelegene Flughafen ist Neapel (NAP). Von dort geht es mit Bahn, Bus oder Mietwagen weiter. Die Anreise mit dem eigenen Auto ist möglich, aus dem deutschsprachigen Raum aber eine lange Strecke.
Wie viele Tage sollte man für Paestum einplanen?
Für die wichtigsten Ziele genügt oft ein Tag, etwa als Tagesausflug in Kombination mit der Umgebung.
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