Pompeji liegt am Fuß des Vesuv in der Region Kampanien, rund 25 Kilometer südöstlich von Neapel. Der Name steht für zwei Orte zugleich: für die lebendige Kleinstadt Pompei mit ihrer großen Wallfahrtsbasilika und für die Scavi di Pompei, die Ausgrabungen der antiken Römerstadt, die beim Ausbruch des Vesuv im Jahr 79 n. Chr. unter Asche und Bimsstein begraben wurde.
Genau dieser Untergang hat Pompeji zu einem der wichtigsten archäologischen Orte der Welt gemacht. Weil die Stadt nicht langsam verfiel, sondern binnen Stunden verschüttet wurde, blieben Straßen, Häuser, Läden, Wandmalereien und Alltagsgegenstände an Ort und Stelle erhalten. Wer heute durch die Ruinen geht, läuft über originales römisches Pflaster und sieht eine Stadt des ersten Jahrhunderts nach Christus so klar wie an kaum einem anderen Ort. Seit 1997 gehört das Gelände gemeinsam mit Herculaneum und Torre Annunziata zum UNESCO-Welterbe.
Pompeji lohnt sich als Tagesausflug von Neapel, der Amalfiküste oder Sorrent aus, aber auch für einen längeren Aufenthalt. Das Areal ist groß, die Wege sind lang, und wer die berühmtesten Häuser wirklich sehen will, braucht mehr Zeit als die zwei Stunden, die viele Bustouren einplanen.
Die Ausgrabungen und das Forum
Das archäologische Gelände umfasst rund 66 Hektar, von denen etwa 44 Hektar freigelegt sind. Über 1.500 Gebäude wurden bisher ausgegraben, ein Teil der antiken Stadt liegt bis heute unter der Erde. Man betritt das Areal meist über den Eingang Porta Marina im Westen und steht schnell im Forum, dem rechteckigen Hauptplatz. Hier lagen Verwaltung, Handel und Religion beieinander: die Basilika als Gerichts- und Geschäftsgebäude, der Jupitertempel, dessen Säulenreste den Vesuv im Hintergrund rahmen, und das Macellum, die überdachte Markthalle für Fleisch und Fisch.
Vom Forum ziehen sich die Hauptstraßen durch die Regionen der Stadt. Die Via dell'Abbondanza führt quer durch das Gelände nach Osten und war die belebteste Geschäftsstraße Pompejis, gesäumt von Werkstätten, Tavernen und Wohnhäusern. An mehreren Stellen erkennt man noch die hohen Trittsteine, über die Fußgänger die Fahrbahn überquerten, ohne durch Schmutz und Abwasser zu waten. Wagenspuren haben sich tief in die Basaltplatten eingegraben.
Amphitheater, Thermen und Wohnhäuser
Am östlichen Rand der Stadt steht das Amphitheater, um 70 v. Chr. errichtet und damit das älteste bekannte steinerne Amphitheater der römischen Welt. Der elliptische Bau misst rund 135 mal 104 Meter und bot bis zu 20.000 Zuschauern Platz, die aus Pompeji und den Nachbarorten zu Gladiatorenkämpfen strömten. Vom Forum sind es zu Fuß gut zehn bis fünfzehn Minuten über die Via dell'Abbondanza.
Zu den eindrucksvollsten Wohnhäusern zählt die Casa del Fauno, eines der größten Stadthäuser Pompejis, benannt nach der bronzenen Faun-Statue in seinem Innenhof. Von hier stammt das berühmte Alexandermosaik, dessen Original heute im Archäologischen Nationalmuseum in Neapel liegt. Sehenswert sind außerdem die gut erhaltenen Thermen, etwa die Stabianer und die Forumsthermen mit ihren beheizten Räumen und Stuckdecken, sowie das Lupanar, das einzige eindeutig als Bordell gebaute Haus, mit erotischen Wandbildern über den kleinen Kammern.
Bewegend sind die Gipsabgüsse der Opfer. Die Verschütteten hinterließen im erhärteten Asche-Material Hohlräume, die Archäologen im 19. Jahrhundert mit Gips ausgossen. So entstanden die Körperabdrücke von Menschen und Tieren im Moment ihres Todes, die heute an mehreren Stellen des Geländes zu sehen sind, unter anderem im Garten der Flüchtlinge.
Die Villa dei Misteri
Etwas abseits, am westlichen Rand des Geländes außerhalb der antiken Stadtmauer, liegt die Villa dei Misteri. Ihren Namen verdankt sie einem der besterhaltenen Wandbildzyklen der Antike: einem fast lebensgroßen Fries, der über mehrere Wände eines Raumes läuft und die Einweihung einer jungen Frau in den Kult des Dionysos zeigt. Die Farben, darunter das kräftige Pompejanische Rot, sind erstaunlich frisch geblieben. Der Weg zur Villa ist etwas weiter, lohnt sich aber, weil die Räume hier ruhiger sind als die stark besuchten Häuser im Zentrum.
Die moderne Stadt Pompei und die Wallfahrtsbasilika
Direkt neben den Ausgrabungen liegt die heutige Stadt Pompei, gegründet im späten 19. Jahrhundert rund um das Heiligtum der Madonna del Rosario. Die Basilika Santuario della Beata Vergine del Rosario ist ein bedeutender Marienwallfahrtsort Süditaliens und zieht das ganze Jahr über Pilger an. Rund um die Piazza Bartolo Longo findest du Cafés, Restaurants und Geschäfte, praktisch für eine Pause vor oder nach dem Rundgang durch die antike Stadt.
Ausflüge in die Umgebung
Pompeji ist ein guter Ausgangspunkt, um den Golf von Neapel zu erkunden. Naheliegend ist die Fahrt zum Vesuv selbst: Von einem Parkplatz auf rund 1.000 Metern führt ein Wanderweg in etwa einer halben Stunde bis an den Kraterrand, von dem sich der Blick über die ganze Bucht öffnet. Ebenfalls sehr lohnend ist Herculaneum, die zweite vom Vesuv verschüttete Stadt. Sie ist kleiner und kompakter als Pompeji, dafür sind hier durch die andere Art der Verschüttung sogar hölzerne Bauteile und obere Stockwerke erhalten geblieben.
Neapel mit dem Archäologischen Nationalmuseum, in dem viele Originalfunde aus Pompeji ausgestellt sind, erreichst du in gut einer halben Stunde. In die andere Richtung locken Sorrent und die Küstenorte Positano und Amalfi an der Amalfiküste. Auch die Insel Capri lässt sich von Sorrent oder Neapel aus per Fähre besuchen. Wer nach so viel Antike ans Wasser möchte, findet entlang der Strände Kampaniens passende Ziele.
Anreise und beste Reisezeit
Der nächste Flughafen ist Neapel-Capodichino, rund 27 Kilometer nördlich. Am bequemsten erreichst du die Ausgrabungen mit der Regionalbahn Circumvesuviana auf der Linie Neapel nach Sorrent: Die Haltestelle Pompei Scavi-Villa dei Misteri liegt nur wenige Schritte vom Eingang Porta Marina entfernt. Zur modernen Stadt und ihrer Basilika fährst du dagegen mit den Zügen von Trenitalia zum Bahnhof Pompei. Mit dem Auto führt die Autobahn A3 von Neapel nach Salerno direkt an Pompei vorbei, Abfahrt Pompei Ovest oder Est. Rund um die Eingänge gibt es kostenpflichtige Parkplätze; im historischen Kern der modernen Stadt gelten Verkehrsbeschränkungen, das archäologische Gelände selbst ist ohnehin nur zu Fuß zugänglich.
Aus Österreich fliegst du von Wien direkt nach Neapel und nimmst von dort Bahn oder Mietwagen; alternativ ist die Anreise mit dem Auto über die Tauern- und Brennerroute möglich, ist aber lang. Aus der Schweiz bietet sich der Flug von Zürich nach Neapel an, ebenfalls mit Anschluss über die Circumvesuviana. Für die Weiterfahrt an die Küste ist ein Mietwagen praktisch, für den reinen Besuch der Ausgrabungen aber nicht nötig.
Das Gelände ist von April bis Oktober täglich ab 9 Uhr geöffnet, letzter Einlass gegen 17.30 Uhr, im Winterhalbjahr von November bis März schließt es früher am Nachmittag. Die beste Reisezeit sind Frühjahr und Herbst: April, Mai, September und Oktober bringen mildes Wetter und angenehme Temperaturen für die langen Wege über das schattenarme Areal. Der Hochsommer ist heiß und stark besucht, hier lohnt der frühe Vormittag. Der Winter ist ruhiger und oft mild, dafür sind die Öffnungszeiten kürzer. Feste Schuhe, Wasser und ein Sonnenschutz gehören zu jeder Jahreszeit ins Gepäck, denn Schatten gibt es auf dem antiken Straßennetz nur wenig.








































