Nuraghe Su Nuraxi
Die Nuraghe Su Nuraxi bei Barumini auf Sardinien: der bedeutendste prähistorische Turmbau der Insel, UNESCO-Welterbe.…
Porto Rotondo ist ein geplanter Ferienort an der Nordostküste Sardiniens, gebaut rund um eine fast kreisrunde Naturbucht zwischen den Landzungen Punta Nuraghe und Punta Volpe. Der Name bedeutet wörtlich "runder Hafen", und genau das war der Ausgangspunkt: eine geschützte Bucht, die sich als Yachthafen anbot, und drumherum ein Dorf, das es vorher nicht gab. Verwaltungstechnisch gehört Porto Rotondo als Ortsteil zur Gemeinde Olbia, deren Zentrum etwa 15 Kilometer südlich liegt.
Wer den Ort besucht, merkt schnell, dass hier nichts über Jahrhunderte gewachsen ist. Porto Rotondo wurde 1964 von den venezianischen Grafen Luigi und Nicolò Donà dalle Rose gegründet, als Antwort auf die Costa Smeralda, die der Aga Khan wenige Jahre zuvor nördlich davon aufgebaut hatte. Die Brüder wollten keinen reinen Badeort, sondern einen Treffpunkt für Künstler und Sammler, und sie holten namhafte Bildhauer wie Andrea Cascella und Mario Ceroli auf die Insel, deren Arbeiten den Ort bis heute prägen.
Im Sommer füllt sich Porto Rotondo mit italienischer und internationaler Prominenz, mit Yachten in der Marina und gut besuchten Plätzen. Im Winter kehrt Ruhe ein, dann leben nur wenige hundert Menschen dauerhaft im Ort, viele Geschäfte und Restaurants schließen. Wer Porto Rotondo besuchen will, sollte diesen Rhythmus kennen: Der Ort ist ein ausgeprägter Saisonort mit Hochbetrieb von Juni bis September.
Die Gründungsgeschichte ist gut dokumentiert. 1964 erwarben die Grafen Luigi und Nicolò Donà dalle Rose aus Venedig das Land rund um die runde Bucht und begannen, Hafen und Dorf zu errichten. Vorbild und Konkurrent zugleich war die Costa Smeralda, die der Aga Khan ab 1962 mit seinem Konsortium einige Kilometer weiter nördlich entwickelte. Die Donà dalle Rose setzten dabei bewusst eigene Akzente: Statt der neomediterranen Fantasiearchitektur von Porto Cervo ließen sie in Porto Rotondo viel mit lokalem Granit arbeiten, und die Plätze und Gassen zitieren mit ihren Arkaden und Durchgängen die venezianische Heimat der Gründer.
Aus dem ursprünglichen Kern rund um den Hafen wuchs über die Jahrzehnte ein weitläufiges Villengebiet, das sich über die Halbinsel bis zu den Spitzen Punta Volpe und Punta Lada zieht. Die bekannteste Adresse ist die Villa Certosa bei Punta Lada, das langjährige Sommeranwesen von Silvio Berlusconi, in dem er auch Staatsgäste empfing. Die Prominenz gehört seit den Anfängen zum Ort, tritt hier aber etwas leiser auf als in Porto Cervo: Porto Rotondo gilt als die diskretere, italienischere Variante des sardischen Sommerlebens.
Das Zentrum des Ortes ist die Piazzetta San Marco, deren Name kein Zufall ist: Die Gründer benannten sie nach dem berühmtesten Platz ihrer Heimatstadt Venedig. Arkadengänge, Geschäfte, Bars und Restaurants rahmen den Platz, der in der Saison vom späten Vormittag bis weit nach Mitternacht belebt ist. Von hier führen kurze Fußwege hinunter zum Hafen und hinauf zur Kirche.
Sehenswert ist die Architektur vor allem wegen ihres Materials. Sardischer Granit wurde in Porto Rotondo nicht nur für Fassaden verwendet, sondern für Treppen, Bänke, Brunnen und ganze Platzflächen. Das gibt dem Ort eine erdigere, kantigere Anmutung als den verputzten Pastellfassaden anderer Küstenorte. Rund um die Piazzetta und die angrenzende Via del Molo konzentrieren sich Boutiquen internationaler Marken, dazu Ableger bekannter italienischer Gastronomen. Die Preise liegen deutlich über dem sardischen Durchschnitt, das sollte niemanden überraschen, der die Lage kennt.
Der kunsthistorisch interessanteste Bau des Ortes ist die Kirche San Lorenzo oberhalb der Piazzetta. Der Bau wurde ab 1967 nach Plänen des Bildhauers Andrea Cascella errichtet, die Innengestaltung übernahm sein Kollege Mario Ceroli. Das Gewölbe hat die Form eines umgedrehten Schiffsrumpfs, und zwischen den Holzbalken schweben tausende Figuren aus russischem Kiefernholz: ein Jüngstes Gericht aus geschnitzten Silhouetten, dazu Szenen wie das letzte Abendmahl und die Flucht nach Ägypten. Viele der Profile tragen Züge realer Personen aus dem Umfeld der Gründerfamilie. Der Besuch ist kostenlos, in der Saison finden regelmäßig Gottesdienste und Konzerte statt.
Von Ceroli stammt auch das zweite Wahrzeichen des Ortes: das Freilufttheater von Porto Rotondo, ein 1995 eingeweihtes Amphitheater aus Granit, das in einer Sichtachse mit Kirche und Hafen liegt. Rund 700 Zuschauer finden auf den halbrunden Steinstufen Platz, im Juli und August wird es für Konzerte, Theaterabende und Veranstaltungen der Gemeinde genutzt. Auch außerhalb der Veranstaltungen lohnt der kurze Aufstieg, denn von den oberen Rängen öffnet sich der Blick über die Bucht und den Golfo di Cugnana.
Der Yachthafen ist das wirtschaftliche und gesellschaftliche Herz des Ortes. Die Marina di Porto Rotondo bietet 655 Liegeplätze und nimmt auch Superyachten auf, womit sie zu den großen Sportboothäfen Sardiniens zählt. Im Sommer liegen hier Segelyachten neben Motoryachten, deren Namen regelmäßig in Klatschspalten auftauchen. Für Besucher ohne eigenes Boot ist der Hafen trotzdem lohnend: Die Mole lässt sich ablaufen, und vom Wasser aus starten in der Saison Ausflugsboote zu den Buchten der Umgebung. Am Hafenbecken reihen sich Bars und Restaurants, die abends zu den belebtesten Adressen des Ortes gehören.
Vom Hafen aus werden auch Bootsausflüge in den Maddalena-Archipel angeboten, dessen Inselwelt unter Naturschutz steht. Die Hauptinsel La Maddalena und die unbewohnten Nachbarinseln mit ihren türkisfarbenen Buchten gehören zu den meistgebuchten Tagestouren im Nordosten Sardiniens.
Die Strände des Ortes verteilen sich auf die Halbinsel zwischen den beiden Landspitzen. Direkt beim Ortszentrum liegt die Spiaggia Ira, ein heller Sandstrand in einer geschützten Bucht, in der Saison mit Strandbad und Verleih. Richtung Punta Volpe folgen kleinere Buchten wie die Spiaggia dei Sassi, wo Granitfelsen im flachen Wasser liegen, gut zum Schnorcheln, weniger gut für Familien mit Sandburg-Ambitionen. Auch rund um Punta Lada gibt es kleine Badebuchten, die allerdings teils über Privatgrundstücke schwer zugänglich sind.
Der größte Strand der Umgebung liegt wenige Kilometer nördlich am Golfo di Marinella: ein langer, flach abfallender Sandstrand, der sich auch für Kinder eignet und mehr Platz bietet als die Buchten der Halbinsel. Parkplätze und Strandbäder sind vorhanden, in der Hochsaison füllt sich der Strand trotzdem schnell. Wer weitere Küstenabschnitte der Insel vergleichen will, findet eine Übersicht unter Strände auf Sardinien.
Porto Rotondo wird oft als Ort der Costa Smeralda bezeichnet, und praktisch gesehen ist das nachvollziehbar: Die Küste des Konsortiums beginnt nur wenige Kilometer nördlich. Formal stimmt es aber nicht. Die Costa Smeralda im engeren Sinn ist das Gebiet des Consorzio Costa Smeralda, das der Aga Khan 1962 gründete und das im Wesentlichen auf dem Gemeindegebiet von Arzachena liegt und dort Orte wie Porto Cervo und Cala di Volpe umfasst. Porto Rotondo gehört zur Gemeinde Olbia und war von Anfang an ein eigenständiges, konkurrierendes Projekt der Donà dalle Rose.
Für die Reiseplanung ist der Unterschied durchaus relevant. Wer gezielt die Orte des Konsortiums sehen will, etwa Porto Cervo mit seiner Piazzetta und dem Yachthafen, fährt von Porto Rotondo aus etwa eine halbe Stunde die Küste hinauf. Umgekehrt ist Porto Rotondo für Costa-Smeralda-Urlauber ein lohnender Abstecher, gerade wegen der Kirche und des Theaters, die es in dieser Form nirgendwo sonst an dieser Küste gibt. Preislich nehmen sich beide Gebiete im Hochsommer wenig, in der Nebensaison ist Porto Rotondo durch die Nähe zu Olbia oft die praktischere Basis.
Olbia ist mit rund 15 Kilometern Entfernung die naheliegendste Stadt für Ausflüge und Erledigungen. Die Hafenstadt hat mit der romanischen Basilika San Simplicio, dem archäologischen Museum und der Fußgängerzone um den Corso Umberto ein kompaktes, sehenswertes Zentrum und deutlich moderatere Restaurantpreise als die Küstenorte. Nördlich von Porto Rotondo lohnt Golfo Aranci mit seinen Stadtstränden und dem Kap Capo Figari, dessen Wanderweg zu einem ehemaligen Marinestützpunkt mit weitem Blick über das Tyrrhenische Meer führt.
Wer längere Tagesausflüge plant, hat im Nordosten Sardiniens reichlich Auswahl: das Landesinnere der Gallura mit Granitbergen und Korkeichenwäldern, die Nuraghen und Gigantengräber bei Arzachena oder die Badeorte südlich von Olbia, allen voran San Teodoro mit dem bekannten Strand La Cinta. Für Bootsausflüge in den Maddalena-Archipel ist Porto Rotondo selbst ein guter Startpunkt, alternativ fahren die Ausflugsboote auch von Palau und Cannigione ab.
Sportlich hat die Gegend über das Baden hinaus einiges zu bieten. Taucher finden an den Felsküsten von Punta Volpe und Capo Figari klares Wasser, mehrere Tauchbasen in der Umgebung bieten Kurse und geführte Ausfahrten an. Golfer erreichen den bekannten Pevero Golf Club bei Porto Cervo in etwa 30 Minuten. Und wer zwischen zwei Strandtagen klimatisiert einkaufen will, findet an der Schnellstraße bei Olbia ein großes Einkaufszentrum mit Marken- und Outletgeschäften.
Die Anreise ist unkompliziert, denn der Flughafen Olbia Costa Smeralda (OLB) liegt nur rund 20 Kilometer entfernt, mit dem Auto etwa 20 bis 25 Minuten. In der Sommersaison wird er aus vielen deutschen, österreichischen und Schweizer Städten direkt angeflogen. Ein Mietwagen ist für Porto Rotondo praktisch unverzichtbar, da der öffentliche Busverkehr zwischen Olbia und dem Ort dünn ist und viele Strände und Buchten ohne Auto kaum erreichbar sind. Wer mit dem eigenen Wagen kommt, nutzt die Fähren nach Olbia oder Golfo Aranci, beide Häfen liegen weniger als eine halbe Stunde entfernt. Ab Olbia führt die Schnellstraße SS125 in wenigen Minuten zur Abzweigung nach Porto Rotondo. Allgemeine Hinweise zu Fähren und Flugverbindungen stehen auf der Seite Anreise nach Italien.
Die beste Reisezeit hängt davon ab, was man sucht. Baden ist verlässlich von Juni bis September möglich, das Wasser erreicht im August 24 bis 25 Grad. Juli und August sind zugleich die Monate, in denen der Ort am vollsten und am teuersten ist; wer es ruhiger mag, kommt im Juni oder September, wenn die Strände leerer sind und die Restaurants noch geöffnet haben. Mai und Oktober eignen sich für Wanderungen und Ausflüge, zum Baden braucht es dann etwas Wetterglück. Von November bis April sollte man Porto Rotondo nicht als Reiseziel einplanen: Der Ort lebt fast ausschließlich vom Sommer, außerhalb der Saison sind die meisten Geschäfte, Hotels und Restaurants geschlossen und die Piazzetta liegt verlassen da. Wer Sardinien im Winter erleben will, ist in Olbia oder Cagliari besser aufgehoben.
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