Riccione
Emilia-Romagna

Riccione

Touristenhochburg an der Adria

Riccione trägt seit gut hundert Jahren den Beinamen Perla Verde, die grüne Perle der Adria. Der Name kommt nicht von ungefähr. Hinter dem sechs Kilometer langen Sandstrand liegen von Pinien und Oleander gesäumte Alleen und Villenviertel, die dem Badeort ein anderes Gesicht geben als vielen Nachbarorten an der Riviera. Die Stadt mit rund 35.000 Einwohnern gehört zur Provinz Rimini in der Emilia-Romagna und zählt seit Jahrzehnten zu den bekanntesten Seebädern Italiens. Dabei bedient Riccione zwei Publikumsschichten gleichzeitig, die sich erstaunlich gut vertragen. Tagsüber prägen Familien das Bild, die zwischen Strandbad, Wasserpark und Eisdiele pendeln. Abends übernimmt das junge Publikum, für das Riccione seit den 1980er Jahren einer der wichtigsten Nightlife-Orte Italiens ist. Wer den Trubel des Hochsommers meiden will, kommt...

Riccione trägt seit gut hundert Jahren den Beinamen Perla Verde, die grüne Perle der Adria. Der Name kommt nicht von ungefähr. Hinter dem sechs Kilometer langen Sandstrand liegen von Pinien und Oleander gesäumte Alleen und Villenviertel, die dem Badeort ein anderes Gesicht geben als vielen Nachbarorten an der Riviera. Die Stadt mit rund 35.000 Einwohnern gehört zur Provinz Rimini in der Emilia-Romagna und zählt seit Jahrzehnten zu den bekanntesten Seebädern Italiens.

Dabei bedient Riccione zwei Publikumsschichten gleichzeitig, die sich erstaunlich gut vertragen. Tagsüber prägen Familien das Bild, die zwischen Strandbad, Wasserpark und Eisdiele pendeln. Abends übernimmt das junge Publikum, für das Riccione seit den 1980er Jahren einer der wichtigsten Nightlife-Orte Italiens ist. Wer den Trubel des Hochsommers meiden will, kommt im Mai, Juni oder September und erlebt eine deutlich ruhigere Stadt mit denselben Stränden und Thermen.

Anders als das größere Rimini nebenan hat Riccione kein historisches Zentrum mit römischen Bauten. Die Stadt ist ein Kind des Bädertourismus und macht daraus keinen Hehl. Ihre Sehenswürdigkeiten heißen Strandpromenade, Flaniermeile, Freizeitpark und Therme, dazu kommt mit der Villa Mussolini ein Ort, an dem italienische Geschichte greifbar wird.

Viale Ceccarini, die Flaniermeile der Perla Verde

Das Herz von Riccione schlägt auf dem Viale Ceccarini, der vom Bahnhofsviertel hinunter zum Meer führt. Die von Bäumen gesäumte Straße ist über weite Strecken Fußgängerzone und vereint Boutiquen, Cafés, Restaurants und Eisdielen. Am Abend wird der abendliche Bummel über den Viale, die sogenannte Passeggiata, für viele Gäste zum festen Programmpunkt. Die Preise in den Bars an der Meile liegen spürbar über dem Ortsdurchschnitt, dafür sitzt man in der ersten Reihe des Geschehens. Kulinarisch lohnt der Blick über die Promenade hinaus. In den Seitenstraßen und im Viertel rund um den alten Ortskern servieren Trattorien die Küche der Romagna, allen voran die Piadina, das gefüllte Fladenbrot der Region, dazu frischen Fisch aus der Adria und Sangiovese aus den Hügeln des Hinterlands.

Ihren Namen trägt die Straße seit 1912, und die Geschichte dahinter ist bemerkenswert. Maria Boorman Wheeler, eine wohlhabende Amerikanerin und Ehefrau des Arztes Giovanni Ceccarini, lebte um die Jahrhundertwende in Riccione und wurde zur großen Wohltäterin des damals armen Fischerortes. Sie finanzierte unter anderem das erste Krankenhaus, kümmerte sich um die öffentliche Beleuchtung und ließ jahrelang täglich Suppen an Bedürftige ausgeben. Seit 2012 erinnert eine Statue auf dem Viale an sie, eingeweiht hundert Jahre nach der Benennung der Straße.

Sechs Kilometer Strand mit Bagni-Kultur

Der Strand von Riccione zieht sich über rund sechs Kilometer von der Grenze zu Rimini im Norden bis nach Misano Adriatico im Süden. Er ist breit, feinsandig und fällt flach ins Wasser ab, was ihn für Familien mit kleinen Kindern gut geeignet macht. Organisiert ist er nach klassischer Adria-Art in nummerierte Strandbäder, die Bagni, von denen es in Riccione weit über hundert gibt. Jedes Bagno vermietet Liegen und Schirme und bietet dazu Duschen, Kabinen, Spielbereiche und meist eine Bar. Wer keinen Platz mieten will, findet unter anderem an der Mündung des Flüsschens Marano frei zugängliche Strandabschnitte.

Die Wasserqualität wird seit Jahren mit der Blauen Flagge ausgezeichnet, zuletzt auch 2026. Am Strand selbst ist einiges los. Beachvolleyballfelder gehören fast überall dazu, im Frühjahr trifft sich die Szene beim Beach Line Festival, einem der größten Beachvolleyball-Treffen Europas. Dazu kommen Wassersportangebote vom Stand-up-Paddling bis zum Segeln. Einen Überblick über die Küste der Region gibt die Seite zu den Stränden der Emilia-Romagna.

Nachtleben zwischen Pyramide und Strandbar

Ricciones Ruf als Ausgehstadt reicht Jahrzehnte zurück und lebt bis heute. Das bekannteste Haus ist das Cocoricò, 1989 eröffnet und an seiner verglasten Pyramide schon von weitem zu erkennen. Der Club auf dem Hügel über der Stadt gilt als eine der wichtigsten Adressen der italienischen Techno-Szene und holt bis heute internationale DJs an die Adria, im Sommer mit Veranstaltungen an den Wochenenden. Ebenfalls seit vielen Jahren etabliert ist der Peter Pan Club in den Hügeln von Riccione, der mit Restaurant, Pool und Garten ganzjährig geöffnet hat und im Sommer regelmäßig bekannte Namen der italienischen Musikszene auf die Bühne bringt.

Wer es weniger clubbig mag, muss deshalb nicht früh ins Bett. Entlang der Promenade und in der Zone rund um den Hafen reihen sich Bars und Lokale mit Livemusik, viele Strandbäder veranstalten in der Saison Aperitivo-Abende direkt am Wasser. Das Publikum ist gemischter, der Eintritt meist frei, und die Wege sind kurz, weil sich fast alles fußläufig zwischen Viale Ceccarini und Strand abspielt.

Aquafan und Oltremare, die Parks auf dem Hügel

Auf einem Hügel am Stadtrand liegen direkt nebeneinander die beiden Freizeitparks, die Riccione weit über Italien hinaus bekannt gemacht haben. Der Wasserpark Aquafan wurde 1987 eröffnet und zählt zu den größten und bekanntesten Wasserparks Europas. Auf rund 90.000 Quadratmetern warten mehr als drei Kilometer Rutschen, darunter Klassiker wie die steile Kamikaze und die im Dunkeln verlaufende Röhrenrutsche, dazu ein großes Wellenbad und langsame Flüsse zum Treiben lassen. Geöffnet ist in der Regel von Anfang Juni bis Mitte September. Eine Besonderheit ist der Walky Cup, eine 1988 im Park eröffnete Freiluftdiskothek, in der bis heute Konzerte und Abendveranstaltungen stattfinden. Tickets sind online meist günstiger als an der Tageskasse.

Gleich nebenan liegt Oltremare, ein Themenpark zu Meer und Natur mit über 110.000 Quadratmetern Fläche. Bekanntester Teil ist die Delfinlagune, in der täglich Vorführungen mit den Tieren stattfinden. Wer einen Besuch plant, sollte wissen, dass die Haltung von Delfinen in solchen Anlagen von Tierschutzorganisationen seit Jahren kritisch diskutiert wird. Der Park versteht sich seinerseits als Bildungseinrichtung und setzt neben der Lagune auf Ausstellungen zur Unterwasserwelt, einen großen Abenteuerspielbereich und Falknervorführungen. Weitere Parks der Umgebung, darunter Mirabilandia bei Ravenna, versammelt die Übersicht der Freizeitparks in der Emilia-Romagna.

Thermen und Sport, das zweite Standbein

Weniger bekannt als Strand und Nachtleben ist Ricciones Rolle als Thermalort. Die Riccione Terme nutzen schwefel-, brom- und jodhaltiges Wasser aus Quellen im Hinterland der Stadt. Das Angebot reicht von klassischen Kuranwendungen für Atemwege und Haut über Inhalationen bis zum angeschlossenen Wellnessbereich mit Thermalpools. Für Familien gibt es im Sommer den zugehörigen Wasserpark Perle d'Acqua direkt neben dem Thermalgebäude. Gerade in der Vor- und Nachsaison sind die Thermen ein guter Grund, Riccione auch außerhalb der Badewochen zu besuchen.

Sport gehört ohnehin zur DNA der Stadt. Im Stadio del Nuoto, einem der größten Schwimmsportzentren Italiens, finden regelmäßig nationale und internationale Wettkämpfe statt. Im Frühjahr und Herbst ist Riccione zudem ein beliebter Standort für Radsport-Trainingslager. Viele Hotels haben sich auf Rennradgruppen eingestellt, und das hügelige Hinterland Richtung San Marino und Montefeltro bietet Strecken für jedes Niveau. Golfer und Tennisspieler finden Anlagen in der näheren Umgebung.

Villa Mussolini, Geschichte am Meer

Direkt an der Strandpromenade steht eine Villa, an der sich italienische Zeitgeschichte ablesen lässt. Das 1893 als Villa Margherita erbaute Haus kaufte 1934 Rachele Mussolini, die Ehefrau des Diktators Benito Mussolini. Bis 1943 verbrachte die Familie hier regelmäßig die Sommer, das Haus wurde aufgestockt und um einen Tennisplatz erweitert. Riccione war in diesen Jahren gewissermaßen Sommerhauptstadt des faschistischen Italiens, mit allem, was an Inszenierung dazugehörte.

Nach dem Krieg diente das Gebäude zeitweise als Restaurant und verfiel später, ehe es restauriert und 2005 als Ausstellungshaus wiedereröffnet wurde. Heute zeigt die Villa Mussolini wechselnde Ausstellungen, vor allem zur Fotografie. Im Frühjahr 2026 hat die Stadt Riccione das Haus für rund 1,2 Millionen Euro gekauft, um es dauerhaft als Kulturort zu sichern. Ein Besuch lohnt sich weniger wegen der Innenräume als wegen der Einordnung, die die Ausstellungen leisten, und wegen der Lage direkt über dem Strand.

Ausflüge nach Rimini, Cattolica, San Marino und Gradara

Riccione ist ein guter Ausgangspunkt, um die Umgebung zu erkunden, denn die Wege sind kurz. Rimini mit dem Augustusbogen, der Tiberiusbrücke und dem Fellini-Museum liegt nur wenige Bahnminuten entfernt. Direkt südlich schließt Misano Adriatico an, wo im Misano World Circuit Marco Simoncelli jedes Jahr im September der MotoGP-Grand-Prix von San Marino ausgetragen wird. Die Strecke trägt den Namen des 2011 tödlich verunglückten Motorradfahrers, der aus der Gegend stammte. An Rennwochenenden sind Unterkünfte in der ganzen Umgebung früh ausgebucht.

Ein Stück weiter südlich liegt das familienfreundliche Cattolica mit seinem großen Aquarium, ebenfalls gut mit der Bahn erreichbar. Ins Hinterland lohnen zwei Klassiker. Die Republik San Marino thront rund 25 Kilometer landeinwärts auf dem Monte Titano und lässt sich als Tagesausflug mit Bus oder Auto gut erledigen. Und wenige Kilometer hinter Cattolica liegt Gradara, ein vollständig ummauertes Burgstädtchen in den Marken, das durch die Geschichte von Paolo und Francesca aus Dantes Göttlicher Komödie berühmt wurde. Weitere Ideen für Tagestouren bündelt die Seite zu den Ausflugszielen in der Emilia-Romagna.

Anreise und beste Reisezeit

Mit dem Auto ist Riccione über die A14 zu erreichen, die eigene Ausfahrt Riccione liegt nur wenige Minuten vom Zentrum entfernt. Von München sind es je nach Route etwa 550 Kilometer über den Brenner und Bologna. In der Hochsaison sind die Parkplätze in Strandnähe knapp und meist gebührenpflichtig, viele Hotels bieten eigene Stellplätze an. Mit der Bahn geht es über die Adria-Linie von Bologna Richtung Ancona, Regionalzüge und in der Saison auch Fernzüge halten direkt in Riccione. Der Bahnhof liegt zentral, vom Gleis bis zum Viale Ceccarini sind es nur wenige Schritte. Von Bologna dauert die Fahrt rund anderthalb Stunden. Nächstgelegener Flughafen ist Rimini mit nur wenigen Kilometern Entfernung, deutlich mehr Verbindungen aus dem deutschsprachigen Raum bietet Bologna, von wo Bahn oder Mietwagen an die Küste führen. Tipps zur Fahrt nach Italien allgemein stehen auf der Seite zur Anreise.

Die Badesaison läuft von Ende Mai bis Mitte September, die Adria erreicht im Hochsommer angenehme 25 Grad und mehr. Juli und August sind die vollsten und teuersten Monate, dann pulsiert allerdings auch das Nachtleben am stärksten. Wer vor allem Strand und Stadt genießen will, fährt besser im Juni oder in der ersten Septemberhälfte, wenn das Wasser noch warm und die Bagni geöffnet sind. Für Thermenaufenthalte, Radtraining und Städteausflüge eignen sich auch Frühjahr und Herbst, dann hat allerdings ein Teil der Hotels und Strandbetriebe geschlossen. Mehr zur Küste insgesamt steht auf der Übersichtsseite zur Adria.

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Über den Autor

Marcus

Mitgründer von italien.de Reiseziele und Küche

Marcus fährt seit 2002 mehrmals im Jahr nach Italien, vom Norden bis in den Süden, mit einer Schwäche für die Toskana rund um Siena und Florenz. Zu Hause steht er nach Nonna-Art am Herd, und über seine Carbonara lässt er nicht mit sich verhandeln.

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Bildnachweis: Paolo Sarteschi, Lizenz: CC BY 2.0

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Informationen

Informationen über Riccione

Region Emilia-Romagna
Provinz Rimini
Einwohner­zahl 34.965
Provinzkürzel RN
Postleitzahl 47838
Vorwahl 0541
Lage an der Adria gelegen
Häufige Fragen

Riccione: Häufige Fragen

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Wann ist die beste Reisezeit für Riccione?
Zum Baden ist Juni bis September die richtige Zeit, dann ist das Wasser warm genug. Für Besichtigungen und Wanderungen sind April bis Mai sowie September bis Oktober angenehmer. Im Hochsommer erreichen die Tageshöchstwerte bis zu 31 Grad.
Wie reist man nach Riccione an?
Die meisten Gäste aus Deutschland, Österreich und der Schweiz kommen mit dem eigenen Auto. Wer fliegen möchte, nutzt den nächstgelegenen Flughafen Bologna (BLQ) und fährt von dort mit Bahn, Bus oder Mietwagen weiter.
Wie viele Tage sollte man für Riccione einplanen?
Für die wichtigsten Ziele genügt oft ein Tag, etwa als Tagesausflug in Kombination mit der Umgebung.
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