Apostolischer Palast
Machtzentrum des Heiligen Stuhls
Rieti liegt im Herzen Mittelitaliens, dort wo die Region Latium an Umbrien und die Abruzzen grenzt. Die Provinzhauptstadt ist das Zentrum der Sabina, einer alten Kulturlandschaft aus sanften Hügeln, Olivenhainen und weiten Bergketten. Um die Stadt herum steigen die Reatiner und Sabiner Berge auf, allen voran der markante Monte Terminillo. Wer von Rom kommend nach Norden fährt, spürt schnell, dass hier ein anderes, ruhigeres Italien beginnt, weit weg vom Trubel der großen Reiseziele und doch nur gut eine Stunde von der Hauptstadt entfernt.
Die Altstadt von Rieti duckt sich auf einem Hügel über dem Fluss Velino, umgeben von einer weithin erhaltenen mittelalterlichen Stadtmauer. Enge Gassen, stille Plätze und Palazzi aus mehreren Jahrhunderten prägen das Bild. Rieti versteht sich seit der Antike als Mittelpunkt Italiens und trägt diesen Anspruch bis heute mit Stolz. Zugleich ist die Stadt ein idealer Ausgangspunkt für zwei sehr unterschiedliche Welten: für die franziskanischen Heiligtümer im umliegenden Tal und für die Natur der nahen Hochgebirge. Diese Mischung aus Geschichte, Spiritualität und Landschaft macht den besonderen Reiz von Rieti aus.
Rieti gilt seit der Antike als geografischer Mittelpunkt Italiens, lateinisch Umbilicus Italiae, der Nabel des Landes. Schon der aus der Sabina stammende Gelehrte Marcus Terentius Varro verortete das Zentrum der Halbinsel im ersten Jahrhundert vor Christus hier, und auch Plinius der Ältere griff die Vorstellung später auf. In der Renaissance galt Rieti als gleich weit von den beiden Meeren im Osten und Westen entfernt, was die alte Tradition zusätzlich festigte.
Sichtbar wird dieser Anspruch auf der versteckten Piazza San Rufo, einem kleinen Platz hinter der Via Roma. Seit 1998 steht in seiner Mitte eine runde Stele aus Travertin, die den Umriss Italiens und die Inschrift Umbilicus Italiae trägt. Die Einheimischen nennen das flache, runde Denkmal wegen seiner Form liebevoll la caciotta, nach einem regionalen Käselaib. Ursprünglich wurde der Mittelpunkt am nahen Lago di Paterno vermutet, wo eine kleine schwimmende Insel durch Karsterscheinungen auftauchte und wieder verschwand und den Sabinern als heilig galt. Erst später wanderte die Tradition mitten in die Stadt.
Das Zentrum der Altstadt bildet die weite Piazza Vittorio Emanuele II mit ihrem barocken Delfinbrunnen. Rund um den Platz reihen sich Cafés und Arkaden, und das Rathaus aus dem 13. Jahrhundert beherbergt heute das Stadtmuseum mit archäologischen Funden und Gemälden. Ganz in der Nähe liegt die Piazza Cesare Battisti mit dem Palazzo del Governo, dem Sitz der Präfektur, dessen Renaissancefassade und schattiger Hängegarten zu den schönsten Ecken der Stadt zählen. Von hier reicht der Blick über die Dächer bis zu den Bergen.
Wenige Schritte weiter erhebt sich der Dom Santa Maria Assunta mit seinem hohen romanischen Glockenturm. Die Ursprünge der Kathedrale reichen ins 12. Jahrhundert zurück, über die Jahrhunderte wurde sie mehrfach umgebaut und im Inneren barock ausgestaltet. Nebenan steht der Bischofspalast aus dem 13. Jahrhundert mit dem beeindruckenden Papstsaal und den gotischen Arkaden des Arco del Vescovo. Eine Besonderheit verbirgt sich im Untergrund: Unter den Patrizierhäusern der Via Roma haben sich die Bögen eines römischen Viadukts erhalten, das man bei Führungen besichtigen kann. Am Rand der Altstadt überspannt der Ponte Romano den Velino, dessen antike Travertinreste noch heute im Wasser sichtbar sind.
Kaum eine Landschaft ist so eng mit dem Wirken des Heiligen Franziskus von Assisi verbunden wie das Tal von Rieti, die Valle Santa. Rund um die Stadt liegen vier franziskanische Heiligtümer, die an entscheidende Augenblicke im Leben des Heiligen erinnern und über den Pilgerweg Cammino di Francesco miteinander verbunden sind. Der Weg lässt sich in mehreren Tagen zu Fuß erwandern oder bequem mit dem Auto abfahren, wobei jedes der vier Klöster in einer Landschaft von großer Schönheit liegt.
Am bekanntesten ist Greccio, wo Franziskus im Jahr 1223 die erste lebende Weihnachtskrippe der Geschichte gestaltete und damit eine bis heute lebendige Tradition begründete. In Fonte Colombo, dem franziskanischen Sinai, diktierte er die endgültige Ordensregel, umgeben von stillen Buchenwäldern. In Poggio Bustone soll er die Gewissheit der Vergebung seiner Sünden erfahren haben, und in La Foresta wird das Weinwunder überliefert, bei dem eine karge Ernte auf wunderbare Weise reiche Frucht trug. Alle vier Orte liegen zwischen Felswänden und Wäldern nur wenige Kilometer von Rieti entfernt und lassen sich gut an einem oder zwei Tagen verbinden.
Über der Ebene von Rieti erhebt sich der Monte Terminillo, der mit fast 2.220 Metern die Hausberg-Kulisse der Stadt bildet und im Volksmund auch der Berg der Römer heißt, weil er von der Hauptstadt aus gut erreichbar ist. Im Winter ist der Terminillo ein beliebtes Skigebiet mit Pisten und Liften auf Höhen zwischen etwa 1.500 und 1.870 Metern. Im Sommer wird der Berg zum Wanderrevier mit markierten Wegen, Almwiesen und weiten Ausblicken über die Apenninenketten. Von Rieti sind es nur rund zwanzig Kilometer bis zu den ersten Liftstationen.
Auch die Ebene selbst ist wasserreich und grün. Nördlich der Stadt liegen der Lago Lungo und der Lago di Ripasottile, die zusammen ein Naturreservat bilden, in dem Zwergtaucher, Graureiher und viele andere Vogelarten heimisch sind. In den Bergen ringsum stauen sich der Lago del Salto und der Lago del Turano zu tiefblauen Seen, an deren Ufern kleine Dörfer und Badestellen zum Verweilen einladen. Die Flüsse Velino, Salto und Turano durchziehen die Landschaft und machen die Sabina zu einem grünen Gegenpol zum trockenen Süden Latiums.
Die Sabina rund um Rieti ist vor allem eine Landschaft der Olivenhaine. Über die Hügel ziehen sich silbrig schimmernde Baumreihen, von denen manche schon seit der Antike bewirtschaftet werden. Das native Olivenöl der Region trägt das Siegel Sabina DOP und war eines der ersten Olivenöle Europas, das mit einer geschützten Herkunftsbezeichnung ausgezeichnet wurde. Es gilt als das grüne Gold der Gegend, mild und fein im Geschmack, und findet sich auf jeder guten Tafel der Umgebung.
Die Küche der Sabina ist bodenständig und geprägt von den Zutaten der Berge und Felder. Auf den Tisch kommen kräftige Nudelgerichte wie Strengozzi mit Trüffel aus den umliegenden Wäldern, herzhafte Wurst- und Käsespezialitäten, Lamm und Gerichte mit Hülsenfrüchten. Dazu passen die Weine der reatinischen Hügel. Wer über die Dörfer der Sabina fährt, findet zahlreiche Ölmühlen und kleine Betriebe, die zur Verkostung einladen, besonders im Herbst zur Zeit der Olivenernte, wenn das frisch gepresste Öl seinen intensivsten Geschmack hat.
Rieti eignet sich hervorragend als Basis für Ausflüge in gleich mehrere Landschaften. Nach Süden ist die Hauptstadt Rom über die alte Via Salaria und die Schnellstraße in etwa einer Stunde erreichbar, sodass sich ein ruhiges Quartier in der Sabina gut mit Tagesfahrten in die Ewige Stadt verbinden lässt. Nach Norden hin geht die Sabina nahtlos in Umbrien über, und Ziele wie Terni, die Wasserfälle der Cascata delle Marmore oder das nahe Assisi liegen in bequemer Reichweite.
In der unmittelbaren Umgebung lohnen die kleinen Bergdörfer der Sabina einen Besuch, viele von ihnen mit mittelalterlichen Kernen, Burgen und weiten Ausblicken über die Olivenhaine. Auch die Reatiner Seen und die Höhen des Terminillo sind schnell erreicht. So verbindet Rieti auf engem Raum Kunststädte, Pilgerorte, Berge und Seen und macht die Provinz zu einem Ziel, das mit jedem Tag mehr zu bieten hat, je länger man bleibt.
Rieti liegt verkehrsgünstig im Zentrum Italiens und ist am einfachsten mit dem Auto zu erreichen. Von Rom führt die Via Salaria in gut einer Stunde direkt in die Stadt, aus dem Norden gelangt man über die Autobahn A1 bis zur Ausfahrt bei Orte und von dort weiter über die Schnellstraße. Eine eigene Autobahnanbindung besitzt Rieti nicht, was den ländlichen Charakter der Sabina bewahrt hat. Mit der Bahn ist die Stadt über Regionalzüge ab Terni angebunden, und Fernbusse verkehren mehrmals täglich von Rom. Die nächstgelegenen Flughäfen sind die beiden römischen Airports Fiumicino und Ciampino. Weitere Hinweise zu Wegen und Verbindungen finden sich auf der Seite zur Anreise nach Italien.
Die angenehmste Reisezeit für Rieti und die Sabina sind das Frühjahr und der Herbst, wenn milde Temperaturen die Stadtbesichtigung und die Wanderungen im Umland begünstigen. Der Herbst ist zugleich die Zeit der Olivenernte, wenn die Hügel in warmen Farben leuchten und die Ölmühlen zur Verkostung öffnen. Der Sommer kann im Tal warm werden, bietet dafür aber angenehme Kühle in den Bergen rund um den Terminillo. Wer den Wintersport sucht, kommt zwischen Dezember und März, wenn auf den Hängen des Terminillo Schnee liegt und die Altstadt von Rieti in ihrer stillen Jahreszeit besonders stimmungsvoll wirkt.
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