San Remo liegt im äußersten Westen Liguriens, in der Provinz Imperia und nur rund 15 Kilometer von der französischen Grenze entfernt. Die Hafenstadt mit ihren knapp 57.000 Einwohnern ist das Zentrum der Riviera dei Fiori, der Blumenriviera: Seit dem späten 19. Jahrhundert lebt die Küste hier vom Blumenanbau, und das milde Klima sorgt dafür, dass in den Hügeln über der Stadt fast ganzjährig etwas blüht.
Ein Hinweis zur Schreibweise: Die Stadt selbst schreibt sich "Sanremo" in einem Wort, im deutschen Sprachraum hat sich dagegen "San Remo" eingebürgert. Gemeint ist derselbe Ort, und beide Formen begegnen dir vor Ort.
Wer seinen Urlaub in San Remo bucht, braucht sich um ein abwechslungsreiches Kultur- und Freizeitangebot keine Sorgen zu machen. Die Stadt verbindet einen verschachtelten mittelalterlichen Altstadtkern, ein Erbe aus der Belle Époque mit Casino, Palmenpromenade und Villen und eine lebendige Gegenwart aus Musikfestival, Radsport und Blumenhandel.
Die Altstadt La Pigna
Der historische Kern von Sanremo heißt La Pigna, der Pinienzapfen, und der Name beschreibt ihn ziemlich genau. In engen Ringen schiebt sich das Viertel den Hügel hinauf, verbunden durch Treppengassen, Tonnengewölbe und Durchgänge, die kaum Tageslicht sehen. Angelegt wurde es etwa ab dem Jahr 1000 als Schutz vor Überfällen von See her: Wer sich in diesem Gewirr nicht auskennt, kommt nicht weit. Autos gibt es hier praktisch keine.
Lauf einfach bergauf: Oberhalb des Viertels steht die Wallfahrtskirche Madonna della Costa, von deren Vorplatz du über die Dächer bis aufs Meer schaust. Das ist eine Seite der Stadt, die mit dem mondänen Sanremo der Promenade wenig gemein hat.
Casino, Villa Nobel und das Erbe der Belle Époque
Das bekannteste Gebäude der Stadt ist die Spielbank, 1905 nach Plänen des Architekten Eugène Ferret im Liberty-Stil erbaut, der italienischen Spielart des Jugendstils. Während der Mussolini-Ära war sie das einzige Casino Italiens, das nicht schließen musste. Für den Spielsaal gilt bis heute eine gehobene Kleiderordnung, das Haus dient aber auch als Konzert- und Veranstaltungsort.
Der zweite große Name der Stadt ist Alfred Nobel. Der Stifter des Nobelpreises kaufte 1891 eine Villa am östlichen Stadtrand, richtete dort ein Labor ein und starb am 10. Dezember 1896 in diesem Haus. Die Villa Nobel im neugotischen Stil mit orientalischen Anklängen ist heute ein Museum mit Park. Aus derselben Epoche stammt die russisch-orthodoxe Kirche mit ihren Zwiebeltürmen, gebaut für die russische Kolonie, die Sanremo Anfang des 20. Jahrhunderts als Winterresidenz entdeckt hatte.
Musikfestival und der Zieleinlauf von Mailand nach Sanremo
Für Italiener ist Sanremo vor allem die Stadt des Festivals. Das Festival della Canzone Italiana wird seit 1951 hier ausgetragen, anfangs im Festsaal des Casinos, seit 1977 im Teatro Ariston an der Via Matteotti. Es läuft meist im Februar über mehrere Abende im Fernsehen und war seinerzeit das Vorbild für den Eurovision Song Contest. In der Festivalwoche ist die Stadt ausgebucht.
Das zweite große Ereignis kommt im Frühjahr auf zwei Rädern. Das Radrennen von Mailand nach Sanremo, erstmals 1907 ausgetragen, ist mit rund 290 Kilometern der längste Eintagesklassiker im Profiradsport. Entschieden wird es fast immer auf den letzten Hügeln vor der Stadt, der Cipressa und dem Poggio, bevor der Zieleinlauf in der Via Roma folgt. Beide Anstiege sind normale öffentliche Straßen und ganzjährig befahrbar.
Blumenmarkt und Gartenkultur
Die Blumen sind in Sanremo kein Dekor, sondern Wirtschaftszweig. Der Mercato dei Fiori, einer der größten Blumengroßmärkte Europas, liegt heute im Valle Armea am östlichen Stadtrand. Gehandelt werden vor allem Nelken, Rosen, Ranunkeln und Anemonen sowie Kräuter aus dem Hinterland. Der Markt selbst richtet sich an den Handel, seine Gewächshäuser prägen aber die ganze Küste rundherum.
Für Besucher wird die Blumenkultur im Park der Villa Ormond mit subtropischen Pflanzen und japanischem Garten sichtbar, und beim Blumenkorso Sanremo in Fiore, bei dem im Frühjahr geschmückte Wagen durch die Stadt ziehen.
Strände, Promenade und der Küstenradweg
Die Strände von Sanremo bestehen überwiegend aus Kies und grobem Sand, wie an der ligurischen Küste üblich. Zwischen den privaten Strandbädern liegen frei zugängliche Abschnitte, die östlichen Buchten Richtung Bussana sind ruhiger als die zentralen. Einen Überblick über die Küste der Region findest du auf unserer Seite zu den Stränden in Ligurien. Wie warm das Meer gerade ist, zeigt dir die Übersicht zur Wassertemperatur in Italien: Im August liegt sie hier bei rund 24 Grad.
Der eigentliche Höhepunkt an der Küste ist die Pista Ciclabile. Bis 2001 fuhr hier die Eisenbahn direkt am Wasser entlang, dann wurde die Strecke in einen Tunnel verlegt und die alte Trasse zum autofreien Rad- und Fußweg umgebaut. Rund 24 Kilometer weit führt er von Ospedaletti über Sanremo und Arma di Taggia bis nach San Lorenzo al Mare, fast durchgehend mit Meerblick und ohne nennenswerte Steigungen. Räder kannst du an mehreren Stationen leihen. Weitere Touren findest du im Überblick zum Radfahren in Italien.
Ausflüge in die Umgebung und über die Grenze
Sanremo ist ein guter Standort, weil die Ziele dicht beieinander liegen. Nur gut zehn Kilometer westlich beginnt Bordighera mit seinen Palmenbeständen und der Altstadt auf dem Kap. Weiter geht es nach Ventimiglia, dem letzten italienischen Ort vor der Grenze, bekannt für den großen Wochenmarkt am Freitag und die Hanbury-Gärten.
Ins Hinterland lohnt der Weg nach Dolceacqua im Val Nervia, einem Dorf mit Burgruine und einer gebuckelten Steinbrücke über den Fluss, die Claude Monet 1884 gemalt hat. In der anderen Richtung erreichst du in einer knappen Stunde Menton und Monaco. Für den Tagesausflug nach Frankreich gehört der Personalausweis ins Gepäck.
Anreise und beste Reisezeit
Mit dem Auto erreichst du Sanremo über die mautpflichtige Autobahn A10 zwischen Genua und Ventimiglia, die fast durchgehend auf Brücken und in Tunneln über der Küste verläuft. Wer es langsamer mag, nimmt die Küstenstraße SS1 Aurelia. Die Bahn erreicht Sanremo über die Linie von Genua nach Ventimiglia; der Bahnhof liegt seit 2001 unterirdisch im Tunnel. Der nächste größere Flughafen ist Nizza in rund 60 Kilometern Entfernung, Genua liegt etwa 150 Kilometer östlich.
Aus Österreich fährst du über den Brenner nach Verona und dann quer durch die Po-Ebene Richtung Genua, oder ab Kärnten über Tarvis und Udine auf dieselbe Achse. Du brauchst die österreichische Vignette, am Brenner kommt eine gesonderte Streckenmaut dazu. Aus der Schweiz ist Sanremo besonders gut zu erreichen: Ab Zürich sind es grob gerundet 500 Kilometer, entweder durch den Gotthard oder über Chur und den San Bernardino, der etwas länger, dafür meist weniger überlastet ist. Beide Routen treffen bei Mailand oder Genua auf die A10. Für die Schweizer Autobahnen gilt die Jahresvignette.
Die Badesaison reicht von Juni bis in den September, am wärmsten ist das Meer im August. Die schönste Zeit für die Stadt selbst liegt aber oft daneben: Im Frühjahr blüht die Riviera dei Fiori, im Oktober ist es noch warm genug für lange Spaziergänge. Und weil die Küste als nach Süden geöffnetes Amphitheater von Alpen und Apennin vor kalten Nordwinden geschützt wird, bleibt der Winter mild: Die Tagestemperaturen liegen im Januar meist um zehn Grad, Frost ist selten. Genau deshalb kamen im 19. Jahrhundert die ersten Gäste, und deshalb ist Sanremo bis heute ein Ziel für die Nebensaison.























