Basilica di Santa Croce
Die Basilica di Santa Croce in Florenz: Franziskanerkirche mit den Gräbern von Michelangelo und Galilei.…
San Vincenzo ist ein Badeort an der toskanischen Küste in der Provinz Livorno, gut sieben Kilometer langer Sandstrand, Pinienwald bis fast ans Wasser und im Rücken die Weinberge von Bolgheri. Der Ort liegt an der Costa degli Etruschi, der Etruskerküste, die sich südlich von Livorno am Tyrrhenischen Meer entlangzieht und ihren Namen den antiken Siedlungen dieser Küste verdankt. Für viele Urlauber ist San Vincenzo die praktischste Basis in diesem Abschnitt, weil Strand, Natur und Weinlandschaft hier dicht beieinander liegen und die Insel Elba nur eine kurze Fährfahrt entfernt ist.
Mit rund 7.000 Einwohnern ist San Vincenzo überschaubar geblieben. Der Ort gehört zum internationalen Cittàslow-Netzwerk, dem Zusammenschluss von Städten, die auf Lebensqualität, regionale Produkte und einen ruhigeren Rhythmus setzen. Zwischen Ortszentrum, Lungomare und den Stränden sind die Wege kurz, vieles lässt sich zu Fuß oder mit dem Rad erledigen. Wer die typische Betonhochhaus-Kulisse mancher Adriaorte sucht, ist hier falsch, San Vincenzo lebt eher von Strand, Pinienschatten und der Nähe zu einer der bekanntesten Weinlandschaften Italiens.
Die folgende Übersicht führt durch die Strände, den Küstenpark Rimigliano, den Golfo di Baratti mit der Etruskerstadt Populonia, die Weinregion Bolgheri sowie durch die praktischen Fragen zu Anreise und bester Reisezeit. Weitere Ziele der Region finden sich im Überblick zur Toskana.
Das größte Kapital von San Vincenzo ist sein Strand: ein langer, flach abfallender Streifen aus feinem, hellem Sand, der sich fast nahtlos von der Ortsmitte nach Norden und Süden zieht. Direkt dahinter spenden Pinien Schatten, sodass sich auch an heißen Sommertagen ein kühler Rückzugsort finden lässt. Das ruhige, langsam tiefer werdende Wasser macht den Ort vor allem bei Familien mit Kindern beliebt. Neben den zentralen Abschnitten mit Strandbädern, Liegen und Bars gibt es weiter südlich frei zugängliche, naturbelassene Strandstücke zwischen den Bäumen.
San Vincenzo trägt seit vielen Jahren die Blaue Flagge, eine internationale Auszeichnung für gute Wasser- und Strandqualität sowie für Sicherheit und Ausstattung. Ausgezeichnet sind unter anderem die Abschnitte Principessa und der Strand von Rimigliano. Die Provinz Livorno gehört zu den am dichtesten mit der Blauen Flagge bedachten Provinzen der Toskana, was die insgesamt hohe Qualität dieses Küstenstreifens unterstreicht. Einen Überblick über die schönsten Küstenabschnitte der Region gibt die Seite zu den Stränden in der Toskana.
Gleich südlich des Ortes beginnt der Parco Costiero di Rimigliano, ein geschützter Küstenstreifen mit dichtem Pinienwald, Macchia und Dünen, der einen naturbelassenen Gegenpol zum belebten Ortszentrum bildet. Rad- und Fußwege führen durch den Wald zu ruhigen, wenig bebauten Strandabschnitten, an denen keine Strandbäder liegen und die Natur den Ton angibt. Der Park ist frei zugänglich, an den Zufahrten stehen Parkplätze zur Verfügung. Wer Strand ohne Trubel und ohne Liegenreihen sucht, findet ihn hier eher als im Zentrum.
Rimigliano ist auch für Spaziergänger und Radfahrer außerhalb der Badesaison interessant, weil der schattige Pinienwald direkt am Meer verläuft und die Wege eben und gut begehbar sind. Für Familien bietet sich die Kombination aus bewachtem Strand im Ort und stiller Natur im Park an, beide liegen nur wenige Fahrminuten auseinander.
Nördlich von San Vincenzo öffnet sich der Golfo di Baratti, eine weit geschwungene Bucht mit dunklem, eisenhaltigem Sand und ruhigem Wasser. Über der Bucht liegt der Parco Archeologico di Baratti e Populonia, einer der wichtigsten etruskischen Fundorte der Toskana. Populonia war die einzige größere Etruskerstadt, die direkt am Meer errichtet wurde, ihr Reichtum gründete auf der Verarbeitung von Eisenerz, das von der nahen Insel Elba herangeschafft wurde.
Der Park gliedert sich in einen unteren Bereich in der Bucht mit den Nekropolen und Resten von Werkstätten sowie einen oberen Bereich mit der Akropolis von Populonia hoch über dem Meer. Grabbauten wie die kuppelförmigen Tumulusgräber und die Steinmetzarbeiten lassen die etruskische Vergangenheit der Costa degli Etruschi anschaulich werden. Der archäologische Park ist gegen Eintritt zu besichtigen und über Wanderwege mit dem kleinen Ort Populonia Alta und seiner mittelalterlichen Burg verbunden. Die genauen Öffnungszeiten und Tarife hängen von der Saison ab und sollten vor dem Besuch geprüft werden.
Ins Hinterland führt die berühmteste Weinlandschaft der Küste. Rund um das Dorf Bolgheri und die Gemeinde Castagneto Carducci entstehen die großen Rotweine der Bolgheri DOC, allen voran der weltbekannte Sassicaia, der eine eigene Ursprungsbezeichnung besitzt. Diese von Cabernet Sauvignon und Merlot geprägten Weine haben die Costa degli Etruschi ab den 1970er und 1980er Jahren international bekannt gemacht und stehen bis heute für die Spitze des toskanischen Weinbaus abseits des klassischen Chianti-Gebiets.
Das sichtbarste Wahrzeichen dieser Landschaft ist der Viale dei Cipressi, eine schnurgerade Zypressenallee, die vom Weiler San Guido an der Küstenstraße rund fünf Kilometer bis zum Dorf Bolgheri führt. Der Dichter Giosuè Carducci, der seine Kindheit in Bolgheri verbrachte, hat die Allee 1874 in seinem Gedicht Davanti San Guido verewigt. Von San Vincenzo aus ist San Guido in wenigen Fahrminuten erreicht, viele Weingüter entlang der Strada del Vino Costa degli Etruschi bieten Verkostungen an, für die eine Voranmeldung sinnvoll ist.
Zwischen der Küste und den Weinbergen liegt das Rifugio faunistico Padule di Bolgheri, ein Feuchtgebiet, das heute als WWF-Oase geführt wird. Der Naturforscher Mario Incisa della Rocchetta wandelte 1959 einen Teil des Familienbesitzes der Tenuta San Guido in ein Schutzgebiet für die an Feuchtgebiete gebundene Tierwelt um. Es gilt als das erste private Naturschutzgebiet Italiens und bietet auf mehreren hundert Hektar aus Wäldern, Wiesen und Teichen Lebensraum für zahlreiche Vogelarten sowie für Reh- und Damwild.
Die Oase ist kein frei begehbarer Park, sondern wird schonend genutzt, Besuche sind in der Regel nur zu bestimmten Zeiten und über geführte Beobachtungstouren möglich. Für Vogelbeobachter ist das Gebiet vor allem im Winterhalbjahr interessant, wenn viele Zugvögel im Padule rasten. Wer sich dafür interessiert, sollte die aktuellen Termine und Bedingungen vorab erfragen.
Am nördlichen Ortsrand liegt die Marina di San Vincenzo, der moderne Yachthafen des Ortes. Er wurde 2010 in seiner heutigen Form eröffnet und bietet rund 280 Liegeplätze für Boote von etwa sieben bis vierundzwanzig Metern Länge, verteilt auf schwimmende Stege und ein Hafenbecken mit angeschlossener Werft. Damit ist San Vincenzo ein praktischer Ausgangspunkt für den Segelsport an der Etruskerküste und für Törns zum toskanischen Archipel. Einen Überblick über weitere Häfen der Region gibt die Seite zu den Marinas in der Toskana.
Am Strand und im Hafenumfeld werden je nach Saison Wassersportangebote gemacht, vom Verleih von Stand-up-Paddles und Kajaks bis zu Segel- und Bootsausflügen. Das flache, ruhige Wasser vor dem Ort eignet sich gut für Anfänger und Familien, während der Wind an der offenen Küste erfahreneren Seglern entgegenkommt.
San Vincenzo ist ein vergleichsweise junger Ort. Seine Keimzelle war ein Küstenturm, den die Republik Pisa im Jahr 1304 an der damals unbewohnten Küste errichten ließ, zusammen mit einem Zollhaus und einer Verladestelle. Um diesen Turm herum entstand nach und nach die erste Siedlung, ältere Ortskerne mit dichten Gassen wie in vielen anderen toskanischen Städten sucht man hier deshalb vergeblich. Der Ort blieb lange klein und entwickelte sich erst im 20. Jahrhundert zum Badeort.
Als Mitglied des Cittàslow-Netzwerks setzt San Vincenzo bewusst auf Entschleunigung, regionale Produkte und den Erhalt der Umgebung. Sichtbar wird das in der Küche, in der Fisch und Meeresfrüchte, das Öl und die Weine der Umgebung eine große Rolle spielen, und in Veranstaltungen wie Handwerks- und Weinfesten, die lokale Erzeuger in den Mittelpunkt stellen. Das Herz des Ortslebens ist die Lungomare, die Uferpromenade, an der sich zwischen Pinien Cafés, Eisdielen und Restaurants aneinanderreihen und an der der abendliche Spaziergang mit Blick aufs Meer für Einheimische wie Gäste zum festen Programm gehört.
San Vincenzo liegt zwischen Livorno im Norden und Piombino im Süden und eignet sich gut als Standort für Ausflüge. Piombino ist rund zwanzig Kilometer entfernt und der wichtigste Fährhafen der Gegend, von hier setzen die Fähren zur Insel Elba über, die Überfahrt dauert nur etwa eine Stunde. Ein Tagesausflug auf die größte Insel des toskanischen Archipels ist damit problemlos möglich.
Auch die Nachbarorte der Küste lohnen einen Abstecher, etwa das nördlich gelegene Cecina mit seinen langen Stränden. Weiter im Landesinneren und entlang der Bahnlinie liegen Städte wie Pisa mit seinem Schiefen Turm. Die Val di Cornia südlich des Ortes verbindet Küste, Hügelland und archäologische Stätten und lässt sich gut auf eigene Faust erkunden.
San Vincenzo besitzt einen eigenen Bahnhof an der Tyrrhenischen Küstenlinie, die entlang der Westküste zwischen Genua und Rom verläuft und über Pisa, Livorno und Grosseto führt. Regionalzüge halten hier im Takt und verbinden den Ort unter anderem mit Livorno, Pisa, Florenz, Cecina, Follonica und Grosseto, sodass die Anreise bequem mit der Bahn möglich ist. Der Bahnhof liegt zentral, viele Unterkünfte und der Strand sind von dort aus zu Fuß oder mit dem Rad erreichbar.
Mit dem Auto führt die Küstenstraße SS1 Aurelia direkt an San Vincenzo vorbei, aus Norden kommend über die Autobahn A12 und den weiteren Verlauf der Aurelia. Aus Deutschland und der Schweiz ist die Anfahrt über die A12 und die SS1 gut ausgeschildert. Die nächsten Flughäfen sind Pisa, rund sechzig Kilometer nördlich, und Florenz, etwa hundertzwanzig Kilometer entfernt, beide sind mit Mietwagen oder über die Bahn angebunden. In der Hauptsaison empfiehlt es sich, Parkmöglichkeiten und Zufahrten zu den Stränden vorab zu klären, da die zentralen Flächen dann stark ausgelastet sind.
Die Badesaison an der Etruskerküste reicht üblicherweise von Mai bis in den September, am wärmsten ist das Meer im Juli und August. Wer volle Strände und große Hitze meiden möchte, findet im Juni und im September angenehm warmes Wasser bei spürbar mehr Ruhe, während sich das Frühjahr und der frühe Herbst gut für Wanderungen, Radtouren und Weinbesuche eignen. Wie warm das Meer gerade ist, zeigt die Übersicht zur Wassertemperatur in Italien.
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