Scilla
Kalabrien

Scilla

Heimat von Homers Meeresungeheuer Scylla

Scilla liegt an der Straße von Messina, ganz im Süden von Kalabrien, und gehört zu den Orten, die man auf den ersten Blick wiedererkennt: ein Felsen, der ins Meer vorspringt, darauf eine Burg, darunter ein Fischerviertel, dessen Häuser direkt aus dem Wasser aufsteigen. Auf der anderen Seite der Meerenge liegt Sizilien so nah, dass man an klaren Tagen die Häuser von Messina und dahinter den Ätna sieht. Der Ort hat gut 4.400 Einwohner, liegt rund 28 Kilometer nördlich von Reggio Calabria und ist trotz seiner Bekanntheit ein Fischerort geblieben. Scilla besteht aus drei Teilen. Unten am Wasser nördlich des Burgfelsens liegt Chianalea, das alte Fischerviertel. Südlich davon zieht sich die Bucht von Marina Grande mit dem Ortsstrand. Oben auf dem...

Scilla liegt an der Straße von Messina, ganz im Süden von Kalabrien, und gehört zu den Orten, die man auf den ersten Blick wiedererkennt: ein Felsen, der ins Meer vorspringt, darauf eine Burg, darunter ein Fischerviertel, dessen Häuser direkt aus dem Wasser aufsteigen. Auf der anderen Seite der Meerenge liegt Sizilien so nah, dass man an klaren Tagen die Häuser von Messina und dahinter den Ätna sieht. Der Ort hat gut 4.400 Einwohner, liegt rund 28 Kilometer nördlich von Reggio Calabria und ist trotz seiner Bekanntheit ein Fischerort geblieben.

Scilla besteht aus drei Teilen. Unten am Wasser nördlich des Burgfelsens liegt Chianalea, das alte Fischerviertel. Südlich davon zieht sich die Bucht von Marina Grande mit dem Ortsstrand. Oben auf dem Hang sitzt San Giorgio mit Kirche, Bars und den Aussichtsplätzen. Zu Fuß kommt man überall hin, muss dabei aber einige Treppen in Kauf nehmen.

Für viele Reisende ist Scilla nur ein Zwischenstopp auf dem Weg nach Sizilien. Zwei bis drei Tage lohnen sich aber, weil der Ort abends anders aussieht als mittags. Weitere Ziele in der Umgebung findest du auf unserer Seite zur Region Kalabrien.

Chianalea, das Fischerviertel im Wasser

Chianalea ist der Grund, warum die meisten Besucher nach Scilla kommen. Das Viertel zieht sich als schmales Band zwischen Felshang und Meer entlang, eine einzige Gasse als Rückgrat, von der kurze Stichwege und Treppen zum Wasser abgehen. Die Häuser stehen so dicht am Meer, dass die Fundamente in der Brandung liegen und die Boote praktisch vor der Haustür vertäut sind. Zwischen den Häusern liegen schmale Wasserdurchlässe, weswegen Chianalea oft Venedig des Südens genannt wird. Echte Kanäle gibt es nicht, der Eindruck stimmt trotzdem.

Die Hauptgasse ist an vielen Stellen so eng, dass kein Auto durchpasst, man hört nur das Wasser gegen die Mauern schlagen. Chianalea zählt zum Verbund I Borghi più belli d'Italia, der Vereinigung der schönsten Ortskerne Italiens. Im Viertel liegen mehrere Restaurants mit Terrassen auf Holzplattformen über dem Wasser. Sie sind im Sommer abends voll, eine Reservierung am Vortag ist sinnvoll.

Castello Ruffo über dem Ort

Der Burgfelsen trennt Chianalea von Marina Grande und trägt das Castello Ruffo. Die Lage erklärt die ganze Geschichte des Ortes: Von hier oben ließ sich der gesamte Schiffsverkehr durch die Meerenge überblicken. Befestigt war der Felsen schon in der Antike, die heutige Anlage geht im Kern auf das Mittelalter zurück. Die Familie Ruffo, die vom 16. bis ins frühe 19. Jahrhundert über Scilla herrschte, baute sie zur Residenz und Festung aus. Das Erdbeben von 1783, das in Scilla eine Flutwelle auslöste, beschädigte die Burg schwer, danach wurde sie wieder aufgebaut.

Heute sitzt auf der Anlage der Leuchtturm von Scilla, der die Durchfahrt sichert. Die Burg ist zu besichtigen, sie wird als Kulturzentrum genutzt und zeigt wechselnde Ausstellungen. Der Eintritt kostet nur wenige Euro, geöffnet ist in der Regel täglich mit einer längeren Mittagspause im Winterhalbjahr. Der eigentliche Grund für den Aufstieg ist der Rundblick: nach Norden über die Dächer von Chianalea, nach Süden über den Strand, nach Westen über die Meerenge bis Sizilien.

Unterhalb der Burg steht die Chiesa Maria Santissima Immacolata, die Hauptkirche des Ortes. Sie wird gelegentlich als Kathedrale bezeichnet, ist aber keine: Scilla ist kein Bischofssitz, zuständig ist die Erzdiözese Reggio Calabria. Die Kirche ist trotzdem sehenswert, vor allem wegen ihrer Terrasse über dem Meer.

Marina Grande und Baden in Scilla

Marina Grande ist der Ortsstrand, eine leicht geschwungene Bucht südlich des Burgfelsens, rund 600 Meter lang und an den breitesten Stellen etwa 30 Meter tief. Der Untergrund ist eine Mischung aus grobem, dunklem Sand und feinem Kies, das Wasser wird schnell tief und ist sehr klar. Für kleine Kinder ist der Einstieg dadurch weniger geeignet als an den flachen Sandstränden der Adria.

Der Strand ist teils frei zugänglich, teils in Strandbäder aufgeteilt, die Liegen und Schirme vermieten und meist von Juni bis September öffnen. In der Meerenge herrscht eine spürbare Strömung. Direkt in der Bucht ist das kein Problem, weiter draußen schon, Schwimmer bleiben also besser im Bereich der Bucht. Nördlich von Chianalea folgen kleinere Kiesbuchten Richtung Favazzina. Einen Überblick über die Küste gibt unsere Seite zu den Stränden in Kalabrien.

Skylla und Charybdis: Mythos und Meerenge

Der Ortsname geht auf Skylla zurück, das Ungeheuer aus der Odyssee. Homer beschreibt es als Wesen mit sechs Hälsen und ebenso vielen Köpfen, das in einer Höhle an einem steilen Felsen haust und Seeleuten von vorbeifahrenden Schiffen greift. Gegenüber, auf der sizilianischen Seite, liegt Charybdis, ein Strudel, der dreimal am Tag das Wasser einzieht und wieder ausspeit. Wer dem einen ausweicht, gerät an das andere, daher die Redewendung von Skylla und Charybdis. Mit den singenden Sirenen, die in der Odyssee an anderer Stelle vorkommen, hat Skylla nichts zu tun, die beiden Episoden werden häufig verwechselt.

Der geografische Kern ist real. Die Straße von Messina ist an der engsten Stelle bei Villa San Giovanni nur rund drei Kilometer breit. Zwischen Tyrrhenischem und Ionischem Meer besteht ein Gezeitenunterschied, der zweimal täglich die Strömungsrichtung umkehrt. Dabei entstehen Wirbel und Stromkanten, für die Ruderboote der Antike eine ernsthafte Gefahr. Vom Ufer aus sind die Strömungslinien mit bloßem Auge zu sehen.

Schwertfischfang mit den Passerelle-Booten

Der Schwertfisch ist in Scilla kein Speisekartenthema, sondern Handwerk. Die Fische ziehen im Frühjahr und Sommer zum Laichen durch die Meerenge, die Saison reicht ungefähr von Mai bis August. Gefischt wird von Booten, die es so nur hier und auf der sizilianischen Gegenküste gibt: die Passerella, auch Spadara oder Feluca genannt. Aus der Mitte des Bootes ragt ein etwa 25 Meter hoher Mast auf, vom Bug reicht ein schmaler Laufsteg rund 30 Meter über das Wasser hinaus.

Die Aufgabenteilung ist alt. Oben im Mast steht der Ausguck und sucht die Oberfläche nach Rückenflossen ab, vorn auf dem Laufsteg wartet der Harpunier. Weil der Steg so weit vorausreicht, bemerkt der Fisch weder Rumpf noch Motor. Der Wurf erfolgt von Hand. Es ist eine Fangmethode, die einzelne Tiere nimmt und keinen Beifang erzeugt, weshalb sie sich neben der industriellen Fischerei gehalten hat.

Auf dem Teller landet der Schwertfisch klassisch als Involtini di pesce spada, dünne Rollen mit Semmelbröseln, Kapern und Petersilie, oder als Scheibe vom Grill mit Zitrone und Salmoriglio. Wer die Boote sehen will, geht morgens an den Hafen oder schaut in der Saison von der Burg aus auf die Meerenge, die hohen Masten sind von weitem zu erkennen.

Aussichtspunkte und die Stunde vor dem Abendessen

Der bekannteste Aussichtsplatz ist der Belvedere an der Piazza San Rocco im Oberort, von den Einheimischen u ffacciaturi genannt. Von dort liegen Burgfelsen, Kirche und Bucht in einer Achse. Ein zweiter guter Punkt ist die Terrasse der Chiesa Maria Santissima Immacolata, ein dritter die Burg selbst. Vormittags steht die Sonne hinter dem Ort, am späten Nachmittag und zum Sonnenuntergang liegt sie über Sizilien und trifft den Felsen von vorn.

Die Küste zwischen Scilla, Bagnara Calabra und Palmi heißt Costa Viola. Der Name kommt vom Farbton, den das Meer hier bei tief stehender Sonne annimmt, ein violettes Schimmern über dem Wasser, das mit der Dunstschicht über der Meerenge zusammenhängt. Danach lohnt sich der Weg zurück nach Chianalea: Wenn die Lampen an den Hauswänden angehen und sich im Wasser spiegeln, wird aus der engen Gasse ein anderer Ort als tagsüber.

Ausflüge: Reggio Calabria, Bagnara und Sizilien

Der wichtigste Ausflug führt nach Reggio Calabria, rund 28 Kilometer südlich und mit dem Regionalzug in etwa einer halben Stunde erreichbar. Ziel ist das Museo Archeologico Nazionale mit den Bronzen von Riace, zwei griechischen Kriegerstatuen aus dem 5. Jahrhundert vor Christus, die 1972 vor der ionischen Küste geborgen wurden. Sie stehen in einem eigenen Saal mit begrenzter Besucherzahl. Das Museum öffnet dienstags bis sonntags, montags ist geschlossen. Dazu kommt die Uferpromenade Lungomare Falcomatà mit Blick auf den Ätna.

Bagnara Calabra liegt elf Kilometer nördlich, ebenfalls an der Bahnstrecke. Der Ort ist bekannt für seine Fischerinnen und Trägerinnen, die Bagnarote, und für das Torrone von Bagnara, einen Nougat mit geschützter geografischer Angabe (IGP). Der Strand ist länger und weniger überlaufen als der von Scilla.

Weiter nördlich, gut 90 Kilometer entfernt, liegen Tropea mit seiner Altstadt auf dem Felsen und die Landspitze Capo Vaticano. Als Tagestour ist das machbar, angenehmer sind zwei Tage. Weitere Ziele im Umkreis stehen auf unserer Seite zu den Ausflugszielen in Kalabrien.

Nach Sizilien geht es über Villa San Giovanni, rund zehn Kilometer südlich von Scilla. Von dort verkehren die Autofähren nach Messina rund um die Uhr im dichten Takt, die Überfahrt dauert etwa 20 Minuten. Wer ohne Auto unterwegs ist, kann alternativ von Reggio Calabria mit dem Tragflächenboot nach Messina übersetzen. Für einen Tagesausflug reicht Messina mit dem astronomischen Uhrwerk am Dom, Taormina und der Ätna brauchen mehr Zeit.

Anreise und beste Reisezeit

Mit dem Auto führt der Weg über die A2, die Autostrada del Mediterraneo, die von Salerno bis Reggio Calabria mautfrei ist. Die Ausfahrt heißt Scilla, von dort sind es wenige Kilometer hinunter an die Küste. Die Fahrt von den Alpen bis Kalabrien dauert zwei lange Tage, ein Zwischenstopp im Raum Neapel oder Salerno bietet sich an. Landschaftlich reizvoller als die Autobahn ist das letzte Stück auf der Küstenstraße SS18 von Bagnara herunter.

Parken ist in Scilla das Hauptproblem, vor allem im Juli und August. Der Ort ist eng, die Gassen von Chianalea sind für Autos gesperrt, und die Stellplätze an der Marina Grande sind früh belegt. Bewirtschaftete Flächen gibt es im Oberort und entlang der Zufahrtsstraßen, blaue Linien stehen für gebührenpflichtige Plätze, weiße für freie. In der Hauptsaison ist eine Unterkunft mit eigenem Stellplatz die ruhigere Lösung. Angebote finden sich unter Ferienhäuser in Kalabrien.

Mit der Bahn ist Scilla gut zu erreichen. Der Bahnhof liegt an der Tyrrhenischen Strecke Salerno und Reggio Calabria und wird von Regionalzügen bedient, einzelne Fernzüge halten ebenfalls. Von Reggio Calabria Centrale dauert die Fahrt rund 30 Minuten, von Villa San Giovanni etwa zehn. Der Bahnhof liegt im Oberort, hinunter nach Marina Grande und Chianalea geht es zu Fuß über Treppen und eine Straße, mit schwerem Gepäck ist das mühsam, ein Taxi ist dann die bessere Wahl.

Der nächstgelegene Flughafen ist Reggio Calabria (Tito Minniti), rund 30 Kilometer entfernt, allerdings mit überschaubarem Flugangebot aus dem deutschsprachigen Raum. Die praktischere Wahl ist meist Lamezia Terme, etwa 100 Kilometer nördlich und über die A2 in gut einer Stunde erreichbar. Von dort gibt es Direktflüge aus mehreren deutschen Städten sowie Anschluss an die Bahn. Mehr zu den Verbindungen steht auf unserer Seite zur Stadt Lamezia Terme und in unserer Übersicht zur Anreise nach Italien.

Die Badesaison reicht in Kalabrien von Ende Mai bis in den Oktober hinein, das Meer ist im August und September am wärmsten. Juli und August bringen Hitze über 30 Grad und die volle italienische Ferienzeit, in der Ferragosto-Woche um den 15. August ist der Ort voll. Angenehmer sind Juni und September: warmes Wasser, freie Strandabschnitte und Preise unterhalb der Spitze. Wer wegen der Schwertfischboote kommt, reist zwischen Mai und August. Frühjahr und Herbst eignen sich für Wanderungen im Aspromonte, das Meer ist dann aber frisch. Wie warm das Wasser gerade ist, zeigt unsere Seite zu den aktuellen Wassertemperaturen.

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Über die Autorin

Mihaela

Redakteurin Kultur und Küche

Mihaela liebt die italienische Kultur und den besonderen Lebensstil des Landes. Ihre Lieblingsregionen sind Apulien, Ligurien und die Marken, doch sie entdeckt mit großer Neugier immer wieder neue Facetten Italiens. Als leidenschaftliche Köchin lässt sie sich von der italienischen Küche zu neuen Rezepten inspirieren.

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Klima & beste Reisezeit

Durchschnittliche Tageshöchsttemperaturen im Jahresverlauf.

Klima im Jahresverlauf

Am angenehmsten: März bis Mai sowie Oktober bis Dezember.

Beste ReisezeitÜbrige Monate

Tipp: Juli und August werden sehr heiß; Frühling und Herbst sind am angenehmsten.

Wo liegt Scilla?

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Gut zu wissen

Informationen

Informationen über Scilla

Region Kalabrien
Provinz Reggio Calabria
Einwohner­zahl 4.964
Provinzkürzel RC
Geschichte bereits in der Antike bekannt und durch die griechische Mythologie mit dem Meeresungeheuer Skylla verbunden
Lage An der Straße von Messina gelegen
Häufige Fragen

Scilla: Häufige Fragen

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Wann ist die beste Reisezeit für Scilla?
Zum Baden ist Juni bis Oktober die richtige Zeit, dann ist das Wasser warm genug. Für Besichtigungen und Wanderungen sind März bis Mai sowie Oktober bis Dezember angenehmer. Im Hochsommer erreichen die Tageshöchstwerte bis zu 31 Grad.
Wie reist man nach Scilla an?
Der nächstgelegene Flughafen ist Lamezia Terme (SUF). Von dort geht es mit Bahn, Bus oder Mietwagen weiter. Die Anreise mit dem eigenen Auto ist möglich, aus dem deutschsprachigen Raum aber eine lange Strecke.

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