Valcamonica
Das rund 70 Kilometer lange Valcamonica Tal in der Lombardei wurde aufgrund seiner bedeutenden Felszeichnungen…
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Sondrio liegt auf rund 300 Metern Höhe im Talboden der Adda, mitten im Veltlin (italienisch Valtellina) und rund 140 Kilometer nordöstlich von Mailand. Im Norden steigen die Rätischen Alpen mit dem Val Malenco auf, im Süden die Orobischen Alpen der Bergamasker Berge. Diese Lage zwischen zwei Gebirgsketten und direkt unter den Terrassenweinbergen macht die Stadt zum praktischen Ausgangspunkt für die gesamte Lombardei jenseits der Seen.
Sondrio ist die Hauptstadt der gleichnamigen Provinz und mit gut 21.000 Einwohnern der wichtigste Ort des Tals. Der Charakter ist weniger touristisch als der der nahen Bergresorts, dafür echt: eine kompakte Altstadt, ein Fluss, der die Stadt teilt, und Weinhänge, die fast bis an die Häuser heranreichen. Wer das Veltlin verstehen will, seine Weine, seine Küche und seine Berge, kommt an Sondrio nicht vorbei.
Schon im Mittelalter kontrollierte man von hier den Verkehr durch das Tal. Davon zeugt die Burg über der Stadt, dazu kamen später die Palazzi der Weinhändler und Adelsfamilien, die mit dem Handel Richtung Graubünden reich wurden. Das Ergebnis ist ein Ortsbild, in dem Alpen und italienische Baukultur dicht beieinander liegen.
Über Sondrio thront auf einem Felssporn das Castel Masegra, eine mittelalterliche Burg, die einst als Wohn- und Wehrbau der Familie Beccaria diente. Heute beherbergt sie das CAST (Castello delle Storie di Montagna), ein Museum rund um Bergkultur, Alpinismus und das Leben in den Alpen. Der Aufstieg lohnt allein wegen des Blicks über die Dachlandschaft und hinauf zu den Reben.
Im Zentrum bildet die Piazza Garibaldi den Mittelpunkt. Von hier erreichst du zu Fuß den Palazzo Sertoli, dessen barocker Ballsaal mit Stuck und Trompe-l'oeil-Malerei zu den prunkvollsten Innenräumen des Tals zählt, sowie den Palazzo Pretorio und die engen Gassen der Altstadt von Sondrio. Der kleine Fluss Mallero, der die Stadt in zwei Hälften schneidet, gibt dem Zentrum sein besonderes Gesicht.
Der eigentliche Star von Sondrio wächst an den steilen Südhängen direkt über der Stadt. Hier reift die Rebsorte Nebbiolo, die im Veltlin Chiavennasca heißt und die Grundlage des Valtellina Superiore DOCG bildet. Der Wein muss zu mindestens 90 Prozent aus dieser Traube bestehen und reift wenigstens 24 Monate, davon mindestens 12 Monate im Holzfass. Die Weinberge liegen auf Terrassen, die von hunderten Kilometern Trockenmauern gehalten werden, jede Rebe wird von Hand gepflegt.
Der Valtellina Superiore gliedert sich in fünf Lagen: Maroggia, Sassella, Grumello, Inferno und Valgella. Sassella gilt als die feinste und bekannteste Lage, Grumello östlich von Sondrio trägt den Namen einer Burg aus dem 13. Jahrhundert, und Inferno ist die heißeste Parzelle, benannt nach der Hitze, die die sonnengewärmten Felsen abstrahlen. Wer es kräftiger mag, greift zum Sforzato di Valtellina, einem trockenen Rotwein aus angetrockneten Trauben. In Sondrio und den umliegenden Dörfern kannst du in mehreren Weingütern verkosten, die meisten liegen wenige Kilometer westlich in der Sassella-Zone.
Die Küche rund um Sondrio ist herzhaft und alpin. Berühmtestes Erzeugnis ist die Bresaola della Valtellina IGP, ein luftgetrocknetes, mager gepökeltes Rindfleisch, das hauchdünn aufgeschnitten mit Olivenöl, Zitrone und Grana serviert wird. Das trockene Bergklima des Tals liefert dafür die idealen Reifebedingungen.
Das bekannteste warme Gericht sind die Pizzoccheri della Valtellina IGP, breite Bandnudeln aus Buchweizenmehl, gekocht mit Wirsing oder Mangold und Kartoffeln, dann mit reichlich Alpenbutter, Knoblauch und geschmolzenem Casera-Käse übergossen. Ihre Heimat ist das nahe Teglio. Dazu gehören die Käsesorten Bitto DOP und Valtellina Casera DOP sowie die Sciatt, kleine frittierte Buchweizenkrapfen mit flüssigem Käsekern. Wer Bresaola, Wein und Käse mitnehmen will, findet in Sondrio zahlreiche Feinkostläden.
Sondrio ist ein guter Startpunkt in die Berge. Direkt hinter der Stadt öffnet sich das Val Malenco, ein Seitental in Richtung Bernina-Massiv mit Wanderwegen, Serpentin-Steinbrüchen und Blick auf Gletscher. Durch das Haupttal führt der Sentiero Valtellina, ein weitgehend flacher Rad- und Wanderweg, der dem Fluss Adda über rund 114 Kilometer von Colico bis Bormio folgt und sich gut für entspannte Tagesetappen eignet.
Im Süden locken die Orobischen Alpen mit einsameren Routen, im Norden reichen die Wege bis an die schweizerische Grenze. Im Winter dienen die Höhenlagen als Basis für die Skigebiete des Tals.
Von Sondrio aus liegen die Höhepunkte des Veltlins in Reichweite. Rund 26 Kilometer östlich beginnt in Tirano der Bernina Express, der über die UNESCO-geschützte Rätische Bahn und den 2.253 Meter hohen Berninapass ins schweizerische St. Moritz führt. Etwa gleich weit westlich liegt Morbegno, bekannt für Käsemarkt und Bitto-Tradition. Weiter nordwestlich erreichst du über Colico das Bergstädtchen Chiavenna mit seinen Kühlgrotten, den Crotti.
Etwa 63 Kilometer talaufwärts liegt Bormio mit seinen historischen Thermalquellen und dem Zugang zum Stilfser Joch, dahinter das zollfreie Livigno. Talauswärts öffnet sich das Tal zum Comer See, an dessen Ufern die Städte Como und Lecco auf halbem Weg nach Mailand liegen.
Der nächstgelegene größere Flughafen ist Mailand-Bergamo (Orio al Serio), rund 120 Kilometer entfernt; Mailand-Malpensa und Mailand-Linate liegen etwa 150 beziehungsweise 140 Kilometer weg. Mit der Bahn ist Sondrio unkompliziert erreichbar: Regionalzüge von Trenord fahren ab Mailand über Lecco und Colico entlang des Comer Sees bis Sondrio und weiter nach Tirano, die Fahrt dauert rund zwei Stunden. Mit dem Auto folgst du der Staatsstraße SS38, die das ganze Tal durchzieht. Die Altstadt von Sondrio ist teils verkehrsberuhigt, du parkst am besten auf den ausgeschilderten Parkplätzen am Rand des Zentrums und gehst die letzten Meter zu Fuß.
Aus Österreich führt die landschaftlich schönste Route im Sommer über den Reschenpass und das Stilfser Joch nach Bormio und von dort talabwärts nach Sondrio; das Stilfser Joch ist allerdings nur von etwa Juni bis Oktober geöffnet. Aus der Schweiz bietet sich die Anreise über St. Moritz und den Berninapass nach Tirano an, von wo Trenord in gut 40 Minuten nach Sondrio bringt.
Die beste Reisezeit reicht von Mai bis Oktober. Der Spätsommer und der frühe Herbst mit der Weinlese im September und Oktober sind besonders reizvoll, wenn sich die Terrassenweinberge färben und die Keller geöffnet sind. Der Hochsommer eignet sich am besten für Touren in die Rätischen und Orobischen Alpen, während der Winter Sondrio als ruhige Basis für die umliegenden Skigebiete nutzbar macht.
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