Giardino dei Tarocchi
Wer die Provinz Grosseto besucht, der sollte sich einen Abstecher zum Giardino dei Tarocchi nicht…
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Sorano klebt auf einem Tuffsteinfelsen über dem Tal des Flusses Lente, rund 380 Meter hoch im Süden der Toskana. Die Häuser wachsen hier direkt aus dem Fels, den sie tragen, und stürzen an den Rändern der Altstadt fast senkrecht zur Schlucht ab. Diese Verzahnung von gebautem und gewachsenem Stein ist der Grund, warum Sorano immer wieder mit Matera verglichen wird.
Die Stadt gehört zur Area del Tufo, dem Tuffsteingebiet der südlichen Maremma, das sie mit den Nachbarorten Pitigliano und Sovana teilt. Von den drei Tuffstädten ist Sorano die kleinste und die ruhigste. Wer durch die engen Gassen der Altstadt läuft, findet in den Fels getriebene Keller, Treppen und Nischen, die teils bis in etruskische Zeit zurückreichen.
Der Ort hat eine wechselhafte Geschichte. Die Etrusker besiedelten den Felsen und legten in der Umgebung ausgedehnte Gräberfelder an. Im Mittelalter beherrschte die Adelsfamilie der Aldobrandeschi das Gebiet und baute Sorano zur Wehrsiedlung aus. Über die Heirat von Anastasia Aldobrandeschi mit Romano Orsini ging der Ort 1293 an die Orsini über, deren Name bis heute an der Festung haftet.
Die Fortezza Orsini thront am oberen Rand von Sorano und ist das markanteste Bauwerk des Orts. Die Anlage geht auf eine Burg der Aldobrandeschi aus dem 12. Jahrhundert zurück, die die Orsini im 16. Jahrhundert zu einer modernen Festung mit mächtigen Bastionen umbauen ließen. Die Festung ist nicht nur nach oben, sondern auch nach unten gebaut: Unter den Bastionen liegen mehrere Ebenen mit Gängen, Zisternen und Kasematten, die in den Tuff getrieben wurden.
Heute beherbergt die Fortezza das Museo del Medioevo e del Rinascimento, das Museum des Mittelalters und der Renaissance. Von den Bastionen und dem Wehrgang reicht der Blick über die Dächer der Altstadt und hinab ins Lente-Tal. Öffnungszeiten und Führungen durch die unterirdischen Gänge wechseln je nach Saison, weshalb du sie vor dem Besuch prüfen solltest.
Am gegenüberliegenden Ende der Altstadt steht der Masso Leopoldino, eine befestigte Felsterrasse mit Uhrturm. Ihre heutige Form als Felsterrasse erhielt sie im 19. Jahrhundert, nachdem ein Felssturz Teile der alten Bebauung mitgerissen hatte. Die Lothringer Großherzöge ließen den Gipfel sichern und ummauern, den Namen gab ihr Großherzog Leopold II. Die Terrasse gehörte zum Verteidigungssystem der Stadt und bietet heute den schönsten freien Blick auf die Fortezza Orsini und die gestaffelten Häuserzeilen von Sorano.
Zwischen Festung und Masso Leopoldino zieht sich die Altstadt durch enge, teils überbaute Gassen. Sehenswert sind das Stadttor Porta di Sopra, die Loggia am Hauptplatz und die vielen in den Fels gehauenen Werkstätten und Ställe, von denen manche als Läden und Osterien wieder genutzt werden. Für den Rundgang durch den historischen Kern brauchst du gut ein bis zwei Stunden.
Rund um Sorano ziehen sich die Vie Cave durch den Tuff, tief in den Fels gehauene Hohlwege der Etrusker. Diese Schluchten sind stellenweise über zehn Meter tief und nur wenige Meter breit, sodass man zwischen senkrechten, moosbewachsenen Wänden geht. Zu ihrer Funktion gibt es mehrere Deutungen, von Verbindungswegen zwischen Siedlung und Gräberfeldern bis zu kultischen Prozessionswegen.
Der bekannteste Abschnitt bei Sorano ist die Via Cava di San Rocco. Sie beginnt an der kleinen Kirche San Rocco auf einem Tuffplateau jenseits des Lente und führt zu einer etruskischen Necropoli mit in den Fels geschlagenen Kammergräbern, die im Mittelalter zu Höhlenwohnungen umgebaut wurden. Der Aussichtspunkt an San Rocco liegt Sorano direkt gegenüber und ist zu Fuß in etwa 20 bis 30 Minuten erreichbar. Festes Schuhwerk ist auf den feuchten, teils rutschigen Wegen sinnvoll.
Die Küche in Sorano ist maremmanische Bauernküche und stark von den Nachbarn geprägt. Auf den Tisch kommen Acquacotta, eine Gemüsesuppe mit Ei und altbackenem Brot, handgerollte Pici-Nudeln und Wildgerichte wie Wildschwein, das in der Maremma reichlich vorkommt. Dazu passt der örtliche Rotwein aus dem Anbaugebiet Sovana. In Pitigliano, wenige Kilometer entfernt, wird der Weißwein Bianco di Pitigliano gekeltert, den du auch in Soranos Osterien findest.
Sorano ist ein guter Ausgangspunkt für die drei Tuffstädte. Pitigliano mit seiner berühmten Felskulisse und dem jüdischen Viertel liegt rund neun Kilometer entfernt, Sovana mit dem etruskischen Gräberfeld und dem romanischen Dom ist ähnlich nah. Beide lassen sich gut mit Sorano zu einer Rundtour verbinden.
Rund 30 Kilometer westlich sprudeln die warmen Schwefelquellen von Saturnia, deren frei zugängliche Cascate del Mulino auch im Winter genutzt werden. Der Hauptort der Gemeinde, zu der Saturnia gehört, ist Manciano mit seiner Burg und weitem Blick über die Maremma. Wer weiter fahren mag, erreicht in gut einer Stunde die tyrrhenische Küste; die Provinzhauptstadt Grosseto liegt rund 80 Kilometer entfernt. Nach Norden locken Siena und das nahe Orvieto mit seinem Dom in Umbrien.
Der nächste größere Flughafen ist Rom-Fiumicino, rund 180 Kilometer südöstlich; von dort führt die Fahrt über die Autobahn A12 oder die Via Cassia in gut zwei Stunden nach Sorano. Auch Perugia und Grosseto haben kleine Regionalflughäfen. Einen eigenen Bahnhof hat Sorano nicht. Die nächsten Bahnstationen sind Orvieto an der Strecke Rom-Florenz, rund 45 Kilometer entfernt, sowie Grosseto an der Tyrrhenischen Küstenbahn in etwa 80 Kilometern; von beiden verkehren Busse in die Tuffregion, allerdings deutlich seltener, als es das Auto praktisch macht.
Mit dem Auto fährst du aus Österreich über den Brenner, Verona und die A1 Richtung Rom, aus der Schweiz über den Gotthard und Mailand; ab Bologna sind es jeweils noch rund drei Stunden bis in die südliche Maremma. Die Altstadt von Sorano ist eng und teils autofrei, geparkt wird auf den Plätzen am Ortsrand, zum Beispiel unterhalb der Fortezza.
Die beste Reisezeit sind Frühling und Frühherbst, etwa von Mai bis Juni und von September bis Oktober. Dann ist es angenehm warm, die Wege durch die Vie Cave sind gut begehbar und die Orte weit weniger voll als im Hochsommer. Im Juli und August wird es in der Maremma heiß, dafür laden die Thermen von Saturnia zur Abkühlung, während die kühleren Monate mit Wildsaison und ruhigen Gassen eher etwas für Genießer sind.
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