Isole Tremiti
Die kleine Inselgrupe gehört zum marinen Naturschutzgebiet des Nationalparks Gargano
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Taranto, auf Deutsch Tarent, liegt am Ionischen Meer im Süden Apuliens und trägt den Beinamen "Stadt der zwei Meere". Gemeint sind der Mar Grande, die offene Bucht zum Ionischen Meer, und der Mar Piccolo, ein fast geschlossenes Binnenmeer hinter der Stadt. Dazwischen liegt auf einer kleinen Insel die Altstadt, verbunden mit dem Festland durch eine Drehbrücke, die seit 1887 zu den Wahrzeichen der Stadt gehört. Mit rund 185.000 Einwohnern ist Taranto nach Bari die zweitgrößte Stadt Apuliens.
Wer Taranto besucht, trifft auf eine Stadt mit zwei Gesichtern. Auf der einen Seite stehen fast 2.700 Jahre Geschichte: Taranto war die einzige Kolonie, die Sparta jemals gegründet hat, und in der Antike eine der reichsten Städte der Magna Graecia. Das Archäologische Nationalmuseum MArTA mit seinem berühmten Goldschmuck zählt zu den bedeutendsten Museen Italiens. Auf der anderen Seite prägen ein großer Marinestützpunkt und eines der größten Stahlwerke Europas das Stadtbild. Taranto ist kein herausgeputztes Postkartenziel wie Ostuni oder Polignano a Mare, sondern eine Hafenstadt mit Brüchen, und gerade das macht den Besuch lohnend.
Für Urlauber im Salento oder im Valle d'Itria ist Taranto zudem ein naheliegendes Tagesziel: Martina Franca liegt gut 30 Kilometer entfernt, die Sassi von Matera erreicht man in etwa einer Stunde.
Um das Jahr 706 v. Chr. gründeten Siedler aus Sparta an der Stelle des heutigen Taranto die Kolonie Taras. Es blieb die einzige Koloniegründung Spartas überhaupt, was die Stadt von den zahlreichen anderen Griechenstädten Süditaliens unterscheidet. Der Überlieferung nach waren die Gründer die sogenannten Parthenier, Söhne aus Verbindungen, die während der Messenischen Kriege geschlossen worden waren und in Sparta keine vollen Bürgerrechte erhielten. Unter ihrem Anführer Phalanthos zogen sie nach Westen. Ihren Namen erhielt die Stadt nach dem Heros Taras, einem Sohn des Meeresgottes Poseidon, der auf den Münzen der Stadt auf einem Delfin reitend dargestellt wurde.
Taras entwickelte sich zu einer der mächtigsten und wohlhabendsten Städte der Magna Graecia, berühmt für Purpurfärberei, Töpferei und Goldschmiedekunst. Im 4. Jahrhundert v. Chr. regierte hier der Philosoph und Mathematiker Archytas, ein Freund Platons. 272 v. Chr. eroberten die Römer die Stadt, die fortan Tarentum hieß. Nach dem Ende des Römischen Reiches wechselten die Herrscher immer wieder: Byzantiner, Sarazenen, Normannen, Staufer, Anjou und Aragonesen prägten die Stadt. Der moderne Aufschwung begann Ende des 19. Jahrhunderts, als das vereinte Italien Taranto zum Hauptstützpunkt seiner Marine ausbaute.
Die Geografie von Taranto ist ungewöhnlich. Der Mar Grande ist die offene Reede zum Ionischen Meer, an der die Neustadt mit ihrer Uferpromenade liegt. Der Mar Piccolo dahinter ist ein flaches, von Süßwasserquellen gespeistes Binnenmeer aus zwei Becken, in dem seit Jahrhunderten Miesmuscheln gezüchtet werden. Zwischen beiden Meeren liegt die Altstadtinsel, die im Süden durch den schmalen Schifffahrtskanal vom Borgo Umbertino, der Neustadt, getrennt ist.
Über diesen Kanal führt der Ponte Girevole, die Drehbrücke von Taranto. Die erste Brücke wurde im Mai 1887 eröffnet und ursprünglich mit Wasserkraft bewegt: Ein Reservoir am Castello Aragonese lieferte den Druck für die Hydraulik. Die heutige, elektrisch angetriebene Konstruktion stammt von 1958, ist knapp 89 Meter lang und öffnet sich, indem sich ihre beiden Arme zur Seite drehen. Das geschieht nur noch, wenn Kriegsschiffe der Marine zwischen Mar Grande und Mar Piccolo wechseln. Wer eine Öffnung miterlebt, sieht eines der bekanntesten Schauspiele der Stadt; planbar ist es für Besucher allerdings kaum.
Die Città Vecchia auf der Insel ist das historische Herz von Taranto. Enge Gassen, Treppen und Durchgänge erinnern daran, dass hier bis ins späte 19. Jahrhundert die gesamte Stadtbevölkerung lebte. Teile des Viertels sind bis heute von Leerstand gezeichnet, doch seit einigen Jahren kehren Handwerksbetriebe, kleine Lokale und Werkstätten zurück. Ein Rundgang lohnt sich vor allem entlang der Via Duomo und der Via Cava mit Blick auf beide Meere.
Wichtigster Bau der Altstadt ist die Kathedrale San Cataldo, die als älteste Kathedrale Apuliens gilt. Ihre Ursprünge reichen in byzantinische Zeit zurück, die heutige Basilika entstand im Kern um 1071. Beim Umbau wurden antike Säulen aus Bauten der Magna Graecia wiederverwendet. Die barocke Fassade kam erst 1713 hinzu, und die prunkvolle Cappellone di San Cataldo aus dem 17. Jahrhundert birgt die Gebeine des Stadtpatrons, eines irischen Mönchs. Sehenswert ist auch die Krypta mit byzantinischen Fresken. Wenige Schritte entfernt steht die gotische Kirche San Domenico Maggiore, von deren Freitreppe aus die Karfreitagsprozessionen starten: Die Riten der Karwoche mit ihren verhüllten Büßern gehören zu den eindrucksvollsten Süditaliens und ziehen jedes Jahr tausende Besucher an.
An der Südspitze der Altstadtinsel, direkt am Ponte Girevole, steht das Castello Aragonese, auch Castel Sant'Angelo genannt. Ein erster byzantinischer Vorgängerbau entstand um das Jahr 916 zum Schutz vor Sarazenen. Seine heutige Gestalt erhielt die Festung zwischen 1487 und 1492, als König Ferdinand von Aragon sie durch den Architekten Francesco di Giorgio Martini zu einer modernen Artilleriefestung mit breiten Rundtürmen umbauen ließ. Später diente das Kastell zeitweise als Gefängnis.
Heute gehört das Castello der italienischen Marine, die es aufwendig restauriert hat und selbst betreibt. Das Besondere: Marineangehörige führen Besucher täglich kostenlos durch die Anlage, von den Bastionen über die Kapelle bis zu den Ausgrabungen im Untergeschoss, die bis auf griechische Befestigungen zurückreichen. Eine Reservierung über die Webseite des Kastells ist empfehlenswert, vor allem in der Hauptsaison. Führungen finden auch in englischer Sprache statt.
Das Museo Archeologico Nazionale di Taranto, kurz MArTA, in der Via Cavour zählt zu den bedeutendsten archäologischen Museen des Landes. Auf zwei Etagen dokumentiert es die Geschichte der Stadt und ihres Umlands von der Vorgeschichte bis in die Spätantike, mit dem Schwerpunkt auf der griechischen Blütezeit von Taras. Zu sehen sind Grabfunde, Mosaiken, Skulpturen und eine große Sammlung apulischer Vasen.
Berühmtestes Kapitel der Sammlung sind die Ori di Taranto, Goldarbeiten tarentinischer Werkstätten vor allem aus dem 4. bis 2. Jahrhundert v. Chr.: Diademe, Ohrringe, Halsketten und filigraner Schmuck, der die Goldschmiedekunst der Magna Graecia auf höchstem Niveau zeigt. Das Museum ist dienstags bis sonntags von 8.30 bis 19.30 Uhr geöffnet, der reguläre Eintritt kostet 10 Euro. Wer nur einen halben Tag in Taranto verbringt, sollte das MArTA und die Altstadt kombinieren; beide liegen nur wenige Gehminuten auseinander.
Kulinarisch ist Taranto vor allem für seine Miesmuscheln bekannt. Die Cozze Tarantine wachsen im Mar Piccolo, wo unterseeische Süßwasserquellen, die sogenannten Citri, das Wasser leicht brackig halten. Diese Bedingungen gelten als Grund für den besonders feinen Geschmack der Muscheln, die in ganz Italien einen Namen haben. Serviert werden sie roh mit Zitrone, als Zuppa di Cozze, gratiniert oder klassisch mit Reis und Kartoffeln im Ofengericht Riso, Patate e Cozze, einem Klassiker der apulischen Küche. Entlang der Uferstraßen und in der Neustadt finden sich zahlreiche Fischrestaurants und Frittierbuden.
Auch der Name der Tarantella führt nach Taranto: Die Wolfsspinne Tarantel wurde nach der Stadt benannt, und aus dem volkstümlichen Glauben, ihr Biss lasse sich nur durch stundenlanges Tanzen kurieren, entstand der Name des berühmten süditalienischen Tanzes. Seine lebendigste Form, die Pizzica, wird heute vor allem im benachbarten Salento gepflegt.
Zu einem ehrlichen Bild von Taranto gehört die Industrie. Am nordwestlichen Stadtrand liegt das Stahlwerk, das jahrzehntelang unter dem Namen ILVA bekannt war und heute von Acciaierie d'Italia betrieben wird. Es ist das größte integrierte Stahlwerk Italiens und beschäftigte in seinen besten Zeiten in den 1970er Jahren über 40.000 Menschen. Die Emissionen des Werks haben der Stadt über Jahrzehnte schwer zugesetzt und beschäftigen bis heute Gerichte und Politik. Wer mit dem Auto anreist, sieht die Schlote schon von Weitem. Auf das Besuchererlebnis in Altstadt, Museum und an der Promenade wirkt sich das kaum aus, die Anlagen liegen mehrere Kilometer vom Zentrum entfernt. Verschweigen sollte man sie trotzdem nicht: Der Umgang mit diesem Erbe ist das zentrale Thema der Stadt.
Daneben ist Taranto seit über einem Jahrhundert der wichtigste Stützpunkt der italienischen Marine. Werften, Docks und Kasernen säumen den Mar Piccolo und den Mar Grande. Die Marine ist zugleich ein Stück Alltagskultur: Ihr verdankt die Stadt die Drehbrücke, das restaurierte Kastell und die Präsenz von Marinesoldaten im Stadtbild.
Taranto liegt günstig für Ausflüge in gleich drei Richtungen. Nach Westen sind es rund 70 Kilometer bis Matera in der Basilikata, dessen Höhlenstadtviertel zum UNESCO-Welterbe gehören; mit dem Auto dauert die Fahrt etwa eine Stunde. Nach Norden erreicht man in gut 30 Kilometern das Valle d'Itria mit der barocken Stadt Martina Franca, und wenig weiter liegen die Trulli von Alberobello. Nach Südosten öffnet sich der Salento: Das barocke Lecce ist rund 90 Kilometer entfernt, die Hafenstadt Gallipoli an der ionischen Küste etwa ebenso weit.
Auch als Badeziel hat die Umgebung einiges zu bieten. Westlich der Stadt beginnen bei Marina di Ginosa lange Sandstrände mit Pinienwäldern, östlich ziehen sich die Küstenorte der Provinz bis zur Grenze des Salento. Eine Übersicht der schönsten Küstenabschnitte der Region bietet unsere Seite zu den Stränden in Apulien, weitere Ideen für Tagestouren die Ausflugsziele in Apulien.
Die nächstgelegenen Flughäfen sind Brindisi, etwa 70 Kilometer östlich, und Bari, rund 100 Kilometer nördlich. Beide werden von Deutschland, Österreich und der Schweiz aus direkt angeflogen, vor allem in der Sommersaison. Ab Bari fahren Regionalzüge in etwa anderthalb Stunden nach Taranto, außerdem verbinden Intercity-Züge die Stadt mit Rom und Neapel. Von Brindisi aus geht es per Bahn oder über die Schnellstraße in gut einer Stunde nach Taranto. Autofahrer erreichen die Stadt über die A14, die von Bologna kommend bei Taranto endet; Richtung Kalabrien führt die Küstenstraße SS106 weiter am Ionischen Meer entlang. In der Neustadt findet sich meist gut Parkraum, für die Altstadt empfiehlt sich ein Parkplatz nahe dem Ponte Girevole.
Die beste Reisezeit sind Mai, Juni, September und Oktober: Dann ist es warm genug zum Baden, aber nicht so heiß wie im Hochsommer, wenn die Temperaturen regelmäßig über 35 Grad steigen. Das Ionische Meer bleibt oft bis in den Oktober hinein badewarm. Ein besonderer Termin ist die Karwoche mit den Prozessionen der Bruderschaften; wer dann anreist, sollte früh buchen. Im Winter ist Taranto ruhig und mild, viele Museen und das Kastell sind ganzjährig zugänglich.
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Wetterdaten © OpenWeather, aktualisiert alle 6 Std.
Durchschnittliche Tageshöchsttemperaturen im Jahresverlauf.
Am angenehmsten: März bis Mai sowie September bis November.
Tipp: Juli und August werden sehr heiß; Frühling und Herbst sind am angenehmsten.
| Region | Apulien |
| Provinz | Tarent |
| Einwohnerzahl | 199.561 |
| Provinzkürzel | TA |
| Postleitzahl | 74100-74121-74122-74123 |
| Vorwahl | 099 |
| Prominente Bürger | Archytas von Tarent (Mathematiker) Giancarlo de Cataldo (Schriftsteller, Richter) Roberta Vinci (Tennisspielerin) Pierre-Ambroise-François Choderlos de Laclos (Schriftsteller) Riccardo Tisci (Modedesigner) |
| Städtepartnerschaft | Brest (Frankreich) |
| Sport | AS Taranto Cacio (Fußball) |
| Spezialitäten des Ortes | Olio Terre Tarentino (Olivenöl) Cavatelli (Pasta) Miesmuscheln Clementia del golfo di Taranto |
| Reisezeit-Hinweise | Auf Grund der besonderen Lage herrschen auch im Sommer moderate Temperaturen vor. |
| Geschichte | Die erste Besiedelung fand in der Jungsteinzeit statt und entwickelte sich bald zu einem bedeutenden Marktplatz. Der jedoch durch seinen Reichtum oft in kriegerische Auseinandersetzungen verwickelt wurde. |
| Lage | Am Golf von Tarent im Ionischen Meer |
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