Trani
Apulien

Trani

Die Perle von Apulien

Trani liegt an der Adriaküste Apuliens, rund 45 Kilometer nordwestlich von Bari, und gehört mit Barletta und Andria zu den drei Hauptorten der Provinz Barletta-Andria-Trani. Die Hafenstadt mit gut 50.000 Einwohnern ist vor allem für ein Bild bekannt, das auf unzähligen Apulien-Fotografien auftaucht: die Kathedrale San Nicola Pellegrino, die frei auf einer Landzunge direkt am Wasser steht. Kaum eine andere Kirche Italiens ist so eng mit dem Meer verbunden, und kaum ein anderes Motiv fasst die apulische Romanik so gut zusammen. Hinter der Kathedrale beginnt eine Altstadt aus hellem Kalkstein, die sich um den historischen Hafen legt. Fischerboote liegen dort neben Segelyachten, am Kai reihen sich Restaurants und Bars, und abends füllt sich die Uferpromenade mit Einheimischen und Besuchern. Trani...

Trani liegt an der Adriaküste Apuliens, rund 45 Kilometer nordwestlich von Bari, und gehört mit Barletta und Andria zu den drei Hauptorten der Provinz Barletta-Andria-Trani. Die Hafenstadt mit gut 50.000 Einwohnern ist vor allem für ein Bild bekannt, das auf unzähligen Apulien-Fotografien auftaucht: die Kathedrale San Nicola Pellegrino, die frei auf einer Landzunge direkt am Wasser steht. Kaum eine andere Kirche Italiens ist so eng mit dem Meer verbunden, und kaum ein anderes Motiv fasst die apulische Romanik so gut zusammen.

Hinter der Kathedrale beginnt eine Altstadt aus hellem Kalkstein, die sich um den historischen Hafen legt. Fischerboote liegen dort neben Segelyachten, am Kai reihen sich Restaurants und Bars, und abends füllt sich die Uferpromenade mit Einheimischen und Besuchern. Trani ist kein klassischer Badeort mit Hotelburgen, sondern eine gewachsene Hafenstadt, die vom Handel, vom Fischfang und vom Steinabbau lebte und heute zu den elegantesten Zielen an der Adria zählt.

Wer genauer hinsieht, entdeckt mehr als schöne Kulissen: ein mittelalterliches Judenviertel mit einer der ältesten aktiven Synagogen Europas, eine Stauferburg am Wasser, eine Seerechtssammlung, die zu den ältesten des Abendlandes gezählt wird, und mit dem Moscato di Trani einen Süßwein mit eigener Herkunftsbezeichnung. Für einen Tagesausflug ist Trani fast zu schade, als Standort für eine Woche Nordapulien dagegen ideal.

Die Kathedrale San Nicola Pellegrino: Romanik direkt am Meer

Die Kathedrale ist dem heiligen Nikolaus dem Pilger geweiht, einem jungen griechischen Pilger, der 1094 in Trani starb und kurz darauf heiliggesprochen wurde. Schon 1099 begann der Bau der Kirche über seinem Grab, im Wesentlichen fertiggestellt wurde sie im Laufe des 12. Jahrhunderts. Ihr Standort ist einzigartig: Sie steht nicht im Zentrum der Stadt, sondern auf einer freien Fläche unmittelbar an der Hafeneinfahrt, auf drei Seiten vom Meer umgeben. Seefahrern diente der helle Bau mit seinem Glockenturm über Jahrhunderte als Landmarke.

Gebaut wurde die Kirche aus dem Stein der Umgebung, dem Pietra di Trani, einem fast weißen Kalkstein, der je nach Licht cremefarben bis rosig schimmert. Sehenswert ist das bronzene Hauptportal, das der Bildhauer Barisano da Trani im späten 12. Jahrhundert schuf: 32 Bildfelder mit biblischen Szenen und Heiligenfiguren. Das Original wird nach seiner Restaurierung im Inneren der Kathedrale aufbewahrt, am Eingang hängt eine originalgetreue Kopie. Ungewöhnlich ist auch der Aufbau des Gebäudes: Die Oberkirche steht auf der älteren Kirche Santa Maria della Scala, darunter liegen die Krypta des heiligen Nikolaus und das noch ältere Hypogäum des San Leucio. Wer alle Ebenen absteigt, durchquert mehrere Jahrhunderte Baugeschichte. Der Eintritt in die Kathedrale selbst ist frei, für Turm und Untergeschosse werden Tickets angeboten.

Castello Svevo: die Stauferburg am Wasser

Nur wenige Schritte nördlich der Kathedrale steht das Castello Svevo, die Burg Kaiser Friedrichs II. Errichtet wurde sie zwischen 1233 und 1249 nach Plänen von Filippo Cinardo, einem Militäringenieur des Kaisers. Der Grundriss ist bis heute erhalten: ein Viereck mit vier quadratischen Ecktürmen, direkt an der Küste gebaut, so dass das Meer einst einen Teil der Verteidigung übernahm. Im 19. Jahrhundert wurde die Anlage umgebaut und diente von 1844 bis 1974 als Provinzgefängnis, erst danach begann die Restaurierung.

Heute ist das Castello ein Museum und beherbergt wechselnde Ausstellungen, im Sommer finden im Innenhof Konzerte und Veranstaltungen statt. Der Rundgang führt durch Säle mit Fundstücken aus der Stadtgeschichte und auf die Mauern, von denen sich ein guter Blick auf die Kathedrale und die Hafeneinfahrt bietet. Zusammen mit dem achteckigen Castel del Monte im Hinterland gehört die Burg von Trani zu den wichtigsten Bauten der Stauferzeit in Apulien.

Hafen und Altstadt: das Zentrum des Stadtlebens

Der historische Hafen ist der Mittelpunkt von Trani. Das Becken liegt geschützt zwischen zwei Molen, auf der einen Seite die Kathedrale, auf der anderen die Uferstraße mit ihren Restaurants. Morgens verkaufen Fischer ihren Fang direkt vom Boot, abends gehört die Hafenrunde zu den schönsten Spaziergängen der Stadt. Viele Lokale haben sich auf Fisch und Meeresfrüchte spezialisiert, von der einfachen Trattoria bis zum gehobenen Restaurant.

Die Bedeutung des Hafens reicht weit zurück. Im Mittelalter war Trani eine wichtige Handels- und Seefahrerstadt mit Verbindungen in die Levante, zeitweise unterhielten venezianische Kaufleute hier Niederlassungen. Aus dieser Zeit stammen die Ordinamenta et consuetudo maris, eine Sammlung von Seerechtsregeln, die mit der Jahreszahl 1063 überliefert ist. Trifft diese Datierung zu, wäre sie das älteste erhaltene Seerechtsdokument des lateinischen Westens; in der Forschung ist die Einordnung allerdings umstritten, manche Historiker setzen den Text erst im 14. Jahrhundert an. Unstrittig ist, was er über die Stadt sagt: Trani war über Jahrhunderte ein Ort, an dem Seehandel geregelt und gelebt wurde. In den Gassen hinter dem Hafen zeugen davon Bauten wie der spätgotische Palazzo Caccetta aus dem 15. Jahrhundert und die Kirche Ognissanti aus dem 12. Jahrhundert, die dem Templerorden zugeschrieben wird.

Jüdisches Erbe: die Giudecca und die Synagoge Scolanova

Wenige Gehminuten vom Hafen entfernt liegt die Giudecca, das mittelalterliche Judenviertel von Trani. Im 13. Jahrhundert lebte hier eine der bedeutendsten jüdischen Gemeinden Süditaliens, die zeitweise vier Synagogen unterhielt. Zwei dieser Gebäude stehen noch: die Scolanova und die Scolagrande, die später als Kirche Sant'Anna genutzt wurde. Nach Zwangsbekehrungen und Vertreibungen wurden die Synagogen Ende des 14. Jahrhunderts in Kirchen umgewandelt, die jüdische Gemeinde verschwand für Jahrhunderte aus der Stadt.

Umso bemerkenswerter ist die jüngere Geschichte: 2006 gab die katholische Kirche die Scolanova an die jüdische Gemeinschaft zurück, seither wird der schlichte mittelalterliche Bau mit seinen dicken Kalksteinmauern wieder als Synagoge genutzt. Damit zählt die Scolanova zu den ältesten Synagogen Europas, in denen wieder Gottesdienste stattfinden. Die ehemalige Scolagrande beherbergt heute ein Museum zur jüdischen Geschichte Tranis mit Grabsteinen, Dokumenten und Fundstücken aus dem Viertel. Ein Rundgang durch die engen Gassen der Giudecca gehört zu den lohnendsten Programmpunkten der Stadt, gerade weil er ein Kapitel zeigt, das in vielen Küstenorten Apuliens verloren gegangen ist.

Trani-Stein und Moscato: zwei Produkte mit Herkunft

Zwei Dinge tragen den Namen der Stadt in die Welt. Das erste ist der Stein: Der Pietra di Trani wird seit Jahrhunderten in Steinbrüchen der Umgebung abgebaut. Der helle, dichte Kalkstein prägt die Kathedrale, die Palazzi und die Gassen der Altstadt und wird bis heute gebrochen, verarbeitet und exportiert, etwa für Fassaden und Bodenbeläge. Wer durch die Altstadt geht, läuft buchstäblich über das wichtigste Exportgut der Region.

Das zweite ist der Wein. Der Moscato di Trani ist ein Süßwein aus der Rebsorte Moscato Bianco, die hier auch Moscato reale genannt wird. Seit 1974 trägt er die kontrollierte Herkunftsbezeichnung DOC, erlaubt sind zwei Varianten: der Dolce naturale, ein natursüßer Dessertwein, und der aufgespritete Liquoroso. Beide zeigen eine goldgelbe bis bernsteinfarbene Tönung und Aromen von Aprikose, Honig und Orangenschale. Getrunken wird der Moscato in Apulien klassisch zu Mandelgebäck oder gereiftem Käse. Mehrere Weingüter im Umland bieten Verkostungen an, einige Flaschen finden sich aber auch in fast jeder Enoteca der Altstadt.

Villa Comunale und Strände

Südlich der Altstadt liegt die Villa Comunale, der öffentliche Stadtgarten von Trani. Die gepflegte Anlage mit alten Bäumen, Brunnen und Sitzbänken zieht sich direkt an der Küste entlang, von der Balustrade reicht der Blick über das Wasser bis zur Kathedrale. Für eine Pause zwischen zwei Besichtigungen gibt es kaum einen besseren Ort, und am frühen Abend gehört der Garten den Familien der Stadt.

Zum Baden fahren die meisten an die Stadtränder. Nördlich und südlich des Zentrums wechseln sich kleine Sand- und Felsabschnitte ab, bekannt ist vor allem die Bucht bei der ehemaligen Benediktinerabtei Santa Maria di Colonna, wo ein frei zugänglicher Strand direkt neben dem mittelalterlichen Kloster liegt. Die Strände der Provinz sind deutlich ruhiger als die touristischen Küstenabschnitte im Süden Apuliens, lange Sandstrände finden sich Richtung Barletta und an der Küste nach Margherita di Savoia. Einen Überblick über die schönsten Küstenabschnitte der Region gibt unsere Seite zu den Stränden in Apulien.

Ausflüge: Barletta, Castel del Monte und Bari

Trani eignet sich gut als Ausgangspunkt für Nordapulien. Nur rund 13 Kilometer nordwestlich liegt Barletta mit seiner mächtigen Burg und dem Koloss von Barletta, einer rund fünf Meter hohen Bronzestatue aus der Spätantike, die neben der Basilika des Heiligen Grabes steht. Etwa eine halbe Stunde Fahrt ins Hinterland entfernt erhebt sich das Castel del Monte, der achteckige Jagd- und Repräsentationsbau Friedrichs II. und seit 1996 UNESCO-Welterbe. Beide Ziele lassen sich bequem an einem Tag kombinieren.

In die andere Richtung lohnt die Küstenstraße nach Süden: Bisceglie mit seinem alten Hafen liegt zehn Kilometer entfernt, Molfetta mit dem Dom direkt am Wasser rund 20 Kilometer. Die Regionalhauptstadt Bari erreicht man in einer guten halben Stunde, sehenswert sind dort die Altstadt Bari Vecchia mit der Basilika San Nicola und das Kastell. Wer weiter ausgreifen will, findet mit Polignano a Mare und der Felsenstadt Matera in der Nachbarregion Basilikata zwei der bekanntesten Ziele Süditaliens in Tagesausflugsdistanz. Weitere Ideen sammelt unsere Übersicht der Ausflugsziele in Apulien.

Anreise und beste Reisezeit

Der nächste Flughafen ist Bari Karol Wojtyla, rund 40 Kilometer entfernt und von mehreren deutschen Städten aus direkt angeflogen. Vom Flughafen fährt ein Zubringerzug zum Hauptbahnhof Bari Centrale, von dort bringen Regionalzüge der Adria-Linie Besucher in etwa 30 bis 40 Minuten nach Trani. Die Strecke Bologna, Ancona, Bari, Lecce führt direkt an der Küste entlang, auch einzelne Fernzüge halten in Trani. Der Bahnhof liegt gut einen Kilometer vom Hafen entfernt, die Altstadt ist zu Fuß erreichbar. Mit dem Auto nimmt man die A14 bis zur Ausfahrt Trani; wer aus Deutschland anreist, sollte für die Strecke ab München mindestens zwölf Stunden reine Fahrzeit einplanen. In der Altstadt ist das Parken knapp, am Rand des Zentrums gibt es ausgeschilderte gebührenpflichtige Parkplätze.

Die beste Reisezeit sind die Monate Mai, Juni, September und Oktober: warm genug zum Baden, aber ohne die Hitze des Hochsommers, in dem die Temperaturen regelmäßig über 35 Grad steigen. Im Juli und August ist zudem der italienische Ferienverkehr auf den Küstenstraßen spürbar. Wer vor allem besichtigen will, kann Trani auch im Winter besuchen; die Kathedrale und die Altstadt zeigen dann ihre stillste Seite, viele Restaurants am Hafen bleiben geöffnet. Unterkünfte gibt es vom Stadthotel im Palazzo bis zur Ferienwohnung mit Hafenblick, eine Auswahl an Ferienhäusern in Apulien haben wir zusammengestellt.

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Über die Autorin

Mihaela

Redakteurin Kultur und Küche

Mihaela liebt die italienische Kultur und den besonderen Lebensstil des Landes. Ihre Lieblingsregionen sind Apulien, Ligurien und die Marken, doch sie entdeckt mit großer Neugier immer wieder neue Facetten Italiens. Als leidenschaftliche Köchin lässt sie sich von der italienischen Küche zu neuen Rezepten inspirieren.

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Bildnachweis: Isiwal, Lizenz: CC BY-SA 4.0

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Tipp: Juli und August werden sehr heiß; Frühling und Herbst sind am angenehmsten.

Wo liegt Trani?

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Häufige Fragen

Trani: Häufige Fragen

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Wann ist die beste Reisezeit für Trani?
Zum Baden ist Juni bis September die richtige Zeit, dann ist das Wasser warm genug. Für Besichtigungen und Wanderungen sind März bis Mai sowie September bis November angenehmer. Im Hochsommer erreichen die Tageshöchstwerte bis zu 31 Grad.
Wie reist man nach Trani an?
Der nächstgelegene Flughafen ist Bari (BRI). Von dort geht es mit Bahn, Bus oder Mietwagen weiter. Die Anreise mit dem eigenen Auto ist möglich, aus dem deutschsprachigen Raum aber eine lange Strecke.

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