Palazzo Ducale Urbino
Federicos Renaissancepalast mit Studiolo, Ehrenhof und der Galleria Nazionale delle Marche.
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Urbino liegt auf zwei Hügeln im Hinterland der Marken, weit weg von der Adriaküste und mitten in einer sanft gewellten Landschaft aus Feldern, Weinbergen und einzelnen Zypressen. Von Weitem sieht die Stadt aus wie eine einzige geschlossene Silhouette aus warmem Backstein, aus der die beiden schlanken Türme des herzoglichen Palasts herausragen. Wer die letzten Serpentinen hinauffährt, ahnt schon, warum dieser Ort seit dem 15. Jahrhundert als eine der Wiegen der Renaissance gilt.
Der Grund liegt in einer kurzen, aber außergewöhnlichen Blütezeit. Unter Herzog Federico da Montefeltro wurde Urbino um 1450 bis 1480 zu einem der glänzendsten Höfe Europas, an dem Maler, Architekten und Gelehrte zusammenkamen. Diese Jahrzehnte haben die Stadt so vollständig geprägt, dass die Altstadt bis heute wie aus einem Guss wirkt. Seit 1998 steht das historische Zentrum als geschlossenes Renaissance-Ensemble auf der Liste des UNESCO-Welterbes.
Urbino lohnt sich als Ziel für ein, zwei ruhige Tage und nicht nur als schneller Abstecher von der Küste. Die Stadt ist überschaubar, aber dicht gepackt mit Kunst und Geschichte, und weil sie im Landesinneren liegt, bleibt sie von den großen Reisebussen weitgehend verschont. Dazu kommt das studentische Leben: Urbino ist bis heute Universitätsstadt, und das hält die Gassen auch außerhalb der Hauptsaison lebendig.
Der Palazzo Ducale ist das Herzstück der Stadt und einer der wichtigsten Profanbauten der italienischen Renaissance. Herzog Federico da Montefeltro ließ ihn ab der Mitte des 15. Jahrhunderts errichten, maßgeblich beteiligt war der Architekt Luciano Laurana. Der Palast war nicht als Festung gedacht, sondern als ideale fürstliche Residenz, in der Architektur, Kunst und Gelehrsamkeit zusammenkommen sollten. Zeitgenossen sprachen von einer Stadt in Gestalt eines Palastes.
Berühmt ist vor allem die Fassade mit den beiden schlanken Rundtürmen, den sogenannten Torricini, die zum Tal hin aufragen und zum Wahrzeichen Urbinos geworden sind. Im Inneren beeindruckt der weite Ehrenhof (Cortile d'onore) mit seinen klaren Arkaden. Ein kleines Wunder für sich ist das Studiolo des Herzogs, ein winziger Studienraum, dessen Wände mit täuschend echten Intarsien verkleidet sind: Aus eingelegtem Holz entstehen halb geöffnete Schranktüren, Bücher, Instrumente und ganze Stadtansichten in perfekter Perspektive.
Im Palazzo Ducale ist heute die Galleria Nazionale delle Marche untergebracht, die bedeutendste Kunstsammlung der Region. Wer sich für die italienische Malerei des 15. Jahrhunderts interessiert, findet hier einige Schlüsselwerke. Von Piero della Francesca hängen in Urbino die rätselhafte Tafel mit der Geißelung Christi und die Madonna von Senigallia, beides Arbeiten, an denen sich bis heute Kunsthistoriker abarbeiten, weil ihre Komposition und ihr Umgang mit Raum und Licht so ungewöhnlich klar sind.
Das vielleicht meistbesuchte Bild der Sammlung ist Raffaels „La Muta", das Porträt einer stummen, in dunkles Gewand gekleideten Frau, deren Blick den Betrachter über Jahrhunderte hinweg festhält. Dazu kommen Werke von Paolo Uccello und die berühmte Idealstadt, eine Architekturvedute, die einen menschenleeren, streng perspektivischen Platz zeigt und wie ein gemaltes Manifest der Renaissance wirkt. Für den Rundgang durch die Säle solltest du gut ein bis zwei Stunden einplanen.
Urbino ist die Geburtsstadt Raffaels, mit vollem Namen Raffaello Sanzio, der hier 1483 zur Welt kam und zu den größten Malern der Hochrenaissance wurde. Sein Vater Giovanni Santi war selbst Maler am Hof der Montefeltro, und der junge Raffael wuchs damit von klein auf in der Nähe von Werkstatt und Fürstenhof auf. Auch wenn seine großen Meisterwerke später in Florenz und Rom entstanden, bleibt Urbino der Ort, an dem seine Laufbahn begann.
In der Via Raffaello, einer steilen Gasse oberhalb des Zentrums, kannst du sein mutmaßliches Geburtshaus besichtigen, die Casa Natale di Raffaello. Das schlichte Bürgerhaus ist heute ein kleines Museum, das an die Familie Santi erinnert und einen Eindruck vom Handwerk einer Malerwerkstatt vermittelt. In einem der Räume ist ein frühes Fresko zu sehen, das häufig dem jungen Raffael oder seinem Vater zugeschrieben wird. Der Besuch dauert nicht lange, ergänzt aber den Rundgang durch die Galerie auf schöne Weise.
Urbino trägt seine Rolle als Universitätsstadt seit Jahrhunderten. Die Università degli Studi di Urbino geht bis ins frühe 16. Jahrhundert zurück und prägt das Stadtbild bis heute: Ein großer Teil der Bewohner sind Studierende, und ohne sie wäre der Ort in dieser Lage wohl deutlich stiller. Stattdessen sind die Bars und kleinen Lokale rund um die Piazza della Repubblica auch abends gut gefüllt, und im Semester hat die Stadt einen jungen, unaufgeregten Rhythmus.
Die Altstadt selbst erkundest du am besten zu Fuß, feste Schuhe helfen, denn Urbino ist steil. Die Gassen steigen und fallen, immer wieder öffnet sich zwischen den Backsteinhäusern ein Blick über die Dächer ins Umland. Wer den Aufstieg nicht scheut, geht hinauf zur Fortezza Albornoz, einer alten Festung mit Park, von der du die berühmte Ansicht der Stadt mit den beiden Türmen und dem Dom vor der grünen Hügellandschaft hast. Zur Piazza gehört außerdem der klassizistische Dom mit dem angeschlossenen Diözesanmuseum.
Weil Urbino im Landesinneren liegt, ist die Adriaküste ein naheliegendes Kontrastprogramm. Am schnellsten erreichst du Pesaro, die Geburtsstadt des Komponisten Gioachino Rossini, mit langem Sandstrand und lebhafter Promenade. Etwas weiter südlich liegt Fano mit seinem römischen Erbe und einem der ältesten Karnevale Italiens. Beide Orte lassen sich gut mit einem Badetag verbinden, wenn dir nach der konzentrierten Kunst in Urbino nach Meer ist.
Wer tiefer in die Region eintauchen will, fährt weiter nach Ancona, der Hauptstadt der Marken mit ihrem großen Hafen, oder ins Wallfahrtsstädtchen Loreto, dessen mächtige Basilika über der Ebene thront und seit Jahrhunderten Pilger anzieht. Von der Küste bis in die Berge liegt vieles dicht beieinander, sodass sich Urbino gut als Kulturbaustein einer Rundreise durch die Marken eignet.
Ehrlich gesagt ist die Anreise nach Urbino der einzige kleine Haken: Die Stadt liegt im Landesinneren und hat keinen eigenen Bahnhof. Mit dem Zug kommst du deshalb bis an die Küste, meist nach Pesaro oder Fano an der Adria-Bahnlinie, und fährst von dort mit dem Linienbus die knappe Stunde ins Bergland hinauf. Die Busverbindung ab Pesaro ist die gängigste Variante, prüfe die Fahrpläne aber vorab, gerade am Wochenende fahren die Busse seltener. Bequemer bist du mit dem eigenen oder gemieteten Auto, dann parkst du in einem der Parkhäuser am Rand der Altstadt, denn das historische Zentrum ist weitgehend autofrei.
Der nächste größere Flughafen ist Ancona-Falconara, rund 80 Kilometer entfernt, mit Anschluss an die Küstenbahn. Aus Österreich fährst du am unkompliziertesten mit dem Auto über Villach und Venedig Richtung Adria, das sind je nach Startpunkt etwa fünf bis sieben Stunden. Aus der Schweiz führt der Weg meist über den Gotthard und Bologna an die Küste und dann ins Hinterland; auch hier ist das Auto die flexibelste Lösung, weil du für Urbino ohnehin die letzte Etappe über Land zurücklegst. Wer fliegen möchte, nimmt einen Flug nach Bologna, Rimini oder Ancona und mietet dort einen Wagen.
Die angenehmste Reisezeit sind Frühjahr und Herbst. Von April bis Juni ist die Hügellandschaft rund um Urbino sattgrün, und die Temperaturen bleiben zum Bummeln durch die steilen Gassen ideal. September und Oktober bringen milde, klare Tage und eine ruhigere Stadt. Der Hochsommer kann im Landesinneren heiß werden, ist aber wegen der Höhenlage meist erträglicher als an der Küste. Im Winter ist es still und mitunter kühl, dafür hast du den Palazzo Ducale und die Galerie fast für dich allein.
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Wetterdaten © OpenWeather, aktualisiert alle 6 Std.
Klima im Jahresverlauf, Monatstabelle und die Monate, die zu deinem Urlaub passen.
Am angenehmsten: April bis Juni sowie September bis Oktober.
In Urbino ist der August mit 29 Grad am Tag der wärmste Monat, am kühlsten bleibt es im Januar mit 8 Grad. Am meisten Regen fällt im November (114 mm), am wenigsten im Juli (43 mm).
| Monat | Tag | Nacht | Regen | Einordnung |
|---|---|---|---|---|
| Jan | 8 °C | 2 °C | 57 mm | Winter |
| Feb | 9 °C | 2 °C | 67 mm | Winter |
| Mär | 13 °C | 5 °C | 71 mm | Kühl |
| Apr | 16 °C | 8 °C | 76 mm | Angenehm |
| Mai | 21 °C | 12 °C | 77 mm | Angenehm |
| Jun | 26 °C | 16 °C | 65 mm | Angenehm |
| Jul | 29 °C | 18 °C | 43 mm | Warm |
| Aug | 29 °C | 18 °C | 64 mm | Warm |
| Sep | 23 °C | 14 °C | 98 mm | Angenehm |
| Okt | 18 °C | 11 °C | 99 mm | Angenehm |
| Nov | 13 °C | 6 °C | 114 mm | Kühl |
| Dez | 9 °C | 2 °C | 80 mm | Winter |
Klimanormalwerte 1991 bis 2020 (Tageshöchst- und Tiefstwerte, Monatsniederschlag) aus TerraClimate, 4-km-Raster, gerundet.
Unterkunft in Urbino zur besten Reisezeit Eine Woche, Samstag bis Samstag, zwei Personen. Datum lässt sich bei Booking.com anpassen.
Lagesüdwestlich von Pesaro
Lagesüdwestlich von Pesaro
| Region | Marken |
| Provinz | Pesaro und Urbino |
| Einwohnerzahl | 14.844 |
| Provinzkürzel | PU |
| Postleitzahl | 61029 |
| Vorwahl | 0722 |
| Prominente Bürger | Donato Bramate (Baumeister) Polydor Vergil (Humanist) Raffael (Maler) Frederico Barocci (Maler) Valentino Rossi (Motorradrennfahrer) Pasquale Rotondi (Kunsthistoriker und Kunstschützer) |
| Geschichte | im 6. Jhd. zur Festung ausgebaut, erlebte die Stadt in der Renaissance ihre Blütezeit |
| Lage | südwestlich von Pesaro |
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