Rocca Calascio
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Vasto liegt im Süden der Abruzzen, in der Provinz Chieti, dort wo sich die Adriaküste in eine der reizvollsten Landschaften Mittelitaliens verwandelt. Die Stadt zeigt sich zweigeteilt: Oben auf einem Hügel thront die historische Altstadt mit ihren Palästen, Kirchen und Aussichtsterrassen über dem Meer, unten am Wasser erstreckt sich der Badeort Vasto Marina mit langen Sandstränden und einer belebten Promenade. Diese Mischung aus Kultur und Strandurlaub macht den besonderen Reiz des Ortes aus.
Rund 40.000 Menschen leben in Vasto, das damit zu den größten Städten der abruzzesischen Küste zählt. Bekannt ist die Gegend vor allem für die Costa dei Trabocchi, jenen Küstenabschnitt mit den eigenwilligen hölzernen Fischfangkonstruktionen, und für den Küstenradweg Via Verde, der auf einer alten Bahntrasse direkt am Meer entlangführt. Vasto ist zugleich ein guter Ausgangspunkt, um die noch wenig überlaufene Region Abruzzen mit ihren Bergen, Naturparks und traditionsreichen Dörfern zu entdecken.
Der historische Kern von Vasto liegt erhöht auf einem Hügel und blickt weit über die Adria. Herzstück ist der Palazzo d'Avalos, dessen Ursprung bis in das Jahr 1427 zurückreicht, als der Condottiere Giacomo Caldora, Herr von Vasto, ihn errichten ließ; seinen heutigen Namen trägt er nach der Adelsfamilie d'Avalos, die ihn im 16. Jahrhundert übernahm und prächtig ausbaute. Der Renaissancepalast beherbergt heute das Archäologische Museum, das älteste seiner Art in den Abruzzen, mit Funden von der Eisenzeit bis ins Mittelalter, dazu die städtische Gemäldegalerie und ein Kostümmuseum. Besonders reizvoll sind die hängenden Gärten des Palasts, von denen aus sich ein weiter Blick auf das Meer öffnet.
Nur wenige Schritte entfernt steht die Cattedrale di San Giuseppe, deren Ursprünge in das 13. Jahrhundert zurückgehen. Ein weiteres Wahrzeichen ist die Burganlage Castello Caldoresco aus dem frühen 15. Jahrhundert, die einst zur Verteidigung der Stadt diente. Zwischen den Bauwerken lädt die Piazza Rossetti mit dem benachbarten Torre di Bassano zum Verweilen ein. Der Platz erinnert an Gabriele Rossetti, den 1783 in Vasto geborenen Dichter und Gelehrten, dessen Familie später in England zu literarischer Bedeutung gelangte. Ein Spaziergang durch die Gassen der Oberstadt endet oft an einer der Aussichtsterrassen, dem sogenannten Loggia-Blick über die Bucht.
Unterhalb der Altstadt liegt Vasto Marina, der Badeteil der Stadt. Hier reihen sich Hotels, Strandbäder und Restaurants entlang einer breiten Uferpromenade. Die Sandstrände fallen flach ins Meer ab und sind daher besonders bei Familien mit Kindern beliebt. Mehrere Abschnitte der Küste wurden wiederholt mit der Blauen Flagge ausgezeichnet, einem internationalen Gütesiegel für saubere Strände und gute Wasserqualität. Die lange Bademeile bietet freie wie kostenpflichtige Strandabschnitte, sodass für jeden Geschmack etwas dabei ist.
Ein Wahrzeichen der Marina ist die Statue des Badenden, das Monumento al Bagnante, das die Gäste an der Uferpromenade begrüßt. Familien mit Kindern zieht es außerdem in den Wasserpark Aqualand del Vasto mit seinen Rutschen und Becken, der in den Sommermonaten für Abwechslung sorgt. Am Hafen von Punta Penna steht der gleichnamige Leuchtturm, der mit rund 70 Metern zu den höchsten Leuchttürmen Italiens zählt und die Silhouette der Küste weithin sichtbar prägt.
Vasto ist einer der schönsten Zugänge zur Costa dei Trabocchi, jenem Küstenstreifen, der sich von Ortona bis in den Süden der Abruzzen zieht. Ihren Namen verdankt sie den Trabocchi, kunstvollen Fischfangkonstruktionen aus Holz, die auf langen Stelzen weit ins Meer hinausragen. Über auskragende Arme werden große Netze ins Wasser gelassen, mit denen die Fischer früher fingen, ohne aufs offene Meer hinausfahren zu müssen. Viele dieser Bauwerke stehen unter Schutz und prägen das unverwechselbare Bild dieses Küstenabschnitts.
Zahlreiche Trabocchi wurden liebevoll restauriert, einige beherbergen heute kleine Restaurants, in denen fangfrischer Fisch direkt über dem Wasser serviert wird. Ein Essen auf einem Trabocco, umgeben vom Meer und begleitet vom Rauschen der Wellen, gehört zu den besonderen Erlebnissen der Region. Zwischen den Konstruktionen wechseln sich Felsbuchten, kleine Kiesstrände und klare Wasserstellen ab, die zum Baden und Schnorcheln einladen.
Entlang der Costa dei Trabocchi verläuft die Via Verde, ein rund 42 Kilometer langer Radweg, der auf der stillgelegten Bahntrasse der alten Adriastrecke angelegt wurde. Weil die Strecke einst für die Eisenbahn gebaut wurde, ist sie fast eben und führt dicht am Wasser vorbei an Trabocchi, Buchten und Pinienhainen. Der Weg verbindet Ortona im Norden über Vasto hinaus mit San Salvo im Süden und lässt sich bequem in Etappen erkunden, zu Fuß oder mit dem Rad.
Der Abschnitt bei Vasto ist besonders reizvoll, da er das Naturschutzgebiet Punta Aderci streift und immer wieder freie Blicke auf das Meer freigibt. Fahrräder lassen sich vor Ort an mehreren Stationen ausleihen, sodass auch Gäste ohne eigenes Rad die Strecke befahren können. Wer die Küste in Ruhe entdecken möchte, findet auf der Via Verde eine der schönsten und entspanntesten Möglichkeiten dazu.
Nördlich von Vasto liegt die Riserva Naturale di Punta Aderci, eines der am besten erhaltenen Küstengebiete der Abruzzen. Auf wenigen Kilometern wechseln sich niedrige Kliffs, kleine Buchten mit klarem Wasser, Dünen und mediterrane Macchia ab. Wander- und Radwege durchziehen das Gebiet und führen zu Aussichtspunkten, von denen aus sich die Küste in ihrer ganzen Weite überblicken lässt. Zum Schutzgebiet gehören naturbelassene Strände wie Punta Penna, Libertini und Mottagrossa.
Das Reservat ist ein Rückzugsort für zahlreiche Vogelarten und ein beliebtes Ziel für alle, die die Natur der Region abseits der belebten Badestrände erleben möchten. Zu Fuß erreicht man von den Parkplätzen aus die einzelnen Buchten, in denen das Wasser oft besonders klar ist. Ein Sonnenuntergang an der Spitze von Punta Aderci, mit Blick auf die weite Adria, zählt zu den eindrücklichsten Erlebnissen eines Aufenthalts in Vasto.
Die Küche von Vasto ist eng mit dem Meer verbunden, und ihr berühmtestes Gericht ist der Brodetto alla vastese. Diese kräftige Fischsuppe wird traditionell aus verschiedenen Sorten fangfrischen Fisches zubereitet, die in einem Tontopf mit Tomaten, Öl und Kräutern langsam garen. Die Sorten werden dabei nach und nach zugegeben, damit jede ihren richtigen Garpunkt erreicht. Serviert wird der Brodetto meist mit geröstetem Brot, das die würzige Suppe aufnimmt.
Neben dem Brodetto prägen weitere regionale Spezialitäten die Tafel: hausgemachte Pasta, Gemüse aus dem Umland und der abruzzesische Olivenöl. An der Küste dominieren Fischgerichte, im Hinterland dagegen kräftige Speisen mit Lamm und Wurstwaren. Dazu passen die Weine der Abruzzen, allen voran der kräftige Rotwein Montepulciano d'Abruzzo und der frische Weißwein Trebbiano. Wer Vasto besucht, sollte sich die Gelegenheit nicht entgehen lassen, in einem der Lokale am Meer oder in der Altstadt die lokale Küche zu kosten.
Vasto ist gut erreichbar und liegt direkt an der Adriaküste. Mit dem Auto führt die Autobahn A14 an der Stadt vorbei, die Abfahrt Vasto Sud oder Vasto Nord bringt Reisende schnell ans Ziel. Aus dem Norden kommt man über Pescara, aus dem Süden über die Region Molise und Apulien heran. Der Bahnhof Vasto San Salvo liegt an der Adriastrecke, sodass die Stadt auch bequem mit dem Zug zu erreichen ist. Der nächstgelegene Flughafen ist der Abruzzo Airport bei Pescara, von dort sind es je nach Route etwa 70 Kilometer bis Vasto. Weitere Hinweise zu Wegen und Verbindungen bietet die Seite zur Anreise nach Italien.
Die beste Reisezeit für einen Badeurlaub sind die Monate von Juni bis September, wenn das Meer angenehm warm ist und das Leben in Vasto Marina auf seinem Höhepunkt steht. Wer die Altstadt, die Via Verde und das Naturschutzgebiet in Ruhe erkunden möchte, reist am besten im Frühjahr oder im Frühherbst, wenn die Temperaturen mild sind und die Strände weniger belebt. Der Winter zeigt sich ruhig und beschaulich, mit klaren Tagen und einem weiten Blick über die Adria von den Terrassen der Oberstadt aus.
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