Ventimiglia ist die westlichste Stadt der italienischen Riviera und liegt in Ligurien nur wenige Kilometer vor der Grenze zu Frankreich. Sie gehört zur Provinz Imperia und markiert das westliche Ende der ligurischen Küste, kurz bevor das italienische Straßen- und Bahnnetz in das französische übergeht. Diese Grenzlage prägt den Ort bis heute: Über Jahrhunderte war Ventimiglia Durchgangsstation zwischen zwei Kulturräumen, und noch immer treffen hier italienisches und französisches Leben aufeinander.
Die Stadt teilt sich klar in zwei Hälften. Auf einem Hügel über dem Fluss Roya liegt die mittelalterliche Altstadt Ventimiglia Alta mit engen Gassen, Treppen und der Kathedrale. Am Meer und auf der anderen Flussseite erstreckt sich die moderne Unterstadt mit Bahnhof, Promenade, Geschäften und dem Strand. Wer Ventimiglia besucht, pendelt meist zwischen diesen beiden Welten und verbindet sie oft mit einem Ausflug über die nahe Grenze nach Menton, Monaco oder Nizza.
Berühmt ist der Ort vor allem für seinen großen Freitagsmarkt, für die botanischen Gärten Hanbury an der Mortola, für die prähistorischen Höhlen der Balzi Rossi und für die Ausgrabungen der römischen Stadt Albintimilium. Wer seinen Urlaub an der Blumenriviera verbringt, findet in Ventimiglia damit einen Ort, der Küste, Geschichte und einen ungewöhnlich weiten Blick über die Grenze verbindet.
Ventimiglia Alta: die mittelalterliche Altstadt auf dem Hügel
Die Oberstadt Ventimiglia Alta liegt auf einem Sporn westlich des Flusses Roya und ist der historische Kern der Stadt. Ihre Gassen, Bögen und Treppen ziehen sich den Hang hinauf und öffnen sich immer wieder zu Ausblicken auf das Meer und die Dächer der Unterstadt. Anders als in vielen Küstenorten spielt sich hier kein Touristentrubel ab, sondern normales Alltagsleben zwischen kleinen Läden und Wohnhäusern.
Mittelpunkt der Altstadt ist die romanische Kathedrale Santa Maria Assunta, die auf den Fundamenten älterer Vorgängerbauten steht und deren Kern aus dem 11. und 12. Jahrhundert stammt. Zum Ensemble gehört ein achteckiges Baptisterium. Ganz in der Nähe steht die Kirche San Michele, unter der sich eine frühe Krypta befindet. Von den höchsten Punkten der Oberstadt reicht der Blick an klaren Tagen die Küste entlang bis nach Frankreich hinein. Wer den Aufstieg zu Fuß macht, sollte festes Schuhwerk mitnehmen, denn viele Wege sind gepflastert und steil.
Die Unterstadt und der große Freitagsmarkt
Die moderne Unterstadt liegt östlich des Flusses direkt am Meer. Hier befinden sich der Bahnhof, die Einkaufsstraßen, Cafés und der städtische Strand. Das bekannteste Ereignis der Stadt ist der Wochenmarkt am Freitag, einer der größten seiner Art an der ligurischen Küste. Hunderte Stände reihen sich entlang des Flusslaufs der Roya und in den angrenzenden Straßen und verkaufen Lebensmittel, Kleidung, Lederwaren, Haushaltsartikel und regionale Produkte.
Der Freitagsmarkt zieht nicht nur Einheimische an, sondern besonders viele Besucher aus dem benachbarten Frankreich. Für Menton, Monaco und die gesamte Küste bis Nizza ist Ventimiglia ein beliebtes Ziel für den Markttag, weil die Preise auf der italienischen Seite oft niedriger liegen. Am lebhaftesten ist der Markt am Vormittag. Wer früh kommt, hat mehr Platz zum Stöbern und trifft auf ruhigere Gassen, bevor am späten Vormittag der größte Andrang einsetzt. Wer lieber Markenware sucht, findet an der Grenze zudem ein großes Outlet.
An Markttagen empfiehlt es sich, früh anzureisen, weil die Parkplätze und die Grenzstraßen dann schnell voll werden. Neben Kleidung und Haushaltswaren lohnt vor allem der Blick auf die Lebensmittelstände mit Käse, Oliven, Gemüse und ligurischen Spezialitäten. Zur Küche der Region gehören etwa die Focaccia, das Kichererbsenfladenbrot Farinata und das Basilikumpesto, das aus dieser Ecke Italiens stammt. Viele Besucher verbinden den Marktbummel deshalb mit einer Pause in einem der Lokale der Unterstadt.
Giardini Botanici Hanbury an der Mortola
Rund sechs Kilometer westlich der Stadt, in Richtung Grenze und Menton, liegt am Capo Mortola einer der bedeutendsten Mittelmeergärten Europas: die Giardini Botanici Hanbury. Angelegt wurden sie ab dem Jahr 1867 von dem englischen Kaufmann Thomas Hanbury, der zuvor mit dem Handel von Tee, Seide und Gewürzen in Ostasien zu Vermögen gekommen war. Er kaufte den Landsitz Palazzo Orengo und verwandelte das steile Gelände über dem Meer mit Hilfe seines Bruders, des Pharmakologen Daniel Hanbury, und des Gärtners Ludwig Winter über Jahrzehnte in einen großen botanischen Garten.
Auf einer Fläche von etwa 18 Hektar wachsen hier Pflanzen aus allen Klimazonen mit mediterranem Charakter, darunter Sukkulenten, Zitrusgewächse, Palmen und zahlreiche exotische Arten. Terrassen, Wege und Wasserbecken ziehen sich vom Palazzo hinab bis fast ans Meer. Seit dem Jahr 1987 wird der Garten von der Universität Genua verwaltet, seit dem Jahr 2000 ist er als regionales Schutzgebiet ausgewiesen. Für einen Besuch sollte man mindestens zwei Stunden einplanen, denn das Gelände ist weitläufig und der Höhenunterschied bis zum Meer beträchtlich. Frühling und Frühsommer gelten wegen der Blüte als besonders lohnend.
Balzi Rossi: Höhlen der Urgeschichte an der Grenze
Unmittelbar an der französischen Grenze, beim Ortsteil Grimaldi, liegen die Balzi Rossi, eine Reihe von Höhlen unter steilen rötlichen Felswänden. Sie zählen zu den wichtigsten prähistorischen Fundstätten Europas. Über mehr als 150 Jahre haben Ausgrabungen hier Funde aus der Altsteinzeit zutage gefördert, darunter Steinwerkzeuge, Bestattungen früher moderner Menschen und die berühmten Frauenstatuetten, die als Venusfiguren der Balzi Rossi bekannt sind.
Die bekanntesten Funde stammen aus dem Jungpaläolithikum und sind grob rund 25.000 Jahre alt, doch die Höhlen wurden über einen weit längeren Zeitraum von Menschen genutzt. Ein Teil der originalen Statuetten befindet sich heute in Museen in Frankreich, weitere Funde sind im Museo Preistorico dei Balzi Rossi direkt am Fundort ausgestellt. Das kleine Museum ordnet die Höhlen, die Werkzeuge und die Statuetten historisch ein und lässt sich gut mit einem Besuch der Gärten Hanbury verbinden, da beide Ziele nah beieinander im äußersten Westen der Gemeinde liegen.
Albintimilium: die römische Stadt und ihr Theater
Ventimiglia geht auf eine antike Siedlung zurück. Am östlichen Stadtrand, im Bereich des Baches Nervia, liegt das archäologische Areal von Albintimilium, der römischen Vorgängerstadt. Ursprünglich Hauptort des ligurischen Stammes der Intemelii, erhielt der Ort im Jahr 89 vor Christus lateinisches Recht und wurde als Munizipium in das römische Verwaltungssystem eingegliedert. Ausgegraben sind unter anderem Teile der Stadt, Thermen und ein Theater.
Das römische Theater von Albintimilium bot mehreren Tausend Zuschauern Platz und ist das sichtbarste Bauwerk des Areals. Die Ausgrabungen begannen im 19. Jahrhundert und werden bis heute fortgesetzt. Ein zugehöriges Antiquarium zeigt Funde aus der römischen Stadt und macht den Alltag der antiken Bewohner nachvollziehbar. Wer sich für Geschichte interessiert, kann Albintimilium gut mit der mittelalterlichen Oberstadt kombinieren und so einen Bogen von der Antike bis ins Mittelalter schlagen.
Über die Grenze: Menton, Monaco und Nizza
Die besondere Lage macht Ventimiglia zu einem guten Ausgangspunkt für Ausflüge nach Frankreich. Die Grenze verläuft wenige Kilometer westlich der Stadt. Der erste französische Ort dahinter ist Menton, das für sein mildes Klima und seine Zitronenkultur bekannt ist und rund sieben bis acht Kilometer entfernt liegt. Weiter westlich folgen das Fürstentum Monaco mit Monte Carlo sowie Nizza, das etwa vierzig Kilometer entfernt an der Côte d'Azur liegt.
Weil Ventimiglia der letzte Halt vor der Grenze und zugleich ein Bahnknoten ist, lassen sich diese Ziele bequem mit dem Zug erreichen, ohne dass man vor Ort ein Auto braucht. Umgekehrt kommen viele Gäste von der französischen Riviera für den Markttag oder einen Strandtag nach Ventimiglia. Diese Nähe zweier Länder ist einer der Gründe, warum die Stadt trotz ihrer überschaubaren Größe so gut besucht ist.
Wer mehr Zeit mitbringt, kann von Ventimiglia aus mehrere Tagesausflüge unternehmen, ohne den Standort zu wechseln. In die eine Richtung liegen die Orte der französischen Riviera, in die andere die italienische Küste mit ihren Badeorten und Altstädten. So lässt sich ein Aufenthalt gut so planen, dass an einem Tag der Markt und die Grenze im Mittelpunkt stehen und an einem anderen die Gärten, die Höhlen oder das römische Areal. Gerade für Reisende, die beide Länder in einem Urlaub verbinden möchten, ist die Stadt ein praktischer Ausgangspunkt.
Feste, Strände und die Umgebung
Zu den festen Terminen im Jahr gehört die Battaglia di Fiori, die Blumenschlacht, die in Ventimiglia auf eine Tradition vom Beginn des 20. Jahrhunderts zurückgeht. Bei dem meist im Juni ausgetragenen Fest ziehen mit Blüten geschmückte Wagen durch die Straßen, begleitet von Musik und großem Publikum. Der Höhepunkt ist das gegenseitige Werfen von Blumen zwischen den Wagen und den Zuschauern.
Der Strand von Ventimiglia liegt direkt an der Unterstadt und besteht überwiegend aus Kies. Weitere Bademöglichkeiten und größere Sandabschnitte finden sich an den Nachbarorten entlang der Küste. Einen Überblick über die Strände in Ligurien lohnt sich, wenn der Badeurlaub im Vordergrund steht. In Richtung Osten reihen sich die Orte der Blumenriviera aneinander: das nahe Bordighera mit seinen Palmen, das mondäne San Remo mit Casino und Blumenmarkt sowie das winzige Fürstentum Seborga im Hinterland. Wer die Region weiter erkundet, erreicht in gut zwei Stunden auch die Regionalhauptstadt Genua.
Anreise und beste Reisezeit
Mit der Bahn ist Ventimiglia sehr gut erreichbar, denn der Bahnhof ist ein Grenzbahnhof, an dem das italienische und das französische Netz zusammentreffen. Von hier fahren Züge sowohl entlang der ligurischen Küste in Richtung Genua als auch über die Grenze nach Menton, Monaco und Nizza. Damit lässt sich ein Aufenthalt in Ventimiglia sehr gut ohne eigenes Auto planen. Mit dem Auto führt die Autobahn A10 von Genua kommend bis zur Grenze, wo sie in das französische Netz übergeht. Parkplätze gibt es vor allem in der Unterstadt, in der engen Oberstadt ist das Auto dagegen wenig hilfreich.
Der nächstgelegene große Flughafen ist der Flughafen Nizza an der Côte d'Azur, der nur rund vierzig Kilometer entfernt liegt und mit Zug oder Auto in etwa einer Stunde erreichbar ist. Diese Nähe macht Ventimiglia auch für Reisende interessant, die von Frankreich aus anreisen und ihren Aufenthalt zwischen beiden Ländern aufteilen möchten.
Als beste Reisezeit gelten das späte Frühjahr und der Frühsommer sowie der frühe Herbst. Von Mai bis Juni stehen die Gärten in voller Blüte, das Klima ist mild und die Küste noch nicht überlaufen. Die Sommermonate Juli und August sind warm und für den Badeurlaub geeignet, aber auch am stärksten besucht. September und Oktober bringen angenehme Temperaturen, wärmeres Meer und ruhigere Gassen. Der Freitagsmarkt findet ganzjährig statt und ist damit zu jeder Jahreszeit ein guter Grund, den Wochentag entsprechend zu planen.


























