Aquarium Genua
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Vernazza liegt an einem schmalen Felseinschnitt der ligurischen Küste, dort wo ein kurzes Tal auf das Meer trifft. Die pastellfarbenen Häuser drängen sich in einem Halbrund um den Hafen, dahinter steigt der Weinberg-Hang steil an. Von den fünf Dörfern der Cinque Terre ist Vernazza das einzige mit einem echten Naturhafen, und genau dieser Hafen prägt den Ort bis heute: Fischerboote liegen auf der kleinen Piazza, die Molenmauer schützt die Bucht, und am späten Nachmittag fällt das Licht so auf die Fassaden, dass sich hier die bekanntesten Fotos der ganzen Küste machen lassen.
Der Ort zählt zu den ältesten Siedlungen dieses Küstenstreifens. Urkundlich taucht Vernazza erstmals 1080 auf, im Jahr 1276 kam es unter die Herrschaft der Republik Genua, deren Wappen und Bautradition die Häuser bis heute erkennen lassen. Über Jahrhunderte lebten die Bewohner vom Fischfang und vom Wein, den sie auf den terrassierten Hängen anbauten. Diese Trockenmauern, die den Berg in schmale Streifen teilen, gehören seit 1997 gemeinsam mit den Dörfern zum UNESCO-Welterbe.
Vernazza ist klein genug, um es an einem Tag zu Fuß zu erkunden, und dicht genug, um dabei nie langweilig zu werden. Autos bleiben draußen, der Verkehr endet oberhalb des Ortskerns. Wer durch die einzige Hauptgasse zum Wasser hinabgeht, steht nach wenigen Minuten am Hafenbecken, dem natürlichen Mittelpunkt des Dorfes.
Der Hafen ist das Herz von Vernazza. Eine kleine Sandbucht öffnet sich zum Meer, davor liegt die Piazza Marconi, umringt von Restaurants und Cafés. Die bunten Fischerboote werden bei Sturm auf den Platz gezogen, ein Bild, das den Ort seit Generationen begleitet. Von der Molenmauer aus reicht der Blick zurück auf die Häuserzeile und den Kirchturm, der direkt am Wasser steht. Am 25. Oktober 2011 verwüsteten Sturzfluten und Schlammlawinen den Ortskern schwer, die Erdgeschosse fast aller Häuser wurden zerstört. Der Wiederaufbau dauerte mehr als zwei Jahre, heute ist davon nichts mehr zu sehen.
Direkt am Hafen steht die Kirche Santa Margherita di Antiochia, erbaut im 13. Jahrhundert im ligurisch-gotischen Stil auf einem älteren romanischen Bau. Ihr achteckiger Glockenturm ist rund 40 Meter hoch und schließt mit einer spitzen Kuppel ab. Ungewöhnlich ist die Lage: Der Haupteingang öffnet sich zur Meerseite, das Schiff steht quer zum üblichen Grundriss, weil der Platz zwischen Fels und Wasser knapp war. Bei rauer See schlagen die Wellen bis an die Mauern.
Über dem Hafen erhebt sich auf einem Felsvorsprung die Burg Doria, eine der ältesten Wehranlagen der Cinque Terre. Sie geht auf das 11. Jahrhundert zurück und entstand in genuesischer Zeit als Seewarte zur Abwehr von Piratenüberfällen; sie trägt den Namen der mächtigen Familie Doria. Der runde Wachturm, der Torre, ist der markanteste Rest der Anlage. Gegen ein kleines Eintrittsgeld lässt sich der Turm besteigen, von oben hat man den besten Rundblick über Dorf, Hafen und Küste. Vom Turm aus wurden früher heranrückende Schiffe gemeldet.
Vernazza liegt an der bekanntesten Wanderroute der Küste, dem Sentiero Azzurro, dem blauen Küstenweg, der alle fünf Dörfer verbindet. Die Etappe von Vernazza nach Monterosso ist rund 3,8 Kilometer lang und braucht etwa zwei Stunden, sie gilt als die aussichtsreichste des ganzen Wegs. Nach Süden führt der Abschnitt Vernazza bis Corniglia über etwa 3,5 Kilometer in anderthalb bis zwei Stunden. Beide Teilstücke verlaufen hoch über dem Wasser durch Weinterrassen und Macchia. Für den Küstenweg gilt Wegepflicht und ein Ticket, die Cinque-Terre-Card, die zugleich die Bahn zwischen den Dörfern abdeckt. Vor der Wanderung lohnt der Blick auf den aktuellen Status der Abschnitte, einzelne Teilstücke sind nach Erdrutschen zeitweise gesperrt.
Die übrigen Dörfer der Cinque Terre sind von Vernazza aus in Minuten erreichbar. Neben Monterosso und Corniglia lohnen Manarola mit seiner steilen Häuserkulisse und Riomaggiore am südlichen Ende der Kette. Der regionale Hauptort La Spezia ist Verkehrsknoten und Ausgangspunkt für Fähren und Züge. Ein Abstecher führt nach Portovenere am Südzipfel des Golfs, mit der Kirche San Pietro auf der Klippe. Nach Norden schließt Levanto an, ein größerer Badeort mit langem Sandstrand, der sich als ruhigeres Quartier abseits des Trubels anbietet.
Vernazza ist praktisch autofrei, der Ort liegt im ZTL-Bereich mit Fahrverbot für Auswärtige. Wer mit dem Auto kommt, parkt auf den Parkplätzen oberhalb des Dorfes und geht die letzten Meter zu Fuß, die Plätze sind knapp und teuer. Deutlich einfacher ist die Bahn: Der Bahnhof Vernazza liegt mitten im Ort, der 5 Terre Express verbindet La Spezia Centrale, alle fünf Dörfer und Levanto im Viertelstundentakt, von La Spezia sind es etwa 20 Minuten. Die nächsten Flughäfen sind Pisa (rund 110 Kilometer südöstlich) und Genua (rund 115 Kilometer nordwestlich), von beiden erreicht man die Küste per Bahn über La Spezia. Aus Österreich fährt man am bequemsten mit der Bahn von Wien über Mailand nach La Spezia und dort in den Regionalzug, alternativ per Flug von Wien nach Mailand oder Pisa. Aus der Schweiz führt der Weg von Zürich über Mailand oder Genua nach La Spezia, ebenfalls mit Umstieg in den Nahverkehr; Flüge gehen von Zürich nach Mailand, Genua oder Pisa.
Die beste Reisezeit sind das Frühjahr von April bis Juni und der Herbst im September und Oktober. Dann ist es mild, die Wanderwege sind offen, und die Dörfer sind noch nicht überlaufen. Der Hochsommer im Juli und August ist heiß und stark besucht, Hafen und Gassen sind dann eng. Im Winter ist es ruhig, viele Restaurants und Unterkünfte schließen, und nach starken Regenfällen können einzelne Wegabschnitte gesperrt sein.
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