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Vicenza: Kunst und Kultur im Norden Italiens

Vicenza gilt als die Stadt des Andrea Palladio. Kein anderer Ort in Italien trägt so deutlich die Handschrift eines einzigen Architekten. Palladio, der zwischen 1508 und 1580 lebte und den Großteil seines Werks in und um Vicenza schuf, hat das Stadtbild mit Palästen, öffentlichen Bauten und Villen geprägt, die bis heute Maßstäbe der europäischen Architektur setzen. 1994 nahm die UNESCO die Stadt in die Liste des Welterbes auf, 1996 wurde die Auszeichnung um die Palladio-Villen im gesamten Veneto erweitert. Die Stadt liegt in der Region Venetien, gut 60 Kilometer westlich von Venedig und rund 200 Kilometer östlich von Mailand. Sie ist Hauptstadt der gleichnamigen Provinz und zählt etwa 110.000 Einwohner. Ihre römischen Ursprünge reichen bis ins 2. Jahrhundert vor Christus...

Vicenza gilt als die Stadt des Andrea Palladio. Kein anderer Ort in Italien trägt so deutlich die Handschrift eines einzigen Architekten. Palladio, der zwischen 1508 und 1580 lebte und den Großteil seines Werks in und um Vicenza schuf, hat das Stadtbild mit Palästen, öffentlichen Bauten und Villen geprägt, die bis heute Maßstäbe der europäischen Architektur setzen. 1994 nahm die UNESCO die Stadt in die Liste des Welterbes auf, 1996 wurde die Auszeichnung um die Palladio-Villen im gesamten Veneto erweitert.

Die Stadt liegt in der Region Venetien, gut 60 Kilometer westlich von Venedig und rund 200 Kilometer östlich von Mailand. Sie ist Hauptstadt der gleichnamigen Provinz und zählt etwa 110.000 Einwohner. Ihre römischen Ursprünge reichen bis ins 2. Jahrhundert vor Christus zurück, damals unter dem Namen Vicetia. Wer heute durch die Altstadt geht, erlebt jedoch vor allem die Renaissance des 16. Jahrhunderts, als Vicenza unter venezianischer Herrschaft zu Wohlstand kam und Palladio die Aufträge des örtlichen Adels umsetzte.

Schon Johann Wolfgang von Goethe hielt auf seiner Italienischen Reise im September 1786 in Vicenza und beschrieb die Bauten Palladios ausführlich. Der Kern der Stadt lässt sich zu Fuß erkunden, die wichtigsten Sehenswürdigkeiten liegen wenige Gehminuten auseinander. Für einen ersten Rundgang genügt ein Tag, für die Villen am Stadtrand sollte man mehr Zeit einplanen.

Andrea Palladio und die Prägung der Stadt

Andrea di Pietro della Gondola, genannt Palladio, kam 1508 in Padua zur Welt und ging in Vicenza als Steinmetz in die Lehre. Der Humanist Gian Giorgio Trissino förderte ihn, öffnete ihm den Zugang zur klassischen Architektur und gab ihm den Beinamen Palladio. Aus dem intensiven Studium der römischen Antike entwickelte Palladio einen klaren, an Proportionen und Säulenordnungen orientierten Baustil, der später als Palladianismus in England, Nordeuropa und Nordamerika Schule machte.

In Vicenza stehen über zwanzig Bauten, die auf Palladio zurückgehen, darunter Stadtpaläste, öffentliche Gebäude und Villen am Stadtrand. Diese Dichte ist einzigartig und der Grund, warum die Altstadt gemeinsam mit den Villen als Welterbe geführt wird. Wer sich vorab einen Überblick verschaffen möchte, findet auf der Seite zu den Palladio-Villen eine Einordnung des Werks und seiner Bauformen.

Palladios Bauten wirkten weit über seine Lebenszeit hinaus. Sein 1570 erschienenes Lehrbuch, die Vier Bücher zur Architektur, verbreitete seine Ideen in ganz Europa und machte Vicenza zum Ausgangspunkt einer Bewegung. Klare Achsen, ruhige Proportionen und die Rückbesinnung auf antike Vorbilder kennzeichnen seinen Stil, der von Landsitzen bis zu öffentlichen Gebäuden reicht. In der Stadt lässt sich diese Entwicklung an einem einzigen Rundgang ablesen, vom frühen Palazzo Chiericati über die Basilica bis zum späten Teatro Olimpico.

Das Teatro Olimpico

Das Teatro Olimpico ist das bedeutendste Einzelbauwerk der Stadt und gilt als das älteste erhaltene überdachte Theater der Neuzeit. Die Accademia Olimpica beauftragte Palladio 1580 mit dem Entwurf, im selben Jahr begann der Bau. Palladio starb noch 1580, sodass sein Schüler Vincenzo Scamozzi das Werk vollendete und die feste Bühnenkulisse gestaltete. Am 3. März 1585 wurde das Theater mit einer Aufführung von Sophokles und dessen Tragödie König Ödipus eröffnet.

Der halbrunde Zuschauerraum folgt dem Vorbild antiker römischer Theater. Die eigentliche Sensation ist die Bühnenwand mit ihren scheinbar tief in die Ferne führenden Straßen, die Scamozzi in perspektivischer Verkürzung aus Holz und Stuck schuf. Die sieben Gassen stellen die Stadt Theben dar und wirken durch den geschickten Aufbau weit größer, als der reale Raum es zulässt. Mehr zur Geschichte und zum Besuch findet sich auf der Seite zum Teatro Olimpico.

Basilica Palladiana und Piazza dei Signori

Im Herzen der Altstadt liegt die Piazza dei Signori, der zentrale Platz Vicenzas. Ihn dominiert die Basilica Palladiana, die trotz ihres Namens keine Kirche ist, sondern das frühere Rathaus, den Palazzo della Ragione aus dem 15. Jahrhundert. 1546 wurde der junge Palladio ausgewählt, den gotischen Bau mit einer neuen Fassade zu umhüllen. Zwischen 1549 und 1614 entstand die doppelstöckige Loggia aus weißem Stein, deren Bogenreihen zu den ersten Beispielen der später nach Palladio benannten Fensterform, der Serliana, gehören.

Neben der Basilica ragt die Torre Bissara auf, ein Stadtturm von 82 Metern Höhe, dessen Ursprung bis ins Jahr 1174 zurückreicht; auf die heutige Höhe wuchs er erst Mitte des 15. Jahrhunderts. Das Obergeschoss der Basilica dient heute als Ausstellungssaal, die Terrasse bietet einen weiten Blick über die Dächer. Wer sich für den Platz und seine Bauten interessiert, findet weitere Angaben auf den Seiten zur Basilica Palladiana und zur Piazza dei Signori.

Corso Palladio und die Stadtpaläste

Die Hauptachse der Altstadt ist der Corso Palladio, eine gerade Straße, die vom Bahnhof kommend die Stadt durchquert und an der zahlreiche Renaissancepaläste stehen. Cafés, Geschäfte und Loggien reihen sich hier aneinander, die Straße eignet sich gut als Ausgangspunkt für einen Rundgang. Am östlichen Ende, an der Piazza Matteotti, steht der Palazzo Chiericati.

Palladio entwarf den Palazzo Chiericati 1550 für die Familie Chiericati. Der Bau blieb nach dem Tod des Auftraggebers lange unvollendet und wurde erst gegen 1680 nach den ursprünglichen Plänen fertiggestellt. Seit 1855 beherbergt er das Städtische Museum mit der Pinacoteca, deren Sammlung Werke von Cima da Conegliano, Tintoretto, Veronese und Van Dyck umfasst. Details zu Öffnung und Sammlung stehen auf der Seite zum Palazzo Chiericati.

Ein weiterer wichtiger Bau am Corso Palladio ist der Palazzo Barbaran da Porto, den Palladio ab 1570 errichtete. Er ist der einzige innerstädtische Palast, den der Architekt vollständig ausführen konnte, und beherbergt heute das Palladio-Museum mit dem internationalen Studienzentrum für seine Architektur. Ausstellungen, Modelle und Zeichnungen erschließen dort das Werk Palladios und seine Wirkung auf die Baukunst der folgenden Jahrhunderte. Zusammen mit den Palästen entlang der Straße ergibt sich ein geschlossenes Ensemble, das den Rang Vicenzas als Renaissancestadt anschaulich macht.

Villa La Rotonda und Villa Valmarana ai Nani

Am südlichen Stadtrand, auf einem sanften Hügel, steht mit der Villa La Rotonda das wohl berühmteste Werk Palladios. Die auch Villa Almerico Capra genannte Villa entstand ab 1567 und besticht durch ihren streng symmetrischen Grundriss mit vier gleichen Säulenvorbauten und einer zentralen Kuppel. Der Bau war nicht als Landgut, sondern als Ort der Betrachtung und des Rückzugs gedacht und hat unzählige Nachahmungen in ganz Europa und Amerika gefunden. Weitere Angaben finden sich auf der Seite zur Villa La Rotonda.

Nur einen kurzen Fußweg entfernt liegt die Villa Valmarana ai Nani. Sie ist nicht wegen ihrer Architektur berühmt, sondern wegen ihrer Fresken. 1757 malten Giambattista Tiepolo und sein Sohn Giandomenico die Innenräume aus, der Vater die vornehmen Szenen aus der antiken Dichtung, der Sohn die volkstümlichen Bilder in der Foresteria. Den Beinamen ai Nani, zu Deutsch bei den Zwergen, verdankt die Villa den steinernen Zwergenfiguren auf der Gartenmauer. Mehr dazu bietet die Seite zur Villa Valmarana ai Nani.

Monte Berico und der Blick über die Stadt

Südlich der Altstadt erhebt sich der Monte Berico, ein bewaldeter Hügel, auf dem die Wallfahrtsbasilika Santuario della Madonna di Monte Berico steht. Der Ort geht auf zwei Marienerscheinungen im 15. Jahrhundert zurück und ist bis heute ein wichtiges Ziel für Pilger. Von der Terrasse vor der Basilika reicht der Blick über die Dächer Vicenzas bis zu den Bergen im Norden.

Zum Monte Berico führt ein überdachter Prozessionsweg mit Bogengängen von der Altstadt hinauf, der zu Fuß in etwa einer halben Stunde zu bewältigen ist. Der Hügel verbindet sich landschaftlich mit den nahen Villen, sodass sich ein Spaziergang zur Basilika gut mit dem Besuch der Villa La Rotonda und der Villa Valmarana verbinden lässt. Nähere Angaben stehen auf der Seite zum Monte Berico.

Gold, Schmuck und die Messe

Neben ihrer Baukunst ist Vicenza seit Langem für die Verarbeitung von Gold und Schmuck bekannt. In der Stadt und ihrem Umland arbeitet eine große Zahl von Goldschmieden und Schmuckbetrieben, deren Erzeugnisse in die ganze Welt gehen. Vicenza gehört damit zu den führenden Zentren der italienischen Schmuckindustrie.

Sichtbar wird diese Bedeutung vor allem bei der internationalen Fachmesse VicenzaOro, die mehrmals im Jahr auf dem Messegelände am Stadtrand stattfindet und Aussteller sowie Fachbesucher aus vielen Ländern anzieht. Wer nicht zur Messe kommt, findet in den Werkstätten und Geschäften der Altstadt das ganze Jahr über Goldschmiedearbeiten.

Ausflüge in die Umgebung

Vicenza liegt zentral im Veneto und eignet sich als Ausgangspunkt für Ausflüge. Verona mit seiner römischen Arena und der Altstadt ist mit dem Zug in rund 25 Minuten erreichbar. Padua mit der Cappella degli Scrovegni und der Basilika des heiligen Antonius liegt sogar nur etwa eine halbe Stunde entfernt. Venedig erreicht man mit dem Regionalzug in etwa 40 bis 50 Minuten.

Wer die Villenlandschaft weiter erkunden möchte, findet im Umland zahlreiche weitere Palladio-Bauten. Auch das nahe Bassano del Grappa mit seiner überdachten Holzbrücke und der bekannte Grappa aus der Region sind einen Abstecher wert. Hinweise zu den Nachbarstädten bieten die Seiten zu Verona, Padua, Venedig und Bassano del Grappa. Einen Überblick über die gesamte Region gibt die Seite zu Venetien.

Anreise und beste Reisezeit

Vicenza liegt an der Bahnstrecke zwischen Mailand und Venedig und ist dadurch gut mit dem Zug erreichbar. Von Venedig fährt der Regionalzug in etwa 40 bis 50 Minuten, von Verona in rund 25 Minuten, von Mailand dauert die Fahrt etwa zweieinhalb Stunden. Der Bahnhof liegt am südlichen Rand der Altstadt, von dort sind es nur wenige Gehminuten bis zum Corso Palladio und zu den Hauptsehenswürdigkeiten.

Mit dem Auto erreicht man Vicenza über die Autobahn A4, die Turin und Triest verbindet und an der Stadt vorbeiführt. Da die Altstadt weitgehend verkehrsberuhigt ist, empfiehlt es sich, das Auto in einem der Parkhäuser am Rand des Zentrums abzustellen. Die nächstgelegenen Flughäfen sind Venedig Marco Polo und Verona Villafranca, beide liegen etwa eine Stunde entfernt.

Die beste Reisezeit sind das Frühjahr von April bis Juni und der Frühherbst im September und Oktober. Dann sind die Temperaturen mild und angenehm für Stadtrundgänge und den Besuch der Villen. Der Hochsommer im Juli und August kann in der Po-Ebene schwül und heiß werden, während die Wintermonate zwar ruhig, aber oft feucht und neblig sind. Wer die Villen am Stadtrand besuchen möchte, sollte die Öffnungszeiten vorab prüfen, da einige nur in der wärmeren Jahreshälfte oder an bestimmten Tagen zugänglich sind.

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Über den Autor

Marcus

Mitgründer von italien.de Reiseziele und Küche

Marcus fährt seit 2002 mehrmals im Jahr nach Italien, vom Norden bis in den Süden, mit einer Schwäche für die Toskana rund um Siena und Florenz. Zu Hause steht er nach Nonna-Art am Herd, und über seine Carbonara lässt er nicht mit sich verhandeln.

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Am angenehmsten: April bis Juni sowie September bis Oktober.

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Gut zu wissen

Informationen

Informationen über Vicenza

Region Venetien
Provinz Vicenza
Einwohner­zahl 112.198
Provinzkürzel VI
Postleitzahl 36100
Vorwahl 0444
Prominente Bürger Andrea Palladio (Architekt)
Bartolomeo Montagna (Maler)
Vicenzo Scamozzi (Architekt)
Tullio Campagnolo (Radrennfahrer, Unternehmer)
Scipio Colombo (Opernsänger)
Gianni Ferrio (Filmkomponist)
Amy Adams (Schauspielerin)
Produkte / Marken Schmuckwaren
Diesel
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Marzotto
Bottega Veneta
Marlboro Classics
Campagnolo
Dainese
Städte­partnerschaft Pforzheim (Deutschland
Sport Vicenza Calcio (Fußball)
Spezialitäten des Ortes Baccaià alla Vicentina
Olivenöl
Garganega Weißweinsorte
Lage etwa 60 km nordwestlich von Venedig
Häufige Fragen

Vicenza: Häufige Fragen

Die wichtigsten Antworten für deine Reiseplanung auf einen Blick.

Was sind die wichtigsten Sehenswürdigkeiten in Vicenza?
Zu den bekanntesten zählen Teatro Olimpico, La Rotonda und Basilica Palladiana. Die vollständige Übersicht findest du im Abschnitt Sehenswürdigkeiten.
Wann ist die beste Reisezeit für Vicenza?
Am angenehmsten sind April bis Juni sowie September bis Oktober. Im Hochsommer erreichen die Tageshöchstwerte bis zu 28 Grad, der Winter fällt ruhiger und kühler aus.
Wie reist man nach Vicenza an?
Die meisten Gäste aus Deutschland, Österreich und der Schweiz kommen mit dem eigenen Auto. Wer fliegen möchte, nutzt den nächstgelegenen Flughafen Marco Polo (VCE) und fährt von dort mit Bahn, Bus oder Mietwagen weiter.
Wie viele Tage sollte man für Vicenza einplanen?
Ein bis zwei Tage reichen für die wichtigsten Höhepunkte, ideal auch als Zwischenstopp auf einer Rundreise.
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