San Zeno Maggiore
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Borghetto sul Mincio liegt dort, wo der Fluss Mincio kurz vor der Poebene die Endmoränen des Gardasees hinter sich lässt, rund zehn Kilometer südlich des Seeufers in der Region Venetien. Der kleine Weiler gehört zur Gemeinde Valeggio sul Mincio in der Provinz Verona und schmiegt sich an beide Ufer des Flusses. Alte Wassermühlen stehen direkt im Wasser, ihre Räder tauchen noch heute in den Mincio. Genau diese Mischung aus Fluss, Mühlen und mittelalterlicher Wehrarchitektur macht den Reiz des Ortes aus.
Offiziell zählt Borghetto zu den Borghi più belli d'Italia, der Vereinigung der schönsten Dörfer Italiens. Der Name Borghetto bedeutet schlicht kleiner Ort, und tatsächlich passt der historische Kern in wenige Minuten Fußweg. Wer durch die Gassen geht, sieht schnell, dass hier über Jahrhunderte Müller und Fischer lebten: Das Wasser trieb die Mühlsteine, versorgte die Haushalte und diente als natürlicher Schutzgraben. Heute sind viele der Mühlgebäude zu Restaurants und Gästehäusern umgebaut, in denen man mit Blick aufs Wasser sitzt.
Borghetto ist kein Ort für ein straffes Programm, sondern für einen halben Tag zum Bummeln. Die meisten Reisenden verbinden den Besuch mit Valeggio, dem Parco Giardino Sigurtà oder einem Abstecher an den nahen Gardasee. Wer früh am Morgen oder am späten Nachmittag kommt, erlebt die Mühlen ohne die Tagesbusse.
Die Wassermühlen sind das Wahrzeichen von Borghetto. Sie stehen zum Teil mitten im Flusslauf, verbunden durch kleine Stege und Wehre, über die das Wasser rauscht. Einige der Räder drehen sich noch, andere Gebäude wurden behutsam zu Ferienwohnungen und Lokalen ausgebaut, sodass man direkt über dem strömenden Mincio übernachten oder essen kann. Der Fluss teilt sich hier in mehrere Arme, was dem Ort seine unverwechselbare Silhouette gibt. Vom Ufer aus hat man die klassische Ansicht: die niedrigen Steinhäuser, die Wehre und dahinter die massive Brücke.
Über dem Dorf spannt sich der Ponte Visconteo, ein gewaltiges Damm- und Brückenbauwerk von rund 650 Metern Länge und gut 20 Metern Breite. Es war nie eine gewöhnliche Brücke, sondern ein befestigter Staudamm: Gian Galeazzo Visconti, Herrscher von Mailand, ließ das Bauwerk 1393 errichten, um den Mincio zu stauen und im Kriegsfall die Ebene fluten zu können. Für die Aufschüttung des Damms wurden riesige Erdmassen bewegt. Von der breiten Krone aus blickt man auf die Mühlen und den Fluss hinab.
Oberhalb von Valeggio thront zudem das Castello Scaligero, eine Burg der Scaliger, die einst über Verona herrschten. Der erhaltene Turm und die Mauerreste stammen aus dem 14. Jahrhundert und gehörten zum selben Verteidigungssystem wie die Brücke unten am Fluss. Der Aufstieg lohnt sich vor allem für den weiten Blick über das Mincio-Tal bis zu den Hügeln der Moräne.
Kulinarisch ist Borghetto vor allem für die Tortellini di Valeggio bekannt, dünn ausgerollte, gefüllte Teigtaschen, die hier Nodo d'Amore heißen, also Liebesknoten. Der Teig wird so hauchdünn ausgezogen, dass man Zeitung hindurch lesen können soll. Die Legende von Malco und Silvia, die den Namen erklärt, ist keine uralte Sage, sondern wurde 1993 vom Goldschmied und Gastronomie-Kenner Alberto Zucchetta erdacht, angelehnt an die Romeo-und-Julia-Tradition des nahen Verona. Seither ist der Name geschützt und fest mit dem Ort verbunden.
Ein Höhepunkt ist die Festa del Nodo d'Amore, die traditionell am dritten Dienstag im Juni auf dem Ponte Visconteo gefeiert wird: Auf der Brücke wird eine mehrere hundert Meter lange Tafel gedeckt, an der tausende Gäste unter freiem Himmel gemeinsam die Tortellini essen. Das Fest findet allerdings nicht jedes Jahr statt und wurde zuletzt mehrfach ausgesetzt, prüfe daher vor der Anreise, ob und wann die nächste Ausgabe geplant ist. Wer die Tortellini außerhalb des Fests probieren möchte, bekommt sie in den Trattorien von Borghetto und Valeggio das ganze Jahr über, klassisch in Brühe oder mit zerlassener Butter und Salbei.
Borghetto liegt ideal für Tagesausflüge. Nur wenige Kilometer entfernt öffnet in Valeggio der Parco Giardino Sigurtà, ein Landschaftsgarten von rund 60 Hektar mit über 30.000 Rosen, weiten Wiesen und achtzehn Wasserflächen, mehrfach als einer der schönsten Parks Europas ausgezeichnet. Nach Norden erreicht man in gut einer Viertelstunde Peschiera del Garda am Südufer des Gardasees, von wo aus auch Sirmione mit seiner Scaligerburg auf der Halbinsel gut erreichbar ist.
Nach Osten sind es etwa 25 Kilometer bis Verona mit der Arena und dem Julia-Balkon, nach Süden ähnlich weit bis ins herzogliche Mantua mit dem Palazzo Ducale. Radfahrer folgen dem gut ausgebauten Mincio-Radweg, der von Peschiera entlang des Flusses bis nach Mantua führt und direkt durch Borghetto verläuft. Das macht den Ort zu einer beliebten Etappe für Radreisende.
Der nächste Flughafen ist Verona-Villafranca (Valerio Catullo), rund 20 Kilometer entfernt, mit Bus- und Bahnanschluss Richtung Verona. Größere Verbindungen bieten Bergamo-Orio al Serio und Mailand. Mit der Bahn fährst du bis Peschiera del Garda oder Verona Porta Nuova und weiter mit dem Bus oder Taxi nach Valeggio, denn Borghetto selbst hat keinen Bahnhof. Mit dem Auto kommst du über die Autobahn A4 (Ausfahrt Peschiera del Garda) oder die A22 (Ausfahrt Nogarole Rocca) heran. Eine dauerhafte ZTL wie in den großen Städten gibt es nicht, doch der historische Kern am Fluss ist eng: Parke auf den ausgeschilderten Flächen am Ortsrand und gehe die letzten Meter zu Fuß, an Wochenenden und Festtagen sind die Plätze schnell belegt.
Aus Österreich fährst du über den Brenner (A22) Richtung Verona und verlässt die Autobahn bei Nogarole Rocca oder Peschiera, ab der Grenze sind es rund dreieinhalb bis vier Stunden. Aus der Schweiz führt der Weg über Mailand und die A4, von Zürich aus etwa vier bis fünf Stunden. Die beste Reisezeit sind das späte Frühjahr und der Frühsommer von Mai bis Juni, wenn der Sigurtà-Park in voller Blüte steht, sowie der September mit milden Temperaturen und weniger Andrang. Im Hochsommer kann es in der Poebene schwül werden, dann sind die frühen Morgenstunden am Fluss am angenehmsten.
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