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Brindisi: Internationale Drehscheibe für den Fährverkehr

Brindisi: Hafenstadt am Absatz des Stiefels Brindisi liegt an der Adriaküste von Apulien, rund 60 Kilometer nordwestlich von Lecce und etwa 110 Kilometer südöstlich von Bari. Sie ist Hauptort der gleichnamigen Provinz mit gut 85.000 Einwohnern. Ihr Kapital ist der Naturhafen: eine tief ins Land greifende Bucht, die sich in zwei Arme teilt. Der messapische Name Brenda oder Brunda wird meist mit "Hirschkopf" übersetzt, weil die Form der Hafenarme an ein Geweih erinnert. Daraus wurde das lateinische Brundisium. Brindisi ist zuerst Ankunfts- und Durchgangsstadt. Die meisten kommen wegen einer Fähre nach Griechenland oder Albanien oder wegen des Flughafens Brindisi-Salento, einem der beiden Lufttore Apuliens. Als Badeziel steht die Stadt hinter dem Salento zurück, ihr Zentrum ist kleiner als das von...

Brindisi: Hafenstadt am Absatz des Stiefels

Brindisi liegt an der Adriaküste von Apulien, rund 60 Kilometer nordwestlich von Lecce und etwa 110 Kilometer südöstlich von Bari. Sie ist Hauptort der gleichnamigen Provinz mit gut 85.000 Einwohnern. Ihr Kapital ist der Naturhafen: eine tief ins Land greifende Bucht, die sich in zwei Arme teilt. Der messapische Name Brenda oder Brunda wird meist mit "Hirschkopf" übersetzt, weil die Form der Hafenarme an ein Geweih erinnert. Daraus wurde das lateinische Brundisium.

Brindisi ist zuerst Ankunfts- und Durchgangsstadt. Die meisten kommen wegen einer Fähre nach Griechenland oder Albanien oder wegen des Flughafens Brindisi-Salento, einem der beiden Lufttore Apuliens. Als Badeziel steht die Stadt hinter dem Salento zurück, ihr Zentrum ist kleiner als das von Lecce. Wer aber einen halben Tag einplant, bekommt eine eigenständige antike Stadt mit einem der wichtigsten Endpunkte des römischen Straßennetzes, einer Rundkirche aus der Normannenzeit und zwei Jahrtausenden Hafengeschichte. Als Basis für Ausflüge taugt Brindisi gut, weil Bahn, Flughafen und Autobahn dicht beieinanderliegen.

Via Appia und die Säulen am Hafen

Der historische Kern der Stadt liegt am Wasser. Über der Uferpromenade steht eine antike Marmorsäule von rund 18,7 Metern Höhe, deren Schaft aus acht Trommeln besteht. Sie markiert den Endpunkt der Via Appia, der Straße, die Rom über Capua, Benevent und Tarent mit dem Hafen an der Adria verband. Wer weiter nach Griechenland wollte, ging hier an Bord. Das Kapitell wird auf das 2. oder frühe 3. Jahrhundert nach Christus datiert.

Ursprünglich waren es zwei Säulen. Die zweite stürzte am 20. November 1528 nach einem Erdbeben ein und lag über hundert Jahre am Boden. 1659 überließ Brindisi die Reste der Stadt Lecce, wo sie in die Säule des Stadtpatrons Sant'Oronzo eingebaut wurden. Auch das Original-Kapitell der erhaltenen Säule steht nicht mehr im Freien: Es wird im Palazzo Granafei-Nervegna gezeigt, auf der Säule sitzt seit der Restaurierung eine Kopie.

Vom Hafen führt die Scalinata Virgiliana zu den Säulen hinauf, benannt nach Vergil. Der Dichter starb 19 vor Christus in Brundisium, als er von einer Reise nach Griechenland zurückkam. Der Blick von oben über das Hafenbecken ist der beste Punkt der Stadt und kostet nichts. Seit Juli 2024 steht die Via Appia auf der Liste des UNESCO-Welterbes. Damit ist der Platz an den Säulen das Ende einer Welterbestraße.

Vor den Römern gehörte die Stadt den Messapiern. Rom nahm Brundisium im 3. Jahrhundert vor Christus ein, meist auf 267 oder 266 vor Christus datiert, die Gründung als lateinische Kolonie folgte 244 vor Christus. Der Zusatz "vor Christus" ist entscheidend, denn die oft gelesene Angabe "im dritten Jahrhundert erobert" verschiebt das Ereignis sonst um ein halbes Jahrtausend. Von da an war Brundisium der Standardhafen Roms für alles, was nach Osten ging.

Sehenswürdigkeiten im Zentrum

Die Altstadt lässt sich in zwei bis drei Stunden zu Fuß abgehen. Diese Ziele lohnen:

  • San Giovanni al Sepolcro: eine Rundkirche aus dem 11. Jahrhundert, nachempfunden der Grabeskirche in Jerusalem. Sie gehörte den Chorherren vom Heiligen Grab, die seit 1126 in Brindisi belegt sind. Im Inneren sind Fresken erhalten. Genutzt wird sie heute nicht mehr für Gottesdienste, sondern als Baudenkmal.
  • Kathedrale und Portico dei Cavalieri Templari: Der Dom an der Piazza Duomo geht auf das 11. Jahrhundert zurück und wurde nach dem Erdbeben von 1743 neu aufgebaut. Daneben steht ein Portikus mit spitzbogigen Arkaden aus dem 12. oder 13. Jahrhundert, traditionell "Portikus der Templerritter" genannt. Die Zuordnung zu den Templern ist allerdings nicht belegt, wahrscheinlicher gehörte der Bau zum mittelalterlichen Erzbischofspalast.
  • Museo Archeologico Provinciale Francesco Ribezzo: hinter genau diesem Portikus an der Piazza Duomo. Kernstück sind die Bronzen von Punta del Serrone, 1992 vor der Küste in etwa 16 Metern Tiefe entdeckt.
  • Monumento al Marinaio d'Italia: das 54 Meter hohe Denkmal in Form eines Schiffsruders auf der gegenüberliegenden Hafenseite, eingeweiht am 4. November 1933. In der Krypta stehen die Namen gefallener Seeleute seit 1860.

Zwei Kastelle, zwei verschiedene Anlagen

Beides wird häufig verwechselt. Das Castello Svevo ist die Landburg, die Friedrich II. im 13. Jahrhundert am inneren Hafen anlegen ließ und die später erweitert wurde. Sie gehört der italienischen Marine und ist Sitz einer Marineeinheit, deshalb nicht regulär zu besichtigen. Zugang gibt es nur an einzelnen Terminen.

Das Castello Alfonsino, auch Castello Aragonese oder Forte a Mare genannt, ist die Seefestung auf der Insel Sant'Andrea vor der Hafeneinfahrt. Sie steht auf den Resten einer Benediktinerabtei und wurde ab dem 15. Jahrhundert unter aragonesischer Herrschaft gebaut. Diese Anlage lässt sich besichtigen, aber nur per Boot und mit Führung, für die du vorher buchen musst. Ablegepunkt ist der Hafen unterhalb der Vergil-Treppe.

Hafen, Fähren und Flughafen

Der Fährverkehr läuft nicht am Stadtkai ab, sondern am Terminal Costa Morena am äußeren Hafen, einige Kilometer vom Zentrum entfernt. Plane den Transfer ein, zu Fuß geht das nicht. Regelmäßige Verbindungen bestehen nach Igoumenitsa in Griechenland, saisonal nach Korfu und nach Vlora in Albanien. Fahrpläne und Preise ändern sich je nach Saison und Reederei, prüfe sie direkt beim Anbieter.

Der Flughafen Brindisi-Salento liegt wenige Kilometer nordwestlich der Stadt und ist neben Bari der zweite Zugang nach Apulien, für das Salento der nähere von beiden. Zum Bahnhof und ins Zentrum fährt ein Busshuttle.

Strände, Torre Guaceto und die Umgebung

An der Stadt ist die Küste industriell geprägt, Baden findest du erst weiter nördlich und südlich. Der Höhepunkt der Gegend liegt rund 15 Kilometer nordwestlich bei Carovigno: das 1991 eingerichtete Meeresschutzgebiet Torre Guaceto. Es umfasst etwa 2.200 Hektar Meeresfläche und rund 1.200 Hektar Land an einem acht Kilometer langen Küstenstreifen mit Dünen, Feuchtgebiet und dem namengebenden Wachturm. Der Zugang zum Strand ist bewusst beschränkt, in der Saison bringt dich ein Shuttle vom Parkplatz an die Küste. Wer Apulien ohne Liegenreihen sehen will, fährt hierher. Weitere Küstenabschnitte findest du in der Übersicht zu Stränden in Italien.

Landeinwärts liegen die bekannten Ziele dicht beieinander. Ostuni steht als weiß gekalkte Stadt auf einem Hügel über den Olivenhainen, rund 35 Kilometer nordwestlich. Lecce mit seinem Barock erreichst du in etwa 40 Minuten mit dem Zug, dort steht das Kapitell der eingestürzten Brindisi-Säule. Alberobello mit den Trulli liegt etwa 70 Kilometer nordwestlich, Monopoli und Bari folgen an der Küste. Nach Süden führt der Weg über Otranto ins Salento.

Über das Umland verteilt liegen die Masserie: landwirtschaftliche Gutshöfe, oft mit Mauern, Wachturm und eigener Zisterne, weil sie im Freien gegen Überfälle bestehen mussten. Viele sind heute Hotels oder Agriturismi, ein Teil wird weiter für Olivenöl und Viehwirtschaft genutzt. Erwarte also keine Burgen, sondern befestigte Wirtschaftshöfe.

Anreise und beste Reisezeit

Aus Deutschland ist der Flug die vernünftige Wahl. Brindisi-Salento wird saisonal direkt angeflogen, sonst kommst du mit einem Umstieg in Rom oder Mailand hin. Alternativ fliegst du nach Bari und fährst mit dem Zug weiter, gut eineinhalb Stunden auf der Adrialinie. Mit der Bahn ab München sind es mit Umstieg in Bologna oder Rom rund 16 bis 20 Stunden. Die Autoanreise ist sehr weit: ab München etwa 1.550 Kilometer, ab Frankfurt rund 1.900 Kilometer, also zwei Fahrtage mit Übernachtung. Sinnvoll nur bei längerem Aufenthalt.

Aus Österreich ist Brindisi näher als aus dem Norden Deutschlands. Ab Wien sind es über Slowenien und die Adriaroute rund 1.250 Kilometer, ab Klagenfurt etwa 1.000 Kilometer. Trotzdem bleibt das eine lange Fahrt. Per Flug gehst du meist über Rom oder nach Bari. Wer Zeit hat, kombiniert die Bahn bis Bologna oder Ancona mit dem Adria-Zug nach Brindisi.

Aus der Schweiz führt der Landweg über den Gotthard und Mailand auf die Adriaroute, ab Zürich sind es rund 1.400 Kilometer, ab Genf eher 1.600 Kilometer. Als reine Anfahrt ist das zu lang, als Etappenreise mit Zwischenstopp in der Emilia-Romagna oder in den Marken machbar. Flüge gehen meist mit Umstieg in Rom oder Mailand, saisonal auch nach Bari.

Die beste Reisezeit sind Frühjahr und Herbst. Von April bis Anfang Juni lassen sich Stadt und Naturschutzgebiet ohne Hitzedruck begehen, September und Oktober bringen warmes Meer bei geringerem Andrang. Der Hochsommer ist sehr heiß, im Juli und August sind Werte über 35 Grad normal, dazu gibt es wenig Schatten in der offenen Landschaft. Wenn du dann kommst, lege Besichtigungen auf den Vormittag und den späten Nachmittag. Im Winter bleibt Brindisi als Fähr- und Flughafenstadt aktiv, viele Angebote im Umland pausieren jedoch.

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Über den Autor

Marcus

Mitgründer von italien.de Reiseziele und Küche

Marcus fährt seit 2002 mehrmals im Jahr nach Italien, vom Norden bis in den Süden, mit einer Schwäche für die Toskana rund um Siena und Florenz. Zu Hause steht er nach Nonna-Art am Herd, und über seine Carbonara lässt er nicht mit sich verhandeln.

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Reiseplanung

Beste Reisezeit für Brindisi

Klima im Jahresverlauf, Monatstabelle und die Monate, die zu deinem Urlaub passen.

Klima im Jahresverlauf

Am angenehmsten: März bis Mai sowie September bis November.

Beste ReisezeitÜbrige Monate

Tipp: Juli und August werden sehr heiß; Frühling und Herbst sind am angenehmsten.

Wo liegt Brindisi?

Karte von Italien mit Markierung Brindisi

Klimatabelle Brindisi: Monat für Monat

In Brindisi ist der August mit 30 Grad am Tag der wärmste Monat, am kühlsten bleibt es im Januar mit 13 Grad. Am meisten Regen fällt im November (76 mm), am wenigsten im Juli (15 mm). Badezeit: Juni bis September, das Wasser hat dann 24 bis 29 Grad.

MonatTagNachtRegenMeerEinordnung
Jan13 °C6 °C55 mm14 °CKühl
Feb13 °C6 °C46 mm13 °CKühl
Mär16 °C8 °C41 mm14 °CKühl
Apr19 °C10 °C32 mm16 °CAngenehm
Mai23 °C14 °C29 mm19 °CAngenehm
Jun27 °C19 °C18 mm24 °CBadezeit
Jul30 °C22 °C15 mm28 °CBadezeit
Aug30 °C22 °C16 mm29 °CBadezeit
Sep26 °C19 °C53 mm26 °CBadezeit
Okt22 °C15 °C72 mm22 °CAngenehm
Nov18 °C12 °C76 mm18 °CAngenehm
Dez14 °C8 °C55 mm15 °CKühl

Klimanormalwerte 1991 bis 2020 (Tageshöchst- und Tiefstwerte, Monatsniederschlag) aus TerraClimate, 4-km-Raster, gerundet; Meerestemperatur: Open-Meteo Marine 2020 bis 2024.

Unterkunft in Brindisi zur besten Reisezeit Eine Woche, Samstag bis Samstag, zwei Personen. Datum lässt sich bei Booking.com anpassen.

Gut zu wissen

Informationen

Informationen über Brindisi

Region Apulien
Provinz Brindisi
Einwohner­zahl 87.820
Provinzkürzel BR
Postleitzahl 72100
Vorwahl 0831
Prominente Bürger Roger de Flor (militärischer Abenteurer)
Laurentius von Brindisi (Theologe)
Flavia Pennetta (Tennisspielerin)
Städte­partnerschaft Lushnja (Albanien)
Patras (Griechenland)
Korfu (Griechenland)
Spezialitäten des Ortes Rot- und Roséweine
Geschichte Von der Bronzezeit bis in das Mittelalter ein wichtiger Handelshafen. Ein Erdbeben zerstörrte die Stadt 1456 und erst 1775 wurde mit dem Wiederaufbau begonnen, und ist seitdem wieder eine wichtige Hafenstadt.
Lage wichtiger Hafen an der Adria
Häufige Fragen

Brindisi: Häufige Fragen

Die wichtigsten Antworten für deine Reiseplanung auf einen Blick.

Wann ist die beste Reisezeit für Brindisi?
Zum Baden ist Juni bis September die richtige Zeit, dann ist das Wasser warm genug. Für Besichtigungen und Wanderungen sind März bis Mai sowie September bis November angenehmer. Im Hochsommer erreichen die Tageshöchstwerte bis zu 30 Grad.
Wie reist man nach Brindisi an?
Der nächstgelegene Flughafen ist Brindisi (BDS). Von dort geht es mit Bahn, Bus oder Mietwagen weiter. Die Anreise mit dem eigenen Auto ist möglich, aus dem deutschsprachigen Raum aber eine lange Strecke.

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