Basilica San Nicola
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Manduria liegt im Herzen des apulischen Salento, gut 35 Kilometer östlich von Taranto sowie jeweils rund 45 bis 50 Kilometer von Lecce und Brindisi entfernt. Die Stadt sitzt auf einer flachen Kalkplatte zwischen dem Ionischen und dem Adriatischen Meer, umgeben von Weinbergen und alten Olivenhainen. Wer den Namen Manduria hört, denkt zuerst an Wein, doch der Ort verbindet zwei Dinge, die man in dieser Dichte selten findet: einen weltbekannten Rotwein und eines der größten archäologischen Areale des Salento.
Schon lange vor den Römern war Manduria eine der wichtigsten Städte der Messapier, jenes Volkes, das den südlichen Absatz des italienischen Stiefels besiedelte. Die Stadt wehrte sich hartnäckig gegen Tarent und wurde später von Rom eingenommen. Aus dieser langen Geschichte sind gewaltige Mauerringe, eine riesige Nekropole und eine Quelle geblieben, die schon in der Antike beschrieben wurde. Dazu kommt eine kompakte Altstadt mit einem sehenswerten mittelalterlichen Kern.
Manduria ist damit kein reiner Weinort für einen kurzen Stopp, sondern ein Ziel, an dem du problemlos einen ganzen Tag verbringst: vormittags in der Antike, mittags in einer Trattoria und nachmittags in einer Kellerei. Der Ort eignet sich außerdem gut als ruhige Basis, um von hier die Küsten und Nachbarstädte des Salento anzusteuern.
Nordöstlich der Stadt erstreckt sich der Parco Archeologico delle Mura Messapiche über rund 150.000 Quadratmeter und gehört damit zu den größten archäologischen Flächen im Salento. Kernstück sind die messapischen Stadtmauern, die einst in drei Ringen um die antike Stadt liefen und teils bis heute mehrere Meter hoch erhalten sind. Zwischen den Mauern liegt die größte messapische Nekropole, die je gefunden wurde, mit rund 2.500 Gräbern aus dem 6. bis 2. Jahrhundert vor Christus. Zum Areal gehört auch die mittelalterliche Felskirche San Pietro Mandurino.
Der Rundgang ist gut ausgeschildert und lässt sich in ein bis zwei Stunden bewältigen. Feste Schuhe sind sinnvoll, denn die Wege führen über antikes Gelände. Vor dem Besuch lohnt ein Blick auf die aktuellen Öffnungszeiten und Preise, die der Park über seine Website bekannt gibt.
Das berühmteste Einzeldenkmal des Parks ist die Fonte Pliniano, eine unterirdische Quelle in einer Höhle von etwa 18 Metern Durchmesser. Eine Treppe führt hinab zum Wasser, das aus dem Kalkstein sickert und dessen Spiegel selbst in Trockenzeiten nahezu konstant bleibt. Der Name geht auf Plinius den Älteren zurück, der die Quelle in seiner Naturalis Historia beschrieb: Das Wasser steige und falle nie, egal wie viel man entnehme. Genau dieses antike Zeugnis macht die Fonte zu einem der ältesten schriftlich belegten Naturphänomene Apuliens.
Manduria gab einem der bekanntesten italienischen Rotweine seinen Namen. Der Primitivo di Manduria trägt seit 1974 das DOC-Siegel, die spezielle Süßwein-Variante Primitivo di Manduria Dolce Naturale wurde 2010 als erste DOCG Apuliens ausgezeichnet. Angebaut wird die Rebsorte Primitivo auf den kalkhaltigen Böden rund um die Stadt, oft noch in der traditionellen Buscherziehung ohne Drahtrahmen. Der trockene Primitivo bringt es meist auf 14 Volumenprozent und mehr, der Dolce Naturale wird aus spät gelesenen, angetrockneten Trauben gewonnen und ist ein kräftiger, natürlich süßer Dessertwein.
Wer die Geschichte dahinter verstehen will, besucht das Museo della Civiltà del Vino Primitivo. Es ist im Sitz der alten Winzergenossenschaft untergebracht und zeigt Pressen, Werkzeuge und Alltagsgegenstände aus dem Weinbau vergangener Generationen. Rund um Manduria laden zahlreiche Kellereien zur Verkostung; im Ort selbst weist die Weinstraße den Weg zu den Betrieben.
Der historische Kern Mandurias ist überschaubar und lässt sich gut zu Fuß erkunden. Mittelpunkt ist die Chiesa Madre aus dem 15. Jahrhundert, deren romanisch-gotische Fassade und ein reich verziertes Portal ins Auge fallen. Direkt hinter der Kirche beginnt das Ghetto Ebraico, das mittelalterliche jüdische Viertel, ein Gassengewirr mit hohen Mauern, kleinen Innenhöfen und versteckten Gärten. Auf dem zentralen Platz erinnert eine barocke Säule an den Ortspatron, und in den umliegenden Straßen mischen sich Palazzi, Kirchen und einfache Wohnhäuser aus mehreren Jahrhunderten.
Manduria liegt ideal, um den Salento zu erkunden. Der nächste Badeort ist Porto Cesareo an der Ionischen Küste, rund 30 Kilometer entfernt, bekannt für flach abfallende Sandstrände und ein Meeresschutzgebiet. Nach Norden erreichst du in gut 15 Kilometern Oria mit seiner staufischen Burg. Die Provinzhauptstadt Taranto mit ihrem archäologischen Nationalmuseum liegt rund 35 Kilometer westlich.
Für einen längeren Tagesausflug bietet sich das barocke Lecce an, knapp 50 Kilometer südöstlich, oft als Florenz des Südens bezeichnet. Wer weiter zur Küstenspitze fahren möchte, erreicht das auf einer Kalkinsel gelegene Gallipoli mit seiner Altstadt und den Stränden ringsum in gut 50 Kilometern. Auch die weiße Stadt Ostuni und der Hafen von Brindisi sind von Manduria aus in unter einer Stunde erreichbar.
Der nächste Flughafen ist Brindisi-Salento, rund 45 Kilometer entfernt und in etwa 45 Autominuten zu erreichen. Der Großflughafen Bari-Palese liegt etwa 130 Kilometer nördlich. Von beiden führt die Weiterreise am bequemsten mit dem Mietwagen. Manduria hat einen eigenen Bahnhof an der Regionalbahn Sudest, umsteigen musst du meist in Taranto oder Lecce; die Verbindungen sind allerdings dünn getaktet. Mit dem Auto erreichst du die Stadt über die Staatsstraße SS7ter, die Taranto und Lecce verbindet. In Manduria selbst gibt es keine großflächige ZTL wie in vielen italienischen Zentren, du parkst am Rand der Altstadt und gehst die letzten Meter zu Fuß.
Aus Österreich und der Schweiz ist die Anreise mit dem eigenen Wagen lang: Von München oder Zürich sind es rund 1.300 bis 1.400 Kilometer, sinnvoll mit einer Übernachtung etwa in der Emilia-Romagna. Schneller geht es per Flug bis Brindisi oder Bari und Mietwagen ab Flughafen. Wer Zeit hat, kombiniert die Anreise mit einer Fährüberfahrt nach Bari und fährt die letzte Etappe über die Küste.
Die beste Reisezeit sind Mai, Juni sowie September und Oktober. Dann ist es warm genug fürs Meer, die Hitze bleibt aber erträglich und die Küstenorte sind weniger überlaufen als im Hochsommer. Der Juli und August bringen im Salento verlässlich Sonne, dafür volle Strände und hohe Temperaturen. Für Weinreisende ist der frühe Herbst besonders reizvoll, weil dann rund um Manduria die Primitivo-Lese läuft.
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