Schiefer Turm von Pisa
Schiefe 4 Grad, 294 Stufen: So besteigst du den Turm von Pisa. Tickets haben feste…
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Pisa liegt in der nördlichen Toskana am Fluss Arno, wenige Kilometer vor der Küste des Ligurischen Meeres. Bekannt ist die Stadt vor allem für ein einziges Bauwerk, den Schiefen Turm, doch das wird ihr nicht gerecht. Pisa war im Mittelalter eine mächtige Seerepublik, die mit Genua und Venedig um die Vorherrschaft im Mittelmeer rang, und dieser Reichtum hat ein geschlossenes Ensemble aus Marmor hinterlassen, das seinesgleichen sucht.
Heute ist Pisa vor allem eine Universitätsstadt. Rund 90.000 Menschen leben hier, dazu kommen zehntausende Studierende, die dem Zentrum in der Vorlesungszeit ein junges, betriebsames Gepräge geben. Wer über den Flughafen anreist, hat Pisa oft nur als Zwischenstopp auf dem Weg nach Florenz oder an die Küste im Blick. Das ist ein Fehler, denn die Piazza dei Miracoli gehört zu den eindrucksvollsten Plätzen Italiens, und die Altstadt am Arno lässt sich in einem Tag gut zu Fuß erkunden.
Die folgende Übersicht ordnet die wichtigsten Sehenswürdigkeiten ein, nennt konkrete Entfernungen und Fahrzeiten und zeigt, wie sich ein Aufenthalt mit Ausflügen in die übrige Toskana und ans Meer verbinden lässt.
Der Platz der Wunder, offiziell Piazza del Duomo, liegt am nördlichen Rand der Altstadt und wurde 1987 in die Liste des UNESCO-Welterbes aufgenommen. Auf einer weiten Rasenfläche stehen vier Bauwerke aus weißem Marmor beieinander: der Dom, das Baptisterium, der Camposanto und der berühmte Glockenturm. Zusammen bilden sie eines der geschlossensten Beispiele romanischer Baukunst in Europa.
Der Schiefe Turm ist der frei stehende Campanile des Doms. Der Baubeginn fällt auf das Jahr 1173, doch schon während der Errichtung sackte der Untergrund aus weichem Lehm und Sand nach, sodass das Bauwerk sich zu neigen begann. Immer wieder wurde die Arbeit über fast zwei Jahrhunderte unterbrochen, erst 1372 war der Turm vollendet. Er misst rund 57 Meter in der Höhe und trägt sieben Glocken. Seine Neigung betrug lange über fünf Grad und drohte kritisch zu werden. Zwischen 1993 und 2001 sicherte ein aufwändiges Ingenieurprojekt das Fundament und verringerte den Überhang auf heute etwa vier Grad, womit der Turm als dauerhaft stabilisiert gilt.
Der Aufstieg über die enge Wendeltreppe im Inneren ist möglich, aber ticketpflichtig und nur in festen Zeitfenstern mit begrenzter Personenzahl. In der Hauptsaison empfiehlt sich eine Reservierung im Voraus, da die Kontingente früh vergeben sind. Mehr Hintergrund zur Baugeschichte und zum Besuch bietet die eigene Seite zum Schiefen Turm von Pisa.
So sehr der Turm im Vordergrund steht, die eigentliche Hauptkirche ist der Dom Santa Maria Assunta. Sein Bau begann 1063 nach einem Entwurf des Baumeisters Buscheto und wurde aus der Beute pisanischer Seesiege finanziert. Die fünfschiffige Kathedrale verbindet romanische Strenge mit orientalischen und byzantinischen Einflüssen, im Inneren hängt jene Deckenlampe, an deren Schwingen der junge Galileo Galilei der Überlieferung nach die Gesetzmäßigkeit des Pendels erkannt haben soll.
Gegenüber steht das Baptisterium, die größte Taufkirche Italiens, 1363 vollendet und berühmt für seine außergewöhnliche Akustik, die das Aufsichtspersonal zu festen Zeiten kurz vorführt. Hinter dem Dom liegt der Camposanto Monumentale, ein von Arkaden umschlossener Friedhof, der der Legende nach Erde vom Kalvarienberg aus dem Heiligen Land birgt. Seine mittelalterlichen Fresken wurden im Zweiten Weltkrieg durch einen Brand schwer beschädigt und über Jahrzehnte aufwändig restauriert. Im Inneren des Doms lohnt der Blick auf die kunstvoll geschnitzte Marmorkanzel von Giovanni Pisano aus dem frühen 14. Jahrhundert, eines der bedeutendsten Werke der gotischen Bildhauerei. Für Dom, Baptisterium, Camposanto und die beiden Dommuseen gibt es Kombitickets, der Dom selbst ist bei freier Kapazität ohne Aufpreis zugänglich. Das Museo dell'Opera del Duomo zeigt Originalskulpturen und Schätze aus dem Ensemble, die zum Schutz von den Bauwerken abgenommen wurden.
Vom Rummel der Piazza dei Miracoli führen ein paar Gassen zur Piazza dei Cavalieri, dem einstigen politischen Zentrum der Stadtrepublik und heute einem der ruhigeren, aber architektonisch reizvollsten Plätze Pisas. Der Platz wurde im 16. Jahrhundert von Giorgio Vasari umgestaltet. Das mit Sgraffiti verzierte Palazzo della Carovana beherbergt die Scuola Normale Superiore, eine 1810 gegründete Elitehochschule, die bis heute zu den angesehensten Ausbildungsstätten des Landes zählt.
Pisa ist eine der ältesten Universitätsstädte Europas. Die Universität wurde 1343 offiziell gegründet und prägt das Leben der Stadt bis heute. Ihr berühmtester Sohn ist Galileo Galilei, der 1564 in Pisa geboren wurde, hier studierte und später als Mathematiklehrer wirkte, bevor er nach Padua und Florenz ging. Wer während des Semesters kommt, erlebt eine lebendige Stadt mit vielen kleinen Bars und Trattorien, in den Semesterferien wird es merklich ruhiger und die Sehenswürdigkeiten lassen sich entspannter besichtigen.
Das studentische Leben spielt sich vor allem in den Gassen zwischen Arno und Piazza dei Cavalieri ab. Historisches Zentrum ist die Piazza delle Vettovaglie, ein von Arkaden umschlossener alter Marktplatz, an dem am Vormittag Gemüse und Obst angeboten werden und der abends zum Treffpunkt wird. Kulinarisch ist Pisa bodenständig toskanisch: Neben kräftigen Nudel- und Bohnengerichten ist die Cecina verbreitet, ein dünner Fladen aus Kichererbsenmehl, der frisch aus dem Ofen und warm im Brötchen gegessen wird. An den Ständen der Wochenmärkte lässt sich das lokale Angebot ohne großen Aufwand probieren.
Das andere Gesicht Pisas zeigt sich am Fluss. Die Lungarni, die Uferstraßen des Arno, sind von Palästen in gedeckten Ocker- und Rosttönen gesäumt und laden zu einem Spaziergang abseits der Turm-Touristen ein. Über den Fluss spannen sich mehrere Brücken, die zentrale Ponte di Mezzo verbindet die beiden Stadthälften und ist Schauplatz des historischen Gioco del Ponte im Juni.
Ein Kleinod steht direkt am südlichen Ufer: die Kirche Santa Maria della Spina, ein filigraner gotischer Bau aus dem 14. Jahrhundert, dicht mit Türmchen, Fialen und Figuren besetzt. Ihren Namen verdankt sie einem Dorn, der einst als Reliquie aus der Dornenkrone Christi hierher gelangt sein soll. Ursprünglich stand die Kirche tiefer am Wasser und wurde im 19. Jahrhundert Stein für Stein abgetragen und höher wieder aufgebaut, um sie vor Hochwasser zu schützen.
Wer im Juni nach Pisa kommt, trifft auf das Giugno Pisano, einen Reigen historischer Feste. Höhepunkt ist die Luminara di San Ranieri am Abend des 16. Juni, dem Vorabend des Stadtpatrons San Ranieri. In dieser Nacht erlöschen die Straßenlaternen entlang der Lungarni, und rund 70.000 Wachskerzen zeichnen die Umrisse der Paläste und Brücken mit warmem Licht nach. Es ist eines der stimmungsvollsten Stadtfeste der Toskana.
Am Folgetag, dem 17. Juni, wird der Patron mit der Regata di San Ranieri gefeiert, einem Ruderwettkampf auf dem Arno. Alle vier Jahre steht zudem die Regata delle Antiche Repubbliche Marinare an, bei der die einstigen Seerepubliken Pisa, Genua, Venedig und Amalfi im historischen Kostüm gegeneinander antreten. Auch der bereits erwähnte Gioco del Ponte, ein Ringen zweier Stadtteile um eine Brücke, fällt in diesen Festmonat.
Pisa liegt nicht direkt am Wasser, doch die Küste ist nah. Rund zehn Kilometer westlich mündet der Arno bei Marina di Pisa ins Meer, einem ruhigen Badeort mit Strandpromenade, kleinen Buchten und Felsbuhnen statt breiter Sandstrände. Weiter nördlich reihen sich die Sandstrände von Tirrenia und die mondäneren Bäder der Versilia bis hinauf nach Viareggio. Einen Überblick über die Küstenabschnitte gibt die Seite zu den Stränden der Toskana.
Zwischen Stadt und Küste erstreckt sich der Regionalpark Migliarino San Rossore Massaciuccoli, meist kurz San Rossore genannt. Das ehemalige Präsidentengut ist ein weitläufiges Schutzgebiet aus Pinienwäldern, Feuchtwiesen und Flussmündungen und lässt sich zu Fuß, mit dem Rad oder auf dem Pferderücken erkunden. Es ist ein lohnender Kontrast zum steinernen Zentrum und ein guter Ort für einen Nachmittag im Grünen.
Pisa eignet sich gut als Standort für Ausflüge, weil die wichtigen Nachbarstädte allesamt in Reichweite liegen. Am nächsten ist das perfekt erhaltene Lucca mit seiner begehbaren Renaissance-Stadtmauer, rund zwanzig Kilometer entfernt und per Regionalzug in etwa einer halben Stunde erreichbar. Ähnlich nah liegt die Hafenstadt Livorno im Süden, bekannt für ihre Kanäle und die Fischküche.
Die Regionalhauptstadt Florenz liegt etwa achtzig Kilometer flussaufwärts und ist mit dem Zug in gut einer Stunde zu erreichen, was einen Tagesausflug zu den Uffizien und zum Dom bequem möglich macht. Etwas weiter nördlich an der ligurischen Küste beginnen die Cinque Terre, deren fünf Dörfer sich gut mit der Bahn abfahren lassen. Wer mehr Zeit mitbringt, erreicht von Livorno oder Piombino aus die Insel Elba. Für einen längeren Aufenthalt bietet sich ein Ferienhaus in der Toskana als Basis an.
Pisa ist durch seinen internationalen Flughafen Galileo Galilei (Kürzel PSA) das wichtigste Luftfahrttor der Toskana und wird aus dem deutschsprachigen Raum direkt angeflogen. Der Flughafen liegt nur etwa anderthalb Kilometer südlich des Zentrums. Die automatische Peoplemover-Bahn PisaMover verbindet das Terminal im Fünf-Minuten-Takt mit dem Hauptbahnhof Pisa Centrale, die Fahrt dauert selbst nur rund fünf Minuten.
Wer mit der Bahn kommt, steigt an der Station Pisa Centrale aus, einem Knotenpunkt mit direkten Regionalverbindungen nach Florenz, Lucca, Livorno und entlang der Küste nach Genua. Mit dem Auto führen die Autobahnen A11 aus Richtung Florenz und die A12 entlang der Küste nach Pisa, ergänzt durch die mautfreie Schnellstraße FI-PI-LI, die Florenz, Pisa und Livorno verbindet. In der Altstadt gilt eine Zona a Traffico Limitato mit Fahrverboten, Reisende parken daher besser auf einem der Parkplätze am Rand und gehen zu Fuß weiter.
Als beste Reisezeit gelten das Frühjahr von April bis Juni sowie der Frühherbst im September und Oktober. Dann sind die Temperaturen mild und die Piazza dei Miracoli ist weniger überlaufen als im Hochsommer. Der Juli und August bringen Hitze und die größten Besucherzahlen, sind wegen der Nähe zum Meer und der Feste des Giugno Pisano aber ebenfalls beliebt. Der Winter ist ruhig und mild, für die reine Städtebesichtigung durchaus geeignet, wenn auch mit kürzeren Öffnungszeiten an den Monumenten.
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Wetterdaten © OpenWeather, aktualisiert alle 6 Std.
Durchschnittliche Tageshöchsttemperaturen im Jahresverlauf.
Am angenehmsten: März bis Mai sowie Oktober bis November.
| Region | Toskana |
| Provinz | Pisa |
| Einwohnerzahl | 90.488 |
| Provinzkürzel | PI |
| Postleitzahl | 56121-56128 |
| Vorwahl | 050 |
| Prominente Bürger | Galileo Galilei (Philosoph, Mathematiker, Physiker, Astronom) Leonardo Fibonacci (Mathematiker) Michele Bartoli (Radrennfahrer) Giorgio Chiellini (Fußballspieler) Rustichello da Pisa (Literat) |
| Städtepartnerschaft | Unna (Deutschland) Angers (Frankreich) Akkon (Israel) Niles (USA) Coral Gables (USA) Kolding (Dänemark) Santiago de Compostela (Spanien) Rhodos (Griechenland) Iglesias (Italien) |
| Spezialitäten des Ortes | Montescudaio DOC Chianti DOCG von Colline Pisane San Torpé DOC Vin Santo San Torpé DOC IGP Toscano Monti Pisani |
| Lage | am Arno gelegen |
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