Mailand ist die heimliche zweite Hauptstadt Italiens: Wirtschaftsmotor, Modezentrum und Kulturmetropole zugleich. Wer die Lombardei bereist, kommt an der Millionenstadt kaum vorbei, denn hier laufen Bahnstrecken, Autobahnen und drei Flughäfen zusammen. Mailand ist damit für viele der erste Kontakt mit Norditalien und zugleich das Tor zu den oberitalienischen Seen.
Die Stadt trägt ihren Ruf als kühle Geschäftsmetropole zu Unrecht. Zwischen den Bankentürmen und Verlagshäusern stehen der gewaltige gotische Dom, das älteste Opernhaus von Weltrang und mit Leonardo da Vincis Abendmahl eines der berühmtesten Wandbilder der Menschheitsgeschichte. Dazu kommen das Modeviertel um die Via Montenapoleone, die abendliche Aperitivo-Kultur an den Navigli und die beiden Fußballklubs Inter und Milan, die sich das San Siro teilen.
Die wichtigsten Höhepunkte liegen dicht beieinander und lassen sich zu Fuß oder mit der Metro gut an einem verlängerten Wochenende erkunden. Eine kompakte Übersicht der Ziele findet sich auf der Seite zu den Mailänder Sehenswürdigkeiten. Wer mehr Zeit mitbringt, kombiniert die Stadt mit einem Abstecher an den Comer See oder den Gardasee.
Der Mailänder Dom und seine Dachterrassen
Der Duomo di Milano beherrscht das Zentrum der Stadt. Der Grundstein wurde 1386 gelegt, das letzte Bauelement erst am 6. Januar 1965 vollendet. Die aus weißem Candoglia-Marmor errichtete Kathedrale zählt zu den größten Kirchen der Welt: Sie ist rund 157 Meter lang, etwa 92 Meter breit und bietet Platz für Zehntausende Gläubige. Berühmt ist der Dom für seinen Statuenschmuck, denn mit etwa 3.400 Figuren, zahllosen Fialen und Wasserspeiern trägt kein anderes Gotteshaus so viele Skulpturen. Über allem thront in vergoldeter Ausführung die Madonnina, das Wahrzeichen der Stadt.
Das eigentliche Erlebnis ist der Aufstieg auf die Dachterrassen. Zwischen den Marmortürmchen läuft man über das Dach und blickt bei klarem Wetter bis zu den Alpen. Für die Terrassen gibt es eigene Tickets, wahlweise mit Treppe oder Aufzug, und der Andrang ist hoch. Wer Warteschlangen vermeiden will, bucht online im Voraus und kommt am besten früh am Morgen. Der Eintritt in den Innenraum ist günstiger als der Weg aufs Dach und lässt sich mit dem Museum des Doms und der archäologischen Zone unter dem Vorplatz verbinden. Im Inneren beeindrucken die riesigen Buntglasfenster, die zu den größten der Welt zählen, und das Kirchenschiff mit seinen 52 Pfeilern. Als Kleiderordnung gilt bedeckte Schultern und Knie, sonst wird der Zutritt verweigert.
Galleria Vittorio Emanuele II und die Piazza del Duomo
Direkt neben dem Dom öffnet sich die Galleria Vittorio Emanuele II, eine der ältesten überdachten Einkaufspassagen der Welt. Der Architekt Giuseppe Mengoni baute sie zwischen 1865 und 1877; wenige Tage vor der Einweihung stürzte er vom Gerüst zu Tode. Zwei kreuzförmige Arkaden treffen sich unter einer riesigen Kuppel aus Glas und Eisen, einem technischen Meisterstück des 19. Jahrhunderts. Unter der Kuppel liegt im Boden ein Stier-Mosaik. Der Legende nach bringt es Glück, sich mit der Ferse auf dem Stier einmal im Kreis zu drehen, weshalb die Fliese dort deutlich abgetreten ist.
Die Galleria verbindet die Piazza del Duomo mit der Piazza della Scala und beherbergt Traditionscafés sowie die Flaggschiffe großer Modehäuser. Rund um den Domplatz sammeln sich die zentralen Anlaufpunkte für Besucher, von der Touristeninformation bis zu den Zugängen der Metro. Von hier aus lassen sich fast alle Höhepunkte der Innenstadt zu Fuß erreichen, und die Metrolinien M1 und M3 halten direkt am Domplatz, sodass auch weiter entfernte Ziele schnell angebunden sind.
La Scala, Brera und das Castello Sforzesco
Am nördlichen Ausgang der Galleria liegt das Teatro alla Scala, 1778 eröffnet und bis heute eines der bedeutendsten Opernhäuser der Welt. Die Fassade wirkt zurückhaltend, der Zuschauerraum dahinter dagegen prunkvoll. Wer keine Vorstellung besucht, kann durch das angeschlossene Theatermuseum gehen und von dort oft einen Blick in den Saal werfen. Die Spielzeit beginnt traditionell am 7. Dezember, dem Tag des Stadtpatrons Sant’Ambrogio.
Nördlich davon liegt das Künstlerviertel Brera mit engen Gassen, Galerien und der Pinacoteca di Brera, die Meisterwerke von Raffael, Caravaggio und Mantegna zeigt. Am Rand der Altstadt erhebt sich das Castello Sforzesco, die mächtige Festung der Herzogsfamilie Sforza. Heute beherbergt die Burg mehrere Museen, darunter Michelangelos unvollendete Pietà Rondanini. Hinter dem Schloss erstreckt sich der Parco Sempione, die grüne Lunge des Zentrums.
Leonardos Abendmahl in Santa Maria delle Grazie
Im Refektorium des Klosters Santa Maria delle Grazie schuf Leonardo da Vinci zwischen 1494 und 1498 das Abendmahl, im Italienischen Cenacolo Vinciano genannt. Das Wandbild gehört seit 1980 zum UNESCO-Welterbe und ist so empfindlich, dass der Zugang streng geregelt ist. Nur etwa 18 Personen dürfen gleichzeitig für maximal 15 Minuten in den Raum, nachdem sie durch mehrere Klimaschleusen gegangen sind.
Wer das Original sehen will, muss unbedingt vorab reservieren. Die Zeitfenster sind oft schon Wochen im Voraus ausgebucht, und spontane Besuche sind kaum möglich. Die Tickets werden auf der offiziellen Seite in Kontingenten freigeschaltet, teils Monate vorher. Ein fester Termin zur richtigen Uhrzeit ist daher der wichtigste Programmpunkt, den man für eine Mailand-Reise einplanen sollte.
Mode, Design und Shopping im Quadrilatero
Mailand gilt neben Paris als Hauptstadt der Mode. Das Herz bildet das Quadrilatero della Moda, ein Straßengeviert um die Via Montenapoleone, die Via della Spiga und die Via Sant’Andrea. Hier reihen sich die Boutiquen von Armani, Prada, Versace, Dolce & Gabbana und Valentino aneinander. Zweimal im Jahr richtet die Stadt die Mailänder Modewochen aus, die zu den vier wichtigsten weltweit zählen. Einen Überblick über italienische Marken und Trends gibt die Rubrik Mode.
Ebenso bekannt ist Mailand als Zentrum für Design. Jedes Jahr im April verwandelt der Salone del Mobile, die weltgrößte Möbelmesse, die Messe in Rho und mit dem Fuorisalone die ganze Stadt in eine Bühne für Einrichtung und Gestaltung. Wer günstiger einkaufen möchte, findet im Umland zahlreiche Outlet-Center. Eine Zusammenstellung der Adressen in der Region bietet die Seite zum Shopping in der Lombardei.
San Siro und die Navigli
Fußball hat in Mailand einen hohen Stellenwert. Das Stadio Giuseppe Meazza im Viertel San Siro fasst rund 75.800 Zuschauer und ist die Heimat gleich zweier Spitzenklubs, Inter und AC Milan. Treffen beide im Derby della Madonnina aufeinander, steht die Stadt still. An spielfreien Tagen führen Touren durch die Ränge, die Kabinen und das angeschlossene Museum beider Vereine.
Für das Nachtleben stehen die Navigli, ein Viertel entlang alter Schifffahrtskanäle im Süden des Zentrums. Am Naviglio Grande und am Naviglio Pavese reihen sich Bars, Trattorien und kleine Läden. Hier lebt die Mailänder Tradition des Aperitivo besonders intensiv: Zum bestellten Getränk am frühen Abend gehört ein Büfett aus Häppchen. Auch das Viertel Brera und die Fußgängerzonen der Innenstadt füllen sich abends mit Menschen.
Die Mailänder Küche
Die Mailänder Küche ist bodenständig und unterscheidet sich deutlich von der Pasta-Tradition Süditaliens, denn in der Lombardei dominieren Reis und Butter. Das bekannteste Gericht ist das Risotto alla milanese, ein cremiger Reis, den echter Safran goldgelb färbt und der mit Rinderbrühe, Butter und Parmesan zubereitet wird. Safran war über Mailand als wohlhabende Handelsstadt lange verfügbar, was das Gericht bis heute prägt. Klassiker sind außerdem die Cotoletta alla milanese, ein paniertes Kalbskotelett, und der geschmorte Kalbshaxen-Klassiker Ossobuco alla milanese, der oft zusammen mit dem Safranrisotto serviert wird. Im Winter kommt die deftige Cassoeula aus Schweinefleisch und Wirsing auf den Tisch.
Die im Bestand genannten Gerichte führen dagegen in die Irre: Penne alla milanese oder Tortellini alla Gorgonzola sind keine typischen Mailänder Spezialitäten, und auch Torrone gehört eher nach Cremona. Die berühmteste Süßspeise der Stadt ist der Panettone, ein luftiger Hefekuchen mit kandierten Früchten, der von Mailand aus in ganz Italien zum Weihnachtsklassiker wurde. Wer die Stadt zur Adventszeit besucht, findet ihn frisch in jeder Bäckerei.
Ausflüge an die oberitalienischen Seen und in die Lombardei
Mailand ist ein idealer Ausgangspunkt für Ausflüge. Der Comer See liegt nur rund eine Zugstunde entfernt und lockt mit steilen Ufern, Villen und Bergpanorama. Etwas weiter östlich beginnt der Gardasee, der größte See Italiens. Beide lassen sich als Tagestour anhängen, bieten aber genug für einen längeren Aufenthalt.
Auch die Städte der Umgebung lohnen den Besuch. Das mittelalterliche Bergamo mit seiner ummauerten Oberstadt Città Alta erreicht man in weniger als einer Stunde. Südlich von Mailand liegt Pavia mit der prächtigen Kartause Certosa di Pavia, einem der bedeutendsten Klosterbauten Italiens, die sich in einer knappen halben Stunde mit dem Zug erreichen lässt. Wer die ganze Region kennenlernen möchte, findet weitere Ziele in der Übersicht zur Lombardei. Von der Kunststadt bis zum Wandergebiet reicht das Spektrum.
Anreise und beste Reisezeit
Mailand ist über drei Flughäfen erreichbar. Malpensa (MXP) ist der größte und liegt rund 50 Kilometer nordwestlich, angebunden über den Malpensa Express zum Hauptbahnhof. Linate (LIN) liegt stadtnah im Osten und ist per Metro und Bus schnell zu erreichen. Der Flughafen Bergamo Orio al Serio (BGY) dient vor allem Billigfliegern, ein Shuttlebus fährt von dort ins Zentrum. Details zur Verbindung von den Flughäfen finden sich auf der Seite Anreise.
Mit der Bahn kommt man aus Deutschland und der Schweiz bequem an. Von München und Zürich verkehren direkte oder umsteigefreie Verbindungen zum zentralen Bahnhof Milano Centrale, einem monumentalen Bau aus den 1930er Jahren. Wer mit dem Auto anreist, nimmt ab München die Route über den Brennerpass oder ab Zürich den San-Bernardino- oder Gotthardtunnel und erreicht die Stadt in etwa fünf bis sechs Stunden. Im Zentrum gilt die Umweltzone Area B sowie die kostenpflichtige Zone Area C, weshalb sich ein Parkhaus am Stadtrand mit Weiterfahrt per Metro empfiehlt. Alle Direktzüge, Fahrzeiten, Preise und der Frecciarossa ab 2027 stehen in unserem Überblick Mit dem Zug nach Italien.
Die beste Reisezeit sind das Frühjahr von April bis Juni und der Herbst von September bis Oktober, wenn die Temperaturen mild und angenehm sind. Der Sommer kann in der Poebene schwül und heiß werden, und im August schließen viele Restaurants und Geschäfte wegen der Ferien. Der Winter ist oft neblig und feucht, dafür verwandeln die Adventszeit und der Panettone die Stadt in eine stimmungsvolle Kulisse. Für die Modewochen und den Salone del Mobile im April sollte man Unterkünfte früh buchen, weil die Preise dann deutlich steigen.





























