Napoli Sotterranea
Steinbrüche, eine bizarre Höhlenstadt und eine Geistergeschichte
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Neapel liegt am Golf von Neapel, einer weiten Bucht des Tyrrhenischen Meeres an der Westküste Süditaliens, und ist mit rund einer Million Einwohnern die drittgrößte Stadt des Landes sowie Hauptstadt der Region Kampanien. Über der Stadt erhebt sich der Vesuv, an ihren Rändern liegen Ausgrabungsstätten von Weltrang, und im Zentrum drängt sich eine der dichtesten Altstädte Europas. Wer nach Neapel reist, bekommt selten die geordnete Postkartenidylle anderer italienischer Städte, dafür eine Stadt, die laut, direkt und voller Geschichte ist.
Der historische Kern, das Centro Storico, steht seit 1995 auf der Liste des UNESCO-Welterbes. Griechen gründeten hier im Altertum die Siedlung Neapolis, die "neue Stadt", und das antike Straßenraster ist bis heute im Grundriss der Gassen ablesbar. Über den Jahrhunderten legten Römer, Normannen, Staufer, das Haus Anjou, die Aragonesen und die Bourbonen ihre Bauten übereinander. Das Ergebnis ist ein Stadtbild, in dem gotische Kirchen, barocke Kapellen und Königsschlösser dicht beieinander stehen.
Neapel ist außerdem das Tor zu einigen der bekanntesten Reiseziele Süditaliens. Vom Hafen legen Fähren zu den Inseln Capri, Ischia und Procida ab, im Süden beginnt die Amalfiküste, und wenige Kilometer stadtauswärts liegen Pompeji und Herculaneum. Westlich der Stadt erstrecken sich die Phlegräischen Felder mit Pozzuoli, Baiae und Cumae. Die Stadt eignet sich damit sowohl als eigenständiges Städtereiseziel als auch als Ausgangspunkt für Ausflüge in die Umgebung.
Aktuelle Lage: Am 31. Juli 2026 hat ein Erdbeben der Stärke 4,7 die Campi Flegrei westlich von Neapel erschüttert, das stärkste in der Region seit rund 40 Jahren, gefolgt von einem anhaltenden Schwarmbeben. Betroffen war vor allem Pozzuoli; die Altstadt von Neapel, der Vesuv und Pompeji blieben unversehrt. Den aktuellen Stand und was das für deine Reise bedeutet, liest du in unserem Überblick zum Erdbeben bei Neapel.
Das Herz der Altstadt ist die Spaccanapoli, eine schnurgerade, enge Gasse, die den historischen Kern wie mit dem Lineal in zwei Hälften teilt. Ihr Verlauf folgt einem der antiken Hauptwege der griechisch-römischen Stadt. Entlang der Straße und der benachbarten Via dei Tribunali reihen sich Kirchen, Werkstätten, Pizzerien und Marktstände aneinander. In der Via San Gregorio Armeno, einer Seitengasse, sitzen die Krippenbauer, für die Neapel berühmt ist; hier werden das ganze Jahr über handgefertigte Krippenfiguren verkauft.
Zu den wichtigsten Bauwerken der Altstadt zählen die Kirche Santa Chiara mit ihrem farbig gekachelten Klosterhof und der gotische Komplex San Domenico Maggiore. Wer durch das Viertel läuft, sollte Zeit mitbringen: Die Gassen sind eng, häufig überspannt von Wäscheleinen, und der Straßenlärm gehört zum Bild. Genau diese Dichte macht das Centro Storico aus, das die UNESCO als lebendiges, bewohntes Welterbe eingestuft hat.
Die Kathedrale von Neapel, der Dom, ist dem Stadtpatron San Gennaro geweiht. In einer Kapelle wird eine Ampulle mit dem angeblich getrockneten Blut des Heiligen aufbewahrt. Dreimal im Jahr wird das sogenannte Blutwunder erwartet, bei dem sich das Blut verflüssigen soll: am Samstag vor dem ersten Sonntag im Mai, am 19. September, dem Gedenktag des Heiligen, sowie am 16. Dezember. Der Ausgang gilt vielen Neapolitanern traditionell als Vorzeichen für das kommende Jahr. Der Dom selbst vereint gotische Bausubstanz mit barocken Umbauten und birgt unter dem Boden Reste früherer Kirchen und antiker Bauten.
Nur wenige Schritte entfernt liegt die Cappella Sansevero, eine kleine Grabkapelle, die im 18. Jahrhundert von Fürst Raimondo di Sangro ausgestaltet wurde. Ihr berühmtestes Stück ist der "Cristo velato", der verhüllte Christus, den Giuseppe Sanmartino 1753 aus einem einzigen Marmorblock schuf. Der über den Leichnam gelegte Schleier wirkt so hauchdünn und durchscheinend, dass sich um die Entstehung lange Legenden rankten; belegt ist, dass die gesamte Figur samt Tuch aus Marmor gehauen wurde. Wegen der beengten Räume und des großen Andrangs empfiehlt sich für die Kapelle ein Zeitfenster-Ticket im Voraus.
An der Uferseite der Stadt stehen gleich mehrere Wehr- und Prachtbauten. Das Castel Nuovo, im Volksmund Maschio Angioino genannt, wurde ab 1279 unter Karl I. von Anjou errichtet und später von den Aragonesen umgestaltet. Wahrzeichen ist der weiße Triumphbogen aus Marmor zwischen zwei mächtigen Rundtürmen. Etwas weiter draußen, auf einer kleinen Halbinsel im Meer, liegt das Castel dell'Ovo, die älteste Burganlage der Stadt, deren Name "Eierburg" auf eine alte Sage zurückgeht. Von seinen Mauern reicht der Blick über den Golf bis zum Vesuv, und im umliegenden Hafenviertel Borgo Marinari reihen sich Fischrestaurants und Bootsanleger aneinander.
Gegenüber der Piazza del Plebiscito, dem großen halbrunden Hauptplatz der Stadt, erhebt sich der Palazzo Reale, das ehemalige Königsschloss, dessen Prunkräume und Appartamenti Storici heute als Museum zugänglich sind. Direkt daneben liegt das Teatro San Carlo, das 1737 eröffnet wurde und als das älteste durchgehend bespielte Opernhaus der Welt gilt, älter als die Mailänder Scala und das Teatro La Fenice in Venedig. Gegenüber führt die Galleria Umberto I, eine überdachte Ladenpassage mit gläserner Kuppel und Marmormosaikboden aus den Jahren um 1890, ins Geschäftsviertel.
Für die Antike ist das Archäologische Nationalmuseum Neapel, kurz MANN, die erste Adresse. Es zeigt die Farnese-Sammlung mit monumentalen antiken Skulpturen sowie einen großen Teil der Funde aus Pompeji und Herculaneum, darunter Wandmalereien, Mosaiken und Alltagsgegenstände. Zu den Höhepunkten zählen das Alexandermosaik aus dem Haus des Fauns und das Gabinetto Segreto mit den erotischen Fundstücken aus den Vesuvstädten. Wer die Ausgrabungen besucht, sollte das Museum einplanen, denn viele Originale wurden hierher gebracht.
Ein anderes Neapel öffnet sich im Untergrund. Die Napoli Sotterranea führt in ein Netz aus Gängen, Zisternen und Hohlräumen, das rund vierzig Meter unter dem Straßenniveau liegt. Die Griechen brachen hier Tuffstein für ihre Bauten, die Römer legten ein Aquädukt an, und im Zweiten Weltkrieg dienten die Höhlen als Luftschutzräume. Auf der Anhöhe des Stadtteils Vomero thront dagegen die Certosa di San Martino, ein früheres Kartäuserkloster mit Barockkirche, Kreuzgängen und einem Museum zur Stadtgeschichte, in dem auch eine bedeutende Sammlung neapolitanischer Krippen zu sehen ist. Direkt daneben steht die sternförmige Festung Castel Sant'Elmo. Von der Terrasse öffnet sich einer der weitesten Ausblicke über Neapel und den Golf, und den Vomero erreicht man bequem mit einer der drei Standseilbahnen aus dem Zentrum.
Das Bild von Neapel ist untrennbar mit dem Vesuv verbunden, dem einzigen aktiven Vulkan des europäischen Festlands. Beim verheerenden Ausbruch im Jahr 79 nach Christus, nicht wie gelegentlich zu lesen ist im Jahr 79 vor Christus, verschüttete er die römischen Städte Pompeji und Herculaneum unter Asche und Gesteinsströmen. Sein bislang letzter Ausbruch fand im März 1944 statt, seither ruht der Berg, gilt aber weiterhin als aktiver und genau überwachter Vulkan. Der Krater ist über einen Wanderweg erreichbar; von oben reicht der Blick über die gesamte Bucht.
Am Fuß des Vulkans liegen die beiden berühmtesten Ausgrabungsstätten Italiens. In Pompeji lässt sich eine ganze antike Stadt mit Straßen, Foren, Thermen, Wohnhäusern und Wandmalereien begehen. Das kleinere Herculaneum wurde nicht von Asche, sondern von einem heißen Schlammstrom versiegelt, wodurch sich hier sogar Holz, Möbel und obere Stockwerke erhalten haben. Beide Orte sind mit der Regionalbahn Circumvesuviana von Neapel aus in rund einer halben Stunde zu erreichen und lassen sich gut mit einer Vesuvbesteigung an einem Tag verbinden.
Neapel gilt als Geburtsort der Pizza, und die Pizza napoletana ist bis heute streng definiert: ein am Rand luftig aufgegangener Teig, kurz und sehr heiß im Holzofen gebacken, belegt mit Tomaten und Mozzarella. Die klassische Margherita trägt Tomatensugo aus San-Marzano-Tomaten, Mozzarella und frisches Basilikum. Die Kunst der neapolitanischen Pizzabäcker, der "Pizzaiuoli", wurde 2017 von der UNESCO in die Liste des immateriellen Kulturerbes der Menschheit aufgenommen. In den traditionsreichen Pizzerien der Altstadt gehört Anstehen zum Alltag.
Zur neapolitanischen Esskultur gehört ebenso der Kaffee, der hier kräftig, kurz und sehr heiß getrunken wird, gern im Stehen an der Theke und traditionell mit einem Glas Wasser vorweg. Der neapolitanische Espresso gilt als besonders dunkel geröstet und vollmundig. Bei den Süßspeisen ist die Stadt besonders reich: Die Sfogliatella ist ein muschelförmiges Blätterteiggebäck mit einer Füllung aus Ricotta und Grieß, der Babà ein in Rum getränktes Hefegebäck, und zu Ostern kommt die Pastiera aus Weizen und Ricotta auf den Tisch. Frittiertes von der Straße, etwa Pizza fritta oder Panzarotti, rundet das Bild einer Küche ab, die eher deftig als fein ist.
Neapel ist der ideale Ausgangspunkt für die Umgebung. Südlich der Stadt beginnt die Amalfiküste mit ihren an die Felsen gebauten Orten wie Positano, Amalfi und Ravello, die über eine kurvenreiche Küstenstraße verbunden sind. Auf der Halbinsel davor liegt Sorrent, das dank guter Bahn- und Fährverbindungen oft als Standquartier für die Region gewählt wird. Weiter südlich lohnt zudem ein Abstecher zu den griechischen Tempeln von Paestum.
Vor der Küste liegen die drei Inseln des Golfs. Capri ist die bekannteste, berühmt für die Blaue Grotte und die Faraglioni-Felsen. Ischia ist deutlich größer, vulkanischen Ursprungs und für seine Thermalgärten und heißen Quellen bekannt. Das kleine Procida mit seinen bunt gestrichenen Fischerhäusern gilt als das ursprünglichste der drei Eilande und diente wiederholt als Filmkulisse. Alle sind mit Fähren und Tragflügelbooten vom Hafen Neapels aus zu erreichen, die schnellsten Verbindungen ab Molo Beverello nach Capri brauchen weniger als eine Stunde.
Neapel ist gut erreichbar. Der Flughafen Napoli-Capodichino liegt nur wenige Kilometer nordöstlich des Zentrums und ist mit dem Alibus-Shuttle mit dem Hauptbahnhof und dem Hafen verbunden. Mit der Bahn führen Schnellzüge wie Frecciarossa und Italo von Rom in rund einer Stunde und zehn Minuten zum Bahnhof Napoli Centrale, von Florenz sind es etwa drei Stunden. Von Deutschland aus bietet sich für die meisten Reisenden der Flug an; wer die Bahn nimmt, steigt in der Regel in Rom um. Auch Fernbusse aus mehreren deutschen Städten steuern Neapel an, brauchen für die Strecke allerdings deutlich länger.
Innerhalb der Stadt ist vieles zu Fuß machbar, ergänzt durch Metro, Standseilbahnen auf den Vomero und Busse. Ein eigenes Auto ist im dichten Verkehr eher hinderlich; wer eines mitbringt, sollte es in einem bewachten Parkhaus abstellen. Die angenehmste Reisezeit sind Frühjahr und Herbst, etwa von April bis Juni und von September bis Oktober, mit milden Temperaturen und weniger Andrang. Der Hochsommer ist heiß und stark besucht, während die Wintermonate am Golf mild bleiben, sich aber weniger für Badeausflüge auf die Inseln eignen.
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Das älteste durchgehend bespielte Opernhaus Europas, eröffnet 1737. Prunkvoller Zuschauerraum und eine der besten Akustiken Italiens.
Zum Teatro San Carlo →Steinbrüche, eine bizarre Höhlenstadt und eine Geistergeschichte
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Wetterdaten © OpenWeather, aktualisiert alle 6 Std.
Durchschnittliche Tageshöchsttemperaturen im Jahresverlauf.
Am angenehmsten: März bis Mai sowie Oktober bis November.
Tipp: Juli und August werden sehr heiß; Frühling und Herbst sind am angenehmsten.
| Region | Kampanien |
| Provinz | Neapel |
| Einwohnerzahl | 970.185 |
| Provinzkürzel | NA |
| Postleitzahl | 80100 |
| Vorwahl | 081 |
| Prominente Bürger | Enrico Caruso (Opernsänger) Diego Maradona (Fußballspieler) Sophia Loren (Schauspielerin) Bud Spencer (Schauspieler) Gian Lorenzo Bernini (Architekt, Bildhauer) Ciro Ferrara (Fußballspieler - Trainer) Fabio Cannavaro (Fußballspieler) Lorenzo Insigne (Fußballspieler) Giacomo Leopardi (Dichter) |
| Italienischer Name | Napoli |
| englischer Name | Naples |
| Städtepartnerschaft | Sulaimaniyya (Irak) |
| Sport | SSC Neapel (Fußball) Stadio San Paolo CN Posillipo (Wasserball) |
| Spezialitäten des Ortes | Pizza Margherita Sfogilatelle |
| Reisezeit-Hinweise | warme Sommer und milde Winter |
| Lage | Nahe des Vesuvs, der schönen Amalfiküste, Nahe von den Inseln Ischia und Capri |
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