Como liegt am südwestlichen Ende des Comer Sees, dort, wo der schmale Westarm des Sees in die Stadt hineinreicht und von steilen Hügeln eingerahmt wird. Mit rund 84.000 Einwohnern ist die Stadt in der Lombardei das wirtschaftliche und kulturelle Zentrum der Seenregion und zugleich Ausgangspunkt für Fahrten zu den Villen und Uferorten weiter nördlich.
Anders als viele reine Ferienorte am Wasser ist Como eine gewachsene Stadt mit römischen Wurzeln, einer dicht bebauten Altstadt und einer langen Industriegeschichte. Der Ort war über Jahrhunderte das Zentrum der italienischen Seidenverarbeitung und ist bis heute Sitz zahlreicher Textilbetriebe. Gleichzeitig prägen der Dom, die Seepromenade und die Standseilbahn hinauf nach Brunate das Bild, das Besucher von Como mitnehmen.
Die Nähe zu Mailand, das nur gut 45 Kilometer entfernt liegt, macht Como auch als Tagesziel attraktiv. Wer länger bleibt, nutzt die Stadt als Basis, um den See per Schiff zu erkunden, in die umliegenden Berge zu wandern oder einen Abstecher über die nahe Schweizer Grenze zu unternehmen. Der folgende Überblick fasst die wichtigsten Sehenswürdigkeiten, die Geschichte der Seidenstadt und die Anreise zusammen.
Lage am Comer See und die Altstadt
Der Comer See hat die Form eines umgekehrten Ypsilons mit drei Armen. Como sitzt am Ende des südwestlichen Arms, während sich der Südostarm bei Lecco teilt und der Hauptarm nach Norden Richtung Colico verläuft. Diese Lage in einer von Bergen umschlossenen Bucht sorgt für ein mildes Klima, das schon in der Antike geschätzt wurde. Como geht auf die römische Gründung Comum zurück, die Julius Cäsar im ersten Jahrhundert vor Christus als Novum Comum neu anlegen ließ.
Das rechtwinklige Straßenraster der Altstadt lässt dieses römische Erbe bis heute erkennen. Innerhalb der ehemaligen Stadtmauern reihen sich enge Gassen, Plätze und Arkaden aneinander. Von der mittelalterlichen Befestigung ist unter anderem die Porta Torre erhalten, ein wuchtiges Stadttor aus dem 12. Jahrhundert. Die zentrale Piazza San Fedele mit ihren Fachwerkhäusern und die gleichnamige romanische Basilika San Fedele bilden einen ruhigeren Gegenpol zum belebten Domplatz.
Der Dom von Como und der Broletto
Wichtigstes Bauwerk der Stadt ist der Dom von Como, dem Titel Cattedrale di Santa Maria Assunta. Der Bau begann 1396 an der Stelle einer älteren romanischen Kirche und zog sich über mehr als drei Jahrhunderte hin. Die gotische Fassade stammt aus dem 15. Jahrhundert, die seitlichen Apsiden zeigen Renaissanceformen des 16. Jahrhunderts. Erst 1770 wurde der Bau mit der Kuppel abgeschlossen, die auf Entwürfe des Barockarchitekten Filippo Juvarra zurückgeht und rund 75 Meter hoch aufragt.
Der Dom gilt als eines der letzten großen gotischen Kirchengebäude in der Lombardei und vereint dadurch mehrere Stilepochen unter einem Dach. Im Inneren hängen wertvolle Wandteppiche und Gemälde, an der Fassade stehen ungewöhnlicherweise auch Statuen der beiden aus Como stammenden römischen Schriftsteller Plinius der Ältere und Plinius der Jüngere. Direkt an den Dom schließt der Broletto an, das mittelalterliche Rathaus von 1215. Seine gestreifte Fassade aus weißem, grauem und rosafarbenem Marmor aus den Steinbrüchen der Umgebung macht das Gebäude sofort erkennbar.
Basilica Sant'Abbondio und romanische Kirchen
Etwas außerhalb der Altstadt steht mit der Basilica di Sant'Abbondio eines der bedeutendsten romanischen Bauwerke Norditaliens. Die fünfschiffige Kirche wurde zwischen 1050 und 1095 aus grauem Moltrasio-Stein errichtet und 1095 von Papst Urban II. geweiht. Errichtet haben sie die Maestri Comacini, die aus der Region stammenden Baumeister und Steinmetze, die im Mittelalter in ganz Europa gefragt waren. Zwei schlanke Glockentürme flankieren die schlichte Fassade, im Chor sind Fresken aus dem 14. Jahrhundert erhalten.
Neben Sant'Abbondio lohnen weitere Kirchen einen Blick, darunter die bereits erwähnte Basilika San Fedele im Altstadtkern und die Kirche San Giacomo neben dem Dom. Gemeinsam zeigen sie, wie eng Como über Jahrhunderte mit der lombardischen Bau- und Bildhauerkunst verbunden war. Die Bauten liegen nah beieinander und lassen sich gut zu Fuß in einem Rundgang verbinden.
Wer die Altstadt durchstreift, findet zwischen den Sehenswürdigkeiten zahlreiche Cafés, Weinbars und Trattorien. Die Küche der Region ist von See und Bergen geprägt: Auf den Speisekarten stehen Süßwasserfische wie Felchen und Barsch, Risotto und Polenta. Ein Wochenmarkt und mehrere kleine Lebensmittelgeschäfte in den Gassen rund um die Piazza San Fedele versorgen Besucher mit regionalen Erzeugnissen. So verbindet ein Stadtbummel Baugeschichte und Alltagsleben ohne lange Wege.
Seepromenade, Tempio Voltiano und Villa Olmo
Das Ufer der Stadt ist über eine breite Seepromenade erschlossen, die vom Zentrum an den öffentlichen Gärten entlang nach Westen führt. In diesen Gärten steht der Tempio Voltiano, ein klassizistischer Rundbau, der 1927 zum hundertsten Todestag von Alessandro Volta errichtet wurde. Volta wurde 1745 in Como geboren und entwickelte um 1800 die erste elektrische Batterie, die sogenannte Voltasäule. Die nach ihm benannte Einheit Volt erinnert bis heute an den Physiker. Das Museum zeigt Originalgeräte und Nachbauten seiner Experimente. Errichtet wurde der Rundbau auf Betreiben des Comer Industriellen Francesco Somaini nach Plänen des Architekten Federico Frigerio. Sein weißer Baukörper vor dem Seepanorama gehört zu den meistfotografierten Motiven der Stadt.
Wenige Gehminuten weiter am Ufer liegt die Villa Olmo, eine klassizistische Villa, die ab 1782 im Auftrag des Marchese Innocenzo Odescalchi nach Plänen des Schweizer Architekten Simone Cantoni entstand. Der zugehörige Park mit altem Baumbestand und Blick auf den See ist frei zugänglich und wird häufig für Ausstellungen genutzt. Zu Gast waren hier historische Persönlichkeiten wie Napoleon Bonaparte. Von der Promenade aus starten außerdem Ruder- und Segelboote, und im Sommer laden Badeanstalten und Uferbars zum Verweilen ein.
Mit der Standseilbahn nach Brunate
Ein fester Programmpunkt ist die Fahrt mit der Funicolare Como Brunate. Die Standseilbahn wurde 1894 eröffnet, zunächst mit Dampf betrieben und 1911 auf elektrischen Antrieb umgestellt. Auf einer Strecke von rund 1.100 Metern überwindet sie den Höhenunterschied zwischen dem Seeufer auf knapp 200 Metern und dem Bergdorf Brunate auf etwa 715 Metern in ungefähr sieben Minuten. Die Steigung erreicht dabei bis zu 55 Prozent.
Von Brunate reicht der Blick bei klarem Wetter über die Stadt, den Westarm des Sees und bis zu den Alpen. Das Dorf gilt als Aussichtsbalkon der Region und ist Ausgangspunkt für mehrere Wanderwege. Ein knapp einstündiger Fußweg führt weiter hinauf zum Leuchtturm Faro Voltiano, der ebenfalls an Alessandro Volta erinnert. Die Talstation der Bahn liegt am östlichen Ende der Seepromenade und ist vom Zentrum aus gut zu Fuß erreichbar.
Como als Seidenstadt und das Museo della Seta
Como ist seit dem 19. Jahrhundert das Zentrum der italienischen Seidenindustrie. In den Betrieben rund um die Stadt wurden und werden hochwertige Seidenstoffe gewebt und bedruckt, die international an Modehäuser geliefert werden. Diese Tradition prägt die Wirtschaft der Stadt bis heute und erklärt, warum Como oft schlicht als Seidenstadt bezeichnet wird. Wer sich für die Herstellung interessiert, findet in vielen Geschäften der Altstadt Schals, Krawatten und Tücher aus lokaler Produktion.
Die gesamte Geschichte des Handwerks dokumentiert das Museo della Seta, das 1990 eröffnet wurde und als weltweit einziges Museum den vollständigen Weg der Seidenverarbeitung zeigt. Auf über tausend Quadratmetern sind historische Webstühle, Färbe- und Druckmaschinen sowie Stoffmuster zu sehen, vom Seidenspinner bis zum fertigen Muster. Das Museum liegt etwas außerhalb des Zentrums in der Nähe des Bahnhofs Como San Giovanni und ergänzt den Stadtbesuch um einen Einblick in das industrielle Erbe.
Ausflüge auf dem Comer See und ins Umland
Vom Schiffsanleger im Zentrum starten die Kurse der Seeschifffahrt, die Como mit den Orten am ganzen See verbinden. Beliebtes Ziel ist Bellagio an der Landzunge, wo sich die beiden südlichen Seearme treffen. Mit dem regulären Kursschiff dauert die Fahrt dorthin rund zwei Stunden, mit dem schnelleren Tragflügelboot etwa eine Stunde. Auf dem Weg passieren die Boote zahlreiche Villen und Uferorte wie Varenna und Menaggio.
Schon kurz hinter Como liegt Cernobbio mit der berühmten Villa d'Este, heute ein Luxushotel mit weitläufigem Park. Weiter nördlich locken die Gartenanlagen der Villa Carlotta und die auf einer Landzunge gelegene Villa del Balbianello. Ins Landesinnere führt ein Ausflug nach Bergamo mit seiner mittelalterlichen Oberstadt, die knapp 60 Kilometer entfernt liegt. Nach Norden ist es nur ein kurzer Weg über die Grenze zum schweizerischen Luganer See.
Die bewaldeten Hänge über dem See sind zudem ein gutes Wandergebiet. Markierte Wege führen von Brunate weiter zu Aussichtspunkten und Almen, andere Routen erschließen die Täler hinter der Stadt. Im Herbst ist die Gegend rund um den See auch für ihre Pilze bekannt, die in der lokalen Küche eine feste Rolle spielen; Hintergründe dazu bietet die Übersicht zur Pilzsaison am Lago di Como. So lässt sich ein Aufenthalt in Como je nach Jahreszeit mit Kultur, Bootsfahrten und Bewegung in der Natur kombinieren.
Anreise und beste Reisezeit
Como ist bequem mit der Bahn zu erreichen. Von Mailand aus fahren von Milano Centrale regelmäßig Züge nach Como San Giovanni, die für die rund 45 Kilometer etwa 40 Minuten benötigen. Der Bahnhof liegt oberhalb des Zentrums am Hang. Alternativ verkehren von Milano Cadorna Regionalzüge nach Como Lago, dessen Bahnhof direkt an der Seepromenade endet; diese Verbindung braucht ungefähr eine Stunde. Beide Stationen sind zu Fuß mit der Altstadt verbunden.
Wer mit dem Flugzeug anreist, nutzt meist die Mailänder Flughäfen Malpensa und Linate oder den Flughafen Bergamo Orio al Serio. Von allen dreien bestehen Bus- und Bahnverbindungen in die Region. Como liegt zudem unmittelbar an der Autobahn A9, die Mailand mit dem Schweizer Grenzübergang bei Chiasso verbindet. Da Parkplätze im Zentrum knapp und kostenpflichtig sind, empfiehlt sich für Tagesgäste die Anreise per Bahn. Innerorts lassen sich die Sehenswürdigkeiten gut zu Fuß erschließen.
Die beste Reisezeit für Como liegt im späten Frühjahr und im Frühherbst. Von April bis Juni stehen die Gärten und Parks in voller Blüte, die Temperaturen sind angenehm und die Schifffahrt fährt bereits im vollen Takt. September und Oktober bieten mildes Wetter bei geringerem Andrang. Die Sommermonate Juli und August sind warm und ziehen die meisten Besucher an, während der Winter ruhig und feucht ausfällt und einige Villen und Bootslinien nur eingeschränkt geöffnet sind.

























