Monte Sant’Angelo
Monte Sant'Angelo in Apulien: berühmt für die langobardische Grottenkirche San Michele, UNESCO-Welterbe und Wallfahrtsort. Geschichte…
Der Salento bildet den Absatz des italienischen Stiefels und damit den südlichsten Zipfel Apuliens. Die Halbinsel ragt rund 100 Kilometer weit ins Mittelmeer und ist an ihrer breitesten Stelle etwa 40 Kilometer breit. Das Besondere an dieser schmalen Landzunge sind ihre zwei Meere: Im Osten liegt die Adria, im Westen und Süden das Ionische Meer. Dazwischen reihen sich helle Sandstrände, jahrhundertealte Olivenhaine und der honigfarbene Barock von Lecce aneinander.
Der Salento ist keine einzelne Stadt, sondern eine ganze Region mit eigener Geschichte und eigenem Charakter. Nach dem illyrischen Volksstamm der Messapier siedelten hier Griechen, später gehörte das Land zum Römischen Reich, zu Byzanz und zum Königreich Neapel. Diese Schichten sind bis heute sichtbar, in der Sprache ebenso wie in den Kirchen und Ortskernen. In einigen Gemeinden der sogenannten Grecìa Salentina wird bis heute ein griechischer Dialekt gepflegt.
Wer seinen Urlaub im Salento verbringt, findet damit gleich mehrere Reiseziele in einem: zwei sehr unterschiedliche Küsten, eine der eigenwilligsten Barockstädte Italiens, kräftige Rotweine und eine lebendige Musiktradition. Genau diese Mischung aus zwei Meeren, Kultur und Ursprünglichkeit macht die Halbinsel zu einem der eigenständigsten Ziele Süditaliens.
Geografisch verteilt sich der Salento auf drei Provinzen. Den Kern bildet die Provinz Lecce, die die gesamte Südspitze umfasst. Hinzu kommen der südöstliche Teil der Provinz Brindisi an der Adria und der südliche Teil der Provinz Taranto am Ionischen Meer. Die Landschaft ist überwiegend flach und nur von sanften Hügeln durchzogen, dem sogenannten Serre Salentine. Der Boden ist rot und fruchtbar, hier gedeihen Oliven, Wein, Feigen und Mandeln.
Die beiden Küsten zeigen dabei ganz unterschiedliche Gesichter. Die ionische Seite im Westen ist überwiegend flach und sandig, mit langen, hellen Stränden und flach abfallendem Wasser. Die adriatische Seite im Osten ist felsiger, mit Kliffs, Grotten und kleinen Buchten. Am äußersten Süden treffen beide Meere aufeinander. Wegen zweier Strömungen, die aus dem Kanal von Otranto und dem Golf von Tarent kommen, lässt sich bei ruhiger See mitunter sogar der leichte Farbunterschied im Wasser erkennen.
Lecce ist das kulturelle Herz der Halbinsel. Der weiche, honigfarbene Kalkstein aus der Umgebung ließ sich leicht bearbeiten, und so schufen die Steinmetze im 17. Jahrhundert eine überbordende Barockkunst mit Blumen, Figuren und Fabelwesen an fast jeder Fassade. Dieser eigene Stil trägt heute den Namen Barocco Leccese und brachte der Stadt den Beinamen Florenz des Südens ein. Zentrum ist die Basilica di Santa Croce, deren reich verzierte Fassade als das Hauptwerk dieser Epoche gilt.
Neben dem Barock reicht die Geschichte Lecces weit zurück. Auf der zentralen Piazza SantOronzo liegt das Amphitheater aus römischer Zeit teilweise frei, ein weiterer Teil ist bis heute unter der modernen Stadt verborgen. Die zweite größere Stadt der Region ist das Hafenstädtchen Brindisi an der Adria, seit der Antike ein wichtiger Anlaufpunkt für Schiffe Richtung Griechenland und Naher Osten.
Otranto an der Adriaküste ist die östlichste Stadt Italiens. In der weißen Altstadt hinter den Festungsmauern steht die romanische Kathedrale mit einem großen Bodenmosaik, das ein Mönch namens Pantaleone zwischen 1163 und 1165 aus rund 600.000 Steinchen zusammensetzte. Es zeigt einen ausladenden Baum des Lebens mit Szenen aus dem Alten Testament. In derselben Kathedrale werden die Gebeine der Märtyrer von Otranto verwahrt, die 1480 bei einem osmanischen Angriff auf die Stadt getötet wurden.
Gallipoli auf der ionischen Seite trägt seine Altstadt auf einer kleinen Insel, die nur über eine Brücke mit dem Festland verbunden ist. Gassen, Fischerboote und barocke Kirchen prägen hier das Bild. Ganz im Süden markiert Santa Maria di Leuca die Landspitze, an der Adria und Ionisches Meer aufeinandertreffen. Von der Wallfahrtskirche und dem Leuchtturm reicht der Blick über beide Meere zugleich, weshalb der Ort seit der Antike als das Ende des Festlands gilt. Der lateinische Name de finibus terrae verweist bis heute darauf.
Abseits der Küsten lohnt sich der Blick ins Landesinnere, wo kleine Barockstädte und stille Ortskerne den Alltag der Region zeigen. In Galatina steht die Basilica di Santa Caterina dAlessandria, ein Bau aus dem späten 14. Jahrhundert, dessen Wände und Gewölbe fast vollständig mit Fresken bedeckt sind. Zugleich gilt Galatina als geistiges Zentrum des Tarantismus: In der Kapelle San Paolo suchten die von der Spinne Gebissenen früher Heilung. Nardò besitzt mit der Piazza Salandra einen der schönsten Barockplätze des Salento, und in Nardòs Umgebung reicht das Gemeindegebiet bis an die ionische Küste.
Charakteristisch für den mittleren Salento sind außerdem die Dörfer der Grecìa Salentina, in denen ein alter griechischer Dialekt, das Griko, überliefert ist. Wer die Region jenseits der Strände verstehen will, findet in diesen Orten die ruhige, bäuerlich geprägte Seite des Salento, weit weg vom sommerlichen Trubel an der Küste.
Die Küste des Salento zählt zu den schönsten Italiens. Auf der ionischen Westseite locken lange, feine Sandstrände. Rund um Pescoluse ist das Wasser so türkis und der Strand so hell, dass der Abschnitt den Beinamen Maldive del Salento trägt. Weiter nördlich reihen sich die Strände von Porto Cesareo und die flache Bucht von Punta Prosciutto mit ihrem seichten, für Familien gut geeigneten Wasser.
Die adriatische Ostseite ist wilder und felsiger. Torre dellOrso liegt in einer weiten Bucht zwischen bewaldeten Kliffs, und die nahe Baia dei Turchi bei Otranto besticht mit klarem Wasser hinter einem Pinienwald. Ein Höhepunkt dieser Küste ist die Grotta della Poesia bei Roca Vecchia, ein von Felsen umschlossenes natürliches Meeresbecken, in dem Besucher schwimmen können. Der Ort ist zugleich eine archäologische Fundstätte: In und um die Grotte fanden sich Inschriften und Spuren einer alten Kultstätte, die einst ein wichtiger Landeplatz an den Seewegen des Mittelmeers war. Für Familien eignet sich die flache ionische Seite meist besser, während die felsige Adriaküste eher etwas für gute Schwimmer und Schnorchler ist. Einen Überblick über weitere Abschnitte bietet unsere Übersicht der Strände in Apulien.
Kaum eine Region Italiens ist so eng mit einer eigenen Musik und einem eigenen Tanz verbunden wie der Salento. Die Pizzica ist ein schneller Volkstanz, begleitet von Tamburin, Geige und Gitarre. Ihre Wurzeln liegen im sogenannten Tarantismus, einem alten Volksglauben, nach dem der Biss einer Spinne, der Tarantel, vor allem Frauen in einen Zustand von Unruhe versetzte, der sich nur durch stundenlanges Tanzen lösen ließ. Der Name Tarantel und die Bezeichnung Taranta gehen dabei auf die Stadt Tarent zurück.
Aus dieser Tradition ist heute eines der größten Folkfestivals Europas geworden. Die Notte della Taranta zieht jeden August durch mehrere Orte der Provinz Lecce und der Grecìa Salentina und gipfelt in einem großen Abschlusskonzert im Ort Melpignano, das bis tief in die Nacht dauert. Für viele Besucher ist dieser Abend der eindrücklichste Moment einer Salento-Reise.
Die Küche des Salento ist bäuerlich und einfach, geprägt von Gemüse, Hülsenfrüchten, Olivenöl und dem, was das Meer hergibt. Die bekannteste Pastasorte sind die Orecchiette, kleine, mit dem Daumen geformte Nudeln in Form von Öhrchen, klassisch serviert mit Stängelkohl. Als Brotspezialität gilt die Puccia, ein rundes Fladenbrot, das oft mit Oliven gebacken und belegt wird. Zum Frühstück gehört für viele Einheimische ein Pasticciotto, ein kleines, warm gegessenes Mürbeteiggebäck mit Vanillecreme, das seinen Ursprung in Lecce hat.
Beim Wein steht der Salento für kräftige, dunkle Rote. Der Primitivo, vor allem in der geschützten Herkunft Primitivo di Manduria, ist wuchtig und alkoholreich. Der Negroamaro, dessen Name so viel wie schwarz und bitter bedeutet, ist die zweite große Rebsorte der Region und bildet die Grundlage vieler örtlicher Weine. Wer sich vorab einlesen möchte, findet einen Überblick bei den beliebtesten Weinsorten Italiens. Zur Küche der Nachbarregion gehört außerdem die Burrata, ein cremiger Frischkäse aus Apulien.
Über Jahrhunderte prägten uralte, oft knorrige Olivenbäume die Landschaft des Salento, manche von ihnen mehrere hundert oder gar über tausend Jahre alt. Seit 2013 verändert sich dieses Bild. Damals wurde in der Provinz Lecce erstmals in der Europäischen Union das Bakterium Xylella fastidiosa auf Olivenbäumen nachgewiesen. Es blockiert die Wasserleitungen der Pflanze und kann einen Baum innerhalb weniger Jahre absterben lassen.
Die Folgen für den südlichen Salento waren erheblich: Millionen Bäume sind seither abgestorben oder mussten gefällt werden, ganze Landstriche wirken stellenweise wie erloschen. Verbreitet wird der Erreger durch Insekten, ein Gegenmittel gibt es bislang nicht. Inzwischen werden gezielt resistentere Sorten neu gepflanzt, doch die alten, oft mehrere Meter dicken Haine wachsen nur langsam nach. Wer heute durch den Salento reist, wird die Region also nicht als unberührtes Postkartenbild erleben, sondern als Landschaft im Wandel. Dieses Bild zu kennen hilft, den Salento ehrlich einzuordnen, ohne seine Schönheit an den Küsten und in den Städten kleinzureden.
Für die Anreise stehen zwei Flughäfen zur Auswahl. Der Flughafen Brindisi liegt am nächsten und bringt Reisende in etwa einer Stunde nach Lecce. Etwas weiter nördlich liegt der größere Flughafen von Bari, der mehr internationale Verbindungen bietet, aber rund zwei Fahrstunden entfernt ist. Per Bahn erreicht man Lecce als südlichen Endpunkt der Hauptstrecke aus Bologna, Bari und dem Norden. Wer mit dem eigenen Auto anreist, folgt der Adria über die Autobahn A14 bis Bari und weiter der Staatsstraße SS16 bis in den Salento.
Innerhalb der Halbinsel ist ein Mietwagen die flexibelste Wahl, um die verstreuten Orte, Strände und Weingüter zu verbinden, da das öffentliche Netz auf dem Land dünn ausfällt. Klimatisch herrscht ein mildes mediterranes Klima mit langen, heißen Sommern und milden Wintern. Die Badesaison reicht etwa von Juni bis September, im Hochsommer klettern die Temperaturen häufig über 30 Grad. Frühling und früher Herbst sind mit angenehmen Temperaturen und weniger Andrang ideal für Rundreisen und Besichtigungen. Wie warm das Meer zur geplanten Reisezeit ist, lässt sich vorab bei den Wassertemperaturen nachsehen. Wer lieber im eigenen Domizil wohnt, findet einen Überblick über Ferienhäuser im Salento.
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