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Palladio Villen

Anfang des 16. Jahrhunderts investierte der Adel in Venetien immer mehr in die Erschließung des sumpfigen Hinterlands, der terra ferma. Und auch viele reiche, bürgerliche Familien suchten ein Domizil außerhalb der Stadt.

 

Der Wunsch nach Herrenhäusern, die einerseits repräsentativen Zwecken dienen sollten und andererseits landwirtschaftlichen Nutzen erfüllen mussten, verlangte nach einer neuen Form von Gebäude: Ställe, Lager und Wohnraum für die Arbeiter und Angestellten, Wohnraum der Familie und repräsentative Räume für Feiern und Empfänge sollten in einem Gebäude untergebracht werden.

 

Die ersten Villen Palladios entstehen

Gian Giorgio Trissino wurde bei der Errichtung seiner Residenz, der Villa Trissino, auf das architektonische Talent des gelernten Steinmetz Andrea di Pietro della Gondola aufmerksam, dem er den Namen Palladio gab. Trissinos Stellung ermöglichte Palladio den Zugang zu den aristokratischen Kreisen Vicenzas, seinen späteren Auftraggebern. Auch ermöglichte ihm dieser Studienreisen nach Rom, zu den Tempeln und Theatern der Antike. Die theoretischen Architekturkenntnisse eignete sich Palladio durch die Schriften des antiken, römischen Architekten Vitruv an.

 

Sein erster Auftrag war die Villa Godi, die er zwischen 1537 und 1542 errichten ließ. Eine Villa, wuchtig und noch nicht so harmonisch wie seine späteren Villen, mit einigen Elementen, die an ein Schloss erinnern. Im Laufe der Jahre wurden insgesamt etwa 60 Villen, u. a. die Villa Saraceno, Villa Poiana, Villa Chiericati und die Villa Barbero, nach den Plänen des Renaissance-Architekten gebaut. Die berühmteste und vollkommenste davon, die Villa Rotonda, die als Meisterwerk Palladios gilt, wurde ab 1567 errichtet.

 

Zu einer der schönsten Palladio Villen zählt sicherlich auch die Villa Foscari "La Malcontenta". Die Gäste legen hier mit ihren Booten direkt am Ufer vor der von saftgrünen Bäumen umstandenen hellen Villa an. Das Gebäude ruht erhaben auf einem hohen Sockel, der die Villa vor dem feuchten Boden schützt. Im Inneren bezaubert die prunkvolle und aufwendige Innendekoration von Battista Franco und Gian Battista Zelotti.

 

Die einzigartigen Merkmale der Villen

Die Villen Palladios stehen auf Anhöhen oder Hügeln und stets nah am Wasser. Mit Booten konnten die landwirtschaftlichen Erzeugnisse schnell und günstig in die Stadt transportiert werden. Wichtige Baumaterialien wurden einfach über Wasser angeliefert.

Ein Hauptmerkmal der Palladio Villen sind die tempelartig vorgelagerten Säulenhallen. Auf einer Studienreise nach Rom hatte der Baumeister den Tempel des Herkules in Tivoli gesehen und diesen irrtümlich für eine private Villa gehalten. Deshalb hielt er die Tempelfronten als typisch für private, antike Residenzen, dem Vorbild nach dem er später seine Villen entwarf.

 

Viele Nachahmer Palladios Baustil zuerst vor allem in England, von wo aus der Palladianismus nach Nordamerika gelangte und schließlich weltweit berühmt und verehrt wurde.

 

Heute gehören allein in Venetien 24 Palladio Villen zum UNESCO-Weltkulturerbe.