Follonica ist die Badestadt der nördlichen Maremma. Sie liegt am Scheitelpunkt des gleichnamigen Golfs, der sich in einem weiten Bogen von Piombino bis zur Landspitze von Punta Ala spannt, und gehört zur Provinz Grosseto in der südlichen Toskana. Rund 21.000 Menschen leben hier das ganze Jahr, im Sommer vervielfacht sich die Zahl: Der lange, flach abfallende Sandstrand mit Blick auf die Insel Elba zählt zu den beliebtesten Familienzielen der toskanischen Küste.
Dabei ist Follonica keine gewachsene Altstadt wie die Nachbarorte im Hinterland, sondern eine junge Stadt mit einer ungewöhnlichen Vergangenheit. Im 19. Jahrhundert ließ der toskanische Großherzog Leopold II. hier Eisenhütten ausbauen, in denen Erz von der gegenüberliegenden Insel Elba verhüttet wurde. Aus der Arbeitersiedlung um die Gießereien entstand die heutige Stadt, die erst 1923 eine eigenständige Gemeinde wurde. Das Erbe dieser Zeit ist bis heute sichtbar: in einem preisgekrönten Museum, in einer Kirche mit gusseiserner Vorhalle und im ehemaligen Hüttenareal mitten im Zentrum.
Wer seinen Urlaub in Follonica verbringt, bekommt also beides: einen der kinderfreundlichsten Strände der Toskana und ein Stück Industriegeschichte, das es in dieser Form in Italien kein zweites Mal gibt. Dazu kommt eine Lage, von der aus sich die halbe Maremma als Tagesausflug erschließen lässt.
Strände am Golf von Follonica
Der Stadtstrand von Follonica zieht sich über mehrere Kilometer am Golf entlang, feiner Sand, dahinter Pinienwäldchen, die im Hochsommer Schatten spenden. Das Meer fällt sehr sanft ab, oft kann man weit hinauslaufen, bevor das Wasser tief wird. Genau das macht den Ort für Familien mit kleinen Kindern so attraktiv. Bei klarer Sicht liegt Elba zum Greifen nah am Horizont, dazu die Silhouette von Piombino im Westen und die bewaldeten Hügel Richtung Punta Ala im Süden.
Die Wasserqualität stimmt seit Jahren: Follonica trägt die Blaue Flagge, die internationale Auszeichnung für saubere Strände und gutes Umweltmanagement, und wurde auch 2026 wieder ausgezeichnet, sowohl für den nördlichen als auch für den südlichen Strandabschnitt. Die Küste teilt sich in klassisch italienischer Manier auf: Bezahlte Strandbäder mit Liegen, Schirmen und Bars wechseln sich mit frei zugänglichen Abschnitten ab, von denen es in Follonica vergleichsweise viele gibt. Westlich und östlich des Zentrums schließen die Pineta di Ponente und die Pineta di Levante an, Pinienwälder direkt hinter dem Strand, durch die sich Fuß- und Radwege ziehen.
Auch Wassersportler finden ihr Revier: Im Golf wird gesegelt, gesurft und Kite gefahren, mehrere Basen am Strand verleihen Material. Einen Überblick über die schönsten Küstenabschnitte der Region gibt die Seite zu den Stränden der Toskana.
Praktisch für Familien: Hinter weiten Teilen des Strandes verläuft die Uferstraße mit Bars, Restaurants und kleinen Läden, die Wege sind kurz, vieles lässt sich zu Fuß oder mit dem Rad erledigen. Wer im Sommer mit dem Auto kommt, sollte morgens früh dran sein, die Parkplätze in Strandnähe sind in der Hochsaison schnell belegt.
Vom Hüttenwerk zur Badestadt
Dass es Follonica überhaupt gibt, liegt am Eisen. Auf Elba wurde schon in etruskischer Zeit Erz abgebaut, verhüttet wurde es über die Jahrhunderte an verschiedenen Orten der gegenüberliegenden Küste. Ab 1834 ließ Großherzog Leopold II. von Toskana die Gießereien von Follonica zum Zentrum der großherzoglichen Eisenverarbeitung ausbauen. Hochöfen, Werkstätten, Verwaltungsbauten und Arbeiterhäuser entstanden, dazu eine eigene Werkskirche. Der Name Ilva, unter dem das Werk später firmierte und der bis heute für die italienische Stahlindustrie steht, geht auf den lateinischen Namen der Insel Elba zurück.
Das Werk prägte den Ort über ein Jahrhundert, erst 1960 wurde die Produktion endgültig eingestellt. Statt das Gelände abzuräumen, hat Follonica es Stück für Stück in ein Kulturareal verwandelt: Auf dem ehemaligen Werksgelände, das alle nur Ex-Ilva nennen, sitzen heute unter anderem das Stadtmuseum MAGMA, ein Theater in der einstigen Gießhalle und die Stadtbibliothek. Das monumentale Eingangstor und mehrere restaurierte Fabrikgebäude machen den Spaziergang über das Areal auch dann lohnend, wenn man kein Museum besuchen will. Sehenswert ist etwa die Palazzina del Direttore, die frühere Direktorenvilla des Werks.
MAGMA: das Museum im alten Hochofengebäude
Herzstück des Areals ist das MAGMA, ausgeschrieben Museo delle Arti in Ghisa nella Maremma, das Museum der Gusseisenkunst der Maremma. Es ist im restaurierten Gebäude des Ofens San Ferdinando untergebracht, einem der ältesten Bauten der Stadt, und erzählt auf drei Ebenen die technische, künstlerische und menschliche Geschichte des Hüttenwerks: vom Erzabbau auf Elba über die Arbeit an den Öfen bis zu den kunstvollen Gusseisenarbeiten, die Follonica im 19. Jahrhundert weit über die Toskana hinaus bekannt machten. Multimediale Stationen und Zeitzeugenstimmen machen das Haus auch für Kinder zugänglich.
Die Qualität hat sich herumgesprochen: 2015 erhielt das MAGMA den DASA-Preis im Rahmen des Luigi Micheletti Award, einer der wichtigsten europäischen Auszeichnungen für Technik- und Industriemuseen. Montags bleibt das Haus geschlossen, im Hochsommer öffnet es erst am späten Nachmittag und dafür bis in den Abend, was sich gut mit einem Strandtag verbinden lässt. Die aktuellen Zeiten stehen auf der Museumsseite magmafollonica.it.
San Leopoldo: eine Kirche aus Gusseisen
Das zweite Wahrzeichen der Eisenzeit steht ein paar Schritte vom Werksgelände entfernt: die Kirche San Leopoldo, ab 1836 nach Plänen von Alessandro Manetti und Carlo Reishammer errichtet und 1838 geweiht. Auf den ersten Blick eine klassizistische Kirche, auf den zweiten eine Rarität: Die Vorhalle mit ihren Säulen, die Fensterrose der Fassade, Teile der Apsis und etliche Ausstattungsstücke im Inneren bestehen aus Gusseisen, gefertigt in den Öfen des Werks nebenan. Damit gilt San Leopoldo als erste Kirche Italiens mit Gusseisenelementen, Jahre bevor das Material in den großen Bahnhofshallen und Markthallen Europas Karriere machte. Wer die Kirche besucht, sollte sich die filigranen Details der Balustrade und die Reliefs der Vorhalle in Ruhe ansehen.
Abseits davon ist das Zentrum von Follonica eine entspannte, unprätentiöse italienische Kleinstadt: eine lange Fußgängerzone mit Geschäften und Eisdielen, eine Uferpromenade für den Abendspaziergang und ein großer Wochenmarkt, auf dem sich der Alltag der Maremma beobachten lässt.
Cala Violina und die Küste Richtung Punta Ala
Südlich von Follonica beginnt eines der schönsten Küstenstücke der Toskana. In den bewaldeten Hügeln der Bandite di Scarlino liegt die Cala Violina, eine kleine Bucht mit hellem, quarzhaltigem Sand, der unter den Füßen ein leises Geräusch erzeugt, dem die Bucht ihren Namen verdankt: Er soll klingen wie eine Violine. Die Bucht ist nur zu Fuß oder mit dem Rad erreichbar, vom Parkplatz Val Martina sind es rund eine halbe Stunde Fußweg durch den Wald.
Wichtig für die Planung: Die Cala Violina ist in der Saison zugangsbeschränkt. Von Ende Mai bis Ende September dürfen maximal 700 Personen pro Tag an den Strand, der Zugang muss vorab online über das Portal der Gemeinde Scarlino reserviert werden und kostet einen symbolischen Beitrag von einem Euro pro Person, kleine Kinder sind frei. Wer spontan hinfährt, riskiert, abgewiesen zu werden, in den Ferienwochen sind die Kontingente oft Tage im Voraus vergriffen. Details und Buchung unter calaviolinascarlino.it.
Wenige Kilometer weiter südlich liegt Punta Ala, ein exklusiver Ferienort mit großem Yachthafen und Golfplatz am Südende des Golfs, rund 17 Straßenkilometer von Follonica entfernt. Noch ein Stück weiter folgt Castiglione della Pescaia mit seiner mittelalterlichen Burg über dem Hafen, einer der bekanntesten Badeorte der Maremma.
Ausflüge: Massa Marittima, Vetulonia und Elba
Das Hinterland von Follonica gehört zu den unterschätzten Ecken der Toskana. Nur rund 20 Kilometer landeinwärts liegt Massa Marittima, eine der schönsten mittelalterlichen Städte der Region. Die Bergbaustadt wurde reich durch Silber- und Kupferminen, ihr Dom San Cerbone an der schräg ansteigenden Piazza Garibaldi zählt zu den eindrucksvollsten romanisch-gotischen Kirchen der Toskana. Die kurvige Auffahrt lohnt sich schon für den Blick über die Hügel der Colline Metallifere, der Erzhügel, die dem ganzen Landstrich den Namen geben.
Südöstlich von Follonica liegt auf einem Hügel das Dorf Vetulonia, einst eine bedeutende etruskische Stadt. Rund um den Ort sind monumentale etruskische Grabhügel zu besichtigen, dazu gibt es ein archäologisches Museum im Dorf. Die Provinzhauptstadt Grosseto mit ihrer vollständig erhaltenen Stadtmauer aus der Medici-Zeit ist gut 40 Kilometer entfernt. Und wer der Insel gegenüber einen Besuch abstatten will: Von Piombino, rund 20 Kilometer westlich, setzen ganzjährig Fähren nach Elba über, die Überfahrt nach Portoferraio dauert knapp eine Stunde.
Ein lohnender kurzer Abstecher ist auch Scarlino selbst, das mittelalterliche Dorf oberhalb der Küste südlich von Follonica. Enge Gassen ziehen sich den Hang hinauf zur Rocca, der alten Festung über dem Ort, von der aus sich der ganze Golf überblicken lässt. Unten am Wasser liegt mit dem Puntone di Scarlino ein moderner Yachthafen, von dem im Sommer Ausflugsboote entlang der Küste starten.
Anreise und beste Reisezeit
Follonica ist für einen Badeort ungewöhnlich gut angebunden. Die Stadt hat einen eigenen Bahnhof an der Tyrrhenischen Bahnlinie, die Pisa und Rom entlang der Küste verbindet, eröffnet bereits 1863. Neben Regionalzügen halten hier auch Intercity-Züge, nach Pisa braucht man rund anderthalb Stunden, nach Rom gut zwei Stunden. Vom Bahnhof sind es nur wenige Minuten zu Fuß ins Zentrum und zum Strand, ein Auto ist für den reinen Badeurlaub nicht zwingend nötig.
Mit dem Auto führt die SS1 Aurelia direkt an Follonica vorbei, die Schnellstraße entlang der tyrrhenischen Küste. Aus Deutschland kommend fährt man üblicherweise über die A12 bis ins nördliche Latium beziehungsweise auf die Aurelia Richtung Süden. Der nächstgelegene größere Flughafen ist Pisa, rund 110 Kilometer entfernt und mit vielen Direktflügen aus dem deutschsprachigen Raum, alternativ kommt Rom-Fiumicino in Frage, von dort sind es etwa 230 Kilometer. Praktische Hinweise zu Routen und Verkehrsmitteln bündelt die Seite zur Anreise nach Italien.
Die beste Reisezeit für den Strandurlaub reicht von Juni bis September, das Wasser im flachen Golf erwärmt sich früh und hält die Temperatur bis in den Herbst. Der August ist die Hochsaison der italienischen Familien, dann sind Strände und Unterkünfte am vollsten und die Preise am höchsten. Angenehmer sind Juni und September: warm genug zum Baden, aber deutlich ruhiger. Für Ausflüge nach Massa Marittima, Vetulonia oder in die Wälder um die Cala Violina eignen sich auch Mai und Oktober, wenn die Maremma grün ist und die Temperaturen zum Wandern passen.
























