Valcamonica
Das rund 70 Kilometer lange Valcamonica Tal in der Lombardei wurde aufgrund seiner bedeutenden Felszeichnungen…
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Monte Isola, auf Lombardisch auch Montisola genannt, ist die große Insel mitten im Lago d'Iseo, dem viertgrößten der oberitalienischen Seen. Mit rund 4,5 Quadratkilometern Fläche zählt sie zu den größten Seeinseln Italiens und Südeuropas. Rund 1.800 Menschen leben verteilt auf mehrere Dörfer, die sich an das Ufer schmiegen oder in die bewaldeten Hänge klettern. Die Insel gehört zur Provinz Brescia in der Lombardei und liegt damit zwischen den bekannteren Zielen Gardasee und Comer See, ohne deren Andrang zu teilen.
Wer nach Monte Isola will, kommt nur mit der Fähre an. Autos und Lastwagen sind bis auf wenige Ausnahmen für Anwohner und Versorgung nicht zugelassen, und das nicht erst seit gestern, sondern seit vielen Jahrzehnten. Besucher bewegen sich zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit dem Linienbus, der die Dörfer verbindet. Diese Ruhe prägt den ganzen Aufenthalt: kein Verkehrslärm, keine Ampeln, dafür Uferwege, Olivenhaine und ein Gipfel, von dem der Blick über den See und bis zu den Alpen reicht.
Bekannt wurde die Insel weit über Norditalien hinaus im Sommer 2016, als der Künstler Christo hier mit The Floating Piers einen begehbaren Steg über das Wasser legte. Das Bauwerk ist längst wieder abgebaut, doch die Bilder von der schwimmenden gelben Promenade haben Monte Isola ins Reisebewusstsein gerückt. Geblieben ist eine Insel, die von Fischerei, Handwerk und einem sehr ruhigen Alltag lebt.
Der Lago d'Iseo, deutsch auch Iseosee, ist einer der weniger überlaufenen unter den oberitalienischen Seen. Monte Isola erhebt sich in seiner Mitte fast senkrecht aus dem Wasser und wird an ihrem höchsten Punkt rund 600 Meter über dem Meeresspiegel hoch. Das ist der Grund, warum die Insel auf Fotos so massiv wirkt: ein grüner Bergrücken, der aus einem stillen See wächst.
Das Fehlen des Autoverkehrs ist keine touristische Inszenierung, sondern gelebter Alltag. Die Einheimischen fahren mit kleinen Motorrollern, dem sogenannten Motorino, oder mit dem Bus. Für Gäste heißt das: Wer die Insel erkunden will, plant sie zu Fuß oder mit dem Rad. Rund um die Insel führt eine Uferstraße von etwa neun Kilometern Länge, überwiegend flach, sodass sie sich gut mit dem Fahrrad in wenigen Stunden umrunden lässt. Räder kann man in mehreren Orten leihen, ein eigenes lässt sich auf der Fähre mitnehmen.
Monte Isola ist eine einzige Gemeinde, die sich aus mehreren Ortschaften zusammensetzt. Verwaltungssitz und Hauptort ist Siviano, das etwas höher am Hang liegt. Am Wasser reihen sich die Fischerdörfer, die die meisten Besucher zuerst sehen.
Peschiera Maraglio ist der wichtigste Anleger im Süden der Insel und der erste Anblick für alle, die von Sulzano übersetzen. Bunte Häuser stehen dicht an der Uferpromenade, Netze hängen zum Trocknen aus, kleine Trattorien servieren Seefisch. Von hier führt der Weg am Ufer weiter nach Sensole, einem ruhigen Weiler mit Blick auf die kleine Privatinsel San Paolo. Im Norden liegt Carzano, das direkt gegenüber von Sale Marasino am Festland liegt und ebenfalls einen Fähranleger hat. Dazu kommen kleinere Orte in den Höhenlagen wie Cure, Masse, Menzino, Novale, Olzano, Senzano und Siviano selbst, insgesamt eine Handvoll größerer und mehrere kleine Weiler.
Carzano ist zugleich Schauplatz eines der auffälligsten Feste der Region. Alle fünf Jahre feiert der Ort das Fest Santa Croce, bei dem Straßen, Gassen und Hauseingänge über Wochen mit Zehntausenden von Hand gefertigten Papierblumen geschmückt werden. Die Tradition reicht weit zurück, das nächste große Fest liegt jeweils im Fünfjahresabstand. Wer zufällig in ein solches Jahr reist, erlebt die Insel in einem völlig anderen Zustand als im ruhigen Alltag.
Auf dem höchsten Punkt der Insel steht die Wallfahrtskirche Santuario della Madonna della Ceriola, auf rund 600 Metern Höhe. Der Aufstieg von den Uferdörfern ist der klassische Ausflug auf Monte Isola. Von Peschiera Maraglio oder Siviano führen Wege und ein Fahrsträßchen durch Wald und über offene Hänge nach oben, mit steigender Höhe wird der Blick auf den See immer weiter.
Die Kirche selbst geht auf einen alten Marienkult zurück und ist bis heute ein Wallfahrtsziel. Im Inneren finden sich Fresken, außen eine Terrasse mit Rundumblick: unter einem der See, dahinter die Franciacorta mit ihren Rebhügeln, im Norden die Berge des Val Camonica und bei klarem Wetter die Gipfel der Alpen. Für den Aufstieg zu Fuß sollte man je nach Startpunkt gut ein bis zwei Stunden einplanen, festes Schuhwerk und Wasser gehören dazu.
Monte Isola lebte über Jahrhunderte vom See. Die Fischer fahren bis heute mit ihren flachen Holzbooten, den Naècc, hinaus und arbeiten mit Netzen, die die Insel berühmt gemacht haben. Aus dem Fischerhandwerk entwickelte sich eine eigene Industrie: Auf Monte Isola entstanden Netzmanufakturen, deren Erzeugnisse längst nicht mehr nur dem Fischfang dienen, sondern in den Sport, in die Landwirtschaft und in die Industrie geliefert werden. Die Netzherstellung gilt als eines der prägenden Gewerbe der Insel.
Kulinarisch steht die Insel vor allem für den Salame di Monte Isola. Das Schweinefleisch wird von Hand mit dem Messer geschnitten, mit Salz, Knoblauch, Gewürzen und Wein gewürzt, in Naturdarm gefüllt und in speziellen Räumen über offenem Feuer leicht geräuchert. Die Herstellung folgt einem festen, über Generationen weitergegebenen Ritual. Dazu kommt der Seefisch, der frisch oder getrocknet auf den Tisch kommt, allen voran die luftgetrocknete Seesardine (sardina essiccata), ein Slow-Food-Presidio, die offen an Gittern trocknet. In den Trattorien der Uferdörfer lässt sich beides in Ruhe probieren, oft mit Blick auf den See und die Boote, die vor den Häusern liegen. Dazu passt ein Glas aus der nahen Franciacorta. Wer sich für die weiteren Spezialitäten des Landes interessiert, findet unter Essen und Trinken einen breiteren Überblick.
Der Alltag der Insel folgt bis heute einem ruhigen Takt, der stark vom See bestimmt wird. Am frühen Morgen fahren die Boote hinaus, tagsüber prägen Fährverkehr und Spaziergänger das Bild, am Abend kehrt schnell Stille ein. Große Hotelbauten oder laute Vergnügungsviertel sucht man vergebens. Wer hier übernachtet, findet vor allem kleine Pensionen, Ferienwohnungen und Gasthäuser in den Dörfern, was den Charakter der Insel als Rückzugsort unterstreicht.
Vom 18. Juni bis zum 3. Juli 2016 verband The Floating Piers Monte Isola mit dem Festland. Der Künstler Christo, gemeinsam mit seiner bereits verstorbenen Partnerin Jeanne-Claude als Urheber genannt, ließ ein schwimmendes Wegesystem aus rund 220.000 Kunststoffwürfeln auf den See legen und mit gelbem Stoff überziehen. Über etwa drei Kilometer konnten Besucher so zwischen Sulzano, Monte Isola und der kleinen Insel San Paolo scheinbar über das Wasser gehen.
Das Projekt war kostenlos und rund um die Uhr zugänglich. In den sechzehn Tagen seiner Laufzeit kamen etwa 1,2 Millionen Menschen, was den Steg zu einer der meistbesuchten temporären Kunstinstallationen überhaupt machte. Nach dem 3. Juli 2016 wurde alles wieder abgebaut, der See kehrte zu seinem gewohnten Bild zurück. Wer heute anreist, findet keine Spuren des Bauwerks mehr, wohl aber die Kulisse, die es damals so wirkungsvoll gemacht hat.
Monte Isola lässt sich gut mit der Umgebung des Sees verbinden. Am Südufer beginnt die Franciacorta, eine der wichtigsten Weinregionen Italiens für Schaumwein nach traditioneller Flaschengärung. Die sanften Hügel mit ihren Weingütern lassen sich als Tagesausflug erkunden, viele Betriebe bieten Verkostungen an.
Am südlichen Seeufer liegt außerdem die Torbiere del Sebino, ein Moor- und Feuchtgebiet, das als Naturreservat geschützt ist. Auf Stegen und Wegen lässt sich das Gebiet zu Fuß durchqueren, es ist besonders für Wasservögel bekannt. Nördlich des Sees erstreckt sich das Val Camonica mit dem Valcamonica und seinen prähistorischen Felszeichnungen, die zum UNESCO-Welterbe zählen. Am Wasser laden Orte wie Iseo, Sarnico und Lovere zum Bummeln ein, jeder mit einer eigenen Promenade und Bootsanlegern. Wer Seeinseln vergleichen möchte, findet mit der Isola del Garda ein ganz anderes Gegenstück, und weitere Ziele versammelt die Inselübersicht von Sardinien bis zu den Kleinen der oberitalienischen Seen.
Auf Monte Isola selbst gibt es drei Möglichkeiten, sich fortzubewegen. Zu Fuß erschließt sich die Insel am gründlichsten, vor allem der Aufstieg zum Gipfel und die Wege durch die Höhenweiler. Mit dem Fahrrad umrundet man das flache Ufer bequem, Leihräder stehen in den größeren Orten bereit. Und für längere Strecken oder den Weg nach oben fährt der Linienbus, der die Dörfer miteinander verbindet.
Ein Auto braucht und bekommt man auf der Insel nicht. Das eigene Fahrzeug bleibt am Festland, meist auf einem der Parkplätze in Sulzano oder Sale Marasino, von wo die Fähren ablegen. In der Hochsaison sind diese Parkplätze früh belegt, eine zeitige Anreise am Morgen erspart die Suche.
Die Anreise nach Monte Isola führt immer über eine der Fähren der Navigazione Lago d'Iseo. Die kürzeste und häufigste Verbindung geht von Sulzano nach Peschiera Maraglio und dauert nur wenige Minuten, tagsüber verkehren die Boote im dichten Takt. Eine zweite reguläre Linie verbindet Sale Marasino mit Carzano im Norden der Insel. Fahrräder lassen sich auf den Fähren mitnehmen, Fahrkarten gibt es am Anleger.
Bis zu den Fähranlegern kommt man am einfachsten mit der Bahn oder dem Auto. Die Bahnstrecke Brescia nach Edolo folgt dem Ostufer des Sees und hält unter anderem in Sulzano und Sale Marasino, sodass sich die Überfahrt direkt an die Zugfahrt anschließt. Mit dem Auto erreicht man das Seeufer über die Autobahn A4 Mailand nach Venedig, Ausfahrt Richtung Iseo, und von dort die Uferorte. Die nächstgelegenen Städte sind Brescia und Bergamo, beide mit guter Verkehrsanbindung. Der praktischste Flughafen für die Region ist Bergamo Orio al Serio, auch Mailand und Verona sind erreichbar.
Die beste Reisezeit liegt im späten Frühjahr und im Frühherbst, wenn es angenehm warm, aber noch nicht überlaufen ist. In den Monaten Mai, Juni sowie September und Oktober zeigt sich die Insel von ihrer ruhigen Seite, die Wege sind gut begehbar und die Fernsicht vom Gipfel oft am klarsten. Der Hochsommer bringt warmes Badewetter, an Wochenenden aber auch die meisten Tagesgäste. Im Winter wird es still auf der Insel, viele Lokale schließen, dafür hat man die Uferwege fast für sich allein.
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Wetterdaten © OpenWeather, aktualisiert alle 6 Std.
Durchschnittliche Tageshöchsttemperaturen im Jahresverlauf.
Am angenehmsten: April bis Mai sowie September bis Oktober.
| Region | Lombardei |
| Provinz | Brescia |
| Gemeinde | Monte Isola |
| Gewässer | Iseosee |
| Länge | 3,2 km |
| Breite | 2 km |
| Fläche | 4,5 km² |
| höchste Erhebung | 600 m |
| Küstenlinie | 9 km Umfang |
| Einwohnerzahl | 1.811 |
| Hauptort | Siviano |
| Anreise | Fähren von Pescheria Maraglio, Sulzano, Carzano und Sale Marasino Linienschiffe zwischen Iseo Sulzano und den Inselorten |
| Besonderheiten | die größte Insel in einem südeuropäischen See |
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