Valcamonica
Das rund 70 Kilometer lange Valcamonica Tal in der Lombardei wurde aufgrund seiner bedeutenden Felszeichnungen…
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Der Lago d'Iseo, auf Deutsch Iseosee, liegt in der Lombardei und teilt sich auf die Provinzen Brescia und Bergamo auf. Er ist rund 20 Kilometer lang, an der breitesten Stelle etwa 4 Kilometer breit und bedeckt 65,3 Quadratkilometer. Damit ist er der vierte der großen oberitalienischen Seen nach Gardasee, Lago Maggiore und Comer See und gehört gemessen an der Fläche zu den sechs größten Seen Italiens. Gespeist wird er vom Oglio, der aus dem Valle Camonica kommt und am Südufer wieder abfließt. Die maximale Tiefe liegt bei etwa 251 Metern, der Wasserspiegel bei rund 185 Metern über dem Meer.
Der Unterschied zu den beiden großen Nachbarn ist vor allem eine Frage der Größenordnung. Am Iseosee gibt es keine durchgehende Uferbebauung, keine Hotelketten in Reihe und deutlich weniger deutschsprachige Beschilderung. Die Orte sind klein, die Wege kurz, und der See lässt sich in wenigen Tagen komplett umrunden. Dafür fehlt dir auch das Angebot, das du vom Gardasee kennst: weniger Freizeitparks, weniger Strandbäder mit Infrastruktur, ein kleineres Restaurantangebot außerhalb der Saison. Wer Ruhe, Wandern und Wein sucht, ist hier richtig. Wer Animation für Kinder oder Nachtleben erwartet, eher nicht.
Iseo am Südostufer ist der größte Ort und der praktischste Ausgangspunkt. Hier laufen Bahn, Bus und Schiffsverkehr zusammen, es gibt eine Uferpromenade, einen Wochenmarkt und den Zugang zum Radweg. Sarnico liegt am Südwestufer bereits in der Provinz Bergamo und ist bekannt für seine Bootsbautradition: Die Werft Riva wurde hier im 19. Jahrhundert gegründet. Im Ort stehen mehrere Liberty-Villen aus der Zeit um 1900.
Lovere am Nordwestufer gehört seit 2003 zur Vereinigung I Borghi più belli d'Italia, den schönsten Dörfern Italiens. Der Ort staffelt sich amphitheaterartig zwischen Ufer und Berghang, am Seeufer steht der Palazzo Tadini mit der Accademia Tadini, einer Kunstsammlung mit Werken von Canova, Hayez und Tiepolo, die seit 1829 zugänglich ist.
Pisogne ganz im Norden ist der Ort mit dem stärksten Kunstargument. In der Kirche Santa Maria della Neve am Ortsrand hat Girolamo Romanino um 1532 bis 1534 einen Freskenzyklus zur Passion Christi gemalt. Weil er dafür Gesichter aus dem Valle Camonica als Vorlage nahm, trägt die Kirche den Beinamen Sixtinische Kapelle der Armen. Sulzano am Ostufer ist vor allem Fähranleger für Monte Isola und deshalb im Sommer der Ort mit dem meisten Durchgangsverkehr am See.
Die Monte Isola ist die größte Insel in einem See Südeuropas und dauerhaft bewohnt. Privater Autoverkehr ist nicht erlaubt, unterwegs bist du zu Fuß, mit dem Rad oder mit dem kleinen Linienbus. Die Fähren fahren vor allem ab Sulzano nach Peschiera Maraglio, in der Hauptsaison im dichten Takt; weitere Linien verbinden die Insel mit Iseo, Sale Marasino und dem Nordufer. Der aktuelle Fahrplan hängt an den Anlegern aus und ändert sich saisonal.
Die Insel besteht aus rund einem Dutzend kleiner Ortsteile, darunter Peschiera Maraglio, Carzano und Novale. Eine Umrundung auf der Uferstraße ist die einfachste Variante und mit dem Rad gut zu schaffen. Anspruchsvoller ist der Aufstieg zum höchsten Punkt, wo das Santuario della Madonna della Ceriola steht. Von dort siehst du beide Seearme und die Bergketten dahinter. Wirtschaftlich lebte die Insel jahrhundertelang vom Fischfang, vom Bootsbau und von der Netzherstellung; einzelne Betriebe knüpfen bis heute Netze. Dazu kommen luftgetrocknete Salumi und Sardinen aus dem See, die du in den Lokalen am Ufer findest.
Weltweit bekannt wurde die Insel im Sommer 2016 durch The Floating Piers von Christo. Für 16 Tage im Juni und Anfang Juli verband ein schwimmender, mit gelbem Stoff bespannter Steg Sulzano über Monte Isola mit der kleinen Insel San Paolo. Die Installation war von Anfang an befristet und wurde danach vollständig abgebaut. Zu sehen gibt es davon heute nichts mehr, der Besucherandrang von damals wirkt aber bis heute im Bekanntheitsgrad des Sees nach.
Der Iseosee hat keine langen Sandstrände. Gebadet wird an Kiesbuchten, an einzelnen Lidos mit Liegewiese und an frei zugänglichen Uferabschnitten, unter anderem bei Iseo, Sarnico, Predore und Lovere. Das Wasser erwärmt sich im Hochsommer spürbar, bleibt aber kühler als am Gardasee, weil der See tief und vergleichsweise klein ist.
Für Segler und Surfer ist der See interessant, weil er wie die anderen oberitalienischen Seen einen regelmäßigen Tageswind hat. Im Nordteil, der zwischen steilen Hängen liegt, ist der Wind meist verlässlicher als im flacheren Süden. Segelschulen und Verleihstationen gibt es in mehreren Orten. Motorboote sind zugelassen, unterliegen aber örtlichen Auflagen.
Radfahren funktioniert am Iseosee besser als an vielen anderen italienischen Seen. Am Südufer und im Hinterland verlaufen ausgeschilderte Radwege, unter anderem entlang des Oglio Richtung Valle Camonica. Eine komplette Seeumrundung ist möglich, führt streckenweise aber über Straßen mit Autoverkehr und durch Tunnel; das solltest du bei der Planung einkalkulieren. Wanderwege führen von den Orten am Ostufer in die Höhe, etwa auf den Monte Guglielmo, und im Norden in die Bergamasker Alpen.
Unmittelbar südlich des Iseosees beginnt die Franciacorta, ein Hügelgebiet zwischen Iseo, Rovato und Brescia. Der Schaumwein von dort wird in Flaschengärung hergestellt, also nach dem Metodo Classico, und trägt seit 1995 die Herkunftsbezeichnung DOCG. Franciacorta war damit das erste italienische Gebiet, das diese höchste Stufe für Schaumwein bekam. Zugelassen sind vor allem Chardonnay, Pinot Nero und Pinot Bianco, dazu die alte Brescianer Sorte Erbamat. Die Stilrichtung Satèn wird ausschließlich aus weißen Trauben erzeugt und reift mindestens 24 Monate auf der Hefe.
Für Besucher heißt das: kurze Wege zu Weingütern, viele davon mit Führung und Verkostung nach Voranmeldung, und eine Landschaft aus Rebhängen, Klöstern und Landhäusern, die sich gut mit dem Rad erschließt. Wer sich vorher einlesen will, findet einen Überblick über die wichtigsten italienischen Weinsorten bei uns.
Vier Ziele im Umkreis von rund einer Stunde lohnen sich besonders:
Aus Deutschland fährst du in der Regel über den Brennerpass und Verona oder über den Gotthard und Mailand. Ab München sind es grob 500 Kilometer, ab Frankfurt rund 800. Auf der Autobahn A4 zwischen Mailand und Brescia nimmst du die Ausfahrt Rovato oder Palazzolo sull'Oglio, von dort bist du in etwa 20 Minuten am Südufer. Mit der Bahn erreichst du Iseo über die Linie von Brescia durch das Valle Camonica nach Edolo; Brescia selbst liegt an der Fernverbindung von Mailand nach Verona. Nächstgelegener Flughafen ist Bergamo Orio al Serio, gut 40 Kilometer entfernt, danach folgen Verona und die Mailänder Flughäfen.
Aus Österreich ist der Brenner der kürzeste Weg. Ab Innsbruck sind es über Bozen, Trient und Verona grob 400 Kilometer, ab Wien deutlich mehr, dort lohnt eine Übernachtung unterwegs. Für Italien brauchst du keine Vignette: Auf den italienischen Autobahnen zahlst du an der Mautstelle nach gefahrener Strecke, die österreichische Vignette gilt nur bis zur Grenze.
Aus der Schweiz führen zwei Routen ans Ziel: über den Gotthard und Lugano nach Como und weiter über Bergamo, oder über den San Bernardino und Chiavenna. Ab Zürich sind es grob 350 Kilometer. Auf Schweizer Autobahnen gilt Vignettenpflicht, die Vignette gilt jeweils für ein Kalenderjahr und muss vor der Fahrt gekauft sein.
Zum Baden passen Juni bis Anfang September, im Juli und August ist es am See wärmer und voller, vor allem an den Fähranlegern nach Monte Isola. Für Wandern, Radfahren und die Franciacorta sind Mai und Juni sowie September und Oktober die besseren Monate: mildere Temperaturen, weniger Andrang, und im Herbst fällt die Weinlese in die Reisezeit. Im Winter ruht der Tourismus weitgehend, viele Betriebe am Ufer schließen dann.
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Wetterdaten © OpenWeather, aktualisiert alle 6 Std.
Durchschnittliche Tageshöchsttemperaturen im Jahresverlauf.
Am angenehmsten: April bis Mai sowie September bis Oktober.
| Region | Lombardei |
| Provinz | Brescia Bergamo |
| italienischer Name | Lago d'Iseo Sebino |
| englischer Name | Lake d'Iseo |
| deutscher Name | Iseosee |
| Zufluss | Oglio Borlezza |
| Abfluss | Oglio |
| Inseln | Monte Isola Isola di Loreto Isola di San Paolo |
| Höhe ü. M. | 185 m s.l.m. |
| max. Tiefe | 251 m |
| mittlere Tiefe | 124 m |
| Volumen | 9 km³ |
| Fläche | 65,3 km² |
| Länge | 20,4 km |
| Breite | 4,1 km |
| Einzugsgebiet | 1777 km² |
| Sportmöglichkeiten | Segeln Surfen |
| Besonderheiten | 2016 Ort des Kunstwerkes "Floating Piers" von Christo |
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