Basilica Palladiana
Ursprünglich bildeten zwei miteinander verbundene gotische Paläste, das "Palatium Vetus" und "Palatium Communis" - der…
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Asolo liegt in den Hügeln Venetiens, in der Provinz Treviso, dort, wo die venezianische Ebene in die Voralpen übergeht. Der Ort gehört zu den "Borghi più belli d'Italia", den offiziell schönsten Dörfern Italiens, und trägt seit dem 19. Jahrhundert einen Beinamen, der auf den Dichter Giosuè Carducci zurückgeht: die Stadt der hundert Horizonte. Gemeint ist die Lage auf einem Hügelkamm, von dem sich der Blick je nach Standort immer wieder neu öffnet, mal auf die Ebene bis Richtung Venedig, mal auf den Monte Grappa, mal auf die Rebhänge der Umgebung.
Die Gemeinde zählt rund 9.000 Einwohner, der historische Kern ist jedoch klein und in wenigen Stunden zu Fuß erkundet. Trotzdem hat Asolo eine Geschichte, die für einen Ort dieser Größe ungewöhnlich dicht ist: Hier hielt die abgedankte Königin von Zypern, Caterina Cornaro, zwanzig Jahre lang Hof. Hier schrieb der englische Dichter Robert Browning, hier lebte die Reiseschriftstellerin Freya Stark, und die Schauspielerin Eleonora Duse ließ sich auf eigenen Wunsch auf dem kleinen Friedhof von Sant'Anna beisetzen.
Dazu kommt der Wein: Die Hügel um Asolo sind ein eigenständiges Anbaugebiet für Prosecco mit eigener DOCG-Bezeichnung, unabhängig vom bekannteren Gebiet um Conegliano und Valdobbiadene. Wer Asolo besucht, verbindet den Ort deshalb am besten mit den Weingütern der Umgebung und mit zwei Ausflugszielen ersten Ranges: der Villa Barbaro in Maser und dem Canova-Ort Possagno. Treviso liegt rund 35 Kilometer entfernt, Venedig etwa 65 Kilometer.
Die prägendste Episode der Stadtgeschichte beginnt 1489. In diesem Jahr trat Caterina Cornaro, venezianische Patrizierin und durch Heirat Königin von Zypern, ihre Insel an die Republik Venedig ab. Als Ausgleich erhielt sie die Herrschaft über Asolo. Bis 1509 residierte sie hier und machte den kleinen Ort zu einem Zentrum der Renaissance: An ihrem Hof verkehrten Maler, Musiker und Gelehrte, darunter Lorenzo Lotto und der Humanist Pietro Bembo. Erst der Krieg der Liga von Cambrai zwang die Königin 1509 zur Rückkehr nach Venedig, wo sie 1510 starb.
Bembo setzte dem Hof ein literarisches Denkmal: Seine Dialoge über die Liebe, 1505 in Venedig erschienen, spielen in den Gärten der Königin und heißen nach dem Ort "Gli Asolani". Bembo erfand dazu sogar ein eigenes Verb, "asolare", das so viel bedeutet wie die Zeit angenehm und absichtslos verbringen. Fast vier Jahrhunderte später griff Robert Browning das Wort auf, als er seinen letzten Gedichtband "Asolando" nannte.
Das Castello della Regina Cornaro, die Burg mit dem weithin sichtbaren Uhrturm oberhalb des Zentrums, war zuvor Sitz der venezianischen Stadtherren und wurde 1489 zum Wohnsitz der Königin. Heute beherbergt der Bau das Stadttheater, das den Namen der Schauspielerin Eleonora Duse trägt. Erinnerungsstücke an Caterina Cornaro zeigt das Museo Civico im Palazzo della Ragione an der Piazza, darunter Porträts und Dokumente aus ihrer Asolaner Zeit.
Über allem thront die Rocca, eine Festung aus dem späten 12. Jahrhundert auf dem Gipfel des Monte Ricco, des Hausbergs direkt über der Altstadt. Erhalten ist im Wesentlichen der mächtige polygonale Mauerring; das Innere ist heute leer. Der Aufstieg beginnt in der Altstadt und führt in etwa 20 bis 30 Minuten teils steil über Treppenwege hinauf. Bequeme Schuhe sind sinnvoll, der Weg ist aber kurz und auch für ungeübte Besucher machbar.
Belohnt wird die Mühe mit dem besten Beispiel für die hundert Horizonte: Von der Mauerkrone reicht der Blick über die Dächer Asolos auf die venezianische Ebene, zum Massiv des Monte Grappa und über die Hügelketten der Umgebung. Bei klarer Sicht ist sogar das Band der Lagune am Horizont zu erahnen. Auch der Tempel von Possagno ist von hier oben als heller Punkt am Hang gegenüber zu erkennen.
Das Zentrum von Asolo besteht im Kern aus wenigen Straßenzügen, die sich um die Piazza Garibaldi gruppieren. Charakteristisch sind die durchgehenden Arkadengänge, unter denen sich Cafés, Weinbars und kleine Läden aneinanderreihen, dazu Palazzi mit teils freskierten Fassaden aus venezianischer Zeit. Auf der Piazza steht der Hauptbrunnen mit dem Markuslöwen, der noch immer von einem antiken römischen Aquädukt gespeist wird, das den Berg durchzieht. Aus derselben Leitung fließt das Wasser weiterer Brunnen im Ort, darunter die kleine Fontana Zen, die einst Reisende versorgte, die zu Fuß in der Stadt ankamen.
Wenige Schritte unterhalb der Piazza steht der Dom Santa Maria Assunta. Eine Kirche ist an dieser Stelle bereits für das 10. Jahrhundert belegt, ihre heutige Gestalt erhielt sie im 18. Jahrhundert. Im Inneren hängen zwei Altarbilder, die den Besuch lohnen: eine Himmelfahrt Mariens von Lorenzo Lotto aus dem Jahr 1506, entstanden noch im Umfeld des Hofes der Caterina Cornaro, sowie ein Werk von Jacopo Bassano, dem großen Maler aus dem nahen Bassano del Grappa.
Das Museo Civico im Palazzo della Ragione fasst die Stadtgeschichte zusammen, von archäologischen Funden aus römischer Zeit über die Epoche der Königin bis zu einem eigenen Raum für Eleonora Duse. Wer mehr Zeit mitbringt, folgt einfach den Gassen: Die Via Browning, benannt nach dem Dichter, führt mit ihren Arkaden und Handwerksläden vom Zentrum in Richtung Westen und gehört zu den schönsten Straßen des Ortes.
Kaum ein Ort dieser Größe hat so viele berühmte Wahlbewohner angezogen wie Asolo. Den Anfang machte Robert Browning: Der englische Dichter verlegte bereits 1841 die Handlung seiner Versdichtung "Pippa Passes" nach Asolo und kehrte im Alter mehrfach hierher zurück. Sein letzter Gedichtband "Asolando" erschien am 12. Dezember 1889 in London, am selben Tag starb Browning in Venedig. Der Titel war seine Verbeugung vor dem Ort und vor Bembos altem Kunstwort für das absichtslose Verweilen.
Eleonora Duse, um 1900 neben Sarah Bernhardt die berühmteste Schauspielerin der Welt, fand in Asolo ihren Rückzugsort. Sie starb 1924 während einer Tournee in Pittsburgh in den USA; ihrem Wunsch entsprechend wurde sie auf dem kleinen Friedhof der Kirche Sant'Anna am Osthang des Ortes beigesetzt. Ihr schlichtes Grab mit Blick auf den Monte Grappa ist bis heute ein Ziel für Theaterfreunde aus aller Welt.
Auf demselben Friedhof liegt Freya Stark, die britische Reiseschriftstellerin und Orient-Reisende, die viele Jahrzehnte in Asolo lebte und hier 1993 im Alter von 100 Jahren starb. Ihre Villa mit dem großen Garten gehörte zu den gesellschaftlichen Treffpunkten des Ortes. Der Spaziergang hinaus nach Sant'Anna dauert vom Zentrum etwa eine Viertelstunde und verbindet sich gut mit dem Aufstieg zur Rocca.
Asolo ist eines von nur zwei Gebieten Italiens, die dem Prosecco ihren Namen für eine DOCG-Bezeichnung leihen. Seit 2009 trägt der Schaumwein aus den Hügeln zwischen Asolo, Cornuda und dem Montello die höchste italienische Qualitätsstufe, zunächst unter dem Namen Colli Asolani, heute als Asolo Prosecco DOCG. Das Gebiet ist deutlich kleiner als die bekannte Nachbar-DOCG Conegliano Valdobbiadene auf der anderen Seite des Piave und galt lange als Geheimtipp, holt aber bei Qualität und Bekanntheit seit Jahren auf.
Grundlage ist wie bei jedem Prosecco die Rebsorte Glera, die mindestens 85 Prozent der Cuvée ausmachen muss; ergänzt werden dürfen lokale Sorten wie Bianchetta Trevigiana, Perera und Verdiso. Die Kalk- und Tonböden der Colli Asolani geben den Weinen eine feine, oft etwas herbere Art als im übrigen Prosecco-Gebiet, und viele Erzeuger bauen bewusst trocken aus, bis hin zur Stufe Extra Brut. Zahlreiche Weingüter rund um den Ort bieten Verkostungen an, meist nach Voranmeldung. Wer die Landschaft dazu sehen will, fährt oder radelt die Hügelstraßen Richtung Cornuda und Monfumo ab, vorbei an Weinbergen, Olivenhainen und einzelnen Zypressenreihen.
Nur rund sieben Kilometer östlich von Asolo steht in Maser eines der bedeutendsten Bauwerke der Renaissance: die Villa Barbaro, die Andrea Palladio zwischen 1554 und 1560 für die Brüder Daniele und Marcantonio Barbaro errichtete. Die Innenräume schmücken Fresken von Paolo Veronese, die zu den besten Werken der venezianischen Malerei des 16. Jahrhunderts zählen. Die Villa gehört seit 1996 zum UNESCO-Welterbe der palladianischen Villen Venetiens und ist zu regulären Zeiten für Besucher geöffnet; die aktuellen Öffnungstage nennt die Website des Hauses. Wer sich für Palladio begeistert, findet in Vicenza die städtische Seite seines Werks.
Etwa elf Kilometer nördlich liegt Possagno, der Geburtsort des Bildhauers Antonio Canova. Über dem Dorf erhebt sich der Tempio Canoviano, ein monumentaler Rundbau nach dem Vorbild des Pantheon, den Canova selbst entwarf und stiftete; Baubeginn war 1819, vollendet wurde der Tempel nach seinem Tod, und im Inneren befindet sich sein Grab. Im Ort selbst zeigt die Gypsotheca im und am Geburtshaus die Gipsmodelle seiner Skulpturen, untergebracht auch in einem vielbeachteten Erweiterungsbau von Carlo Scarpa. Für beide Orte zusammen reicht ein halber Tag.
Nach Westen bietet sich Bassano del Grappa mit seiner berühmten Holzbrücke und den Grappa-Brennereien an, gut 15 Kilometer entfernt. Und wer den Aufenthalt verlängert, erreicht mit Padua und Venedig zwei Kunststädte in Tagesausflugsdistanz. Weitere Ziele in der Region versammelt die Übersicht der Ausflugsziele in Venetien.
Asolo hat keinen eigenen Bahnhof. Die nächstgelegenen Stationen sind Montebelluna, rund zwölf Kilometer entfernt und von Treviso aus per Regionalzug erreichbar, sowie Castelfranco Veneto an den Strecken von Venedig und Padua. Von beiden Bahnhöfen fahren Busse des Verkehrsverbunds MOM (Mobilità di Marca) nach Asolo; ab Castelfranco dauert die Fahrt mit der Linie 204 etwa eine halbe Stunde. Die Busse halten unterhalb der Altstadt, den Rest erledigt man zu Fuß.
Mit dem Auto kommt man über die Ausfahrten der Autobahnen A27 (über Treviso) oder A31 beziehungsweise über die Landstraßen aus Richtung Bassano und Montebelluna. Die Altstadt selbst ist verkehrsberuhigt, geparkt wird auf den ausgeschilderten Plätzen unterhalb des Zentrums, von denen aus kurze Fußwege hinaufführen. Die nächsten Flughäfen sind Treviso, etwa 35 Kilometer entfernt und Ziel vieler Direktflüge aus Deutschland und Österreich, sowie Venedig Marco Polo mit rund 65 Kilometern Entfernung.
Die beste Reisezeit sind das Frühjahr von April bis Juni und der frühe Herbst. Im Mai und Juni leuchten die Hügel grün, im September und Oktober locken Weinlese und klare Fernsicht, die der Stadt der hundert Horizonte am meisten schmeichelt. Der Sommer ist gut machbar, da die Hügellage etwas Abkühlung gegenüber der Ebene bringt; an Augustwochenenden kann es im kleinen Zentrum allerdings voll werden. Im Winter ist Asolo still, viele Lokale öffnen dann nur eingeschränkt, dafür hat man Gassen und Rocca fast für sich.
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