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Treviso: Romantischer Geheimtipp in Venetien

Treviso wird gern die kleine Schwester Venedigs genannt, und die Verwandtschaft ist unübersehbar: Kanäle durchziehen die Altstadt, Markuslöwen wachen über den Stadttoren, und jahrhundertelang regierte hier die Serenissima. Doch wer die Provinzhauptstadt mit ihren rund 85.000 Einwohnern nur als Vorprogramm für Venedig abhakt, verpasst eine der lebenswertesten Städte Venetiens. Treviso hat einen eigenen Rhythmus, eine eigene Küche und Kunstwerke, für die Kenner eigens anreisen. Das Wasser prägt die Stadt bis heute. Der Sile, ein klarer Quellfluss, umfließt die Altstadt im Süden, während sich der Botteniga im Norden in mehrere Kanalarme teilt, die hier Cagnan heißen. Dazwischen liegt ein dichtes Geflecht aus Gassen, Laubengängen und Plätzen, eingefasst von einer fast vollständig erhaltenen Stadtmauer aus dem 16. Jahrhundert. Weil viele Hausfassaden einst...
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Treviso wird gern die kleine Schwester Venedigs genannt, und die Verwandtschaft ist unübersehbar: Kanäle durchziehen die Altstadt, Markuslöwen wachen über den Stadttoren, und jahrhundertelang regierte hier die Serenissima. Doch wer die Provinzhauptstadt mit ihren rund 85.000 Einwohnern nur als Vorprogramm für Venedig abhakt, verpasst eine der lebenswertesten Städte Venetiens. Treviso hat einen eigenen Rhythmus, eine eigene Küche und Kunstwerke, für die Kenner eigens anreisen.

Das Wasser prägt die Stadt bis heute. Der Sile, ein klarer Quellfluss, umfließt die Altstadt im Süden, während sich der Botteniga im Norden in mehrere Kanalarme teilt, die hier Cagnan heißen. Dazwischen liegt ein dichtes Geflecht aus Gassen, Laubengängen und Plätzen, eingefasst von einer fast vollständig erhaltenen Stadtmauer aus dem 16. Jahrhundert. Weil viele Hausfassaden einst bemalt waren und etliche Fresken bis heute erhalten sind, trägt Treviso den Beinamen urbs picta, die bemalte Stadt.

Treviso ist zudem eine wohlhabende Wirtschaftsstadt. Der Modekonzern Benetton wurde 1965 hier gegründet und hat seinen Sitz bis heute im benachbarten Ponzano Veneto. Und kulinarisch spielt die Stadt in der ersten Liga: Das Tiramisu hat hier eine seiner glaubwürdigsten Wurzeln, der Radicchio Rosso di Treviso trägt ein geschütztes Herkunftssiegel, und die Weinberge des Prosecco beginnen eine halbe Autostunde vor den Toren der Stadt.

Kanäle, Wassermühlen und die Fischmarkt-Insel

Der schönste Einstieg in die Stadt führt am Wasser entlang. Der bekannteste Kanal ist der Canale dei Buranelli, benannt nach Kaufleuten von der Laguneninsel Burano, die sich einst an seinem Ufer niederließen. Alte Bürgerhäuser stehen hier direkt am Wasser, Weiden hängen über den Kanal, und von den kleinen Brücken ergeben sich die meistfotografierten Blicke Trevisos. Nur wenige Schritte weiter drehen sich an einigen Kanalarmen noch hölzerne Wasserräder, Überbleibsel der Mühlen, die jahrhundertelang vom Wasser des Botteniga angetrieben wurden.

Mitten im Stadtzentrum liegt die Isola della Pescheria, eine kleine Insel im Cagnan, die über zwei Brücken erreichbar ist. Seit dem 19. Jahrhundert wird hier der Fischmarkt der Stadt abgehalten, unter der Woche vormittags, mit frischem Fang aus Adria und Lagune. Rund um die Insel und in den angrenzenden Gassen sitzt man abends in Osterien und Bacari beim Aperitif, oft mit einem Glas Prosecco und Cicchetti, den venezianischen Häppchen. Wer mehr Natur möchte, folgt dem Sile auf der Restera, einem alten Treidelpfad, der von der Altstadt flussabwärts Richtung Casier führt und sich gut zu Fuß oder mit dem Rad erkunden lässt.

Piazza dei Signori und der Calmaggiore

Das Herz der Altstadt ist die Piazza dei Signori. An ihrer Stirnseite steht der Palazzo dei Trecento, ein wuchtiger Backsteinbau aus dem 13. Jahrhundert, in dem einst der Rat der Dreihundert tagte. Beim schweren Luftangriff vom 7. April 1944, der große Teile Trevisos zerstörte, wurde auch dieser Palast getroffen und in den Nachkriegsjahren sorgfältig wiederaufgebaut. Heute dient er der Stadt für Ausstellungen und Veranstaltungen, und die Freitreppe an seiner Rückseite ist ein beliebter Treffpunkt. Daneben erheben sich der Stadtturm und der Palazzo del Podestà, ringsum reihen sich Cafés unter den Arkaden.

Zwei Kuriositäten liegen nur wenige Schritte entfernt. Wenige Gehminuten von der Piazza steht die Loggia dei Cavalieri, eine offene Loggia aus dem Jahr 1277, in der sich einst der Stadtadel zu Gespräch und Spiel traf; an den Wänden haben sich Reste mittelalterlicher Fresken erhalten, darunter Szenen aus dem Trojanischen Krieg. Und in einem Hof nahe dem Palazzo dei Trecento findet sich eine Kopie der Fontana delle Tette, eines Brunnens von 1559 in Form eines weiblichen Torsos. Zur Amtseinführung eines neuen Podestà floss aus ihm der Überlieferung nach drei Tage lang Wein statt Wasser, weiß aus der einen, rot aus der anderen Brust, ein Brauch, der bis zum Ende der Republik Venedig 1797 gepflegt worden sein soll.

Von der Piazza zum Dom verläuft der Calmaggiore, die traditionelle Hauptstraße Trevisos, die dem Verlauf einer Straße des römischen Tarvisium folgt. Beidseitig begleiten Laubengänge die Flaniermeile, darüber entdeckt man immer wieder Reste alter Fassadenmalereien. Der Calmaggiore ist zugleich die eleganteste Einkaufsstraße der Stadt, mit Modegeschäften, Feinkostläden und Traditionscafés. Wer mit offenen Augen durch die Seitengassen streift, findet bemalte Hausfronten, gotische Fenster und stille Innenhöfe, die den Beinamen der bemalten Stadt verständlich machen.

Der Dom und Tizians Verkündigung

Der Dom San Pietro am Ende des Calmaggiore wirkt von außen mit seiner klassizistischen Säulenvorhalle aus dem 19. Jahrhundert eher nüchtern, birgt aber einen der wichtigsten Kunstschätze der Stadt. In der Malchiostro-Kapelle links neben dem Hochaltar hängt eine Verkündigung von Tizian, entstanden um 1520 im Auftrag von Broccardo Malchiostro, dem Sekretär des damaligen Bischofs. Tizian bricht darin mit den Sehgewohnheiten seiner Zeit: Maria rückt in den Vordergrund, der Engel drängt aus dem Hintergrund auf sie zu, getragen von einem Strahl göttlichen Lichts.

Die Kapelle selbst wurde um 1519 vollendet und mit Fresken von Il Pordenone ausgestaltet, sodass hier zwei bedeutende Maler der venezianischen Renaissance direkt nebeneinander zu sehen sind. Sehenswert ist außerdem die romanische Krypta unter dem Chor mit ihrem Wald aus alten Säulen, einer der ältesten erhaltenen Teile des Doms. Der Eintritt in den Dom ist frei, angemessene Kleidung wird wie in allen italienischen Kirchen erwartet.

San Nicolò und die älteste Brille der Kunstgeschichte

Die größte Kirche Trevisos steht im Südwesten der Altstadt: San Nicolò, eine gotische Backsteinkirche der Dominikaner mit mächtigen Rundpfeilern, die im Inneren mit Heiligenfresken bemalt sind, darunter Arbeiten von Tommaso da Modena aus dem 14. Jahrhundert. Schon allein die Dimensionen des Baus lohnen den Besuch, dazu kommt ein riesiges Christophorus-Fresko an der Seitenwand.

Das eigentliche Highlight liegt gleich nebenan im ehemaligen Dominikanerkonvent, dem heutigen Priesterseminar. Im Kapitelsaal malte Tommaso da Modena im Jahr 1352 vierzig Porträts berühmter Dominikaner, jeden an seinem Schreibpult, lesend, schreibend, nachdenkend. Eines dieser Porträts zeigt Kardinal Hugo von Saint-Cher mit einer Nietbrille auf der Nase. Es gilt als die früheste bekannte Darstellung einer Brille in der Kunstgeschichte, entstanden nur wenige Jahrzehnte nach der Erfindung der Sehhilfe in Italien. Andere Gelehrte im selben Zyklus arbeiten mit Lesestein und Lupe, was den Saal auch zu einem kleinen Museum mittelalterlicher Lesetechnik macht.

Die venezianische Stadtmauer

Ihren geschlossenen Mauerring verdankt die Stadt der Republik Venedig. Nach den Kriegen der Liga von Cambrai ließ die Serenissima die mittelalterlichen Befestigungen ab 1509 durch eine moderne Anlage ersetzen, geplant von Fra Giocondo, einem der bedeutendsten Festungsbaumeister seiner Zeit. Wassergräben, Erdwälle und Bastionen machten Treviso zu einem Eckpfeiler der venezianischen Verteidigung auf dem Festland.

Drei Stadttore sind erhalten, allen voran die 1518 vollendete Porta San Tomaso im Norden, ein prunkvoller Bau aus istrischem Stein, gekrönt vom geflügelten Markuslöwen. Auf und an den Wällen verläuft heute eine grüne Promenade, die sich für einen Spaziergang um die Altstadt anbietet, mit Blick über Gräben, Gärten und an klaren Tagen bis zu den Voralpen. Wer die Stadt an einem Tag besucht, kann die Runde gut mit dem Besuch der Kanäle im Nordteil der Altstadt verbinden.

Tiramisu, Radicchio und die Küche Trevisos

Kaum eine italienische Süßspeise ist weltweit so bekannt wie das Tiramisu, und Treviso hat auf seine Erfindung den am besten dokumentierten Anspruch. Nach der in der Stadt gepflegten Überlieferung entstand das Dessert um 1970 im Restaurant Le Beccherie nahe der Piazza dei Signori, entwickelt von der Wirtsfamilie Campeol gemeinsam mit dem Koch Roberto Linguanotto und 1972 erstmals auf der Karte geführt. Ganz unumstritten ist die Geschichte nicht, auch das benachbarte Friaul beansprucht die Erfindung für sich. Fest steht: Im Le Beccherie, das bis heute existiert, lässt sich das Tiramisu an einem seiner mutmaßlichen Geburtsorte probieren.

Herzhafte Spezialität der Stadt ist der Radicchio Rosso di Treviso, ein tiefroter Zichoriensalat mit geschützter geografischer Angabe. Die edelste Variante, der spät geerntete Tardivo, kommt erst nach den ersten Frösten vom Feld und wird anschließend in Quellwasser nachgetrieben, was ihm seine zarten, leicht bitteren Herzblätter verleiht. Von November bis in den Winter hinein steht er überall auf den Speisekarten, als Risotto, gegrillt oder im Salat. Dazu trinkt man in Treviso selbstverständlich Prosecco, denn das wichtigste Anbaugebiet des Schaumweins liegt direkt vor der Haustür.

Ausflüge: Venedig, Asolo und die Prosecco-Hügel

Kein Ausflugsziel liegt näher als Venedig. Regionalzüge fahren tagsüber mehrmals pro Stunde vom Bahnhof Treviso Centrale zum Bahnhof Venezia Santa Lucia, die Fahrt dauert je nach Verbindung 30 bis 40 Minuten. Viele Urlauber machen es deshalb umgekehrt wie die Tagestouristen: Sie wohnen im günstigeren und ruhigeren Treviso und besuchen die Lagunenstadt von hier aus.

Nördlich von Treviso beginnen die Hügel des Prosecco Superiore. Die Weinlandschaft zwischen Conegliano und Valdobbiadene mit ihren steilen, handbewirtschafteten Rebterrassen gehört seit 2019 zum UNESCO-Welterbe. Eine ausgeschilderte Weinstraße verbindet Kellereien, Aussichtspunkte und Dörfer, Verkostungen sind fast überall möglich. Lohnend ist auch Asolo, ein Bergstädtchen rund 35 Kilometer nordwestlich, das mit Burg, Villen und weitem Blick über die Ebene zu den schönsten Orten Venetiens zählt. Wer mehr Kunst sehen möchte, erreicht mit dem Zug in einer knappen Stunde Padua mit Giottos Fresken in der Cappella degli Scrovegni. Weitere Ziele in der Umgebung versammelt die Übersicht der Ausflugsziele in Venetien.

Anreise und beste Reisezeit

Treviso hat einen eigenen Flughafen: Der Aeroporto Antonio Canova (TSF) liegt nur etwa drei Kilometer westlich des Zentrums und wird vor allem von Ryanair und Wizz Air angeflogen, die ihn als Flughafen Venedig-Treviso vermarkten. Vom Terminal gelangt man mit Stadtbus oder Taxi in wenigen Minuten in die Altstadt. Alternativ bietet sich der Flughafen Venedig Marco Polo an, der rund 20 Kilometer südlich liegt. Mit der Bahn ist Treviso über die Linie Venedig Richtung Udine angebunden, aus Deutschland reist man in der Regel über Verona und Venedig-Mestre an. Autofahrer nehmen die A27 zwischen Mestre und Belluno mit den Ausfahrten Treviso Sud und Treviso Nord; innerhalb des Mauerrings ist das Parken stark eingeschränkt, Parkplätze finden sich rund um die Altstadt. Allgemeine Hinweise bündelt die Seite zur Anreise nach Italien.

Die beste Reisezeit sind Frühjahr und Herbst. Von April bis Juni und im September und Oktober ist es angenehm warm, ohne dass die schwüle Sommerhitze der venetischen Ebene drückt. Der Hochsommer eignet sich gut für Abende an den Kanälen, tagsüber kann es jedoch heiß und feucht werden. Ein eigener Reiz liegt im Spätherbst und Winter: Dann hat der Radicchio Tardivo Saison, die Stadt zeigt sich ohne Touristenströme, und ein Tiramisu im warmen Lokal schmeckt an einem nebligen Dezembertag noch einmal besser.

Über den Autor

Marcus

Mitgründer von italien.de Reiseziele und Küche

Marcus fährt seit 2002 mehrmals im Jahr nach Italien, vom Norden bis in den Süden, mit einer Schwäche für die Toskana rund um Siena und Florenz. Zu Hause steht er nach Nonna-Art am Herd, und über seine Carbonara lässt er nicht mit sich verhandeln.

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Durchschnittliche Tageshöchsttemperaturen im Jahresverlauf.

Klima im Jahresverlauf

Am angenehmsten: April bis Juni sowie September bis Oktober.

Beste ReisezeitÜbrige Monate

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Gut zu wissen

Informationen

Informationen über Treviso

Region Venetien
Provinz Treviso
Einwohner­zahl 83.950
Provinzkürzel TV
Postleitzahl 31100
Vorwahl 0422
Prominente Bürger Luciano Benetton (Unternehmer)
Paris Bordone (Maler)
Renato Casaro (Illustrator)
Kuki Gallmann (Autorin)
Produkte / Marken Benetton Group
Electrolux
DeLonghi
Geox
Pinarello
Städte­partnerschaft Caen (Frankreich)
Curitiba (Brasilien)
Neuquén (Argentinien)
Sarasota (USA)
Timișoara (Rumänien)
Sport Sisley Volley Treviso (Volleyball)
FBC Treviso (Fußball)
Pallacanestro Treviso (Baketball)
Benetton Rugby Treviso (Rugby)
Lage bei Venedig gelegen
Häufige Fragen

Treviso: Häufige Fragen

Die wichtigsten Antworten für deine Reiseplanung auf einen Blick.

Was sind die wichtigsten Sehenswürdigkeiten in Treviso?
Zu den bekanntesten zählen Cappella degli Scrovegni, Botanischer Garten Padua und Markusdom. Die vollständige Übersicht findest du im Abschnitt Sehenswürdigkeiten.
Wann ist die beste Reisezeit für Treviso?
Am angenehmsten sind April bis Juni sowie September bis Oktober. Im Hochsommer erreichen die Tageshöchstwerte bis zu 28 Grad, der Winter fällt ruhiger und kühler aus.
Wie reist man nach Treviso an?
Die meisten Gäste aus Deutschland, Österreich und der Schweiz kommen mit dem eigenen Auto. Wer fliegen möchte, nutzt den nächstgelegenen Flughafen Marco Polo (VCE) und fährt von dort mit Bahn, Bus oder Mietwagen weiter.
Wie viele Tage sollte man für Treviso einplanen?
Für die wichtigsten Höhepunkte solltest du zwei bis drei Tage einplanen. Wer auch die Umgebung erkunden möchte, bleibt gern länger.
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