Burano gehört zu den Inseln in der Lagune von Venedig und liegt rund sieben Kilometer nordöstlich der berühmten Stadt. Wer über das Wasser heranfährt, sieht schon von Weitem, was diese Insel so besonders macht: dicht gedrängte Fischerhäuser in kräftigem Blau, Rot, Gelb und Grün, gespiegelt in schmalen Kanälen. Burano ist klein, ruhig und ganz auf das Leben am Wasser eingestellt. Zwei Dinge haben die Insel weltberühmt gemacht, die leuchtend bunten Fassaden und die feine Spitze, die hier seit Jahrhunderten von Hand geklöppelt wird.
Anders als das nahe Venedig kennt Burano keine großen Palazzi und keine Prunkkirchen. Der Reiz liegt im Kleinen, in den Gassen zwischen den Häusern, in der Wäsche, die über den Kanälen hängt, und in den Booten, die vor den Türen vertäut sind. Ein halber Tag reicht, um die Insel zu Fuß zu erkunden, und viele verbinden den Besuch mit einem Abstecher auf die Nachbarinseln Torcello und Murano. Burano liegt in der Region Venetien und lässt sich das ganze Jahr über als Tagesausflug von Venedig aus besuchen.
Die bunten Häuser von Burano
Das Wahrzeichen der Insel sind ohne Zweifel die farbenfrohen Häuser. Fast jede Fassade trägt einen anderen Anstrich, und die Reihen aus leuchtenden Würfeln ergeben ein Bild, das man so kein zweites Mal findet. Über die Herkunft der Farben gibt es mehrere Überlieferungen. Am bekanntesten ist die Erzählung, dass die kräftigen Töne den Fischern zur Orientierung dienten, wenn sie bei Nebel über die Lagune nach Hause ruderten und ihr Haus schon von der Ferne erkennen wollten. Andere Deutungen sehen darin schlicht eine alte Tradition, mit der die Grundstücke der einzelnen Familien voneinander abgegrenzt wurden.
Bis heute ist die Farbgebung nicht dem Zufall überlassen. Wer sein Haus neu streichen möchte, muss die gewünschte Farbe bei der Gemeinde anmelden, die dann vorgibt, welche Töne an der jeweiligen Stelle zulässig sind. So bleibt das charakteristische Muster aus kontrastierenden Fassaden erhalten. Für Besucher bedeutet das vor allem eines: Burano ist ein Ort zum Spazieren und Schauen. Rund um die Kanäle und entlang der Fondamenta reiht sich ein Fotomotiv an das nächste, und in den frühen Morgenstunden oder am späten Nachmittag, wenn die Tagesgäste abgereist sind, zeigt sich die Insel von ihrer stillsten Seite. Ein Ort ist unter Fotografen besonders bekannt geworden, das farbenfroh bemalte Casa Bepi Suà nahe der Piazza, dessen Fassade mit leuchtend bunten geometrischen Mustern bedeckt ist und das an einen früheren Bewohner erinnert, der sein Haus eigenwillig gestaltete.
Spitzenklöppelei und das Museo del Merletto
Neben den Farben ist Burano vor allem für sein Kunsthandwerk bekannt, die Spitze, auf Italienisch merletto. Bereits im 16. Jahrhundert war die Buranelli-Spitze in ganz Europa gefragt und schmückte die Gewänder von Adel und Klerus. Berühmt wurde die Insel für eine besonders anspruchsvolle Nadeltechnik, bei der das Muster gleichsam frei in der Luft entsteht, ohne stützendes Gewebe. Diese aufwendige Handarbeit brauchte viele Hände, denn an einem einzigen Stück arbeiteten oft mehrere Frauen, jede auf einen einzelnen Arbeitsschritt spezialisiert. Ein größeres Stück konnte so Monate in Anspruch nehmen.
Wer tiefer in diese Tradition eintauchen möchte, besucht das Museo del Merletto, das Spitzenmuseum an der Piazza Galuppi. Es ist im Gebäude der einstigen Klöppelschule untergebracht und zeigt kostbare historische Stücke, Musterbücher und Werkzeuge. Oft sitzen ältere Buranelli-Frauen im Museum und führen die Technik vor, sodass sich verfolgen lässt, wie eine Spitze Stich für Stich wächst. In den Läden der Insel wird viel Spitze angeboten, doch längst nicht alles stammt aus heimischer Fertigung. Echte Handarbeit von Burano hat ihren Preis, und ein Blick auf Herkunft und Verarbeitung lohnt sich, bevor man ein Souvenir kauft.
Piazza Galuppi und die Kirche San Martino
Das Zentrum der Insel ist die Piazza Baldassarre Galuppi, der einzige große Platz von Burano und zugleich der einzige, der nicht an einem Kanal liegt. Benannt ist er nach dem Komponisten Baldassare Galuppi, der 1706 auf der Insel geboren wurde und im 18. Jahrhundert als Meister der komischen Oper zu europäischem Ruhm gelangte. Ein Denkmal auf dem Platz erinnert an ihn. Rund um die Piazza reihen sich Cafés, Restaurants und Läden, und an ihr liegen sowohl das Spitzenmuseum als auch die Pfarrkirche der Insel.
Die Kirche San Martino stammt aus dem 16. und 17. Jahrhundert und birgt im Inneren unter anderem eine Kreuzigung von Giambattista Tiepolo. Bekannter als die Kirche selbst ist jedoch ihr Campanile. Der schlanke Glockenturm ist deutlich aus dem Lot geraten und neigt sich sichtbar zur Seite, verursacht durch den weichen, nachgebenden Untergrund der Lagune. Von vielen Punkten der Insel und schon bei der Anfahrt über das Wasser ist der schiefe Turm zu sehen, und er gehört neben den bunten Häusern zu den meistfotografierten Motiven von Burano.
Inselküche und lokale Spezialitäten
Burano ist seit jeher eine Fischerinsel, und das schlägt sich auf den Speisekarten nieder. In den Trattorien rund um die Piazza und entlang der Kanäle stehen Fisch und Meeresfrüchte aus der Lagune im Mittelpunkt. Typisch sind Vorspeisen aus der Lagunenküche, Risotto mit Fisch, das im nahen Venetien beliebte Risotto de gò aus der Grundel der Lagune sowie Spaghetti mit Venusmuscheln. Wer mittags aus dem Trubel der Tagesgäste heraus möchte, findet in den kleineren Lokalen abseits des Hauptwegs oft die ruhigeren Plätze.
Eine Süßigkeit gehört fest zu Burano, die Bussolà, ein ringförmiges Buttergebäck, das es auch in S-Form unter dem Namen Buranei gibt. Traditionell werden diese trockenen Kekse zum Abschluss einer Mahlzeit gereicht und in süßen Wein getunkt. In den Bäckereien der Insel liegen sie in großen Körben aus und eignen sich gut als haltbares Mitbringsel. Zusammen mit einem Glas Wein sind sie die einfachste und zugleich echteste kulinarische Erinnerung, die man von der Insel mitnehmen kann. Wer Zeit mitbringt, sollte für eine Mahlzeit oder wenigstens einen Kaffee auf der Insel bleiben, denn Burano zeigt sich am schönsten, sobald die letzten Boote der Tagesgäste abgelegt haben und die Insel wieder zu ihrem eigenen, gemächlichen Takt zurückfindet.
Torcello und Murano als Nachbarinseln
Burano lässt sich gut mit den benachbarten Laguneninseln zu einem Tagesprogramm verbinden. Nur wenige Minuten mit dem Boot entfernt liegt das stille Torcello, die älteste besiedelte Insel der Lagune. Hier stand einst eine blühende Stadt, von der heute nur noch wenige Zeugen erhalten sind. Bedeutendster darunter ist die Kathedrale Santa Maria Assunta, deren Ursprünge bis ins 7. Jahrhundert zurückreichen. Berühmt ist sie für ihre byzantinischen Goldmosaike, allen voran ein gewaltiges Weltgericht an der Westwand. Wer den schlanken Campanile daneben erklimmt, wird mit einem weiten Blick über die Lagune belohnt.
In die andere Richtung liegt Murano, die Insel der Glasbläser. Seit dem 13. Jahrhundert wird hier Glas hergestellt, nachdem die Öfen aus Brandschutzgründen aus Venedig auf die Insel verlegt worden waren. In den Werkstätten lässt sich das Handwerk noch heute bei der Arbeit erleben, und das Glasmuseum erzählt die lange Geschichte der Kunst. Viele Anbieter fassen Murano, Burano und Torcello zu einer gemeinsamen Bootstour zusammen, doch die drei Inseln lassen sich mit den regulären Linien des öffentlichen Wasserverkehrs ebenso gut auf eigene Faust erkunden.
Anreise und beste Reisezeit
Burano ist ausschließlich über das Wasser erreichbar. Vom nördlichen Rand Venedigs, von der Haltestelle Fondamente Nove, verkehrt die Vaporetto-Linie 12 des öffentlichen Nahverkehrs direkt zur Insel. Die Fahrt dauert je nach Route etwa vierzig bis fünfundvierzig Minuten und führt an der Friedhofsinsel San Michele und an Murano vorbei durch die offene Lagune. Die Boote fahren tagsüber im Takt von etwa einer halben Stunde. Von Murano aus ist Burano ebenfalls mit der Linie 12 zu erreichen, und für den kurzen Sprung nach Torcello gibt es eine eigene Zubringerlinie. Wer zunächst von Deutschland aus nach Venetien reist, findet allgemeine Hinweise auf der Seite zur Anreise nach Italien.
Für einen Besuch eignen sich das Frühjahr und der Herbst am besten, wenn das Licht klar ist und die Farben der Häuser besonders leuchten, ohne dass sich die Gassen in der Mittagshitze stauen. Im Hochsommer ist Burano ein beliebtes Ziel und mittags gut besucht, weshalb sich ein früher Start oder der späte Nachmittag lohnt, wenn die Tagesausflügler die Insel wieder verlassen haben. Auch der Winter hat seinen Reiz, denn an ruhigen, klaren Tagen liegt die Insel fast menschenleer da und zeigt sich so, wie sie über Jahrhunderte war, als kleines Fischerdorf am Rand der Lagune.












































