Biblioteca Malatestiana
Die Biblioteca Malatestiana in Cesena: die älteste bürgerliche Bibliothek Europas und UNESCO-Dokumentenerbe. Geschichte und Tipps…
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Ravenna liegt im Osten der Emilia-Romagna, rund zehn Kilometer von der Adriaküste entfernt, und beherbergt auf engstem Raum eine Sammlung spätantiker Kunst, die in Europa ihresgleichen sucht. Acht frühchristliche Bauwerke aus dem 5. und 6. Jahrhundert stehen seit 1996 auf der Welterbeliste der UNESCO. Ihr Inneres schmücken Mosaiken aus Millionen von Glas- und Steinwürfeln, deren Gold- und Blautöne nach 1.500 Jahren nichts von ihrer Leuchtkraft verloren haben.
Dass eine Stadt mit heute gut 150.000 Einwohnern solche Schätze besitzt, erklärt die Geschichte: Ravenna war dreimal Hauptstadt. Ab 402 residierten hier die weströmischen Kaiser, ab 493 machte der Ostgotenkönig Theoderich die Stadt zum Zentrum seines Reiches, und nach der byzantinischen Eroberung wurde Ravenna Sitz des Exarchats, des oströmischen Statthalters in Italien. Jede dieser drei Epochen hat Bauwerke hinterlassen, die bis heute stehen.
Ravenna ist aber kein reines Freilichtmuseum. Zum Gemeindegebiet gehören rund 35 Kilometer Sandstrand mit neun Badeorten, den sogenannten Lidi, dazu Pinienwälder und die Lagunenlandschaft am Rand des Po-Deltas. Wer Kultur und Strandurlaub verbinden will, findet an der oberen Adria kaum einen besseren Standort.
Im Jahr 402 verlegte Kaiser Honorius seine Residenz von Mailand nach Ravenna. Die Stadt war damals von Sümpfen umgeben und nur über wenige Zugänge erreichbar, dazu kam der nahe Militärhafen Classis. Diese geschützte Lage machte sie zur sichersten Hauptstadt, die das bedrängte Weströmische Reich noch finden konnte. Hier regierte auch Galla Placidia, die Halbschwester des Honorius, als Mutter des Kaisers Valentinian III. zeitweise faktisch das Reich. In Ravenna endete 476 mit der Absetzung des letzten Kaisers Romulus Augustulus das Weströmische Reich.
Es folgte die zweite große Epoche: Der Ostgotenkönig Theoderich nahm die Stadt 493 ein und regierte von hier aus über drei Jahrzehnte ein Reich, das weite Teile Italiens umfasste. Unter seiner Herrschaft entstanden neue Kirchen und Paläste, römische Verwaltung und gotisches Königtum bestanden nebeneinander. Nach Theoderichs Tod eroberten die Truppen des oströmischen Kaisers Justinian die Stadt. Vom Ende des 6. Jahrhunderts bis zur Eroberung durch die Langobarden im Jahr 751 war Ravenna schließlich Hauptstadt des byzantinischen Exarchats und damit der wichtigste Stützpunkt Konstantinopels auf italienischem Boden.
Die Basilica di San Vitale ist das berühmteste der acht Welterbe-Monumente. Der achteckige Zentralbau wurde 547 geweiht und birgt im Chorraum die bekanntesten Mosaiken der Stadt: Kaiser Justinian und Kaiserin Theodora mit ihrem Hofstaat, dargestellt in Gold, Purpur und leuchtenden Farben. Die beiden Herrscherbilder gelten als Hauptwerke byzantinischer Kunst, obwohl das Kaiserpaar Ravenna nie selbst besucht hat. Wer die Details der Gewänder, Gesichter und Ornamente in Ruhe betrachten will, sollte früh am Tag kommen, denn San Vitale ist die meistbesuchte Kirche der Stadt.
Direkt neben San Vitale steht das kleine, kreuzförmige Mausoleum der Galla Placidia aus der ersten Hälfte des 5. Jahrhunderts. Von außen ein schlichter Ziegelbau, entfaltet es innen eine der eindrucksvollsten Raumwirkungen der Spätantike: Die Gewölbe zeigen einen tiefblauen Himmel mit Hunderten goldener Sterne, dazu Darstellungen des guten Hirten und der Apostel. Ob Galla Placidia tatsächlich hier bestattet wurde, ist historisch nicht gesichert, sie starb 450 in Rom. Der Andrang ist groß, der Zutritt zeitlich begrenzt, ein gebuchtes Zeitfenster gehört hier zur Regel.
Sant'Apollinare Nuovo, um das Jahr 500 als Palastkirche Theoderichs errichtet, zeigt an den Wänden des Mittelschiffs zwei lange Mosaikprozessionen: 26 Märtyrer auf der einen, 22 Jungfrauen auf der anderen Seite, die sich in feierlichem Zug auf Christus und Maria zubewegen. Das Baptisterium der Orthodoxen, auch Neonisches Baptisterium genannt, stammt aus dem 5. Jahrhundert und trägt in der Kuppel ein Mosaik der Taufe Christi im Jordan. Sein Gegenstück, das Baptisterium der Arianer, entstand um 500 unter Theoderich für die arianischen Christen der Goten und variiert dasselbe Motiv. Die Erzbischöfliche Kapelle im Museum des Erzbischofs ist das einzige erhaltene frühchristliche Bischofsoratorium überhaupt.
Zwei Monumente liegen außerhalb des Zentrums. Das Mausoleum Theoderichs, um 520 vom Gotenkönig als eigene Grabstätte errichtet, ist ein zehneckiger Bau aus istrischem Kalkstein. Sein Dach besteht aus einem einzigen Steinblock von rund zehn Metern Durchmesser, dessen Gewicht je nach Schätzung zwischen 230 und 300 Tonnen liegt. Wie dieser Monolith damals über die Adria transportiert und auf das Bauwerk gehoben wurde, ist bis heute nicht restlos geklärt. Die Basilica di Sant'Apollinare in Classe, geweiht 549, steht acht Kilometer südlich der Stadt beim einstigen Hafen Classis. Ihre Apsis füllt ein grün leuchtendes Paradiesmosaik mit dem heiligen Apollinaris zwischen Lämmern, Bäumen und Blumen.
Fünf der acht Monumente werden von der Diözese verwaltet und sind über ein gemeinsames Kombiticket zugänglich: San Vitale, das Mausoleum der Galla Placidia, Sant'Apollinare Nuovo, das Neonische Baptisterium sowie das Erzbischöfliche Museum mit der Kapelle. Das Ticket gilt sieben Tage ab dem ersten Besuch und erlaubt je einen Eintritt pro Monument, für das Mausoleum der Galla Placidia ist ein Zeitfenster zu buchen. Das Mausoleum Theoderichs und Sant'Apollinare in Classe sind staatlich verwaltet und haben eigene Eintrittskarten, das Baptisterium der Arianer ist ebenfalls separat zu besichtigen.
Für den Rundgang ist Ravenna ideal gebaut: Die Altstadt ist weitgehend verkehrsberuhigt, alle fünf Monumente des Kombitickets liegen wenige Gehminuten auseinander. Dazwischen lohnen die Piazza del Popolo mit ihren venezianisch geprägten Palazzi als zentraler Treffpunkt, die Markthalle Mercato Coperto und die Einkaufsstraße Via Cavour. Wer mehr Zeit mitbringt, ergänzt den Tag um das Mausoleum Theoderichs im Nordosten oder fährt mit Bus oder Rad nach Classe hinaus.
Ravenna ist auch die Stadt, in der Dante Alighieri seine letzten Lebensjahre verbrachte. Aus Florenz verbannt, fand der Dichter beim Stadtherrn Guido Novello da Polenta Aufnahme und vollendete hier die Göttliche Komödie. Im September 1321 starb Dante in Ravenna, vermutlich an Malaria, die er sich auf einer Gesandtschaftsreise nach Venedig zugezogen hatte. Sein Grabmal, ein klassizistischer Kuppelbau aus dem Jahr 1781, steht neben der Basilika San Francesco im ruhigsten Winkel der Altstadt.
Um die Gebeine tobt seit Jahrhunderten ein Streit mit Florenz. Die Heimatstadt, die Dante einst verbannt hatte, forderte die sterblichen Überreste mehrfach zurück. Als Papst Leo X. im 16. Jahrhundert die Überführung nach Florenz anordnete, versteckten Franziskanermönche die Knochen kurzerhand, erst 1865 wurden sie bei Bauarbeiten wiederentdeckt. Das prächtige Dante-Grabmal in der Florentiner Kirche Santa Croce ist deshalb bis heute leer. Florenz stiftet immerhin das Öl für die Ampel, die im Grabmal von Ravenna brennt, und jedes Jahr im September wird es in einer Zeremonie feierlich übergeben.
Das Mosaikhandwerk ist in Ravenna nie abgerissen. In den Gassen der Altstadt arbeiten Werkstätten, in denen Mosaizisten antike Motive restaurieren und eigene Arbeiten fertigen, viele Ateliers kann man beim Arbeiten besuchen. Die Kunstakademie der Stadt bildet seit Generationen Mosaikkünstler aus, und wer selbst Hand anlegen will, findet mehrere Schulen mit Kursen von wenigen Stunden bis zu mehreren Tagen. Als Souvenir sind kleine Mosaiken aus echten Glas- und Steinwürfeln eine naheliegende Wahl, von der schlichten Untersetzerplatte bis zur aufwendigen Kopie antiker Motive.
Auch der Kulturkalender knüpft an das Erbe an. Das Ravenna Festival bespielt im Juni und Juli die historischen Kirchen und Theater der Stadt mit Konzerten, Oper und Tanz und zählt zu den renommierten Klassikfestivals Italiens. Das städtische Kunstmuseum MAR zeigt neben alter Kunst eine Sammlung zeitgenössischer Mosaiken und macht deutlich, dass die Technik längst in der Gegenwartskunst angekommen ist.
Rund zehn Kilometer östlich der Altstadt beginnt die Küste. Neun Badeorte reihen sich auf etwa 35 Kilometern aneinander: Casalborsetti, Marina Romea, Porto Corsini, Marina di Ravenna, Punta Marina Terme, Lido Adriano, Lido di Dante, Lido di Classe und Lido di Savio. Marina di Ravenna ist der lebhafteste der neun Orte, mit Hafen, Strandbars und Lokalen, die bis in die Nacht geöffnet haben. Lido di Dante und Lido di Classe geht es deutlich ruhiger an, hier grenzen die Strände direkt an Pinienwälder und Naturschutzgebiete. Zwischen den Lidi und der Stadt liegen die historischen Pinetas, ausgedehnte Pinienwälder, die sich gut mit dem Rad erkunden lassen. Einen Überblick über die Küste der Region gibt die Seite zu den Stränden der Emilia-Romagna.
Wer weiter fahren will, hat es nicht weit: Südlich schließt Cervia mit seinen Salinen an, dahinter folgen die klassischen Badeorte der Riviera bis Rimini, das gut 50 Kilometer entfernt liegt. Nördlich von Ravenna beginnt der Regionalpark des Po-Deltas mit Lagunen, Flamingokolonien und dem Fischerstädtchen Comacchio, dessen Kanäle und Klappbrücken einen Abstecher lohnen. Die Kombination aus Vormittag im Mosaikglanz und Nachmittag am Strand oder in der Lagune ist das, was Ravenna von fast allen anderen Kulturstädten Italiens unterscheidet.
Mit der Bahn ist Ravenna am einfachsten über Bologna zu erreichen, Regionalzüge brauchen für die Strecke etwa eine Stunde und fahren tagsüber stündlich. Eine zweite Linie verbindet Ravenna mit Ferrara in gut einer Stunde, sodass sich beide Städte gut zu einer Rundreise durch die Emilia-Romagna verbinden lassen. Der nächste größere Flughafen ist Bologna mit rund 85 Kilometern Entfernung, vom Terminal bringt der People Mover Besucher in wenigen Minuten zum Hauptbahnhof. Mit dem Auto führt die A14 von Bologna Richtung Adria, ein eigener Autobahnzweig endet direkt vor Ravenna, von Norden kommt man über die Küstenstraße SS309 Romea. Die Altstadt ist verkehrsberuhigte Zone, Parkplätze finden sich am Rand des Zentrums, etwa an der Rocca Brancaleone oder am Bahnhof.
Die beste Reisezeit hängt vom Ziel des Besuchs ab. Für die Monumente eignen sich Frühjahr und Herbst am besten: Von April bis Juni und im September und Oktober sind die Temperaturen angenehm, die Schlangen vor San Vitale kürzer als im Hochsommer. Die Mosaiken selbst sind ohnehin ein Ganzjahresziel, da fast alles in Innenräumen liegt, selbst ein Regentag ist in Ravenna gut investiert. Wer den Strandurlaub in den Mittelpunkt stellt, kommt zwischen Juni und Anfang September, dann sind die Lidi in vollem Betrieb. Im Juli und August kann es in der Poebene allerdings drückend heiß und schwül werden, die Stadtbesichtigung legt man dann besser in die Morgenstunden.
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Wetterdaten © OpenWeather, aktualisiert alle 6 Std.
Durchschnittliche Tageshöchsttemperaturen im Jahresverlauf.
Am angenehmsten: April bis Mai sowie September bis Oktober.
| Region | Emilia-Romagna |
| Provinz | Ravenna |
| Einwohnerzahl | 159.057 |
| Provinzkürzel | RA |
| Postleitzahl | 48100 |
| Vorwahl | 0544 |
| Prominente Bürger | Petrus von Ravenna (Rechtswissenschaftlicher) Barbara Longhi (Ikonenmalerin) |
| Produkte / Marken | Marcegaglia SpA Erdölraffinerie |
| Städtepartnerschaft | Speyer (Deutschland) Chichester (Vereiniges Königreich) Chartres (Frankreich) |
| Spezialitäten des Ortes | Spoja Lorda Passatelli Mora Romagnola Squacquerone Theodora Kuchen Piadina |
| Geschichte | unter den Römern ein wichtiger Flottenstützpunkt und Hauptresidenz römischer Kaiser. Die Bedeutung ging über die Jahre hinweg etwas verloren, obwohl dort bis ins Mittelalter immer wieder Könige residierten. |
| Lage | einst eine florierende Hafenstadt direkt an der Adria, heute durch Verlandung etwa 9 km vom Meer entfernt |
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