Taormina liegt auf einer Felsterrasse des Monte Tauro, gut 200 Meter über der Ostküste Siziliens. Nach Osten fällt der Blick auf das Ionische Meer und die Bucht von Giardini-Naxos, nach Süden auf den Ätna, der bei klarer Sicht zum Greifen nah wirkt. Diese Kombination aus Meer, Vulkan und antiker Altstadt ist der Grund, warum die Stadt seit über zweihundert Jahren Reisende anzieht.
Taormina zählt zu den ältesten Siedlungsgebieten der Insel. Der Ort geht auf die Sikuler zurück, stand ab dem 4. Jahrhundert v. Chr. unter griechischem und später römischem Einfluss und hieß damals Tauromenion. Aus dieser Zeit stammen die Bauwerke, die den Ort bis heute prägen, allen voran das antike Theater. Zu den ersten prominenten Besuchern zählte Johann Wolfgang von Goethe, der die Stadt 1787 auf seiner Italienreise sah. Im 19. Jahrhundert kam der europäische Adel, im 20. Jahrhundert folgten Filmleute wie Greta Garbo und Elizabeth Taylor.
Taormina lohnt sich als Standort und nicht nur als Tagesausflug: Strände, Bergdörfer, der Ätna und zwei Großstädte liegen im Umkreis einer Autostunde, und am Abend, wenn die Tagesbusse weg sind, wird die Altstadt spürbar ruhiger.
Das Teatro Antico und der Blick auf den Ätna
Das antike Theater ist die wichtigste Sehenswürdigkeit der Stadt und nach Syrakus das zweitgrößte Siziliens. Gegründet wurde es im 3. Jahrhundert v. Chr. von den Griechen, die Ränge sind teilweise direkt in den Fels geschlagen. Unter römischer Herrschaft baute man die Anlage um und erweiterte sie für Gladiatorenkämpfe und Tierhetzen, weshalb du heute vor allem römisches Ziegelmauerwerk siehst. Platz war für ungefähr 5.000 Zuschauer.
Das eigentliche Alleinstellungsmerkmal ist die Bühnenöffnung: Durch die Lücke in der römischen Scaenae frons blickst du von den oberen Rängen über die Küste hinweg direkt auf den Ätna. Kaum ein anderes antikes Theater bietet eine solche Kulisse. Das Teatro Antico ist keine reine Ruine, sondern wird bis heute bespielt: Im Sommer finden hier Konzerte, Opern- und Theaterabende sowie Filmvorführungen statt. Ohne Gedränge siehst du es gleich zur Öffnung am Morgen oder am späten Nachmittag.
Corso Umberto, Piazza IX Aprile und die Altstadt
Die Altstadt ist schmal und lang, und ihre Achse ist der Corso Umberto. Die Fußgängerstraße verbindet die beiden alten Stadttore Porta Messina im Norden und Porta Catania im Süden und ist rund einen Kilometer lang. Links und rechts reihen sich Palazzi aus Mittelalter und Renaissance, Keramikläden, Bars und Pasticcerie aneinander, darunter der Palazzo Corvaja mit seiner schwarz-weißen Lavastein-Ornamentik, in dem die Sizilianische Ständeversammlung tagte.
Auf halber Strecke öffnet sich die Piazza IX Aprile, eine Terrasse mit Schachbrettpflaster hoch über dem Meer. Von der Brüstung siehst du die Küste bis zum Ätna, dahinter stehen die Kirche San Giuseppe und der Uhrturm Torre dell'Orologio. Der Platz ist der beliebteste Aussichtspunkt der Stadt und entsprechend voll. Ruhiger sind die Gassen und Treppen, die vom Corso abzweigen, und der Villa-Comunale-Park mit seinen subtropischen Pflanzen und verspielten Pavillons.
Isola Bella, Mazzarò und die Strände
Taormina selbst hat keinen Strand, das Wasser liegt gut 200 Höhenmeter tiefer. Unterhalb der Stadt liegt die Bucht von Mazzarò mit Kiesstränden und Strandbädern, gleich südlich davon die Isola Bella. Die kleine Felseninsel ist über eine schmale Kiesbank mit dem Festland verbunden, die je nach Wasserstand überspült wird. Sie ist heute Naturschutzgebiet mit einem üppigen Garten, den die schottische Adelige Florence Trevelyan im 19. Jahrhundert anlegte.
Hinunter kommst du bequem mit der Seilbahn: Die Funivia startet in der Via Pirandello, wenige Schritte vom Corso Umberto entfernt, und braucht nur Minuten bis Mazzarò. Von dort sind es rund 500 Meter zu Fuß bis zur Isola Bella. Wer lieber Sand unter den Füßen hat, fährt weiter nach Giardini-Naxos mit seinem langen, flach abfallenden Strand. Einen Überblick über die Küstenabschnitte der Insel findest du bei den Stränden auf Sizilien.
Castelmola über der Stadt
Rund 300 Höhenmeter über Taormina, auf gut 500 Metern, klebt Castelmola an der Spitze des Monte Tauro. Das Dorf hat nur wenige hundert Einwohner, eine Handvoll Gassen und einen Panoramaplatz, von dem aus du Taormina, die Bucht von Naxos und den Ätna auf einen Blick hast. Oben stehen die Reste einer mittelalterlichen Burg, die dem Ort den Namen gab, örtliche Spezialität ist der Mandelwein. Hinauf kommst du mit dem Linienbus, über eine kurvige Straße oder zu Fuß über den alten Saumpfad, für den du etwa eine Stunde bergauf rechnen solltest.
Drehort Taormina und der Andrang
Taormina war schon immer gut besucht, seit der zweiten Staffel der HBO-Serie „The White Lotus" ist der Andrang aber noch einmal deutlich gestiegen. Gedreht wurde unter anderem im San Domenico Palace, einem ehemaligen Kloster oberhalb der Altstadt, dazu am Corso Umberto, an der Porta Catania und an der Isola Bella. Das Bergdorf Savoca nördlich von Taormina war schon Jahrzehnte früher Kulisse für die sizilianischen Szenen aus „Der Pate".
Praktisch heißt das: Der Corso Umberto ist in der Hauptsaison tagsüber sehr voll, Restaurants im Zentrum arbeiten mit Reservierung, und Unterkünfte in der Altstadt sind früh ausgebucht. Wer den Ort in Ruhe erleben will, übernachtet vor Ort und nutzt die frühen Morgen- und die Abendstunden.
Ausflüge in die Umgebung
Taormina ist ein guter Ausgangspunkt für den Osten der Insel. Der naheliegendste Ausflug ist der Ätna: Der Parco dell'Etna umfasst Lavafelder, Krater und Wälder, im Winter wird an den Hängen sogar Ski gefahren. Ebenfalls dicht dran sind die Gole dell'Alcantara, eine schmale Schlucht aus erstarrter Basaltlava.
Nach Norden erreichst du Messina mit seinem astronomischen Uhrwerk am Dom und dem Blick über die Meerenge nach Kalabrien, nach Süden Catania mit dem Barockzentrum aus schwarzem Lavastein und dem lauten Fischmarkt. Beide Städte sind mit dem Zug in unter einer Stunde zu erreichen.
Anreise und beste Reisezeit
Der nächste Flughafen ist Catania-Fontanarossa, rund 60 Kilometer südlich. Von dort fahren Busse direkt nach Taormina, die Fahrt dauert je nach Verkehr etwa eine bis anderthalb Stunden. Aus Österreich fliegst du ab Wien in gut zwei Stunden nach Catania, aus der Schweiz ab Zürich ebenfalls in ungefähr zwei Stunden. Die Anfahrt mit dem Auto ist dagegen sehr weit: Von Wien oder Zürich sind es jeweils deutlich über 1.800 Kilometer plus Fährüberfahrt oder Umweg über Villa San Giovanni, das lohnt sich nur bei längeren Rundreisen.
Mit der Bahn kommst du am Bahnhof Taormina-Giardini an, der unten an der Küste liegt, etwa drei Kilometer von der Altstadt entfernt und rund 200 Höhenmeter tiefer. Zu Fuß hinauf ist es steil, deshalb nimmst du besser den Linienbus oder ein Taxi. Mit dem Auto gilt: Die Altstadt ist für den Durchgangsverkehr gesperrt, geparkt wird in den Parkhäusern am Ortsrand, und die sind in der Hochsaison schnell voll. Wer mit dem Mietwagen kommt, prüft vorher, ob die Unterkunft einen Stellplatz oder eine Zufahrtsgenehmigung anbietet.
Die angenehmste Reisezeit sind Frühjahr und Herbst. Von April bis Anfang Juni blüht es, und die Wege zum Theater und nach Castelmola lassen sich ohne Hitzestau gehen. September und Oktober bringen warmes Meerwasser bei deutlich weniger Andrang. Der Hochsommer ist heiß und voll: Juli und August bedeuten Temperaturen jenseits der dreißig Grad und volle Gassen. Der Winter ist mild, dann haben allerdings viele Betriebe geschlossen.













































