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Tarquinia liegt auf einem Tuffsteinhügel gut 130 Meter über der Küstenebene im Norden von Latium, rund 90 Kilometer nordwestlich von Rom und wenige Kilometer vom Tyrrhenischen Meer entfernt. Von der Stadtmauer reicht der Blick über das Tal des Flusses Marta bis zur Küste. Der Grund, warum Reisende hierherkommen, liegt jedoch nicht in der Aussicht, sondern unter der Erde: In den Grabkammern der Nekropole Monterozzi haben sich die einzigen umfangreichen Wandmalereien der etruskischen Kultur erhalten.
Tarquinia war eine der mächtigsten Städte des etruskischen Zwölfstädtebundes und über Jahrhunderte ein religiöses und politisches Zentrum, lange bevor Rom zur Großmacht wurde. Die antike Stadt lag auf dem benachbarten Höhenzug Civita, wo bis heute die Fundamente des Tempels Ara della Regina liegen. Die heutige Altstadt entstand im Mittelalter auf dem Nachbarhügel und trug bis 1922 den Namen Corneto. Wer Tarquinia besucht, verbindet also zwei Epochen in einem Ort: die etruskische Totenstadt draußen vor den Toren und die mittelalterliche Stadt der Geschlechtertürme innerhalb der Mauern.
Für einen Tagesausflug oder eine ruhige Übernachtung ist Tarquinia gut geeignet. Die Wege sind kurz, der Ort ist wenig überlaufen, und mit Nationalmuseum, Nekropole und Altstadt lassen sich drei sehr unterschiedliche Programmpunkte an einem Tag verbinden. Wer vom Kreuzfahrthafen Civitavecchia anreist, erreicht die Stadt in einer knappen halben Stunde.
Die Nekropole Monterozzi erstreckt sich über einen langgestreckten Hügel südöstlich der Altstadt. Sie umfasst etwa 6.000 in den Fels gehauene Kammergräber, von denen rund 200 mit Wandmalereien geschmückt sind. Es ist die größte Sammlung vorrömischer Malerei im Mittelmeerraum. Die ältesten bemalten Gräber stammen aus dem 7. Jahrhundert vor Christus, viele der bekanntesten aus dem 6. und 5. Jahrhundert. Die Fresken zeigen Gastmähler, Tänzer und Musiker, Jagd- und Sportszenen sowie Bilder aus der Vorstellungswelt vom Jenseits.
Zu den berühmtesten Kammern zählen die Tomba dei Leopardi mit dem Bankettfries unter zwei gegenüberliegenden Leoparden, die Tomba dei Tori und die Tomba della Caccia e della Pesca mit ihren Jagd- und Fischereiszenen. Die Gräber liegen unter Schutzbauten und werden über Treppen erschlossen; die Malereien betrachtet man durch Glasscheiben, die vor Feuchtigkeit und Temperaturschwankungen schützen. Es ist jeweils nur ein Teil der Gräber gleichzeitig geöffnet. Seit 2004 gehört die Nekropole zusammen mit jener von Cerveteri zum UNESCO-Welterbe. Die Nekropole liegt rund zwei Kilometer vom Zentrum entfernt; zu Fuß sind es etwa 25 Minuten, alternativ fährt man mit dem Auto oder Bus. Plane den Besuch möglichst am Vormittag ein, da die Anlage nachmittags früher schließt und im Hochsommer die kühleren Stunden angenehmer sind.
Was aus den Gräbern geborgen wurde, ist heute im Museo Archeologico Nazionale Tarquiniese zu sehen, untergebracht im Palazzo Vitelleschi mitten in der Altstadt. Der Palast wurde in den Jahren um 1436 bis 1439 errichtet und verbindet gotische und frühe Renaissanceformen. Das Museum zeigt Sarkophage, Keramik, Grabbeigaben und Terrakotten aus mehreren Jahrhunderten etruskischer Geschichte.
Das bekannteste Stück sind die Cavalli Alati, die geflügelten Pferde: ein Terrakotta-Relief aus dem 4. Jahrhundert vor Christus, das einst den Giebel des Tempels Ara della Regina schmückte. Ergänzend sind einige der Wandmalereien, die aus besonders gefährdeten Gräbern abgenommen wurden, in eigenen Räumen des Museums ausgestellt. So lässt sich der Zusammenhang zwischen der Nekropole und den Funden an einem Ort nachvollziehen, was den Besuch beider Stationen sinnvoll macht.
Die Altstadt von Tarquinia ist von einer mittelalterlichen Mauer umgeben und war einst von zahlreichen Geschlechtertürmen geprägt. Einige davon stehen noch, andere wurden im Lauf der Jahrhunderte verkürzt oder in Wohnhäuser einbezogen. Die Via delle Torri erinnert im Namen an diese Zeit. Durch die engen Gassen erreicht man kleine Plätze, romanische Kirchen und Reste der alten Befestigung.
Am nördlichen Rand des ältesten Stadtkerns steht die Kirche Santa Maria in Castello, erbaut zwischen 1121 und 1208. Sie gilt als das wichtigste romanische Bauwerk der Stadt: eine dreischiffige Basilika mit Marmoreinlagen im Cosmaten-Stil, einem verzierten Hauptportal und einem freistehenden Turm. Die Kirche liegt etwas abseits im ehemaligen Burgviertel und ist nicht immer geöffnet; ein Blick auf die aktuellen Zeiten lohnt sich vor dem Besuch. Vom umliegenden Areal aus hat man einen weiten Blick über das Tal.
Tarquinia eignet sich gut als Ausgangspunkt für die nördliche Küste Latiums und das etruskische Hinterland. Nur rund 22 Kilometer südlich liegt der Hafen Civitavecchia, von dem Fähren nach Sardinien und Sizilien ablegen. Etwa 24 Kilometer landeinwärts erreicht man Tuscania mit seinen beiden romanischen Kirchen San Pietro und Santa Maria Maggiore. Rund 45 Kilometer entfernt liegt Viterbo, die Provinzhauptstadt mit dem gut erhaltenen mittelalterlichen Viertel San Pellegrino und dem Papstpalast.
Wer weitere Etruskerstätten sehen möchte, kann das nahe Montalto di Castro mit dem archäologischen Park von Vulci ansteuern. Für einen Badetag bietet sich das nur wenige Kilometer entfernte Lido di Tarquinia an; einen Überblick über weitere Küstenabschnitte findest du unter den Stränden in Latium. Und schließlich ist Rom mit dem Regionalzug in gut anderthalb Stunden erreichbar, was Tarquinia auch als ruhigeres Quartier für einen Rom-Aufenthalt interessant macht.
Der nächstgelegene internationale Flughafen ist Rom-Fiumicino, rund 90 Kilometer südlich. Von dort fährt man über die Küstenautobahn und die Staatsstraße Aurelia (SS1) in etwa einer Stunde nach Tarquinia. Mit der Bahn nutzt man die Tyrrhenische Küstenlinie: Der Bahnhof Tarquinia liegt am Fuß der Stadt, nahe der Nekropole und dem Meer, etwa drei Kilometer vom Zentrum entfernt; ein Stadtbus verbindet Bahnhof und Altstadt. Ab Civitavecchia dauert die Fahrt nur rund 15 Minuten, ab Rom je nach Verbindung anderthalb bis zwei Stunden. Mit dem Auto erreicht man Tarquinia über die Aurelia; die Altstadt ist teils Fußgängerzone mit Zufahrtsbeschränkung (ZTL), sodass du am besten auf den Parkplätzen außerhalb der Mauern parkst und zu Fuß hineingehst.
Aus Österreich fährst du von Wien über die Tauern- oder Brennerroute Richtung Bologna und weiter über die A1 nach Rom, von dort auf die Küstenautobahn Richtung Norden; die Fahrt dauert rund zehn bis elf Stunden. Alternativ fliegst du ab Wien nach Rom-Fiumicino und mietest dort einen Wagen. Aus der Schweiz führt der Weg von Zürich über den Gotthard nach Mailand und weiter über die A1 an die Küste, ebenfalls etwa neun bis zehn Stunden mit dem Auto; auch ab Zürich gibt es Direktflüge nach Rom.
Die beste Reisezeit für Tarquinia sind Frühjahr und Herbst. Von April bis Juni und im September und Oktober ist es angenehm mild, die Nekropole und die Altstadt lassen sich ohne große Hitze erkunden, und die Küste ist noch oder wieder ruhig. Der Hochsommer bringt an der Küste zwar Badewetter, in der Mittagshitze sind die Wege durch die schattenarme Altstadt aber anstrengend. Der Winter ist mild, aber wechselhaft; einige Sehenswürdigkeiten haben dann verkürzte Öffnungszeiten, weshalb sich ein Blick auf die aktuellen Zeiten vor der Anreise lohnt.
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Wetterdaten © OpenWeather, aktualisiert alle 6 Std.
Durchschnittliche Tageshöchsttemperaturen im Jahresverlauf.
Am angenehmsten: März bis Mai sowie Oktober bis November.
| Region | Latium |
| Provinz | Viterbo |
| Einwohnerzahl | 16.475 |
| Provinzkürzel | VT |
| Städtepartnerschaft | Jaruco (Kuba) Rabat (Malta) |
| Geschichte | vor allem für die etruskischen Ausgrabungen bekannt. Häufig in Kriege verwickelt hat die Stadt im Laufe der Zeit öfter den Namen gewechselt. |
| Lage | in der Maremma, etwa 5 km vom Tyrrhenischen Meer entfernt |
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