Castello Aragonese
: Das Castello Aragonese ist wahrscheinlich die beeindruckendste Sehenswürdigkeit der Insel Ischia. Majestätisch thront es…
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Ischia ist die größte Insel im Golf von Neapel, rund 46 Quadratkilometer groß und Heimat von etwa 62.000 Menschen in sechs Gemeinden. Anders als das mondäne Capri auf der anderen Seite des Golfs lebt Ischia vor allem von einem Schatz, der aus dem Untergrund kommt: Die Insel ist vulkanischen Ursprungs, und aus ihrem Inneren sprudelt an Dutzenden Stellen heißes Thermalwasser. Kurgäste kommen deshalb seit Generationen hierher, viele davon aus Deutschland, und die Thermalgärten der Insel gehören zu den bekanntesten Europas.
Wegen ihrer üppigen Vegetation trägt Ischia den Beinamen "die grüne Insel". Die fruchtbare Vulkanerde lässt Weinberge, Zitronenhaine und Kastanienwälder gedeihen, die sich bis auf den Monte Epomeo hinaufziehen, mit 789 Metern die höchste Erhebung der Insel. Dazu kommen Sandstrände wie der Maronti-Strand im Süden, das Castello Aragonese als Wahrzeichen vor der Ostküste und Orte mit sehr unterschiedlichem Charakter, vom belebten Hafenstädtchen Ischia Porto bis zum autofreien Fischerdorf Sant'Angelo.
Die Geschichte der Insel reicht weit zurück. Im 8. Jahrhundert vor Christus gründeten Griechen hier die Siedlung Pithekoussai, eine der frühesten griechischen Niederlassungen im westlichen Mittelmeer, noch vor Neapel und Cumae. Der berühmteste Fund aus dieser Zeit, der Nestorbecher mit einer der ältesten bekannten griechischen Inschriften, ist heute im Museum der Villa Arbusto in Lacco Ameno zu sehen. Wer Badeurlaub, Thermen und ein wenig Archäologie verbinden will, findet auf Ischia eine seltene Kombination.
Ischia liegt im Tyrrhenischen Meer am Rand der Phlegräischen Felder, einer der aktivsten Vulkanregionen Europas, zu der auch der Vesuv auf dem Festland gehört. Die Insel selbst ist aus vulkanischem Gestein aufgebaut, vor allem aus grünem Tuff, der dem Monte Epomeo seine charakteristische Farbe gibt. Der letzte Ausbruch auf Ischia liegt lange zurück: 1302 ergoss sich ein Lavastrom, der Arso, in Richtung der heutigen Stadt Ischia bis ans Meer.
Erloschen ist der Untergrund damit nicht. Das Regenwasser sickert durch das poröse Gestein, wird in der Tiefe aufgeheizt und tritt an vielen Stellen als Thermalwasser wieder aus, teils mit Temperaturen von deutlich über 50 Grad. Diese Quellen sind die Grundlage für die Bäderkultur, die auf Ischia bis in die Antike zurückreicht. Schon Griechen und Römer nutzten die heißen Wasser, etwa in den Bädern von Cavascura, die in eine Schlucht oberhalb des Maronti-Strands gehauen sind.
Die vulkanische Natur hat auch eine ernste Seite. Am 21. August 2017 beschädigte ein Erdbeben den Ort Casamicciola Terme im Norden der Insel, zwei Menschen starben. Im November 2022 löste extremer Starkregen ebenfalls in Casamicciola einen Erdrutsch aus, der zwölf Todesopfer forderte. Beide Ereignisse haben Spuren hinterlassen, der Wiederaufbau läuft. Für Urlauber ist die Insel deswegen kein unsicheres Ziel, die betroffenen Bereiche sind lokal begrenzt.
Das bekannteste Aushängeschild der Insel sind die Thermalgärten, weitläufige Parks am Meer mit terrassenförmig angelegten Becken unterschiedlicher Temperatur. Die Poseidon-Gärten in der Citara-Bucht bei Forio bestehen seit 1958 und sind mit mehr als 20 Becken die größte Anlage der Insel. Die Wassertemperaturen reichen von kühlen 16 bis zu 40 Grad, dazu kommen eine in den Tuffstein gehauene Sauna und ein eigener Strandabschnitt. Der Negombo-Park liegt in der Bucht von San Montano bei Lacco Ameno und setzt stärker auf Gartenarchitektur: Thermalbecken verteilen sich zwischen tropischen Pflanzen und zeitgenössischen Skulpturen, direkt an einem der schönsten Sandstrände der Insel.
Wer es ursprünglicher mag, wird an zwei Orten fündig. In der Bucht von Sorgeto an der Südwestküste bei Panza treten heiße Quellen direkt im Meer aus. Zwischen den Felsen mischen sich das teils über 30 Grad warme Quellwasser und das Meerwasser zu natürlichen Badebecken, in denen man sogar im Winter baden kann. Der Abstieg führt über eine lange Treppe, alternativ verkehren im Sommer Boots-Taxis von Sant'Angelo aus. Die antiken Bäder von Cavascura oberhalb des Maronti-Strands sind dagegen ein einfaches, in den Fels gehauenes Thermalbad, das seit der Römerzeit genutzt wird. Beide Orte sind keine gepflegten Wellnessanlagen, sondern Naturerlebnisse mit rauem Charme.
Vor Ischia Ponte erhebt sich das Castello Aragonese auf einer felsigen Nebeninsel aus Trachytgestein, die über einen rund 220 Meter langen steinernen Damm mit der Hauptinsel verbunden ist. Befestigt wurde der Felsen bereits um 474 vor Christus durch Hieron von Syrakus. Seine heutige Gestalt erhielt der Komplex im 15. Jahrhundert unter Alfons V. von Aragón, der die Brücke bauen und einen Tunnel als Aufgang in den Fels treiben ließ. Die Bevölkerung von Ischia suchte hier über Jahrhunderte Schutz vor Piratenüberfällen, zeitweise lebten Tausende Menschen mit Kirchen und Klöstern auf dem Felsen.
Heute ist die Burg das meistbesuchte Bauwerk der Insel. Ein Aufzug und der alte Tunnelaufgang führen nach oben, wo ein Rundweg Kirchenruinen, Gärten, Terrassen und weite Blicke über den Golf verbindet. Zu den eigentümlichsten Stationen gehört der Nonnenfriedhof des ehemaligen Klarissenklosters mit seinen steinernen Sitzgräbern. Sehenswert ist auch das Dorf Ischia Ponte am Fuß des Damms mit seinen Handwerksläden und der Kathedrale. Für den Besuch der Burg sollte man mindestens zwei Stunden einplanen, geöffnet ist ganzjährig.
Die Gemeinde Ischia mit den Ortsteilen Porto und Ponte ist das Zentrum der Insel. In Ischia Porto legen die meisten Fähren an, der Hafen selbst ist ein ehemaliger Kratersee, den König Ferdinand II. 1854 zum Meer hin öffnen ließ. Entlang des Corso Vittoria Colonna reihen sich Geschäfte, Bars und Restaurants, abends wird die Flaniermeile zur Bühne des Insellebens. Forio an der Westküste ist die flächengrößte Gemeinde und bekannt für die weiß getünchte Wallfahrtskirche Santa Maria del Soccorso, die auf einer Landzunge über dem Meer steht und zu den beliebtesten Fotomotiven der Insel gehört.
Lacco Ameno im Nordwesten ist der kleinste Ort, hat aber gleich zwei Besonderheiten: den Fungo, einen pilzförmigen Tufffelsen im Hafenbecken, und die Villa Arbusto, in deren archäologischem Museum die Funde aus Pithekoussai gezeigt werden. Casamicciola Terme war im 19. Jahrhundert ein berühmtes Heilbad und arbeitet nach Erdbeben und Erdrutsch daran, an diese Tradition wieder anzuknüpfen. Im Süden liegt Sant'Angelo, ein autofreies ehemaliges Fischerdorf in der Gemeinde Serrara Fontana, das sich um einen kleinen Platz am Hafen und eine vorgelagerte Halbinsel gruppiert. Viele halten es für den schönsten Ort der Insel, entsprechend voll wird es in der Hochsaison. Barano d'Ischia schließlich ist ländlich geprägt, mit Weinbergen, Wanderwegen und dem Zugang zum Maronti-Strand.
Der Maronti-Strand an der Südküste ist mit rund zwei Kilometern der längste Strand der Insel, ein breiter Bogen aus dunklem Sand zwischen Sant'Angelo und Barano. Erreichbar ist er über die Straße von Barano, zu Fuß von Sant'Angelo oder mit Boots-Taxis. An mehreren Stellen dampft der Untergrund, denn auch hier tritt vulkanische Wärme aus, stellenweise ist der Sand spürbar heiß. Die Citara-Bucht bei Forio verbindet einen langen Sandstrand mit dem Poseidon-Thermalpark, die Bucht von San Montano bei Lacco Ameno fällt flach ins Meer ab und eignet sich gut für Familien mit Kindern.
Dazu kommen kleinere Strände wie der Spiaggia dei Pescatori zwischen Ischia Porto und Ponte oder die Bucht Cartaromana mit Blick auf das Castello Aragonese. Wer Strandurlaub auf dem Festland vergleichen will, findet eine Übersicht unter den Stränden in Kampanien. Eine Besonderheit Ischias bleibt aber die Kombination: Man kann am Vormittag im Meer schwimmen und am Nachmittag wenige Meter weiter im Thermalwasser liegen.
Der Monte Epomeo ist mit 789 Metern der höchste Punkt der Insel und ihr grünes Herz. Der klassische Aufstieg beginnt im Bergdorf Fontana auf gut 450 Metern Höhe und führt in etwa einer bis anderthalb Stunden über einen breiten Weg und zuletzt über Felsstufen zum Gipfel. Oben steht die kleine, in den Tuff gehauene Eremitage San Nicola, und der Blick reicht bei klarem Wetter über den gesamten Golf von Neapel, nach Capri, Procida und bis zur Amalfiküste.
Neben der Gipfeltour gibt es ein wachsendes Netz an Wanderwegen, etwa durch den Kastanienwald zwischen Fontana und Serrara oder entlang der Weinberge oberhalb von Forio. Die beste Wanderzeit sind Frühjahr und Herbst, im Hochsommer empfiehlt sich ein früher Start, denn schattige Abschnitte wechseln mit offenen Passagen. Festes Schuhwerk genügt, alpine Ausrüstung braucht es nirgends auf der Insel.
Die Giardini La Mortella bei Forio gehören zu den schönsten Gärten Italiens. Susana Walton, die argentinische Frau des britischen Komponisten William Walton, legte den subtropischen Garten ab 1956 nach Plänen des Landschaftsarchitekten Russell Page an. Auf mehreren Terrassen wachsen heute Pflanzen aus aller Welt, dazu kommen Wasserbecken, ein Gewächshaus mit Riesenseerosen und ein kleines Amphitheater, in dem im Sommer Konzerte junger Orchester stattfinden. Geöffnet ist von April bis Oktober an mehreren Tagen pro Woche, die aktuellen Zeiten nennt die Stiftung auf ihrer Website.
Auch Literatur und Kino haben Ischia geprägt. In Elena Ferrantes neapolitanischer Saga verbringt die Erzählerin Elena prägende Sommer auf der Insel, im Roman unter anderem am Maronti-Strand. Die Serienverfilmung "Meine geniale Freundin" drehte ihre Sommerfolgen an Originalschauplätzen auf Ischia. Schon Jahrzehnte früher diente die Insel als Kulisse für Hollywood: Teile des Monumentalfilms "Cleopatra" mit Elizabeth Taylor entstanden 1962 vor Ischia, und Anthony Minghella drehte hier Szenen von "Der talentierte Mr. Ripley" mit Matt Damon und Jude Law. Wer den Spuren der Filmteams folgt, landet fast zwangsläufig in Ischia Ponte und Sant'Angelo.
Ausgangspunkt für die Anreise ist Neapel. Vom Flughafen Capodichino bringt der Alibus Reisende direkt zum Hafen. Schnellboote und Tragflügelboote legen am Molo Beverello ab und erreichen Ischia in etwa 50 bis 60 Minuten, sie nehmen nur Fußgänger mit. Autofähren fahren vom benachbarten Anleger Calata Porta di Massa und brauchen rund 90 Minuten. Kürzer ist die Überfahrt von Pozzuoli westlich von Neapel, von dort setzen Autofähren in etwa einer Stunde über. Angelaufen werden je nach Verbindung Ischia Porto, Casamicciola und Forio. Verbindungen bestehen außerdem nach Procida sowie im Sommer nach Capri und Sorrent.
Ein eigenes Auto ist auf Ischia meist keine Hilfe. Von Frühjahr bis in den Herbst dürfen Besucher vom Festland in der Regel ohnehin kein Fahrzeug auf die Insel bringen, die genauen Zeiträume legt die Verwaltung jedes Jahr neu fest. Vor Ort übernehmen die Buslinien CS und CD, die die Insel in beide Richtungen umrunden, dazu kommen Taxis und Mietroller. Die beste Reisezeit sind Mai, Juni, September und Oktober: warm genug zum Baden, aber ohne den Andrang des Hochsommers. Die Thermalsaison dauert deutlich länger, die großen Parks öffnen von April bis in den Spätherbst, und dank des milden Klimas in Kampanien lohnt selbst ein Winterbesuch mit Thermalbad und leeren Gassen. Einen Überblick über weitere Ziele im Mittelmeer bietet die Übersicht der italienischen Inseln.
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Wetterdaten © OpenWeather, aktualisiert alle 6 Std.
Durchschnittliche Tageshöchsttemperaturen im Jahresverlauf.
Am angenehmsten: März bis Mai sowie Oktober bis November.
Tipp: Juli und August werden sehr heiß; Frühling und Herbst sind am angenehmsten.
| Region | Kampanien |
| Provinz | Neapel |
| Inselgruppe | Phlegräische Inseln |
| Gewässer | Tyrrhenisches Meer Golf von Neapel |
| Länge | 9,9 km |
| Breite | 7,2 km |
| Fläche | 46,3 km² |
| höchste Erhebung | 789 m Monte Epomeo |
| Küstenlinie | ca 34 km |
| Einwohnerzahl | 62.027 |
| Hauptort | Ischia |
| Spezialitäten | Kaninchen |
| bekannte Personen | William Walton (Komponist) |
| Anreise | Mit der Fähre von Neapel, Pozzuoli oder Sorrent |
| Besonderheiten | Bekannt für die Thermalkuren |
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