Andora ist ein Badeort an der Riviera di Ponente, dem westlichen Küstenabschnitt Liguriens. Die Gemeinde gehört zur Provinz Savona und liegt an der Mündung des Flusses Merula, eingerahmt von den Landspitzen Capo Mele im Osten und Capo Mimosa im Westen. Rund 7.000 Menschen leben hier dauerhaft, das Gemeindegebiet reicht vom Strand bis in die Olivenhänge des Hinterlands hinauf. Nach Osten grenzt Andora an Alassio und Laigueglia, nach Westen an Cervo und Diano Marina.
Andora ist vor allem ein Familienziel. Der Ort hat den längsten zusammenhängenden Sandstrand der Riviera di Ponente, etwa zwei Kilometer, und er ist deutlich flacher und breiter als die schmalen Kiesbuchten weiter östlich. Wer eine historische Altstadt mit Gassen und Palazzi sucht, ist in Cervo oder Imperia besser aufgehoben. Wer einen ruhigen Standort mit viel Strand und guter Bahnanbindung will, findet in Andora genau das, meist zu niedrigeren Preisen als in den bekannteren Nachbarorten.
Die Strände von Andora
Der Strandbogen zieht sich von Capo Mele bis Capo Mimosa fast ohne Unterbrechung durch. Der Untergrund ist überwiegend mittelkörniger Sand, an einigen Abschnitten mit feinem Kies durchmischt. Der Einstieg ins Wasser ist flach, die Wassertiefe nimmt über viele Meter nur langsam zu. Das macht Andora bei Familien mit kleinen Kindern beliebt.
Der Strand teilt sich in kostenpflichtige Bagni und freie Abschnitte. Rund 25 Strandbäder vermieten Liegen und Sonnenschirme, dazwischen liegen mehrere spiagge libere, an denen du ohne Gebühr dein Handtuch ausbreiten kannst. Dazu kommt eine spiaggia libera attrezzata, ein freier Strand mit Duschen, WC und ausleihbarer Ausstattung. Die Bagni öffnen üblicherweise von Mai bis September.
2026 wurde Andora erstmals mit der Blauen Flagge ausgezeichnet, gemeinsam mit Taggia als einzige Neuaufnahme Liguriens in diesem Jahr. Prämiert sind die drei Strandabschnitte Colombina, Foce Rio Mezza'acqua und Trinacria im mittleren und nördlichen Küstenteil. Bewertet werden Badewasserqualität, Sauberkeit, Rettungsdienst und Barrierefreiheit. Mehr zu Strandtypen und Ausstattung findest du in unserer Übersicht zu Stränden in Italien.
Andora Castello auf dem Hügel
Der historische Kern von Andora liegt nicht am Meer, sondern rund zwei Kilometer landeinwärts auf einem freistehenden Hügel über dem linken Ufer des Merula. Die Ortsteile am Strand, zusammengefasst als Marina di Andora, sind jünger und wuchsen erst mit dem Tourismus. Wer die Geschichte des Orts sucht, muss also hinauf.
Die Burg auf dem Hügel Paraxu wurde ab 1170 von den Markgrafen von Clavesana errichtet und diente ihnen als Verwaltungssitz. 1252 verkauften die Clavesana die Anlage an die Republik Genua, die sie ausbaute und zum Sitz ihres Podestà machte. Erhalten sind heute Mauerreste, Türme und Tore, teils restauriert, teils von Macchia überwachsen. Das Gelände ist zugänglich, aber in Privatbesitz.
Direkt daneben steht die Kirche Santi Giacomo e Filippo aus der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts, gebaut aus Stein von Capo Mele. Sie gilt zusammen mit der Burg als bedeutendster historischer Baukomplex der westlichen Riviera. Im 14. Jahrhundert wurde sie erweitert und erhielt ihr heutiges spätromanisch-gotisches Gesicht: drei Apsiden und ein dreischiffiger Innenraum mit Spitzbögen auf massiven Säulen. Vom Vorplatz reicht der Blick über das Merulatal bis zur Küste. Nahebei liegt die kleinere Kirche San Nicolò mit vorromanischen Bauelementen.
Merula-Brücke und Palazzo Tagliaferro
Unterhalb des Burghügels überspannt eine mittelalterliche Brücke den Merula. Sie hat zehn Bögen, drei davon spitz zulaufend, und verband einst den Weiler Colla Micheri mit der Burg. Zu Fuß ist sie vom Ort aus leicht erreichbar.
Im Küstenteil steht der Palazzo Tagliaferro, ein Herrenhaus vom Ende des 18. und Anfang des 19. Jahrhunderts, das die Gemeinde zum Kulturzentrum umgebaut hat. Genutzt wird es für Ausstellungen und Konzerte, das Programm wechselt saisonal. Der Ortsteil San Bartolomeo besitzt außerdem eine Pfarrkirche, deren Glockenturm mit 56 Metern zu den höchsten Liguriens zählt.
Marina di Andora: Hafen und Wassersport
Der Yachthafen von Andora ist der fünftgrößte Touristenhafen Liguriens und bietet rund 900 Liegeplätze. Er liegt am westlichen Ende des Strandbogens und ist im Sommer Ausgangspunkt für Segelregatten und Bootsausflüge entlang der Küste.
Vor der Küste gibt es mehrere Tauchplätze mit Felsgrund und Seegraswiesen, Tauchbasen im Ort bieten geführte Ausfahrten und Kurse an. Verliehen werden außerdem Kajaks, Stand-up-Paddles und Tretboote. Segeln und Surfen funktionieren am zuverlässigsten am Nachmittag, wenn der Seewind aufkommt.
Rad fahren, wandern und Ausflüge
Seit die Bahnstrecke 2016 ins Landesinnere verlegt wurde, entsteht auf der alten Küstentrasse ein durchgehender Rad- und Fußweg. Zwischen Ospedaletti und San Lorenzo al Mare ist er längst fertig und rund 24 Kilometer lang. In Andora wurde im Juni 2025 ein 2,5 Kilometer langer Abschnitt vom neuen Bahnhof bis zur Gemeindegrenze von Cervo eröffnet. Der Lückenschluss zwischen Andora und San Lorenzo al Mare, gut 18 Kilometer, ist beschlossen, aber noch im Bau. Was befahrbar ist, verläuft eben, autofrei und großteils direkt am Wasser.
Im Hinterland führen markierte Wege durch Olivenhaine zu den Bergweilern Colla Micheri, Rollo und Conna. Colla Micheri liegt auf 162 Metern und ist zu Fuß in gut einer Stunde erreichbar. In der Saison starten Fahrten zur Walbeobachtung. Andora liegt im Pelagos-Sanktuarium, einem 1999 gegründeten Schutzgebiet für Meeressäuger zwischen Toulon, Sardinien und der Toskana, das rund 87.500 Quadratkilometer umfasst und in dem alle acht regelmäßig im Mittelmeer vorkommenden Walarten leben. Sichtungen sind nie garantiert.
Für Tagesausflüge eignet sich das mittelalterliche Cervo direkt nebenan, das zu den Borghi più belli d'Italia zählt, ebenso San Remo, die Provinzhauptstadt Savona und mit dem Zug in gut zwei Stunden auch Genua.
Geschichte und die Legende von Andalora
Die Besiedlung reicht in römische Zeit zurück. Im 11. Jahrhundert gehörte das Tal Benediktinermönchen, danach den Markgrafen von Clavesana, ab 1252 der Republik Genua. Malaria, Pest und Überschwemmungen des Merula schwächten den Ort über Jahrhunderte. Von 1797 bis 1805 gehörte Andora zur napoleonisch geprägten Ligurischen Republik, anschließend bis 1814 direkt zu Frankreich. 1815 kam Ligurien an das Königreich Sardinien, und erst 1861 wurde es Teil des neu gegründeten Königreichs Italien. Die im Ort verbreitete Jahreszahl 1851 ist falsch.
Erzählt wird zudem eine Legende zum Ortsnamen: Ein sarazenischer Anführer soll die schöne Andalora entführt und ihren Verlobten Stefanello getötet haben, worauf sie sich im Meer das Leben nahm. Belegt ist daran nichts. Die Erzählung gehört zur lokalen Sagentradition, nicht zur Ortsgeschichte.
Anreise und beste Reisezeit
Aus Deutschland fährst du am schnellsten über die Schweiz: Gotthard oder San Bernardino, dann Richtung Genua und weiter auf der Küstenautobahn A10 nach Westen bis zur Ausfahrt Andora. Ab München oder Stuttgart sind es grob 700 bis 800 Kilometer und je nach Verkehr acht bis zehn Stunden, ab dem Rhein-Main-Gebiet rund 950 Kilometer. Mit dem Zug fährst du über Mailand oder Genua nach Andora, der Bahnhof liegt an der Küstenlinie von Genua nach Ventimiglia. Die nächsten Flughäfen sind Genua und Nizza, beide etwa 110 bis 130 Kilometer entfernt, von dort weiter per Mietwagen oder Bahn.
Aus Österreich bieten sich zwei Wege an. Von Tirol und dem Westen führt die kürzere Route über den Brenner, Verona und Mailand nach Genua, ab Innsbruck sind das etwa 650 Kilometer. Von Wien, Graz und dem Osten fährst du über Tarvis, Udine und die Poebene, hier sind es je nach Startpunkt 900 bis 1.000 Kilometer und ein Tag Fahrt. In beiden Fällen brauchst du eine österreichische Vignette und zahlst in Italien Streckenmaut.
Aus der Schweiz ist die Anfahrt am kürzesten. Ab Zürich oder Luzern über den Gotthard, ab Chur über den San Bernardino, dann durch die Poebene nach Genua und auf der A10 westwärts. Ab Zürich sind das rund 450 Kilometer und etwa fünf Stunden, ab Basel gut 500 Kilometer. Für Schweizer Nationalstraßen gilt Vignettenpflicht, in Italien wird die Maut streckenweise abgerechnet.
Gebadet wird von Juni bis September, am verlässlichsten im Juli und August, wenn das Meer um 24 Grad erreicht. Der August ist die vollste und teuerste Zeit, Anfang Juni und die zweite Septemberhälfte sind ruhiger bei fast gleichem Wetter. Frühjahr und Herbst gehören dem Radweg und den Wanderwegen im Hinterland: März bis Mai und Oktober bringen milde Temperaturen und klare Sicht. Im Winter bleibt das Klima mild, viele Strandbäder und Restaurants schließen dann aber.
























