Arona liegt am Südwestufer des Lago Maggiore, dort, wo der See sich verengt und wenige Kilometer weiter südlich bei Sesto Calende in den Fluss Tessin übergeht. Die Stadt gehört zur Provinz Novara im Piemont und zählt rund 13.700 Einwohner. Gegenüber, auf der lombardischen Seeseite, liegt Angera mit seiner Burg. Diese enge Stelle des Sees haben schon die Borromäer als strategischen Punkt genutzt, und genau daraus erklärt sich vieles, was Arona heute ausmacht.
Anders als die Hotelorte am oberen Seeufer ist Arona zuerst eine lebendige Kleinstadt und erst danach ein Touristenort. Die Uferpromenade und die Fußgängerzone gehören den Einheimischen genauso wie den Gästen, es gibt einen Bahnhof mit dichten Verbindungen und einen Alltag, der nicht nur um die Saison kreist. Wer den Lago Maggiore ohne den Trubel von Stresa erleben will, findet hier eine ruhigere, bodenständigere Basis, von der aus sich das ganze Südbecken des Sees gut erschließen lässt.
Der bekannteste Sohn der Stadt ist Karl Borromäus, geboren 1538 auf der Burg oberhalb von Arona. Der spätere Erzbischof von Mailand und Heilige prägt den Ort bis heute: Ihm ist die Kolossalstatue gewidmet, die über der Stadt aufragt, und sein Name taucht an Kirchen, Plätzen und im Stadtbild immer wieder auf. Arona ist damit weniger ein Postkartenmotiv als ein Ort mit eigener Geschichte, den man in ein bis zwei Tagen gut zu Fuß kennenlernt.
Der San Carlone, die begehbare Kolossalstatue
Das Wahrzeichen von Arona ist der Sancarlone, im Ort meist San Carlone genannt: eine Kolossalstatue des Karl Borromäus auf dem Hügel des Sacro Monte, etwas außerhalb des Zentrums. Die Figur selbst misst 23,40 Meter, mit dem Sockel von 11,70 Metern kommt das Denkmal auf rund 35 Meter Gesamthöhe. Damit war es nach seiner Fertigstellung 1698 lange die höchste begehbare Statue der Welt und blieb es bis zum Bau der Freiheitsstatue in New York.
Errichtet wurde die Statue zwischen 1614 und 1698 nach einem Entwurf von Giovanni Battista Crespi, genannt il Cerano. Der Kern besteht aus Mauerwerk und einem Gerüst aus Eisen und Holz, verkleidet mit Kupferblech; Kopf und Hände sind aus Bronze gegossen. Über eine Treppe im Inneren steigt man bis in den Kopf hinauf und blickt durch kleine Öffnungen in den Augen und den Ohren auf den See und die Ebene. Der Aufstieg ist eng und steil und für Menschen mit Höhenangst oder Platzangst nicht ideal.
Der San Carlone lässt sich in der Regel von Mitte März bis Ende Oktober besichtigen, üblicherweise vormittags von etwa 9 bis 12.30 Uhr und nachmittags von 14.30 bis 18 Uhr. Da die Zeiten je nach Saison schwanken, lohnt ein Blick auf die aktuellen Angaben vor Ort. Wer nicht hinaufsteigen möchte, sollte trotzdem hinauffahren: Vom Fuß der Statue reicht der Blick über das Südbecken des Lago Maggiore, und der Park ringsum eignet sich gut für eine Pause.
Die Rocca und der Parco della Rocca Borromea
Über der Stadt lag einst die Rocca di Arona, die Burg, auf der Karl Borromäus geboren wurde. Die Festung kontrollierte gemeinsam mit der gegenüberliegenden Burg von Angera die Engstelle des Sees. Napoleons Truppen schleiften die Anlage um 1800, sodass heute nur noch Ruinen und Mauerreste erhalten sind. Das Gelände ist als Parco della Rocca Borromea öffentlich zugänglich und kostenlos.
Der Weg hinauf führt durch einen weitläufigen Grünzug mit altem Baumbestand. Oben angekommen hat man einen der schönsten Ausblicke der Gegend: direkt hinunter auf die Dächer von Arona, hinüber zur Burg von Angera und über die Wasserfläche des Sees. Der Park ist ein guter Kontrast zum belebten Ufer und lässt sich in einem knappen Vormittag mit dem Zentrum verbinden.
Altstadt, Seepromenade und Piazza del Popolo
Das Herz von Arona ist die Piazza del Popolo direkt am Wasser, ein langgezogener Platz mit Arkaden, Cafés und Blick auf den See. Von hier zieht sich die Altstadt mit engen Gassen und der Fußgängerzone ins Landesinnere. Sehenswert ist die Kollegiatkirche Santa Maria Nascente aus dem 15. bis 17. Jahrhundert, in der ein Altarbild von Gaudenzio Ferrari hängt, sowie die Kirche Santa Maria di Loreto, vollendet 1592.
Am eindrücklichsten ist aber die Seepromenade. Sie verläuft über mehrere hundert Meter am Ufer entlang, gesäumt von Platanen, Blumenbeeten und Bänken, und gibt den Blick frei auf Angera und die gegenüberliegende Burg. Am Abend ist die Promenade Treffpunkt für einen Spaziergang oder einen Aperitivo. Von der Anlegestelle starten außerdem Kursschiffe und Ausflugsboote, die die Orte am Südbecken des Sees verbinden.
Ausflüge in die Umgebung
Arona ist ein guter Ausgangspunkt für das gesamte piemontesische Seeufer. Nur wenige Kilometer nördlich liegt Stresa, von wo aus die Borromäischen Inseln mit ihren Gärten und Palästen per Schiff erreichbar sind. Weiter am Ufer folgen Baveno mit seinen rosafarbenen Granitbrüchen und Verbania, bekannt für den botanischen Garten der Villa Taranto.
Nach Westen sind es rund 20 Kilometer zum kleineren, ruhigen Lago d'Orta mit dem Städtchen Orta San Giulio und der Klosterinsel San Giulio. Wer Kultur und Einkaufen sucht, erreicht die Provinzhauptstadt Novara mit ihrer markanten Kuppel in gut einer halben Stunde. Und direkt gegenüber lädt Angera zur Fahrt über den See ein, dessen Burg mit ihrem Puppenmuseum sich gut mit dem Blick von der Rocca in Arona zu einem Tag verbinden lässt.
Anreise und beste Reisezeit
Der nächste Flughafen ist Mailand-Malpensa, rund 30 Kilometer südöstlich von Arona. Vom Terminal fahren Direktbusse und über Gallarate auch Zugverbindungen zum Bahnhof Arona, die Fahrt dauert je nach Anschluss etwa 40 bis 50 Minuten. Der Bahnhof selbst ist ein wichtiger Knotenpunkt an der Strecke Domodossola-Mailand: Von Milano Centrale erreicht man Arona ohne Umsteigen, die Stadt liegt gut 65 Kilometer nordwestlich von Mailand.
Mit dem Auto führt aus Norden die Autobahn A26 vom Simplon und Gotthard her direkt am Westufer entlang; aus Mailand nimmt man die A8 und A26. In der Altstadt gilt teils eine verkehrsberuhigte Zone, Parkplätze finden sich entlang der Uferstraße und an den Rändern des Zentrums. Aus Österreich fährt man von Wien über die A2 und den San-Bernardino- oder Gotthard-Tunnel in etwa acht bis neun Stunden; aus der Schweiz ist Arona von Zürich über den Gotthard in rund zweieinhalb Stunden erreichbar.
Die beste Reisezeit sind Frühjahr und Herbst. Von April bis Juni stehen die Gärten der Region in Blüte, das Wetter ist mild und die Orte sind noch nicht überlaufen; September und Oktober bringen warme Tage, klare Fernsicht und ruhigere Promenaden. Der Hochsommer ist die lebhafteste, aber auch vollste und schwülste Zeit am See. Im Winter geht es deutlich stiller zu, viele Ausflugsboote und die Statue pausieren, dafür zeigt sich Arona dann von seiner alltäglichen, unaufgeregten Seite.



























