Cannobio liegt am Westufer des Lago Maggiore, ganz im Norden des Piemont und nur wenige Kilometer vor der Schweizer Grenze. Der Grenzübergang liegt im Ortsteil Piaggio Valmara, das Tessin beginnt praktisch hinter dem letzten Haus. Diese Randlage prägt den Ort bis heute: Cannobio ist italienisch im Tempo und in der Küche, aber gut erreichbar aus der Schweiz und darum seit Jahrzehnten ein fester Punkt auf der Landkarte deutschsprachiger Seeurlauber.
Mit rund 5.000 Einwohnern ist Cannobio kein Dorf mehr und keine Stadt, sondern ein kompakter Marktflecken mit langer Geschichte. Schon die Römer siedelten hier unter dem Namen Canobinum, im Mittelalter wurde der Ort zum Handelsplatz für Waren, die über die Alpenpässe kamen. Davon zeugt der geschlossene Kern aus Patrizierhäusern, die sich in einer bunten Reihe direkt an die Uferpromenade stellen. Dahinter beginnt ein Gassengewirr aus Kopfsteinpflaster, das kaum breiter ist als zwei ausgestreckte Arme.
Was Cannobio von den größeren Nachbarorten am See unterscheidet, ist die Mischung aus flachem Sandufer, mittelalterlichem Zentrum und dem wilden Tal im Rücken. Wer nicht nur am Wasser liegen, sondern auch wandern, radeln und in einer echten Altstadt bummeln will, findet hier beides auf engem Raum. Der lange Kiesstrand am nördlichen Ortsrand gehört zu den saubersten des Sees und trägt seit Jahren die Blaue Flagge.
Die Altstadt und der Palazzo della Ragione
Das älteste und auffälligste Bauwerk Cannobios ist der Palazzo della Ragione, auch Palazzo Parasio genannt. Er stammt aus dem Jahr 1291 und war einst Sitz von Rat und Gericht der freien Kommune. Direkt daneben ragt der Torre del Comune auf, der schlanke Stadtturm, der über die Dächer der Altstadt hinausreicht. Rund um diese beiden Bauten spielt sich das alte Cannobio ab: schmale Vicoli, Torbögen, kleine Höfe und die Casa dei Pironi aus dem 15. Jahrhundert.
Die Häuserfront am Wasser ist das Postkartenmotiv des Ortes. Die Fassaden aus dem 16. und 17. Jahrhundert sind in Ocker, Rosa und gebranntem Rot gehalten, im Erdgeschoss reihen sich Cafés, Eisdielen und Trattorien unter Arkaden. Am Abend, wenn die Sonne hinter den Tessiner Bergen verschwindet, färbt sich diese Zeile golden. Für einen Rundgang durch die Altstadt reicht eine gute Stunde, mit Einkehr wird leicht ein halber Tag daraus.
Der Sonntagsmarkt an der Uferpromenade
Der Wochenmarkt am Sonntag ist der größte Anziehungspunkt Cannobios und einer der bekanntesten Märkte am ganzen Lago Maggiore. Ab acht Uhr morgens ziehen sich die Stände über die gesamte Länge der Uferpromenade, mehrere Hundert an der Zahl, bis in den frühen Nachmittag hinein. Verkauft wird von Kleidung und Lederwaren über Käse, Salami und Olivenöl bis zu Haushaltswaren und Souvenirs. An Sonntagen im Hochsommer kommen so viele Besucher aus dem Tessin und den Nachbarorten, dass die Parkplätze am Ortsrand früh voll sind.
Wer den Trubel scheut, kommt am besten vor neun Uhr oder plant den Besuch außerhalb der Ferienwochen. Deutlich ruhiger ist der kleinere Wochenmarkt am Donnerstag, auf dem vor allem Lebensmittel angeboten werden. Beide Märkte sind ein guter Anlass, sich mit regionalen Produkten für ein Picknick am See einzudecken.
Orrido di Sant'Anna und das Val Cannobina
Rund zweieinhalb Kilometer westlich des Ortszentrums öffnet sich das Val Cannobina, und dort liegt der Orrido di Sant'Anna. Der Fluss Cannobino hat sich hier tief in den Schieferfels gegraben und eine enge Schlucht mit einem Wasserfall und mehreren klaren Gumpen geformt. Über die Klamm spannt sich eine alte Steinbrücke, und auf dem Felssporn darüber steht die kleine Kirche Sant'Anna aus dem 17. Jahrhundert, die der Schlucht ihren Namen gibt.
Im Sommer ist der Orrido ein beliebter Badeplatz, das kühle Gebirgswasser sammelt sich in Becken zwischen den Felsen. Vom Lido in Cannobio führt ein flacher Rad- und Fußweg am Fluss entlang bis zur Schlucht, ideal für eine Halbtagestour ohne große Steigung. Wer weiter ins Tal hineinfährt, erreicht abgelegene Bergdörfer wie Gurro und Falmenta, die einen Eindruck vom früheren Leben abseits des Sees geben.
Die Wallfahrtskirche Santuario della Pietà
Direkt am Ufer, am südlichen Ende der Promenade, steht das Santuario della Santissima Pietà. Die Wallfahrtskirche geht auf ein Ereignis von 1522 zurück, als ein kleines Andachtsbild der Pietà im Haus eines Bürgers Blut geweint haben soll. Der Mailänder Erzbischof Carlo Borromeo ließ an dieser Stelle eine Kirche errichten, gebaut wurde sie zwischen 1575 und 1614. Das verehrte Bildnis wird bis heute im Inneren aufbewahrt.
Neben dem Santuario lohnt auch die Collegiata di San Vittore einen Blick, deren romanischer Glockenturm über der Altstadt aufragt. Beide Kirchen liegen wenige Gehminuten auseinander und lassen sich gut in den Altstadtrundgang einbauen.
Ausflüge in die Umgebung
Cannobio ist ein guter Ausgangspunkt für den nördlichen Lago Maggiore. Nach Süden führt der sogenannte Völkerweg, ein historischer Saumpfad durch die Kastanienwälder oberhalb des Sees, in gut vier Stunden zu Fuß nach Cannero Riviera mit seinen vorgelagerten Burginseln. Weiter unten am See liegen Verbania mit dem botanischen Garten der Villa Taranto und der mondäne Kurort Stresa gegenüber den Borromäischen Inseln. Auch Baveno und das südlich gelegene Arona sind gut per Auto oder Kursschiff erreichbar.
Am schönsten erschließt sich der See vom Wasser aus. Die Kursschiffe legen mitten in Cannobio an und verbinden den Ort mit Luino am lombardischen Ostufer und mit Locarno auf der Schweizer Seite. Für einen Badetag lohnt sich der Blick auf die weiteren Strände am piemontesischen Seeufer, die von Kies bis feinem Sand reichen.
Anreise und beste Reisezeit
Der nächste größere Flughafen ist Mailand-Malpensa, gut 90 Kilometer entfernt und mit dem Mietwagen in rund anderthalb Stunden zu erreichen. Einen eigenen Bahnhof hat Cannobio nicht, die nächsten Stationen sind Verbania-Pallanza am Westufer und Locarno in der Schweiz, von wo aus Busse und Kursschiffe weiterführen. Mit dem Auto kommst du über die Uferstraße SS34, die von Verbania nordwärts direkt in den Ort führt. Im Zentrum gilt an vielen Stellen Parkraumbewirtschaftung, große Parkplätze liegen am nördlichen Ortsrand nahe dem Strand.
Aus der Schweiz ist Cannobio besonders schnell erreichbar. Von Zürich fährst du über den Gotthard nach Bellinzona und Locarno und dann am Ufer entlang, rund 220 Kilometer in etwa zweieinhalb Stunden. Aus Österreich ist der Weg länger: Von Wien sind es je nach Route rund 800 Kilometer, praktischer ist oft der Flug nach Malpensa mit anschließendem Mietwagen. Wer mit der Bahn reist, fährt bis Locarno und nimmt von dort das Schiff oder den Bus nach Cannobio.
Die beste Reisezeit sind Frühjahr und Herbst. Von Mai bis Juni blühen die Gärten der Region, die Temperaturen sind mild und der Sonntagsmarkt ist noch nicht überlaufen. Der September bringt warmes Seewasser und ruhigere Straßen. Der Hochsommer im Juli und August ist die lebhafteste, aber auch vollste Zeit, gerade an den Markttagen. Im Winter zieht sich das Leben zurück, viele Betriebe schließen, dafür zeigt sich der See von seiner stillen Seite.

























