Cannero Riviera liegt am Westufer des Lago Maggiore, im nördlichen Zipfel der Region Piemont und nur wenige Kilometer vor der Schweizer Grenze. Der Ort ist nach Süden ausgerichtet und von den Bergen im Rücken geschützt. Aus dieser Lage entsteht ein mildes Klima, das dem Küstenstreifen schon vor langer Zeit den Beinamen Riviera eingebracht hat.
Der Beiname ist keine Übertreibung. In den Gärten von Cannero gedeihen Zitronen, Orangen, Oliven und sogar Bananen, dazu Kamelien, Azaleen und Rhododendren. Wenn andernorts noch Winter herrscht, blühen hier die ersten Kamelien. Der Ort selbst ist überschaubar: eine schmale Uferpromenade, enge Gassen, eine Handvoll Hotels und Cafés, dahinter Weinberge und Kastanienwälder. Cannero ist kein lautes Ferienziel, sondern ein ruhiger Standort für alle, die den See ohne den Trubel der großen Nachbarn erleben wollen.
Berühmt ist Cannero Riviera vor allem für ein Bild, das es so am ganzen See kein zweites Mal gibt: zwei Felsinseln kurz vor dem Ufer, auf denen die Ruinen einer Wasserburg stehen. Dieser Anblick prägt jeden Blick von der Promenade aufs Wasser und macht den Ort zu einem der eigenwilligsten Punkte am oberen Lago Maggiore.
Die Castelli di Cannero auf den Felsinseln
Die Castelli di Cannero, auch Castelli di Malpaga genannt, liegen auf zwei kleinen Felseninseln unmittelbar vor der Küste. Errichtet wurde die ältere Anlage im 15. Jahrhundert; sie diente der Familie Mazzarditi als Unterschlupf, bevor sie zerstört wurde. Zwischen 1519 und 1521 ließ Ludovico Borromeo an gleicher Stelle die Festung Rocca Vitaliana bauen, deren Mauern bis heute aus dem Wasser ragen. Eine Burg direkt auf Seehöhe ist am Lago Maggiore eine große Seltenheit.
Lange waren die Ruinen nur vom Boot aus zu betrachten. Nach einer umfassenden Sicherung sind sie seit Juni 2025 wieder zugänglich. Besucher erreichen die Anlage mit einem Elektroboot von Cannero Riviera, Cannobio oder Luino aus; zum Besuch gehören eine geführte Runde und ein mehrsprachiger Audioguide. Wer nicht an Land gehen möchte, umrundet die Inseln bei einer kurzen Bootsfahrt und hat die Festung so aus nächster Nähe im Blick.
Uferpromenade, San Giorgio und die Gärten
Das Zentrum von Cannero ist zu Fuß in wenigen Minuten erschlossen. Die Pfarrkirche San Giorgio stammt aus den 1830er Jahren und ist dem heiligen Georg geweiht. Von der Piazza führt die Promenade am Wasser entlang, vorbei an Palmen und Oleander, mit freiem Blick auf die Burgruinen und das lombardische Ostufer. Am kleinen Lido gibt es einen Zugang zum See, der im Sommer zum Baden genutzt wird.
Wer mehr Zeit mitbringt, wandert auf den alten Saumpfaden in die Hügel hinter dem Ort. Ein beliebter Weg verbindet Cannero mit dem nördlich gelegenen Cannobio und führt durch Weinberge und Olivenhaine hoch über dem See. Die Gärten und die subtropische Bepflanzung, für die Cannero bekannt ist, prägen das gesamte Ortsbild und sind der Grund, warum der Frühling hier zu den schönsten Reisezeiten zählt.
Das Kamelienfest im Frühjahr
Im März richtet Cannero Riviera sein Kamelienfest aus, die Festa della Camelia. In der Sala Pietro Carmine werden dann zahlreiche Sorten gezeigt, von klassischen Zierkamelien bis zur Teekamelie. Zum Programm gehören eine Eröffnung mit Teeverkostung und kurze Bootsfahrten zu den Castelli di Cannero. Das Fest markiert den Beginn der Gartensaison am oberen See und ist ein guter Anlass, den Ort außerhalb der Sommermonate zu besuchen, wenn die Kamelien und die ersten Azaleen blühen.
Ausflüge in die Umgebung
Cannero ist ein guter Ausgangspunkt für den oberen Lago Maggiore. Nach Norden sind es nur wenige Kilometer bis Cannobio mit seiner langen Seepromenade und dem großen Sonntagsmarkt. Am jenseitigen Ufer lockt der Mittwochsmarkt von Luino, einer der bekanntesten Wochenmärkte der Region. Nach Süden erreichst du Verbania mit dem botanischen Garten der Villa Taranto, dessen Bestände zu den umfangreichsten Italiens zählen.
Weiter am See liegen Stresa und Baveno, von denen aus die Borromäischen Inseln angesteuert werden, sowie das südlicher gelegene Arona. Ein lohnender Abstecher ins Landesinnere führt zum stilleren Lago d'Orta mit dem Ort Orta San Giulio und der vorgelagerten Isola San Giulio. Für all diese Ziele bietet sich neben dem Auto die Schifffahrt an, die Cannero regelmäßig mit den Orten am See verbindet.
Anreise und beste Reisezeit
Der nächste Flughafen ist Mailand-Malpensa, rund 80 Kilometer entfernt; mit dem Auto bist du in gut einer Stunde da. Einen eigenen Bahnhof hat Cannero nicht. Der nächstgelegene Bahnhalt liegt in Verbania-Pallanza an der Strecke Mailand-Domodossola, etwa 20 Kilometer südlich; von dort geht es mit Bus oder Schiff weiter. Mit dem Auto erreichst du Cannero über die Uferstraße SS34, die den Ort mit Verbania und Cannobio verbindet. Im Zentrum ist der Platz begrenzt, du parkst am besten auf den ausgewiesenen Flächen nahe der Promenade und gehst die letzten Meter zu Fuß.
Aus Österreich fährst du meist über den Brenner und Mailand oder über die Schweiz zum Simplonpass und weiter nach Domodossola. Aus der Schweiz ist Cannero über den Simplon oder über Locarno und das obere Seeufer gut zu erreichen; von der Grenze bei Piaggio Valmara sind es nur wenige Kilometer. Die schönste Reisezeit reicht von Ende März, wenn die Kamelien blühen, bis in den Oktober. Der Hochsommer ist warm und lebhaft, während Frühling und Frühherbst mit milden Temperaturen, klarer Sicht auf die Berge und ruhigeren Orten die angenehmste Seite von Cannero zeigen.

























