Monte Sant’Angelo
Monte Sant'Angelo in Apulien: berühmt für die langobardische Grottenkirche San Michele, UNESCO-Welterbe und Wallfahrtsort. Geschichte…
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Der Gargano ist die Halbinsel im Norden von Apulien, die als Sporn am Stiefelabsatz weit in die Adria ragt. Politisch gehört sie zur Provinz Foggia, geologisch ist sie ein Kalkmassiv, das mit dem Monte Calvo auf 1.065 Meter steigt. Genau das macht den Unterschied zum übrigen Apulien: Statt flacher Ebenen und Olivenmeere findest du hier steile Küstenwände, Höhlen, Buchten mit Kieselstränden und darüber einen zusammenhängenden Buchenwald. Der Gargano-Nationalpark wurde 1991 eingerichtet und umfasst rund 121.000 Hektar, dazu gehören die vorgelagerten Tremiti-Inseln.
Touristisch ist der Gargano innerhalb Italiens längst kein Geheimtipp mehr, im deutschsprachigen Raum aber deutlich weniger bekannt als der Salento um Lecce. Die Struktur ist entsprechend anders: viele Campingplätze und Ferienwohnungen, kleinere familiengeführte Hotels, kaum Bettenburgen. Zwei Welterbestätten der UNESCO liegen auf engem Raum, die alten Buchenbestände der Foresta Umbra und das Michaels-Heiligtum in Monte Sant'Angelo. Wer Küste, Wald und Kulturgeschichte in einem Urlaub verbinden will, findet dafür in Italien wenige so kompakte Gebiete.
Der größte Ort ist Vieste an der Ostspitze. Die Altstadt sitzt auf einem Felsvorsprung, darunter liegt der Stadtstrand mit dem Pizzomunno, einem freistehenden Kalkmonolithen von rund 25 Metern Höhe. Der Name wird oft falsch als „Pizzomundo" geschrieben, richtig ist Pizzomunno. Er ist der Rest einer abgetragenen Felsformation aus Kalkstein der Oberkreide, also aus demselben Material wie die gesamte Steilküste.
Peschici liegt weiter westlich an der Nordküste, ebenfalls auf einem Felsen über einer Bucht, mit weißen Häusern und engen Gassen. Mattinata im Süden ist der Ausgangspunkt für den wildesten Küstenabschnitt der Halbinsel. Rodi Garganico an der Nordküste ist der dritte klassische Badeort, kleiner und ruhiger, mit Zitrus- und Orangenhainen im Hinterland.
Typisch für die Küste sind die Trabucchi, hölzerne Fischerkonstruktionen, die wie Gerüste auf den Felsen sitzen. Über lange Ausleger werden große Netze ins Wasser gelassen und wieder hochgezogen, ohne dass die Fischer hinausfahren müssen. Viele sind restauriert, manche arbeiten heute als Restaurant. Zwischen Mattinata und Vieste reihen sich außerdem Meereshöhlen aneinander, die du per Boot ansteuerst, darunter die Grotta delle Ondine. Bootstouren starten in der Saison von den Häfen in Vieste, Peschici und Mattinata.
Das grüne Herz der Halbinsel ist die Foresta Umbra, ein alter Buchen- und Mischwald, der sich über etwa 10.500 Hektar zwischen Vico del Gargano, Vieste und Monte Sant'Angelo zieht und bis auf 832 Meter steigt. Einzelne Buchen sind mehrere Hundert Jahre alt. 2017 wurden Teilflächen in die UNESCO-Welterbeliste aufgenommen, als Bestandteil der länderübergreifenden Stätte „Alte Buchenwälder und Buchenurwälder der Karpaten und anderer Regionen Europas". 2021 wurde die eingeschriebene Fläche erweitert.
Der Wald ist erschlossen, aber nicht überlaufen. Ein Besucherzentrum mit naturkundlicher Sammlung liegt an der Durchgangsstraße, von dort führen markierte Wege unterschiedlicher Länge in den Bestand. Bekannt ist der Gargano für seine wilden Orchideen: Rund 90 Arten sind hier nachgewiesen, das ist etwa die Hälfte aller in Italien erfassten Arten. Die häufig zu lesende Formulierung von der „größten Orchideenvielfalt Europas" lässt sich so nicht belegen, die Dichte auf kleinem Raum ist aber tatsächlich ungewöhnlich. Ophrys lacaitae etwa kommt praktisch nur hier vor. Blütezeit ist März bis Mai, rund um Mattinata am dichtesten.
Auch die Tierwelt weicht vom apulischen Durchschnitt ab. Im Nationalpark leben Rehe eines eigenen Bestands, dazu die halbwilden Podolica-Rinder, aus deren Milch der Caciocavallo Podolico gereift wird, einer der teuersten Käse Süditaliens. Im Nordwesten liegen mit den Lagunen von Lesina und Varano zwei große Küstenseen mit Dünen und Vogelzug.
Im Bergland liegen die beiden Wallfahrtsorte der Halbinsel. Monte Sant'Angelo ist der ältere und historisch gewichtigere. Das Santuario di San Michele Arcangelo ist um eine natürliche Grotte gebaut und gilt als das älteste Michaelsheiligtum Westeuropas, seit dem 5. Jahrhundert belegt. Im 7. Jahrhundert machten die Langobarden es zu ihrem Nationalheiligtum. 2011 nahm die UNESCO das Heiligtum als eine von sieben Teilstätten in die Welterbestätte „Die Langobarden in Italien, Orte der Macht 568 bis 774 n. Chr." auf. Ganz in der Nähe liegt die Klosteranlage Santa Maria di Pulsano mit ihren in den Fels gehauenen Eremitagen.
San Giovanni Rotondo ist der jüngere Anziehungspunkt. Hier lebte und wirkte Padre Pio bis zu seinem Tod 1968, 2002 wurde er heiliggesprochen. 2004 kam die von Renzo Piano entworfene Wallfahrtskirche dazu, ein weiter Rundbau mit begrüntem Kupferdach, der mehrere Tausend Menschen fasst und zu den größten Kirchen Italiens zählt. Der Ort wird oft als „größter Wallfahrtsort Europas" beworben. Belastbar ist das nicht: Für San Giovanni Rotondo werden je nach Quelle mehrere Millionen Besucher im Jahr genannt, für Lourdes und Fátima gilt Ähnliches, und die Zählweisen sind nicht vergleichbar. Unstrittig ist, dass San Giovanni Rotondo zu den meistbesuchten Pilgerzielen Italiens gehört.
Rund 20 Kilometer nördlich der Küste liegen die Tremiti-Inseln, eine Gruppe von fünf Inseln, von denen nur San Domino und San Nicola bewohnt sind. San Domino ist die grüne, touristisch erschlossene Insel mit Pinienwald und dem einzigen Sandstrand, San Nicola trägt die Geschichte: eine befestigte Klosteranlage über der Hafenbucht, jahrhundertelang auch Verbannungsort. Seit 1989 ist ein Teil des Archipels als Meeresschutzgebiet ausgewiesen, entsprechend klar ist das Wasser und entsprechend beliebt sind Schnorcheln und Tauchen.
Die Anreise geht per Schiff. Ganzjährig fahren Fähren und Tragflügelboote ab Termoli in Molise, die Überfahrt dauert je nach Schiff etwa 50 Minuten bis gut eine Stunde. In der Sommersaison kommen Verbindungen ab Vieste, Peschici und Rodi Garganico dazu. Für einen Tagesausflug reicht das, wer mehr will, bleibt eine Nacht.
Die bekanntesten Buchten liegen zwischen Mattinata und Vieste. Vignanotica ist ein Kieselstrand unter einer hellen Steilwand, frei zugänglich und über einen Fußweg vom Parkplatz erreichbar. Die Baia delle Zagare gehört zur Gemeinde Mattinata und ist an ihren beiden Felsnadeln im Wasser zu erkennen, der Landzugang ist stark reglementiert, weshalb viele sie vom Boot aus ansteuern. Nördlich von Peschici und rund um Rodi Garganico wird die Küste flacher, dort findest du längere Sandstrände mit Dünen, die für Familien einfacher sind. Einen Überblick über weitere Küstenabschnitte des Landes gibt unsere Seite zu Stränden in Italien.
Aus Deutschland fliegst du am einfachsten nach Bari, von dort sind es je nach Zielort etwa zwei bis drei Stunden mit dem Mietwagen. Der Flughafen Foggia Gino Lisa liegt näher, wird aber nur innerhalb Italiens bedient und kommt daher nur mit Umstieg infrage. Ohne Auto nimmst du den Zug bis Foggia oder San Severo und von dort die Regionalbahn der Ferrovie del Gargano Richtung Peschici Calenella, den Rest übernehmen Busse. Die Autoanreise ist ehrlich gesagt weit: Von München sind es je nach Route über 1.300 Kilometer, das ist eine Übernachtung unterwegs wert.
Aus Österreich gibt es je nach Saison Direktflüge ab Wien nach Bari, sonst geht es mit Umstieg über Rom oder Mailand. Mit dem Auto ab Wien führt der Weg über Tarvis, Bologna und die Adriaautobahn A14 bis Foggia oder Poggio Imperiale, gerechnet werden rund 1.200 Kilometer. Wer die Fahrt teilen will, legt einen Zwischenstopp an der Adriaküste zwischen Rimini und Pescara ein.
Aus der Schweiz fliegst du ab Zürich meist mit einem Umstieg nach Bari. Die Bahnvariante über Mailand und Bologna nach Foggia ist machbar, dauert aber einen vollen Tag. Mit dem Auto ab Zürich sind es über den Gotthard und die A14 gut 1.300 Kilometer, also ebenfalls eine Etappenfahrt.
Die beste Reisezeit liegt zwischen Mai und Oktober. Mai und Juni bringen warmes, aber noch nicht drückendes Wetter, offene Wanderwege und Orchideenblüte im Frühjahr. Juli und vor allem August sind heiß und voll, dann fahren viele italienische Familien an den Gargano, Unterkünfte sind früh ausgebucht und die Buchten am Vormittag am ruhigsten. September und Anfang Oktober sind eine gute Wahl, das Meer ist noch warm und die Preise fallen. Im Winter schließen viele Betriebe an der Küste, die Wallfahrtsorte im Bergland bleiben ganzjährig geöffnet.
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Tipp: Juli und August werden sehr heiß; Frühling und Herbst sind am angenehmsten.
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