Perugia
Umbrien

Perugia

Perugia - lebendige Stadt mit langer Geschichte

Perugia ist die Hauptstadt Umbriens und liegt auf einem rund 450 Meter hohen Hügel über dem Tibertal. Die Altstadt hat sich ihren mittelalterlichen Grundriss weitgehend bewahrt: enge, kopfsteingepflasterte Gassen, Treppen zwischen den Häusern und immer wieder Ausblicke über die grünen Hügel Umbriens bis zu den Gipfeln des Apennin. Anders als das nahe Assisi ist Perugia keine reine Museumsstadt, sondern eine lebendige Universitätsstadt mit gut 160.000 Einwohnern. Die Geschichte reicht weit zurück. Perugia war eine der zwölf großen Städte des etruskischen Bundes und trug später unter Kaiser Augustus den Namen Augusta Perusia. Aus dieser frühen Zeit stammen die mächtigen Stadtmauern und der berühmte Etruskerbogen, der noch heute den nördlichen Zugang zur Oberstadt bildet. Im Mittelalter wurde Perugia zu einer selbstbewussten Kommune,...

Perugia ist die Hauptstadt Umbriens und liegt auf einem rund 450 Meter hohen Hügel über dem Tibertal. Die Altstadt hat sich ihren mittelalterlichen Grundriss weitgehend bewahrt: enge, kopfsteingepflasterte Gassen, Treppen zwischen den Häusern und immer wieder Ausblicke über die grünen Hügel Umbriens bis zu den Gipfeln des Apennin. Anders als das nahe Assisi ist Perugia keine reine Museumsstadt, sondern eine lebendige Universitätsstadt mit gut 160.000 Einwohnern.

Die Geschichte reicht weit zurück. Perugia war eine der zwölf großen Städte des etruskischen Bundes und trug später unter Kaiser Augustus den Namen Augusta Perusia. Aus dieser frühen Zeit stammen die mächtigen Stadtmauern und der berühmte Etruskerbogen, der noch heute den nördlichen Zugang zur Oberstadt bildet. Im Mittelalter wurde Perugia zu einer selbstbewussten Kommune, die dem Papst und mächtigen Familien wie den Baglioni immer wieder trotzte. Diese Spannungen haben die Stadt geprägt, bis hinunter in ihre unterirdischen Gewölbe.

Wer nach Perugia kommt, erkundet die Stadt am besten zu Fuß, denn das historische Zentrum ist kompakt und autofrei. Vom Corso Vannucci, der zentralen Flaniermeile, sind die wichtigsten Sehenswürdigkeiten in wenigen Minuten erreichbar. Dazu kommen zwei Feste, die Perugia weit über Italien hinaus bekannt gemacht haben: das Jazzfestival Umbria Jazz im Juli und das Schokoladenfest Eurochocolate im Oktober.

Piazza IV Novembre: Fontana Maggiore und Palazzo dei Priori

Das Herz der Altstadt ist die Piazza IV Novembre, historisch auch Piazza Grande genannt. In ihrer Mitte steht die Fontana Maggiore, einer der bedeutendsten Brunnen des italienischen Mittelalters. Er entstand zwischen 1275 und 1278 und feierte die Ankunft des Wassers in der Oberstadt durch eine neue Wasserleitung. Die Reliefs und Figuren schufen Nicola Pisano und sein Sohn Giovanni, zwei der wichtigsten Bildhauer ihrer Zeit. Die beiden marmornen Becken tragen 25 Reliefpaare und Figuren, die Monatsbilder, biblische Szenen, die sieben freien Künste und Gestalten aus der Stadtgeschichte zeigen.

An der Piazza IV Novembre steht auch der Palazzo dei Priori, das wichtigste weltliche Bauwerk Perugias. Der gotische Palast wurde vom Ende des 13. bis ins 15. Jahrhundert in mehreren Phasen errichtet und diente der städtischen Selbstverwaltung. Bis heute ist ein Teil des Rathauses hier untergebracht. In den oberen Stockwerken befindet sich die Galleria Nazionale dell'Umbria, die bedeutendste Gemäldesammlung der Region. Vom Corso Vannucci führt ein prächtiges gotisches Portal in den Palast, über dem Bronzefiguren eines Greifs und eines Löwen wachen, den beiden Wappentieren der Stadt.

Der Dom San Lorenzo und die Gassen der Altstadt

Gegenüber dem Palazzo dei Priori erhebt sich der Dom San Lorenzo. Der gotische Bau wurde im 14. und 15. Jahrhundert errichtet, doch seine Fassade zur Piazza IV Novembre blieb unvollendet und zeigt bis heute rohes Mauerwerk. Das täuscht über das Innere hinweg, das mit Seitenkapellen, Gemälden und einer schlichten, weiten Hallenwirkung überrascht. Zu den verehrten Reliquien gehört der sogenannte heilige Ring, der der Überlieferung nach der Trauring der Jungfrau Maria sein soll und nur an wenigen Tagen im Jahr gezeigt wird. Vor dem Dom sitzen an milden Abenden Studenten und Einheimische auf den Stufen, ein fester Teil des Perugianer Stadtlebens.

Abseits der großen Plätze lohnt sich das Umherstreifen durch die engen Gassen, die sich über mehrere Ebenen den Hügel hinaufziehen. Immer wieder öffnen sich Bögen, kleine Höfe und Aussichtspunkte über das umbrische Umland. In den Seitenstraßen liegen Handwerksläden, kleine Lebensmittelgeschäfte und Trattorien, die umbrische Küche mit Trüffel, Wildschwein, Linsen und dem kräftigen ungesalzenen Brot der Region servieren. Ein lohnendes Ziel ist auch das Teatro Morlacchi, Perugias historisches Stadttheater aus dem frühen 19. Jahrhundert.

Rocca Paolina: die Festung und die versunkene Stadt

Eine der ungewöhnlichsten Sehenswürdigkeiten Perugias ist die Rocca Paolina, eine Festung am Südrand der Altstadt. Papst Paul III. ließ sie ab 1540 errichten, nachdem er die aufständische Stadt im sogenannten Salzkrieg unterworfen hatte. Entworfen wurde die Anlage von Antonio da Sangallo dem Jüngeren. Für den Bau wurde ein ganzes Stadtviertel mit den Palästen der mächtigen Familie Baglioni überbaut, sodass die Festung von den Bürgern als Symbol päpstlicher Unterdrückung empfunden wurde. Nach dem Anschluss Perugias an das Königreich Italien 1860 wurden die oberirdischen Teile weitgehend abgetragen.

Unter der Erde blieben jedoch ganze Straßenzüge, Häuser und Gewölbe erhalten. Heute lässt sich dieses versunkene Viertel bei einem Rundgang durchwandern, vorbei an mittelalterlichen Fassaden, Torbögen und Fundamenten, die bis in die etruskische Zeit zurückreichen. Praktisch ist die Rocca Paolina zugleich der bequemste Weg in die Oberstadt: Vom tiefer gelegenen Parkplatz und Busbahnhof an der Piazza Partigiani führen mehrere Rolltreppen durch die unterirdischen Gewölbe hinauf und enden nahe dem Corso Vannucci. Der Durchgang ist tagsüber frei zugänglich und ein Erlebnis für sich.

Arco Etrusco und das etruskische Perugia

Der Arco Etrusco, auch Arco di Augusto genannt, ist das eindrucksvollste Zeugnis der etruskischen Vergangenheit. Das gewaltige Tor stammt im Kern aus dem 3. Jahrhundert vor Christus und wurde später unter Kaiser Augustus umgestaltet. Von ihm stammt auch die Inschrift Augusta Perusia im oberen Bereich. Die massiven Quader aus Travertin und die feine Bogenform machten das Tor schon im Mittelalter berühmt. Direkt gegenüber steht der Palazzo Gallenga Stuart, in dem heute die Universität für Ausländer untergebracht ist, sodass sich hier antikes Erbe und studentisches Leben unmittelbar begegnen.

Die etruskischen Spuren ziehen sich durch die ganze Altstadt. Reste der antiken Stadtmauer sind an mehreren Stellen sichtbar, ebenso weitere Tore wie die Porta Marzia, die im 16. Jahrhundert in die Mauer der Rocca Paolina eingebaut wurde. Wer sich für diese frühe Epoche interessiert, findet auch außerhalb des Zentrums Zeugnisse, etwa den unterirdischen Grabbau Ipogeo dei Volumni, eine gut erhaltene etruskische Familiengruft aus dem 2. Jahrhundert vor Christus südöstlich der Stadt.

Corso Vannucci, Perugino und die Galleria Nazionale dell'Umbria

Der Corso Vannucci ist die zentrale Achse der Altstadt, eine breite, autofreie Straße, die die Piazza IV Novembre mit den südlichen Gärten der Stadt verbindet. Benannt ist sie nach Pietro Vannucci, besser bekannt als Perugino, dem großen Maler der umbrischen Renaissance. Cafés wie die traditionsreiche Pasticceria Sandri, Boutiquen und Buchläden reihen sich hier aneinander, und am Abend wird die Straße zum Schauplatz der Passeggiata, des gemeinsamen Bummelns.

Am Corso liegt auch das Nobile Collegio del Cambio, der ehemalige Sitz der Wechslerzunft. Seine Audienzhalle schmückte Perugino um 1500 mit einem berühmten Freskenzyklus, der antike Gestalten und christliche Motive verbindet. Perugino führte seine Werkstatt in der Stadt, und zu seinen Schülern zählte der junge Raffael, der in Perugia frühe Aufträge ausführte. Die Galleria Nazionale dell'Umbria im Palazzo dei Priori vertieft dieses Erbe: Sie zeigt auf zwei Etagen die umfassendste Sammlung der umbrischen Malerei vom 13. bis ins 19. Jahrhundert, mit Werken von Perugino, dem Beato Angelico, Piero della Francesca und vielen anderen.

Schokolade, Jazz und Universitäten

Über Italien hinaus ist Perugia für seine Schokolade bekannt. 1907 gründete Luisa Spagnoli zusammen mit den Familien Buitoni und Ascoli im Zentrum der Stadt das Unternehmen Perugina. 1922 erfand Luisa Spagnoli die Baci, mit Haselnuss gefüllte Schokoladenpralinen, in deren Verpackung bis heute ein kleiner Liebesspruch steckt. Bis heute gilt Perugia als italienische Schokoladenhauptstadt. Jedes Jahr im Oktober verwandelt das Festival Eurochocolate die Innenstadt in eine große Schokoladenmesse mit Ständen, Skulpturen und Verkostungen.

Der zweite große Termin im Kalender ist Umbria Jazz, eines der renommiertesten Jazzfestivals Europas. Seit 1973 treten im Juli nationale und internationale Größen auf Bühnen in der ganzen Altstadt auf, viele Konzerte sind frei zugänglich. Getragen wird das lebendige Stadtbild von den Studenten zweier Hochschulen: der Università degli Studi di Perugia, einer der ältesten Universitäten Italiens mit Wurzeln im Jahr 1308, und der 1921 begründeten Università per Stranieri, der Universität für Ausländer, an der Menschen aus aller Welt Italienisch und italienische Kultur lernen. Beide sorgen dafür, dass Perugia das ganze Jahr über jung und belebt bleibt.

Ausflüge in die Umgebung

Perugia ist ein guter Ausgangspunkt, um Umbrien und die angrenzende Toskana zu erkunden. Nur rund 25 Kilometer entfernt liegt Assisi, die Stadt des heiligen Franziskus mit ihrer gewaltigen Basilika. Nach Westen breitet sich der Lago Trasimeno aus, der viertgrößte See Italiens, an dessen Ufern und auf dessen Inseln sich Badeorte und stille Dörfer aneinanderreihen.

Wer mehr Zeit hat, fährt weiter zu den Bilderbuchstädten der Region. Gubbio im Norden bewahrt ein besonders geschlossenes mittelalterliches Stadtbild, Orvieto im Südwesten thront mit seinem prächtigen Dom auf einem Tuffsteinfelsen. Auch Spoleto mit seinem Festival und die Wasserfälle der Cascata delle Marmore bei Terni sind gut erreichbar. Eine Übersicht weiterer Ziele bietet die Seite zu den Ausflugszielen in Umbrien.

Anreise und beste Reisezeit

Der eigene Flughafen der Stadt trägt den Namen San Francesco d'Assisi und liegt in Sant'Egidio östlich von Perugia (IATA-Code PEG). Er wird saisonal von einigen europäischen Zielen angeflogen, ist aber vergleichsweise klein. Größere Verbindungen bieten die Flughäfen von Rom und Florenz, von denen aus Perugia bequem mit der Bahn zu erreichen ist. Mit dem Auto führt von Norden und Süden die Autobahn A1 heran, von der man über die vierspurige Schnellstraße E45 nach Perugia wechselt.

Perugia liegt an der Bahnstrecke von Foligno nach Terontola, die 1866 den Anschluss an die Linie zwischen Florenz und Rom herstellte. Der Hauptbahnhof Perugia Fontivegge liegt unterhalb der Altstadt. Von dort führt der MiniMetrò, eine automatische kleine Kabinenbahn, in wenigen Minuten hinauf bis zur Station Pincetto am Rand des historischen Zentrums. Mit dem Auto stellt man den Wagen am besten in einem der Parkhäuser der Unterstadt ab, etwa an der Piazza Partigiani, und nutzt die Rolltreppen der Rocca Paolina hinauf.

Die beste Reisezeit für Perugia sind das Frühjahr von April bis Juni sowie der frühe Herbst im September und Oktober. Dann ist das Wetter mild, die Hügel Umbriens stehen im satten Grün, und die großen Sommerhitzen bleiben aus. Der Juli lockt mit Umbria Jazz, ist aber warm und stärker besucht, der Oktober mit Eurochocolate. Der Winter ist ruhig und kann in der Höhenlage empfindlich kühl werden, hat aber mit klarer Fernsicht und leeren Gassen seinen eigenen Reiz. Umbrien insgesamt lässt sich das ganze Jahr über bereisen, und Perugia ist als Landeshauptstadt der ideale Ausgangspunkt dafür.

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Über den Autor

Marcus

Mitgründer von italien.de Reiseziele und Küche

Marcus fährt seit 2002 mehrmals im Jahr nach Italien, vom Norden bis in den Süden, mit einer Schwäche für die Toskana rund um Siena und Florenz. Zu Hause steht er nach Nonna-Art am Herd, und über seine Carbonara lässt er nicht mit sich verhandeln.

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Informationen

Informationen über Perugia

Region Umbrien
Provinz Perugia
Einwohner­zahl 166.676
Provinzkürzel PG
Postleitzahl 06121–06135
Vorwahl 075
Prominente Bürger Perugino (Maler)
Pinturicchio (Maler)
Galeazzo Alessi (Architekt)
Cesare Ripa (Gelehrter)
Mario Sereni (Opernsänger)
Städte­partnerschaft Aix-en-Provence (Frankreich)
Bratislava (Slowakei)
Grand Rapids (USA)
Potsdam (Deutschland)
Seattle (USA)
Tübingen (Deutschland)
Sport AC Perugia Calcio (Fußball)
Sir Safety Perugia (Handball)
Spezialitäten des Ortes Baci Perugina
Geschichte Perugia gehörte zu den zwölf mächtigsten etruskischen Städten und zum Zwölfstädtebunt.
Häufige Fragen

Perugia: Häufige Fragen

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Wann ist die beste Reisezeit für Perugia?
Am angenehmsten sind April bis Mai sowie September bis Oktober. Im Hochsommer erreichen die Tageshöchstwerte bis zu 31 Grad, der Winter fällt ruhiger und kühler aus.
Wie reist man nach Perugia an?
Die meisten Gäste aus Deutschland, Österreich und der Schweiz kommen mit dem eigenen Auto. Wer fliegen möchte, nutzt den nächstgelegenen Flughafen Perugia (PEG) und fährt von dort mit Bahn, Bus oder Mietwagen weiter.
Wie viele Tage sollte man für Perugia einplanen?
Für die wichtigsten Ziele genügt oft ein Tag, etwa als Tagesausflug in Kombination mit der Umgebung.
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