Spätbarocke Städte des Val di Noto
Die spätbarocken Städte des Val di Noto auf Sizilien: nach dem Erdbeben 1693 prächtig wiederaufgebaut,…
📍 Auf Karte anzeigen
Kaum eine Stadt Italiens trägt so viel Geschichte in sich wie Syrakus. Die Provinzhauptstadt im Südosten Siziliens war in der Antike die mächtigste Metropole der griechischen Welt, größer und einflussreicher als Athen. Der römische Redner Cicero nannte sie die größte und schönste aller Griechenstädte. Heute leben gut 110.000 Menschen in Syrakus, das sich am Ionischen Meer um einen der schönsten Naturhäfen des Mittelmeers ausbreitet.
Die Stadt hat zwei Gesichter. Auf der vorgelagerten Insel Ortigia drängt sich die barocke Altstadt mit Dom, Gassen und Uferpromenaden. Auf dem Festland liegt mit dem Parco Archeologico della Neapolis eine der bedeutendsten Ausgrabungszonen Europas, dazu frühchristliche Katakomben, ein erstklassiges Archäologiemuseum und eine weithin sichtbare moderne Wallfahrtskirche. Seit 2005 steht Syrakus gemeinsam mit der Felsnekropole von Pantalica auf der Welterbeliste der UNESCO.
Wer nur einen Tag Zeit hat, pendelt meist zwischen Ortigia und der Neapolis. Wer länger bleibt, entdeckt Strände und ein Meeresschutzgebiet vor der Haustür, Papyrusstauden an einem Fluss und mit Noto, Catania und dem Ätna drei lohnende Ausflugsziele in erreichbarer Nähe.
Um 734 v. Chr. gründeten griechische Siedler aus Korinth auf der Insel Ortigia eine Kolonie, die schnell auf das Festland hinüberwuchs. Unter Tyrannen wie Gelon, der 480 v. Chr. die Karthager in der Schlacht von Himera schlug, und später Dionysios I. stieg Syrakus zur beherrschenden Macht im westlichen Mittelmeer auf. Die Stadt gründete eigene Kolonien, unterhielt eine der stärksten Flotten ihrer Zeit und zog Dichter, Gelehrte und Baumeister aus der gesamten griechischen Welt an. Den Höhepunkt seines Selbstbewusstseins erlebte die Stadt im Peloponnesischen Krieg: Athen schickte von 415 bis 413 v. Chr. eine gewaltige Flotte nach Sizilien, um Syrakus zu unterwerfen. Die Expedition endete in einer vollständigen Niederlage der Athener, Tausende Gefangene wurden in den Steinbrüchen der Stadt eingesperrt. Auch der Philosoph Platon reiste mehrfach nach Syrakus, um am Hof der Tyrannen seine Staatsideen zu erproben, allerdings ohne Erfolg.
Der berühmteste Sohn der Stadt ist der Mathematiker und Ingenieur Archimedes, geboren um 287 v. Chr. Seine Wurfmaschinen und Hebelkonstruktionen hielten die römischen Belagerer jahrelang auf Abstand. Als die Truppen des Feldherrn Marcellus die Stadt 212 v. Chr. schließlich eroberten, wurde Archimedes von einem römischen Soldaten getötet, der Überlieferung nach, während er über einer geometrischen Zeichnung saß. Mit der römischen Eroberung endete die Ära der griechischen Großmacht. Später residierte hier sogar kurzzeitig ein byzantinischer Kaiser, 878 eroberten die Araber die Stadt, danach verlagerte sich das Gewicht Siziliens nach Palermo. Für Besucher ist dieser Abstieg ein Glücksfall: Weil Syrakus nie wieder zur Metropole wurde, blieben die antiken Stätten weitgehend erhalten.
Der archäologische Park im Stadtteil Neapolis ist der wichtigste Anlaufpunkt auf dem Festland und gehört zu den bedeutendsten Ausgrabungsstätten Italiens. Sein Herzstück ist das griechische Theater, das komplett aus dem Fels des Temenite-Hügels geschlagen wurde. Mit einem Zuschauerrund von rund 140 Metern Durchmesser zählt es zu den größten Theatern der antiken griechischen Welt; in seiner Blütezeit fasste es etwa 15.000 Zuschauer. Die erste Anlage entstand bereits im 5. Jahrhundert v. Chr., ihre heutige Form erhielt sie im 3. Jahrhundert v. Chr. unter König Hieron II. Von den oberen Rängen reicht der Blick über die Stadt bis zum Meer.
Das Besondere: Das Theater wird bis heute bespielt. Seit 1914 richtet das Nationale Institut für Antikes Drama (INDA) hier Festspiele mit klassischen Tragödien und Komödien aus, seit 2001 jedes Jahr, in der Regel von Mai bis Anfang Juli. Wer in dieser Zeit in Syrakus ist, kann Aischylos, Sophokles oder Euripides an dem Ort erleben, für den solche Stücke einst geschrieben wurden. Karten sind online über das INDA erhältlich und in der Hauptsaison früh ausgebucht. Tagsüber lässt sich das Theater im Rahmen des normalen Parkbesuchs besichtigen, während der Festspielsaison ist die Bühne dann teilweise mit Aufbauten belegt.
Gleich neben dem Theater liegt die Latomia del Paradiso, einer der antiken Steinbrüche, aus denen das Baumaterial der Stadt stammt. Heute ist die Latomie ein üppig bewachsener Garten mit Orangen- und Zitronenbäumen. Ihre Hauptattraktion ist das Orecchio di Dionisio, das Ohr des Dionysios: eine künstlich erweiterte Höhle, rund 23 Meter hoch und etwa 65 Meter tief, mit einer außergewöhnlichen Akustik. Der Name geht auf den Maler Caravaggio zurück, der die Grotte 1608 besuchte. Der Legende nach soll der Tyrann Dionysios I. hier eingekerkerte Gefangene belauscht haben, weil die Höhlenform selbst Geflüster nach oben trägt. Wer hineingeht, sollte den Effekt ruhig ausprobieren, ein Händeklatschen genügt.
Zum Park gehören außerdem zwei weitere Großbauten. Das römische Amphitheater aus der Kaiserzeit diente Gladiatorenkämpfen und Tierhetzen und gehört zu den größten seiner Art in Italien. Vom Altar Hierons II. ist nur noch der Sockel erhalten, doch allein der beeindruckt: Mit fast 200 Metern Länge war er der größte bekannte Opferaltar der Antike, auf dem bei Festen ganze Rinderherden geopfert wurden. Für den Besuch des gesamten Parks sollte man zwei bis drei Stunden einplanen, im Sommer am besten früh am Morgen, denn Schatten ist auf dem Gelände knapp. Festes Schuhwerk, Wasser und eine Kopfbedeckung gehören ins Gepäck. Eintrittskarten gibt es an der Kasse und online, wer den Besuch mit dem Archäologiemuseum Paolo Orsi verbinden will, fragt nach dem Kombiticket.
Über zwei kurze Brücken gelangt man vom Festland nach Ortigia, den historischen Kern von Syrakus. Auf der kaum einen Quadratkilometer großen Insel stehen der Dom, der in seinen Mauern die Säulen eines griechischen Athena-Tempels bewahrt, die Süßwasserquelle Fonte Aretusa mit ihren Papyrusstauden und ein lebhafter Markt. Abends verwandeln sich die Gassen und die Uferpromenade in die Flaniermeile der Stadt. Vom Festland aus ist Ortigia bequem zu Fuß erreichbar, die Wege von der Neapolis hinüber lassen sich auch mit dem Stadtbus abkürzen. Alles Wissenswerte zur Altstadtinsel mit ihren Sehenswürdigkeiten, Plätzen und Restaurants steht auf der eigenen Seite über Ortigia.
Auf dem Festland lohnt ein Abstecher zu den Katakomben von San Giovanni. Die unterirdischen Grabanlagen aus frühchristlicher Zeit gehören zu den größten außerhalb Roms und sind nur mit Führung zugänglich. Der Zugang liegt bei der Ruine der Basilika San Giovanni Evangelista, unter der sich auch die Krypta des heiligen Marcianus befindet, der als erster Bischof der Stadt verehrt wird. Die Gänge mit ihren tausenden Grabnischen vermitteln einen eindrucksvollen Einblick in das frühe Christentum auf Sizilien.
Nicht zu übersehen ist das Santuario della Madonna delle Lacrime, ein monumentaler Kirchenbau in Form eines Betonkegels, der 1994 geweiht wurde. Er erinnert an ein Madonnenbild, das 1953 in einem Haus in Syrakus Tränen vergossen haben soll, und ist heute eines der wichtigsten Wallfahrtsziele Siziliens. Direkt gegenüber liegt im Park der Villa Landolina das Museo Archeologico Regionale Paolo Orsi, eines der bedeutendsten archäologischen Museen Italiens. Mit über 18.000 Exponaten von der Vorgeschichte bis in die römische Zeit ergänzt es den Besuch der Ausgrabungen perfekt, denn viele Originalfunde aus der Neapolis und aus ganz Ostsizilien werden hier gezeigt.
Syrakus liegt direkt am Ionischen Meer, und wer Antike mit Badeurlaub verbinden will, ist hier richtig. Südlich der Stadt erstreckt sich auf der Halbinsel Maddalena das Meeresschutzgebiet Plemmirio, dessen klares Wasser, Höhlen und Steilwände es zu einem der bekanntesten Tauchreviere Italiens machen. Anbieter vor Ort organisieren Ausfahrten, eine Übersicht bietet die Seite der Tauchschulen auf Sizilien. Der beliebteste Sandstrand der Umgebung ist Fontane Bianche, rund 20 Kilometer südlich, mit flach abfallendem, hellem Sand und guter Infrastruktur für Familien. Weitere Strände der Region stellt die Übersicht der Strände Siziliens vor.
Eine Besonderheit versteckt sich südwestlich der Stadt: Am Fluss Ciane wächst Papyrus wild, eines der ganz wenigen Vorkommen in Europa. Bootstouren führen durch die dichten Bestände der Pflanze, aus der in Syrakus bis heute in kleinen Werkstätten Papier nach antikem Vorbild geschöpft wird. Die Verbindung hat Tradition, schon in der Antike galt die Stadt als Tor zwischen Griechenland und dem Nil.
Syrakus ist ein idealer Standort für Entdeckungen im Südosten Siziliens. Gut 35 Kilometer südwestlich liegt Noto, die wohl schönste Barockstadt der Insel, die nach dem großen Erdbeben von 1693 komplett neu errichtet wurde. Sie gehört wie Ragusa und Modica zu den spätbarocken Städten des Val di Noto, die ebenfalls UNESCO-Welterbe sind. Wer weiter in den Süden fährt, erreicht das Fischerdorf Marzamemi mit seiner alten Thunfischfabrik und Restaurants direkt am Wasser.
In der Gegenrichtung wartet Catania, die quirlige zweitgrößte Stadt Siziliens, gut 60 Kilometer nördlich und per Bahn oder Bus einfach zu erreichen. Über ihr erhebt sich der Ätna, der höchste aktive Vulkan Europas. Ein Tagesausflug zu den Kraterlandschaften lässt sich von Syrakus aus gut organisieren, ob mit dem Mietwagen oder mit einer geführten Tour ab der Stadt.
Der nächste Flughafen ist Catania-Fontanarossa, rund 60 Kilometer nördlich, mit Direktflügen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz. Vom Flughafen fahren Direktbusse nach Syrakus, die Fahrt dauert etwa eine Stunde. Alternativ geht es mit dem Regionalzug ab Catania Centrale in gut einer Stunde zum Bahnhof Siracusa, der Bahnhof liegt zentral zwischen Neapolis und Ortigia. Auch Fernbusse verbinden Syrakus mit Palermo, Taormina und anderen Städten der Insel. Mit dem Mietwagen führt die Autobahn A18 von Catania direkt nach Syrakus. In der Stadt parkt man am besten auf den großen Parkplätzen am Rand der Altstadt, etwa dem Parcheggio Talete nahe Ortigia, denn die Insel selbst ist für den Autoverkehr weitgehend gesperrt. Allgemeine Tipps zur Fahrt nach Italien bündelt die Seite zur Anreise.
Die beste Reisezeit sind die Monate Mai, Juni, September und Oktober: warm genug zum Baden, aber ohne die Hitze des Hochsommers, in dem die Temperaturen regelmäßig über 30 Grad steigen und die Ausgrabungen kaum Schatten bieten. Der Mai und Juni haben zudem den Vorteil, dass dann die Festspiele im griechischen Theater laufen. Baden ist oft bis in den Oktober hinein möglich. Auch im Winter lohnt Syrakus, die Temperaturen bleiben meist mild, und die antiken Stätten gehören dann fast allein den wenigen Besuchern.
Hotels, B&Bs und Resorts mit Live-Preisen und Gästebewertungen auf Booking.com.
Unterkünfte in Syrakus ansehen →Vermittelt über Booking.com. Bei einer Buchung erhält italien.de eine Provision, für dich ohne Aufpreis.
Hotels, Apartments und Ferienwohnungen von Booking.com, Hotels.com u. a. mit Live-Preisen auf einen Blick.
Anzeige · Preise & Verfügbarkeit von Booking.com, Hotels.com, FeWo u. a. auf einen Blick.
Die spätbarocken Städte des Val di Noto auf Sizilien: nach dem Erdbeben 1693 prächtig wiederaufgebaut,…
📍 Auf Karte anzeigenKunstjuwel oder Objekt der Schande? Die Fontana Pretoria in Palermo entzweit die Hauptstädter.
UNESCO Weltkulturerbe
Weltnaturerbe Ätna, Siziliens feuerspeiender Riese
Meisterwerk der Kunst und Architektur
Ihr prächtiger Innenraum mit seinen einzigartigen byzantinischen Gold- Mosaiken hat sie weltberühmt gemacht: Die Kirche…
Grandiose Baukunst, fulminante Opernaufführungen oder Juwelen der Filmgeschichte, das Teatro Massimo von Palermo verbindet jeder…
Die Villa Romana del Casale gehört seit 1997 zum UNESCO-Weltkulturerbe..
Skip-the-Line-Tickets, Touren und Stadtpässe. Buchbar über GetYourGuide.
Affiliate-Links: Bei einer Buchung erhält italien.de ggf. eine Provision. Für dich bleibt der Preis gleich.
Wetterdaten © OpenWeather, aktualisiert alle 6 Std.
Durchschnittliche Tageshöchsttemperaturen im Jahresverlauf.
Am angenehmsten: März bis Mai sowie Oktober bis Dezember.
Tipp: Juli und August werden sehr heiß; Frühling und Herbst sind am angenehmsten.
| Region | Sizilien |
| Provinz | Syrakus |
| Einwohnerzahl | 122.031 |
| Provinzkürzel | SR |
| Postleitzahl | 96100 |
| Vorwahl | 0931 |
| Prominente Bürger | Philistos (griechischer Historiker) Archimedes (Mathematiker, Physiker) Lucia von Syrakus (Märthyrerin, Heilige) |
| Italienischer Name | Siracusa |
| Sport | Canottieri Ortigia (Wasserball) |
| Geschichte | Syrakus gehörte in der Antike zu den größten und mächtigsten Städten auf Sizilien. |
| Lage | an der Südost-Küste Siziliens |
Die wichtigsten Antworten für deine Reiseplanung auf einen Blick.
Passende Reiseideen rund um Syrakus.
Handverlesene Reiseführer für die beste Vorbereitung deiner Reise.
Syrakus, Ortigia und die Südostküste.
Bei Amazon ansehen →Das antike Syrakus ausführlich.
Bei Amazon ansehen →Ortigia, Ohr des Dionysios und Antike.
Bei Amazon ansehen →Anzeige · Affiliate-Links: Bei einem Kauf über Amazon erhält italien.de eine Provision. Für dich bleibt der Preis gleich.
Sichere dir die besten Hotels, Tickets ohne Anstehen und den kompletten Reiseführer in Syrakus.