Agrigento liegt an der Südküste von Sizilien, rund vier Kilometer vom Meer entfernt auf einem Hügel über der Küstenebene. Die Stadt hat etwa 55.000 Einwohner und ist Hauptort der gleichnamigen Provinz. Bekannt ist sie für das Tal der Tempel, seit 1997 UNESCO-Weltkulturerbe.
Wer nach Agrigento fährt, kommt in aller Regel wegen dieser Tempel. Sie stehen nicht in einem Tal, sondern auf einem Höhenrücken südlich der heutigen Stadt. Dazu kommen drei Gründe, die im Reiseprogramm oft untergehen: die Mergelklippe Scala dei Turchi westlich der Stadt, das Geburtshaus des Literaturnobelpreisträgers Luigi Pirandello und die mittelalterliche Altstadt auf dem Hügel. Zusammen ergibt das gut zwei volle Tage.
Das Tal der Tempel und das antike Akragas
Die griechische Stadt Akragas wurde um 582 vor Christus von Siedlern aus Gela gegründet und wuchs binnen weniger Generationen zu einer der reichsten Städte der griechischen Welt. Der Wohlstand kam aus Getreide, Wein, Oliven und dem Handel nach Karthago. Sichtbar wird er bis heute an der Tempelreihe auf dem südlichen Höhenrücken, die im fünften Jahrhundert vor Christus in wenigen Jahrzehnten entstand.
Der Concordiatempel ist der Grund, warum die Anlage weltweit bekannt ist. Er entstand um 440 bis 430 vor Christus, misst sechs mal dreizehn Säulen und gilt als einer der besterhaltenen dorischen Tempel überhaupt, oft in einem Atemzug mit dem Hephaisteion in Athen genannt. Erhalten blieb er, weil Bischof Gregor ihn im sechsten Jahrhundert nach Christus zur christlichen Basilika umbauen ließ. Der Name stammt von einer lateinischen Inschrift aus der Nähe, die mit dem Bau nichts zu tun hat.
Die übrigen Bauten stehen auf derselben Achse und lassen sich zu Fuß abgehen:
- Der Junotempel (Tempio di Giunone) liegt am östlichen Ende und am höchsten, gebaut um 450 vor Christus. Auch seine Zuschreibung geht auf eine Fehldeutung antiker Quellen zurück.
- Der Heraklestempel ist der älteste der Reihe, von ihm stehen acht wieder aufgerichtete Säulen.
- Das Olympieion, der Tempel des olympischen Zeus, wurde nach dem Sieg über die Karthager 480 vor Christus begonnen, blieb unvollendet und liegt heute als Trümmerfeld da.
- Vom Dioskurentempel stehen vier Säulen mit einem Gebälkstück, aufgerichtet im 19. Jahrhundert. Sie sind das meistfotografierte Motiv nach dem Concordiatempel.
Besuch im Tempelpark: Eingänge, Telamon, Museum
Der archäologische Park umfasst rund 1.300 Hektar und ist damit der größte in Europa. Es gibt zwei Kassen mit Parkplatz: den Eingang am Junotempel an der Via Panoramica dei Templi im Osten und den Eingang Porta Quinta Sant'Anna im Westen, der auch von Reisebussen angefahren wird. Der klassische Weg beginnt oben am Junotempel und führt bergab an Concordia und Herakles vorbei, ein Shuttle bringt dich zurück zum Ausgangspunkt.
Plane den Besuch früh am Morgen oder am späten Nachmittag. Auf dem Höhenrücken gibt es kaum Schatten, im Juli und August steigen die Temperaturen regelmäßig über 35 Grad. Nimm Wasser, Kopfbedeckung und feste Schuhe mit. In der Sommersaison bietet der Park zusätzlich Abendführungen und Besichtigungen bei Sonnenuntergang an, die Termine wechseln jährlich und stehen auf der offiziellen Parkseite.
Beim Olympieion liegt ein Telamon in voller Länge zwischen den Trümmern, eine gut acht Meter hohe Kolossalfigur, die als Stütze im Gebälk stand. Was du im Gelände siehst, ist ein Abguss, das Original steht im Regionalen Archäologischen Museum Pietro Griffo im Parkgelände. Es zeigt rund 5.700 Fundstücke von der Vorgeschichte bis in die römische Zeit und erklärt vieles, was draußen ohne Kontext bleibt. Plan dafür eine gute Stunde ein, das Ticket gibt es in Kombination mit dem Park.
Scala dei Turchi bei Realmonte
Rund 15 Kilometer westlich von Agrigento fällt bei Realmonte eine weiße Klippe stufenförmig ins Meer ab. Das Material ist Mergel, ein weicher Kalk-Ton-Stein, den Wind und Wasser zu breiten Absätzen geformt haben. Der Name verweist auf Überfälle sarazenischer und osmanischer Seefahrer, die hier angelandet sein sollen.
Der Zugang ist seit Jahren geregelt und war mehrfach ganz gesperrt. Das Betreten des Mergels selbst ist seit 2020 untersagt, ein Zaun hält den Abstand ein, weil das Gestein stark erodiert. Seit April 2026 ist das Gelände wieder geöffnet, allerdings mit begrenzter Besucherzahl pro Tag, festen Öffnungszeiten und Eintritt. Bei Hitzewarnungen sperrt die Gemeinde Realmonte kurzfristig, das ist im Sommer 2026 mehrfach passiert. Prüf deshalb vor dem Besuch die Ankündigungen der Gemeinde. Der Blick auf die Klippe von den benachbarten Stränden aus ist immer möglich.
Die Altstadt auf dem Hügel
Die heutige Stadt sitzt oberhalb des antiken Geländes und ist mittelalterlich geprägt. Der Dom San Gerlando wurde Ende des 11. Jahrhunderts von Gerlando gegründet, dem ersten Bischof nach der normannischen Eroberung. Sein heutiges Erscheinungsbild stammt aus späteren Umbauten, vor allem aus dem 17. Jahrhundert. Wegen Hangbewegungen war der Dom lange nur eingeschränkt zugänglich, informier dich vor Ort über den Stand.
Die Kirche Santa Maria dei Greci steht auf den Fundamenten eines dorischen Tempels aus dem fünften Jahrhundert vor Christus, in einem seitlichen Gang siehst du die antiken Säulenstümpfe im Mauerwerk. Hauptachse der Altstadt ist die Via Atenea, eine Geschäftsstraße mit Bars und Cafés. Von den Aussichtspunkten am Südrand des Hügels blickst du über den gesamten Tempelrücken bis zum Meer, am Abend sind die Tempel beleuchtet.
Luigi Pirandello und die Contrada Caos
Etwa vier Kilometer außerhalb, in der Contrada Caos Richtung Porto Empedocle, wurde am 28. Juni 1867 Luigi Pirandello geboren. Seine Mutter hatte sich in das Landhaus der Familie zurückgezogen, um einer Choleraepidemie zu entgehen. Pirandello erhielt 1934 den Nobelpreis für Literatur, bekannt sind vor allem "Sechs Personen suchen einen Autor" und der Roman "Mattia Pascal".
Das Haus aus dem späten 18. Jahrhundert kaufte die Region Sizilien 1952 an, seit 1987 ist es Museum mit Manuskripten, Fotografien und persönlichen Gegenständen. Ein Feldweg führt zur Stelle einer alten Pinie, unter der Pirandellos Asche beigesetzt wurde. Der Baum fiel 1997 einem Sturm zum Opfer, der Gedenkstein mit der Urne steht weiter da. Der Besuch dauert keine Stunde.
Strände und Ausflüge in der Umgebung
San Leone ist der Stadtstrand von Agrigento, gut vier Kilometer südlich, mit langem Sandstrand, Lidos, Restaurants und einem Yachthafen. Im Sommer fahren regelmäßig Stadtbusse dorthin. Westlich reihen sich die Strände von Realmonte und Siculiana Marina, östlich liegen Richtung Palma di Montechiaro ruhigere Buchten. Einen Überblick zur Küste findest du in unserer Übersicht zu den Stränden in Italien.
Die römische Villa del Casale bei Piazza Armerina mit ihren Bodenmosaiken erreichst du in gut anderthalb Stunden, die barocken Städte des Val di Noto liegen weiter östlich. Wer die Insel im Ganzen bereist, kombiniert Agrigento meist mit Syrakus im Südosten, dem Küstenort Taormina und einer Tour zum Ätna.
Anreise und beste Reisezeit
Aus Deutschland ist der Normalfall ein Flug nach Palermo oder Catania und von dort ein Mietwagen. Beide Flughäfen liegen etwa 160 bis 170 Straßenkilometer entfernt, die Fahrt dauert rund zwei Stunden. Direktflüge gibt es aus Frankfurt, München, Düsseldorf, Berlin und Hamburg, im Sommer häufiger als im Winter. Ohne Auto kommst du von Palermo per Zug oder Bus nach Agrigento, beide brauchen ungefähr zwei bis zweieinhalb Stunden. Ab Catania fährt ein Direktbus, der Zug erfordert Umsteigen. Für Scala dei Turchi und Pirandellos Geburtshaus ist ein Auto klar im Vorteil.
Aus Österreich fliegst du ab Wien direkt nach Palermo oder Catania, ab Graz, Linz und Salzburg mit Umstieg. Die Bahnanreise über Villach, Rom und Messina dauert mit Nachtabschnitt gut anderthalb Tage. Mit dem Auto sind es ab Wien rund 1.800 Kilometer plus Fährpassage über die Straße von Messina, alternativ eine Nachtfähre ab Neapel oder Genua nach Palermo.
Aus der Schweiz führen Direktflüge ab Zürich und Genf nach Catania und Palermo, ab Basel je nach Saison. Mit dem Auto ab Zürich sind es etwa 1.700 Kilometer über den Gotthard und die italienische Westküste, auch hier ist die Fähre ab Genua die bequemere Variante. Per Bahn fährst du über Mailand und Rom und steigst in Palermo auf Regionalzug oder Bus um.
Die beste Reisezeit sind April bis Anfang Juni und September bis Oktober. Dann liegen die Temperaturen meist zwischen 20 und 28 Grad, das Meer ist im Herbst noch warm, und der Tempelpark lässt sich auch mittags begehen. Juli und August sind heiß und trocken, oft über 35 Grad, dazu voll und teuer. Der Winter ist mild, aber wechselhaft. Ein eigener Anlass ist die Mandelblüte: Die Sagra del Mandorlo in Fiore, ein internationales Folklorefest mit Umzügen durch Stadt und Tempeltal, findet im März statt, 2026 vom 7. bis 15. März.


































