Salerno am Golf: eigene Stadt und praktischste Basis für die Amalfiküste
Salerno ist mit rund 126.000 Einwohnern die zweitgrößte Stadt Kampaniens und liegt am Nordende des gleichnamigen Golfs, dort wo die Amalfiküste endet und die Ebene des Sele beginnt. Der Ort war schon vor den Römern besiedelt; 197 v. Chr. legten die Römer auf dem Gelände einer älteren, vermutlich etruskisch geprägten Siedlung die Kolonie Salernum an, zunächst als Militärposten zur Kontrolle der Picentiner. Heute ist Salerno keine Kulisse, sondern ein funktionierender Ort mit Hafen, Universität und einem mittelalterlichen Kern unterhalb des Castello Arechi. Hier wohnen Menschen, die nicht vom Tourismus leben, und das prägt Preise und Öffnungszeiten.
Genau das macht Salerno für viele zum besseren Standort als Amalfi oder Positano. Übernachtungen kosten deutlich weniger, der Bahnhof liegt mitten in der Stadt und hat Fernverkehrsanschluss, vom Hafen fahren Fähren die Küste entlang, nach Süden erreichst du Paestum und den Cilento in einer knappen Stunde. Du wohnst zentral zwischen drei sehr unterschiedlichen Zielen, statt täglich die Serpentinen der Küstenstraße zu fahren. Dazu kommt eine Stadtgeschichte von europäischem Format: Salerno war Hauptstadt der Normannen in Süditalien und Sitz der ersten Medizinschule des Abendlandes.
Die Scuola Medica Salernitana, das medizinische Zentrum Europas
Die Scuola Medica Salernitana gilt als älteste Medizinschule des Abendlandes und als Vorläuferin der europäischen Universitäten. Ihre Anfänge reichen ins 9. Jahrhundert zurück, ihre Blütezeit lag zwischen dem 10. und dem 13. Jahrhundert. Der Grund für die Sonderstellung liegt in der Lage: In Salerno trafen lateinische, griechische, arabische und jüdische Medizintradition zusammen. Constantinus Africanus übersetzte hier im 11. Jahrhundert arabische und antike Texte ins Lateinische und machte damit Hippokrates und Galen im lateinischen Europa wieder verfügbar.
Aus Salerno stammt auch das "Regimen sanitatis Salernitanum", eine in Versen verfasste Gesundheitslehre, die über Jahrhunderte in ganz Europa abgeschrieben wurde. Bemerkenswert ist außerdem, dass Frauen an der Schule lehrten und schrieben, allen voran Trota von Salerno aus dem 12. Jahrhundert, auf die die einflussreichsten mittelalterlichen Texte zur Frauenheilkunde zurückgehen. Aufgelöst wurde die Schule erst 1811 durch ein Dekret Joachim Murats, der nur noch Abschlüsse der Universität Neapel anerkannte. Ein Museum in der Altstadt erzählt die Geschichte nach.
Direkt daraus hervorgegangen ist der Giardino della Minerva, ein Terrassengarten am Hang über der Altstadt. Matteo Silvatico legte hier im frühen 14. Jahrhundert einen Garten mit Heilpflanzen an, an denen die Studenten die Wirkstoffe kennenlernten; er gilt als Vorläufer aller späteren botanischen Gärten Europas. Heute sind die Pflanzen nach der mittelalterlichen Säftelehre geordnet, von den obersten Terrassen siehst du über die Dächer auf den Golf. Der Aufstieg durch die Gassen ist steil.
Altstadt, Duomo San Matteo und Castello Arechi
Der historische Kern zieht sich entlang der Via dei Mercanti, der alten Handelsachse, von der schmale Gassen und Treppen abgehen. Hier reihen sich Werkstätten, Weinlokale und kleine Läden aneinander; abends ist die Straße voll, sie ist das Ausgehviertel der Stadt.
Wichtigstes Bauwerk ist der Duomo San Matteo, den Robert Guiskard ab 1076 errichten ließ, nachdem 1079 die Gebeine des Apostels Matthäus wiederentdeckt worden waren. Papst Gregor VII. weihte die Kirche 1084 persönlich; er war nach Salerno geflohen und starb dort im Jahr darauf, sein Grab liegt in der Kathedrale. Die Reliquien des Apostels ruhen in der Krypta, deren Ausstattung aus dem frühen 17. Jahrhundert zu den aufwendigsten Barockräumen Kampaniens gehört. Vor der Kirche liegt ein Atrium mit antiken Säulen aus Paestum, im Inneren stehen zwei Ambonen mit mittelalterlicher Mosaikarbeit.
Über der Stadt liegt das Castello di Arechi auf rund 300 Metern Höhe. Der Name geht auf den Langobardenfürsten Arechis II. zurück, der Salerno im 8. Jahrhundert zu seiner Residenz machte und die Burg in das Verteidigungssystem der Stadt einband; die heutige Anlage wuchs über Jahrhunderte und wurde unter Normannen, Staufern und Aragonesen weiter ausgebaut. Im Inneren zeigt ein kleines Museum Keramik und Münzfunde, der eigentliche Grund hinaufzufahren ist der Blick über den ganzen Golf. Ein Stadtbus fährt hinauf, zu Fuß ist der Weg schattenlos.
Lungomare Trieste und der Stadtstrand
Die Uferpromenade Lungomare Trieste entstand zwischen 1926 und 1933 nach dem Vorbild der französischen Riviera und zieht sich über rund zwei Kilometer vom historischen Zentrum bis zum Touristenhafen, mit Palmen und Pinien bepflanzt und abends die Flaniermeile der Stadt. Die verbreitete Behauptung, sie sei eine der längsten Promenaden Europas, lässt sich nicht belegen; sie gehört zu den längsten Süditaliens.
Direkt an die Altstadt schließt der Stadtstrand Santa Teresa an, ein dunkler Kiesstrand mit freien Abschnitten und Strandbädern. Er ersetzt keine Badewoche im Cilento, ist aber praktisch nach einem Besichtigungstag. Am westlichen Ende liegt die Stazione Marittima, der 2016 eröffnete Fährterminal von Zaha Hadid.
Luci d'Artista: der Winter ist eigene Reisezeit
Von Mitte November bis Ende Januar oder Anfang Februar verwandeln die Luci d'Artista die Innenstadt in eine Folge von Lichtinstallationen. Das Festival läuft seit 2006 und ist kein gewöhnlicher Weihnachtsschmuck: Die Arbeiten werden von Künstlern entworfen, wechseln jedes Jahr das Thema und bespielen Villa Comunale, Altstadtplätze, Promenade und Hafen, täglich ab dem frühen Abend.
An den Adventswochenenden kommen Tagesgäste aus der ganzen Region, Hotelpreise ziehen an und die Innenstadt ist zeitweise für Autos gesperrt. Buche früh und reise mit der Bahn an. Die genauen Termine gibt die Stadt jedes Jahr im Herbst bekannt.
Ausflüge: Amalfiküste, Paestum und Cilento
Salerno ist der östliche Ausgangspunkt der Amalfiküste. Die Küstenstraße SS163 beginnt hinter Vietri sul Mare und führt über Cetara, Maiori und Minori nach Amalfi, von dort hinauf nach Ravello und weiter nach Positano. Im Sommer steht diese Straße häufig, Parkplätze sind knapp und teuer. Die entspanntere Alternative ist die Fähre: Ab den Molen Concordia und Manfredi bedienen mehrere Reedereien, darunter Travelmar und Alicost, die Strecken nach Amalfi und Positano sowie nach Minori, Maiori und Cetara. Der Betrieb ist saisonal, Fahrpläne und Preise wechseln jährlich und gehören vorab beim Anbieter geprüft.
Nach Süden liegt Paestum, rund 35 bis 40 Kilometer entfernt und mit dem Regionalzug in gut einer halben Stunde erreichbar. Die drei dorischen Tempel der griechischen Kolonie Poseidonia gehören zu den besterhaltenen der Welt, dazu kommen Forum, Amphitheater, die mehrere Kilometer lange Stadtmauer und das Museum mit den Malereien aus dem Grab des Tauchers. Weiter südlich beginnt der Nationalpark Cilento, Vallo di Diano e Alburni, der zusammen mit Paestum und Velia zum UNESCO-Welterbe zählt und mit ruhigen Stränden und Bergdörfern ein eigenes Reiseziel ist.
Nach Norden erreichst du per Bahn in gut einer halben Stunde Pompeji, in rund 45 Minuten Neapel und über die Halbinsel auch Sorrent. Kampanien lässt sich von Salerno aus also ohne Standortwechsel abfahren.
Anreise und beste Reisezeit
Aus Deutschland fliegst du am einfachsten nach Neapel und nimmst von dort den Zug: Der Flughafen ist per Alibus mit dem Hauptbahnhof verbunden, die Fahrt nach Salerno dauert je nach Zug etwa 30 bis 60 Minuten. Mit der Bahn geht es über Rom, von wo Frecciarossa und Italo in rund zwei Stunden durchfahren. Mit dem Auto sind es von München etwa 1.300 Kilometer über Brenner, Bologna und A1, ab Neapel führt die A3 direkt nach Salerno. Der kleine Flughafen Salerno Costa d'Amalfi bei Pontecagnano wird seit 2024 wieder im Linienverkehr bedient, sein Streckennetz wechselt aber saisonal.
Aus Österreich sind es von Wien rund 1.200 Kilometer über Tarvis und die Adria-Autobahn, von Innsbruck über den Brenner etwa 900. Direktflüge nach Neapel gibt es ab Wien ganzjährig, ab Salzburg und Innsbruck überwiegend saisonal. Per Bahn fährst du nach Rom und steigst dort in den Hochgeschwindigkeitszug um.
Aus der Schweiz führt der Weg über Gotthard oder San Bernardino nach Mailand und weiter über die A1: Von Zürich sind es rund 1.100 Kilometer, von Genf etwa 1.200. Mailand ist ab Zürich per Bahn in gut drei Stunden erreichbar, von dort fahren Hochgeschwindigkeitszüge über Bologna, Florenz, Rom und Neapel bis Salerno. Ab Zürich, Genf und Basel bestehen Flugverbindungen nach Neapel.
Die beste Reisezeit sind Frühjahr und Herbst. Zwischen April und Juni sind die Temperaturen angenehm und die Fähren fahren bereits, im September und Oktober ist das Meer noch warm und die Preise fallen. Der Hochsommer bringt Hitze um 30 Grad, volle Strände und stehenden Verkehr auf der Küstenstraße. Der Winter ist ruhig und regnerisch, viele Betriebe an der Amalfiküste schließen; in Salerno selbst sorgen die Luci d'Artista für eine zweite Saison.
























